Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
698
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698 Uovellen-Zeitung.

lief. Dies iſt die gewöhnliche Waffe der Klapperſchlan⸗ genjäger. Er kannte die Höhle ſchon in ſofern, als er aus der Ferne ihre kahlen Wände erblickt hatte, die durch ihre Nacktheit gegen die waldigen Seiten desBerges abſta⸗ chen. Allein er hatte den Anblick der gänzlichen Verödung nicht erwartet, der ſich ſeinen Blicken bot, als er dahin ge⸗ langt war.

Die Felſen, die beſtändig durch das Waſſer des Him⸗ mels beſpült wurden, ſchienen Tauſende von Jahren hin⸗ durch unterwühlt worden zu ſein. Hier und dort hingen ſie über ihren Fuß vor und glichen Thürmen, die beim erſten Donuerſchlage niederſtürzen müſſen. An andern Orten waren ſie von Spalten durchriſſen, von Höhlen durchfurcht. Anderwärts fand man tiefe Schluchten, breit genug, um hinabſteigen zu können, wenn man nicht auf den Empfang achtete, den man höchſt wahrſcheinlich bei den gewöhnlichen Bewohunern der Tiefe finden mußte.

Die Blumen, welche Langdon ſuchte, zeigten ſich ihm endlich. Er ſah ſie in Büſcheln auf einer Art von Brü⸗ ſtung ſtehen, einer beinahe ſenkrechten Felſenmauer. War es denn möglich, daß Miß Venner? Und dennoch wa⸗ ren dieſe Blumen hier zu finden und nirgends anders, und er erkaunte genau die Blume, die er in ſeinem Virgil ge⸗ funden hatte. Unwillkürlich ſuchte er daher, auch zu ſeinen Füßen, ringsumher nach allen Seiten, ober nicht irgend eines der kaum bemerkbaren Zeichen finden könnte, welche die leichte Toilette der Damen ſo oft hinterläßt. Nein, Nichts..

Und dennoch! Da lag ein Kieſel, von dem das Moos heruntergeriſſen war. Ein menſchlicher Fuß mußte ſich auf deuſelben gedrückt haben. Da in dem Gebüſch war ein Zweig unläugſt abgebrochen.

Bei der Verfolgung dieſer Anzeichen bog Langdon um eine Felsecke und erblickte ſich auf einer natürlichen Fläche, gegenüber eine der breiteſten Spalten, die er bis hierher getroffen hatte. Das konnte der Eingang einer Grotte

[VIII. Jahrg.

ſein, aber auch ganz einfach ein bloßer Felsſpalt. Es lag hier ein flacher Stein, eine Art natürlicher Bank, die ganz von ſelbſt zur Ruhe einlud, denn unſer Freund Bernhard fing an, müde zu werden. Als er ſaß, blickte er unwill⸗ kürlich auf das, was er vor Augen hatte. Er hob ein Stück Schiefer auf und ſchleuderte es fort, wie zum Zeit⸗ vertreib. Er ſuchte nach einer Pflanze, nach einer Knospe, die er pflücken und zerhauen konnte, wie dies eine Gewohn⸗ heit von ihm war. Seine Hand, die neben ihm am Bo⸗ den umherſuchte, erfaßte einen Gegenſtand, es mußte irgend ein Stiel ſein. Er hob den kleinen Gegenſtand auf, es war eine Haarnadel.

Beruhard war beinahe ebenſo ergriffen durch dieſes flüchtige Anzeichen, wie Robinſon, als er im Sande ſeiner Inſel die Spuren eines menſchlichen Fußes erblickte. Er ſtand augenblicklich auf und ſuchte nach auderen Anzeichen derſelben Art.

Werde ich endlich die Höhle der Fee finden? fragte er ſich.Sollte es eine Einſiedlerzelle mit einem Granit⸗ ſitze und einem Todtenkopfe ſein, oder irgend ein anmuthig geordnetes Boudoir, verziert mit Spiegeln, ein Tigerfell in der Mitte ausgebreitet? Wir wollen ſehen, wir wollen ſehen!

Ganz belebt durch dieſe Gedanken trat er bis zu dem Eingang der Höhle, in die er ſeinen neugierigen Blick ſandte.

Dieſem Blick antwortete der von zwei Diamantaugen, oder vielmehr der von zwei kalten Sternen, zwei leuchten⸗ den und ſich in der Dunkelheit bewegenden Punkten, die ſich langſam dem Tage näherten, d. h. alſo ihm, Langdon ſelbſt. An den Boden genagelt, verſtummt, ſeine weit aufgeriſ⸗ ſenen Augen auf dieſe blendenden, phosphorſprühenden Punkte geheftet, erſtarrt durch eine plötzliche Kälte, die ihn hinderte, ſich zu bewegen, beherrſcht durch das nieder⸗ ſchmetternde Entſetzen, von dem die Träume, welche das Alpdrücken begleiten, allein einen Begriff geben können,

bei, daß ſie ſämmtlich reich an Gold ſind und ihre Eigenthümer

zu reichen Leuten machen werden. Der gute Grund in Cunning⸗

ham's, Steels und Abbot's Claims iſt buchſtäblich tief mit Gold bedeckt, und wenn ſie bearbeitet werden, ſo beträgt die Goldernte täglich viele 40, 50, ja 60 Pfd.

Am 15. Juli ſagte der British Colonist of Vietoria:Ein Brief kam hier von Steel, dem bekannten Eigenthümer von Claims am Williams Creek, an, worin er meldet, daß die Goldfelder einen reichern Ertrag als je liefern. Wir nahmen vor einer Woche letzten Sonnabend aus dem Cunningham⸗Claim 568 Unzen, oder für 9083 Dollars Gold.

In Antler Creek, ebenfalls ein reiches Goldlager, 12 Meilen von Williams weiter, waren Goldgräber beſchäftigt, doch mit ſehr verſchiedenem Erfolg; manche gewannen im Juni täglich ein bis drei Unzen, Andere mehr und Einige auch weniger.

Am 20. Juni erntete die 6 Mann ſtarke Lyon's Company 80 Unzen. Goldhügel ſind in andern Gegenden des Cariboolan⸗ des entdeckt worden, und ihre Wichtigkeit kann nicht überſchätzt werden, weil ſie fortdauernd, ſelbſt während des Winters bear⸗ beitet werden können, was bei den Goldfeldern in der Ebene nicht der Fall iſt.

Aus andern Quellen als die erwähnten meldet man, daß die Goldernte am Antler Creek täglich 20 bis 100 Dollars per Mann betrage. In andern Orten, wie Lightning, Van Winkle, Chis⸗ holm, Jack of Clubs, Laſt Chance, Keith legs, Lowhee Creeks, erntete der Arbeiter täglich während der erſten ſechs Wochen in der diesjährigen Saiſon von 2 bis 200 Dollars..

F. Laumeiſter, der ſich mit Goldſuchen beſchäftigt, verließ Lightning Creek am 13. Juli und kam am 28. Juli in Victoria

an, wo er in dem British Colonist vom 28. Juli Folgendes ver⸗ öffentlichte:. Am Creek ſind 1500 bis 1800 Leute. Erſt eine Geſell⸗ ſchaft iſt an der Arbeit, und ſie erntete in einer Woche 58 Pfd. 7 Unzen(für 11,000 Dollars) Gold, und man betrachtete das als einen armſeligen Gewinn. John Donald und ſeine Geſellſchaft gewannen aus einer Pfanne voll Erde 69 Unzen Gold. Das iſt enorm, denn die Pfanne eines Goldſuchers wird nicht mehr hal⸗ ten, als ein gewöhnliches Waſchbecken, ſo daß alſo dieſe Pfanne mit 69 Unzen Goldſtaub mehr Gold als Kieſelerde enthalten mußte.. An andern Creeks und Orten, zuſammenacht, berichtet er über den Ertrag und die Ausſichten in folgender Weiſe:4 bis 5 Unzen täglich per Mannreichen Ertrag25 30 Doll. nach einer oberflächlichen Unterſuchungein Creek zeigte ſich als ein Irr⸗ thumſah eine Menge zu Grunde gerichtete Leute. Schließlich ſpricht er indeſſen die Meinung aus, daß das Land das reichſte iſt, das er je geſehen hat. Während des ganzen erſten Theils der Saiſon waren Lebensmittel ſelten und theuer. Der Unterhalt eines Mannes, wenn er ſich ſeine Speiſen ſelbſt kochte, kam täglich auf? Dollars zu ſtehen, auf3 Doll., wenn er ſich in einem Speiſe⸗ hauſe beköſtigen ließ. In dem Briefe eines Mannes aus Victoria wird ein merk⸗ würdiges Beiſpiel des Wechſels in dem Leben der Goldgräber mitgetheilt. Der Miteigenthümer eines Claims ſchreibt:Sie

je ſa j 3.-, 31 ſch ſ. t d. h. die ſämmtlichen Beſitzer des Claims,fühlen ſich ſehr gebeugt, denn ſie haben 44 Tage gearbeitet und nur für 30 Dollars Gold gefunden. Das war am 8. Juli geſchrieben. Zwei Tage ſpäten am 10. Juli, öffnet er den Brief nochmals, um ſeinem Freunde in

Am Sell bung ſteht. das aus Beil keit