Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
695
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Nr. 44.)

den auf ſich

Rio Mendoza vorzuziehen. Was den Reichthum Dudley Buenos⸗Ahres

Venner's betrifft, ſo mußte derſelbe jedenfalls einen jungen Mann lüſtern machen, der den Luxus liebt und, Dank den Monte⸗Tiſchen, ein vortrefflicher Rechner geworden war.

Elſie und ihr Vater betrachteten die Frage nicht ganz

ꝛGefrornes aus dieſem praktiſchen Geſichtspunkte. Ihr Hausweſen Woche ſpäter war nicht das heiterſte von der Welt. Dick brachte Re⸗ ein, ohne an gung und nicht Freude hinein und Geſchichten aus einer

unen oder ren Gür⸗ ewiſſe Anzahl

andern Welt, die eine frühere Vertraulichkeit annehmbar machen. Er war ein ausgezeichneter Billardſpieler und bot ſeinem Oheim, den er von Zeit zu Zeit gewinnen ließ, auf geſchickte Weiſe die Spitze. Seine ganz frühere Hef⸗ tigkeit, ſein lärmendes Aufbrauſen, ſein wildes Geſchrei hatten einem gewiſſen ritterlichen Ernſt Platz gemacht. Er

eman deuken Oheim und

ſciedenartigen mäßigte ſeinen Blick und ſeine Worte, beſonders wenn er ählen würde, mit Elſie ſprach, die er ganz entſchieden nach ſeinem Ge⸗ ſchmack gefunden hatte, wobei die Ausſteuer wahr⸗ aekehrt, ſeines ſcheinlich ein wenig mitwirkte, ſowie auch in Etwas die che und ſainer Erinnerungen der Kindheit, die einen ſo mächtigen Einfluß er durch auf die Einbildungskraft üben. mlichen Ge Der Teufel verlor im Grunde Nichts dabei, und nach⸗ lange lebte dem Richard Veuner einige Stunden damit zugebracht Aameilem hatte, vernünftig mit ſeinem Oheim über den Werth des n Beſitzungen Bodens, das Erträgniß der Wälder und Wieſen zu ſpre⸗ e wetthvol chen, und daun ſeine Couſine einige Stunden durch ſeine

Schilderungen von dem Leben, welches man bei dem

glich auch 7

git uf Gaucho führt, entzückt hatte, eilte er am Abend nach den hnand als Ställen, um ſeiner lange unterdrückten Natur freien Lauf in ach vin 1 zu laſſen. Er ſelbſt deun er allein konnte dies

legte dem Rücken des Muſtang, trotz des Beißens und Ausſchlagens deſſelben, den rohen ſpaniſchen Sattel auf; er ſprang dann auf den Rücken des widerſpenſtigen Thieres, und als er außer Sicht war, drückte er ihm ſeine langen Sporen ein und trieb es zu einem unſinnigen Galopp an,

, nach Roc einander zun ich zu gleicen tnach der A den hübſcheſte

Dritte Folge.

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Schaumflecken getigert war und die Stahlſporen ſich mit Blut gefärbt hatten.

Roß und Reiter, beide gleich ermüdet, kehrten darauf friedlich, mit ganz geſetztem Weſen, nach Hauſe zurück. Man hätte glauben können, einen Biſchof auf ſeinem ge⸗ duldigen Thiere zu erblicken.

Nach einigen Wochen dieſes monotonen Lebens em⸗ pfand der ungeſtüme Buenos⸗Ayrier die Verſuchung, etwas Dramatiſches und Neues hineinzubringen. Elſie erſchien ihm mehr und mehr verführeriſch; er mußte, wie er dachte, den Feldzug gegen ſie beginnen.

Eines Tages befanden der Couſin und die Couſine ſich allein miteinander. Elſie hatte um den Hals ihre gewun⸗ dene Kette, die ſie nur ſelten ablegte, nie, wie gewiſſe nicht ſehr wohlwollende Leute behaupteten. Die jungen Männer ſind oft neugierig nach den Schmuckgegenſtänden, die ſchöne Perſonen des andern Geſchlechtes um den Hals, an den Ohren, an den Armen tragen. Dick empfand plötzlich das leidenſchaftliche Verlangen, in der Nähe dieſe merkwürdige Kette zu betrachten, und nach einigen vorbe⸗ reitenden Fragen wagte er es, ſich gegen Elſie vorzubeu⸗ gen, die Hände ausgeſtreckt gegen den Hals, um den die Kette ſich ſchlang.

Sie bog ſogleich den Kopf zurück, ihre Augen zogen ſich zuſammen, und ihre Stirn verſchwand ſo, daß Dick glaubte, den Kopf ſelbſt ſich verflachen zu ſehen.

Unwillkürlich erbebend, erinnerte er ſich daran, wie er eines Tages, als ſie noch ein kleines Mädchen war, den grauſamen Druck ihrer blendenden Zähne gefühlt hatte; er erinnerte ſich an den bräunlichen Stift, mit welchem der Doctor über die beiden Wunden hingeſtrichen hatte, der einen Eindruck machte, wie von dem in Feuer gerötheten Eiſen.

Er bedurfte mehr als eines der heftigen Ritte, um ſich von dieſer Aufregung zu erholen, und indem er einen Ge⸗

lfern de den er verlängerte, bis der ſchwarze Renner mit weißen ſchäftsbrief vorſchützte, entfernte er ſich, um einige Tage in

den Ufern des

Temperament der perſiſchenKhanum der Grauſamkeit einer wil⸗ Doch Teppiche, Vorhänge, Polſter, Shawls und Damen triefen lſebenslängli ſ f

den Beſtie nichts nachgibt.

Keine grimmigern Amazonen, als dieſe abgelebten, geſchmink⸗ ten Orientalinnen! Einer meiner Bekannten, dem eine Summe Geldes abhanden gekommen war, hatte ſeine armeniſche Haushäl⸗ terin in Verdacht, ihm dieſelbe entwendet zu haben. Er beging die Unvorſichtigkeit, ſie darauf anzureden. Wie er folgenden Morgens ein Frühſtück einnahm, traf ſeltſamer Lärm ſein Ohr, der aus einem Raum des andern Flügels des Hauſes herzurühren ſchien. Er ging das Ding zu unterſuchen. Die Armenierin, rachdem ſie den eigentlichen Dieb entdeckt, hatte dieſen mit Hülfe einiger Freundinnen in ein Zimmer gelockt, darauf hatten ſie ihn zu Boden geworfen, ihn durch ein Sperrholz am Hülferufen ge⸗

hindert, ihn wie ein Huhn an Armen und Beinen zuſammenge⸗ bunden und zwickten ihm nun mit Kneipzangen, die ſie in einer mit Holzkohlen angefüllten Pfanne glühend machten, Stückchen Fleiſch aus ſeinem Körper. Als mein Freund eintrat, waren ſiie damit im vollen Gange und würden ohne deſſen Da⸗ dwiſchenkunft zweifelsohne das Geſtändniß ſeiner That erpreßt haben. In den Gemächern der Frauen herrſcht meiſtens entſetlicher Schmutz, wie nicht zu ſagende Unordnung. Das prächtige Por⸗ cellan, die geſchliffenen Glaswaaren, die vergoldeten Kabonets, die mit Juwelen eingeſetzten Pfeifen, ſämmtliche Speiſen und Ge⸗ ränke, Zuckerwerk, Sorbet, Kaffee, Thee, Alles iſt gleich beſudelt. DieAnderuns ſind nur ſpärlich mit Mobiliar ausgeſtattet, mit Ausnahme von Teppichen, Polſtern und unzähligen Spiegeln von hlechteſter Qualität. Die Wände und Decken der Zimmer ſind meiſtens hübſch gemalt und gewähren einen lachenden Anblick.

dermaßen 1

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von Schmutz. Selbſt Zahnbürſten ſcheinen böhmiſche Dörfer, obgleich die Weiber herbeKabobs und Zwiebeln die Menge zu ſich nehmen.

Es herrſcht in Teheran ſelbſt bei Damen höchſten Ranges große Sittenfreiheit. Der Beſuche der Damen untereinander iſt kein Ende. Dieſelben treffen bereits gegen 78 Uhr Morgens ein und verweilen den ganzen Tag über, während deſſen ſie ſich, mit ihrem Staate und ihren Männern renommireud, mit Rauchen und Eſſen die Zeit vertreiben.

Oeffentliche Scandaloſa gehören zu den Seltenheiten. Iſt ein Gatte zu wißbegierig, mag er ſich auf Gift gefaßt machen; ſchwatzt ein Liebhaber aus der Schule, kann er ſich eines plötzlichen Todes verſehen. So ward vor nicht langer Zeit ein mächtiger Khan zu Täbris bei hellem Tage erdolcht, weil er mit einem Lie⸗ beshandel geprahlt hatte.

In Folge der faſt uneingeſchränkten Freiheit der perſiſchen Damen miſchen ſich dieſelben in jegliche Angelegenheit. Ohne ſie geſchieht nichts. Sie haben über die Maßen politiſchen Einfluß und vermittelſt der nichtswürdigen Sippſchaft der Hexen und Wahrſagerinnen, welche dieAnderuns umſchwirren, ſtürzen ſie Veſir wie Miniſter nach Belieben.

Menſchenleben wird in Perſien gering erachtet. Ein hinge⸗ richteter Verbrecher wird ungehindert auf dem Marktplatz paradi⸗ ren, um von Huaden zerriſſen zu werden. Mein Roß iſt nicht ſelten Angeſichts der geſpenſtigen Geſtalt geſtrauchelt und ſcheu geworden, der ſorgloſe Haufe jedoch, trotzdem daß den Einzelnen ſtündlich daſſelbe Schickſal ereilen kann, zieht ſcherzend und gleich⸗ gültig vorüber.