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Wahrſcheinlichkeiten, Beſorgniſſe und Hoffnungen aus. Als er zu Ende war, ſah der Doctor ihn über ſeine Brille an und fragte ganz einfach:
„Iſt das Alles?“
Dudley Venner ſenkte darauf die Augen, ohne ein einziges Wort zu erwidern.
Es war in der That nicht Alles. Er bewahrte im Grunde ſeiner Seele eine Ueberzeugung, die er offen aus⸗ zuſprechen ſich nicht entſchließen konnte.
Nur eine Tochter zu haben und um dieſen Preis! War das möglich? Konnte die Vorſehung ſich ſo grauſam zeigen? Nein, nein und tauſendmal nein! Es war nur eine vorübergehende Krankheit. Sie mußte geneſen, weun ſie ſich entwickelte. Ihre Augen mußten den unerträglichen Glanz verlieren, und jenes kaum noch bemerkbare Zeichen mußte ganz verſchwinden.— War es nicht ſchon jetzt min⸗ der deutlich?
Beinah drei Jahre waren ſeitdem verfloſſen, und Dud⸗ ley Venner gab ſich dem Glauben hin, den viele Menſchen theilen, daß mit ſieben Jahren der menſchliche Körper ſich ſtets in allen ſeinen Theilen erneuere. Nach dreimal
ſieben Jahren, ſagte er ſich, würde ſeine Tochter,—
wenn ſie bis dahin noch lebe,— von dem Uebel be⸗ freit und den Neigungen ihres Geſchlechts zurückgegeben ſein.*
Als er die Frage bei ſich ſelbſt ſo gelöſt hatte, war⸗
tete er.
Man wird leicht begreifen, daß bei ſolchen Gedanken
Dudley Venner der Anweſenheit ſeines Neffen und dem vertrauten Umgange des jungen Mannes mit Elſie keine große Wichtigkeit beilegte..
Dudley lebte ausſchließlich ſeinen Büchern. Er ſah die Dinge daher nicht mit denſelben Augen an wie ein Mann, der in der Welt lebt, ſonſt würde er argwöhniſcher, minder nachſichtig geweſen ſein und mit größerer Sorgfalt nach der Verwendung geforſcht haben, welche Richard von den
Zeitung.
acht Jahren gemacht hatte, ſeit er ſeinen Oheim verließ, und überdies— der junge Mann ſollte in Elſie verliebt ſein? Er ſollte daran denken, ſie zu heirathen?— Ach, wer hätte denn an eine ſolche Heirath zu denken gewagt!
Beweggründe gemeinen Eigennutzes ſetzte Dudley
Venner nie bei Andern voraus, da er ſie für ſich ſ mals gekannt hatte. Dick wurde dennoch für den Augenblick durch einen
doppelten Stachel gemartert. über die er im Irrthum ſein konnte, und ſein ſehr gewiſſer Ehrgeiz wurde zugleich durch das Begegnen gereizt, welches ihm den Ausdruck entriß, den Abel Stebbins dem Doctor mittheilte.
Dieſer ſpaniſche Fluch ſagt in gewöhnlicher Sprache ungefähr Folgendes:
Wiel meine Couſine, eine Venner, edel, reich und ſchön, wie ſie iſt, ſollte ſich in ein Schulmeiſterlein ver⸗ lieben? Und das, während ich in ihrer Nähe bin, auf alle ihre Blicke achte, ihre geringſten Launen erforſche? Ha, wenn ſie daran dächte und er auch, ſo wäre das un⸗ verſtändig von ihnen! Er ſollte im Falle der Noth er⸗ fahren, daß es nicht gut iſt, mir in den Weg zu kommen!
in ihren Launen wechſelnder als bisher, eigenſinnig, bald finſter und ſchweigſam, bald durch ein einziges Wort, die einfachſte Bewegung verletzt und dann ihn mit ihren Augen anblickend, die ihm das Blut in den Adern ſtarren machten.
Im Ganzen duldete ſie ihn und ſchien zuweilen ſogar Vergnügen daran zu finden, ihren geheimnißvollen Einfluß auf ihn auszuüben.
Er bemerkte dies bald und ſchmeichelte ihr dadurch, daß er ſich ſtellte, als ſei er von ihrem Zauber ergriffen.
Zu andern Zeiten aber fühlte er ſich in ſeiner eignen V Schlinge und fragte ſich:„Soll ich denn wirklich bezau⸗ bert ſein?“ Er begriff nichts von der Wirkung dieſes
Feuilleton.
— e
Das unvermeidliche Rleidungsſtück.
Wir werden nach und nach immer mehr mit der ſkandinavi⸗ ſchen Literatur bekannt gemacht und zwar mit Recht, da es eine nächſte Verwandte von uns iſt. So bietet man uns jetzt auch die Werke Sturzenbecker’s, des friſchbelebten Schweden, dar. Wir
kommen auf dieſe Erſcheinung zurück und theilen einſtweilen, um
den Geiſt und Standpunkt des ſchwediſchen„Feuilletons“ zu be⸗ zeichnen, einen charakteriſtiſchen Artikel jenes Autors über die „Crinoline“ mit. Es heißt da: Tegnér hat freilich geſagt: Altes kann nicht ewig dauern, Abgenutzte alte Lehre Wird nicht ewig wiederholt, aber man ſollte dies„eum grano salis“ verſtehen. Es gibt manches Alte, welches das Privilegium zu haben ſcheint, in hohem Grade ewig zu dauern, oder doch mit längern oder kürzern Zwi⸗ ſchenräumen immer wiederholt zu werden. Dahin gehört die Monarchie und der Reifrock. Vor einigen Jahren hatten wir einen ſchönen Traum. Es
dämmerte wie eine allgemeine, durchgreifende Umwälzung in der ganz neue Frauenkleidung zu ſchaffen,
Kleidung der Frauen. Während der Socialismus in Paris neue Kämpfe vorbereitete, während der Demokratenbund in Italien Tag und Nacht in den Laufgräben arbeitete, während Koſſuth in Eng⸗ land überall die Flammen zu ſchüren ſuchte und Profeſſor Palm⸗ blad in Upſala ſchweißtriefend die ganze Fyrisau darüber auszu⸗ gießen ſuchte,— ſchlich ſich von Nordamerika eine andere, viel unſchuldigere Revolution zu uns herüber, und erfaßte das Ge⸗ ſchlecht, welches nach Dr. Wieſelgren's feinem Ausſpruche„nicht auf dem Rathhauſe erſcheinen darf“, aber welches nichtsdeſtoweni⸗ ger den feſten Entſchluß gefaßt zu haben ſcheint, auch außerhalb des Boudoirs, der Kinderſtube und der Küche eine Rolle zu ſpie⸗ len— und zwar mit Jenny Lind, Ida Hahn⸗Hahn, Lola Montez und Fredrika Bremer an der Spitze.— 1 An der Spitze dieſer Revolution ſtand Miß Bloomer, eine Seelenverwandte der Jungfrau von Orleans, eine würdige Toch⸗ ter der großen nordamerikaniſchen Republik, ein Weib, welches Mann zu ſein verdient hätte, wenn es nicht richtiger wäre den Satz umzuwenden und zu ſagen, daß mancher Mann ſtolz ſein würde, den Muth dieſes Weibes zu beſitzen! Dieſe unvergleich⸗ liche Miß war es, welche den großartigen Gedanken hatte, eine und daneben den feſten
Seine ſogenannte Liebe
Eifriger als je um ſeine Couſine bemüht, fand er ſie
wie hin Fen Will wohn Sie (ina Schn lebe Frei der
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ſtand tritt klar,
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