Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
709
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Nr. 45.]

ſammenhangs darzuſtellen, ſo haben ſie doch bewieſen, daß ein ſolcher Zuſammenhang zwiſchen der phyſiſchen Organi⸗ ſation und dem Geiſte, d. h. dem Charakter ſtattfindet.

Ich weiß nicht, welchen praktiſchen Schluß Sie aus allem dieſem ziehen werden, aber meine Regel iſt: Man behandelt den Boshaften, alsober krank wäre.

Er iſt es moraliſch. Die Vernuuft, dieſe Nahrung der geſunden Seelen, iſt ein Nahrungsmittel, an das er ſich nicht gewöhnen kann, das er ſogar zu Anfang nicht erträgt und das man ihm mit der größten Vorſicht bei⸗ bringen muß.

Vermeiden Sie jede heftige Erſchütterung, vermeiden Sie jede Aufwallung, welche den Arzt in gleiche Höhe mit dem Kranken ſtellen würde. Knebeln Sie den Letztern, wenn es ſein muß, um ihn daran zu hindern, zu ſchaden, ber wenn Sie ihn an Händen und Füßen gebunden haben, ſo betrachten Sie ihn mit barmherzigen Augen, indem Sie ſich daran erinnern, daß neunzehn Zwanzigſtel ſeiner Ver⸗ derbtheiten wahrſcheinlich von äußern Einflüſſen herrühren, von einem Großvater, der ein Trunkenbold war, von einer Kindheit, welche ihn Mißbräuche lehrte, von ſchlechten Verbindungen, vor denen ein glücklicher Zufall Sie be⸗ wahrte.

Was halten Sie von meinem Syſtem? Iſt es auf irgend einen der beſondern Fälle anwendbar, die zu Ihrer Kenntniß gelangt ſind?

VIII.

Mit dieſem Briefe ſuchte Bernhard den Doctor auf, mit dem er dieſe Gegenſtände ſchon beſprochen hatte; allein der Doctor war kein Gelehrter. Er beſaß keine Bücher, der die, welche er beſaß, ruhten friedlich in ſeiner Biblio⸗ ihek. Am Lager ſeiner Kranken ſtudirte er ſeine Kunſt, und von ſeinem Gedächtniſſe verlangte er in ſchwierigen Fällen Rath. Seine Patienten befanden ſich dabei nicht ſchlecht, denn er kannte ſie und ihre Familien, ihre Tem⸗

Dritte Folge.

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peramente, ihre Gewohnheiten gründlich. Er ſagte ſehr richtig:Dieſer wird ſterben, ohne daß man weiß woran, dieſes Jahr wird das Fieber gefährlich ſein, wir werden Mühe haben, uns gegen die Ruhr zu bewahren. Und nie trogen dieſe Erwartungen.

Bernhard, welcher dieſe ſo ſichere Erfahrung, dieſe ſo unfehlbare Logik zu würdigen wußte, ſtellte ihm, ohne irgend eine redneriſche Vorſicht, die Frage:

Kennen Sie gründlich Alles, was die Familie Ven⸗ ner betrifft?

Der Doctor erhob den Kopf und betrachtete über ſeine Brille hinweg den jungen Mann, der ihn ſo fragte.

Ich kenne, entgegnete er dann,alle Familien der Stadt und der Umgegend.

Miß Venner gehört zu unſern Schülerinnen.

Ich weiß es. Lernt ſie gut?

Ganz gut, aber ſie ſetzt mich in Verlegenheit. Es gibt Tage, an welchen ich glaube, daß ſie ein weuig geiſteskrank iſt. Ihr Vater iſt, wie mir ſcheint, ein Mann von kräftigem Verſtande. Welche Art von Frau war ihre Mutter?

Ihre Mutter? Sie war reizend, ſagte der Doc⸗ tor, indem er aufhörte, Bernhard ſo ſtarr wie bisher zu betrachten, und ſeiner Bruſt einen langen Seufzer ent⸗ ſchlüpfen ließ.Was haben Sie denn bei Elſie Venner bemerkt? fragte derſelbe.

O, vielerlei ihre Abſonderung von ihren Gefähr⸗ tinnen, den ſichtbaren Einfluß, welchen ſie auf die Ober⸗ lehrerin ausübt, ein armes Geſchöpf, welches die Arbeit aufgerieben hat, und die ſie ohne Zweifel tödten wird. Kurz, Doctor, ich denke mir, daß Miß Venner in frühern Zeiten in Gefahr geſchwebt hätte, verbrannt zu werden. Glauben Sie an denböſen Blick?

Herr Langdon, entgegnete der Doctor mit einer ge⸗ wiſſen Feierlichkeit,es gibt über Elſie Venner merkwür⸗

dige Dinge mitzutheilen, einige derſelben ſind ohne Zweifel

erſt ganz kürzlich von dem Joche der franzöſiſchen Beſatzung be⸗ fleit worden war, und noch vor den kaiſerlichen Präfecten und

Gensd'armen, auf die man in allen Nichtungen ſtieß, zitterte,

murde von der Verwaltung Friedrich Wilhelm's III. nur nominell, in der Wirklichkeit aber weit mehr unter dem Einfluſſe der Mili⸗ ſärmacht als der Juſtiz regiert. In Folge deſſen kam die Nach⸗ ticht von dem Verſchwinden des Herrn Bathurſt erſt nach Verlauf don mehreren Wochen durch den Courier Krauſe n dem es gelungen war, ſchiffen.

Herr Bathurſt, der dritte Sohn des Biſchofs von Norwich, hätte in England ſeine junge Gattin, die älteſte Tochter von Sir John Call aus dem Hauſe Whiteford, und zwei Kinder zurückge⸗

Hamburg zu erreichen und ſich dort einzu⸗

Rückkehr ungeduldig erwarteten und über die unbeſtimmte Ver⸗ aängerung ſeiner Abweſenheit ſich ſehr betrübten. Als er im Frühjahr 1809 von ſeinem Verwandten, dem Lord Bathurſt, der ſeitweilig mit dem Portefeuille des Auswärtigen betraut war, nach Wien geſchickt wurde, glaubte man, die Dauer ſeiner Reiſe nerde ſich höchſtens auf 3 oder 4 Monate ausdehnen. Napoleon aber Oeſterreich mit Krieg überzogen, und der junge bri⸗ 4 iſche Geſandte ſah ſich geswungen, ſeine Abreiſe von Tag zu Tag verſchieben, was ihm ſehr unlieb war, wie ſich dies in den Sriefen, die er häufig an ſeine Familie ſchrieb, deutlich an den

tag legte. In dem letzten dieſer im Juli 1809 geſchriebenen Hriefe meldete er, daß in Folge der fortwährenden Siege Frank⸗

eſchs ſeine Lage ſehr gefährlich würde. Lagram, welche die vollſtändige Zu ſchen Monarchie nach ſi

Nach der Schlacht von grunderichtung der öſterreichi⸗ ch zog, war es klar, daß ſein fernerer Auf⸗

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ach England,

enthalt in Wien unmöglich war, und ſeine Familie ſah daher jeden Tag ſeiner Ankunft entgegen.

In dieſer Erwartung verfloſſen die Monate September, October und November, ohne daß man von ihm reden hörte. Madame Bathurſt hatte ihre Wohnung in dem Hauſe ihres Schwiegervaters genommen, um Nachrichten von ihrem Gatten um ſo beſſer erhalten zu können, und wenn die Familie des Abends um den Kamin vereinigt ſaß, ſo füllte jedes Klopfen an die Hausthür ihre Herzen mit der Hoffnung, jetzt werde der ſo ſehnlich Erwartete endlich eintreten. Endlich empfing der Biſchof von Norwich im Monat December eines Abends die Botſchaft von Lord Wellesley, daß er ſich ſofort nach Aspley⸗Houſe begeben

Soh e ord, we zurückge⸗ möge, um eine wichtige Mittheilung zu empfangen, die Seine (ſſen, welche mit den andern Mitgliedern ſeiner Familie ſeine

Lordſchaft ihm zu machen habe. Die Beſorgniß der Familie ſtieg dadurch auf den höchſten Punkt, und es war beinahe für Alle eine Erleichterung, als der Biſchof bei ſeiner Rückkehr ihnen mittheilte, aus den der Regierung zugegangenat Nachriaten ergebe es ſich, daß ſein Sohn Benjamin in Perleberg in Preußen plötzlich ver⸗ ſchwunden ſei. In dieſer Nachricht fand ſich eine Anzeige und faſt ein Hoffnungsſtrahl, denen ſich die Familie und ganz beſon⸗ ders die heroiſche Gattin des Herrn Bathurſt ganz hingaben. Madame Bathurſt beſchloß auf der Stelle, ſich nach Deutſch⸗ land zu begeben und dort, trotz aller Schwierigkeiten, womöglich ſelbſt zu entdecken, was aus ihrem Gatten geworden ſei. Alle Bemerkungen ihrer Famillie, welche ſich die außerordentliche Ge⸗ fahr und beinah gewiſſe Nutzloſigkeit der Unternehmung nicht verhehlen konnte, vermochten ſie nicht, die Vorbereitungen für ihre Reiſe unterbrechen zu laſſen, und nicht ohne Mühe konnte man ſie zu dem Entſchluſſe bringen, die Mitwirkung eines Freundes an⸗