Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
692
Einzelbild herunterladen

Haus von einer Sclavenmutter geboren worden war, hatte aus reinem Inſtinct das Mädchen von deſſen zarteſter Kindheit an erforſcht, kannte ſie beſſer als irgend Je⸗ mand und verſtand es auch beſſer als irgend Jemand, ſie zur Annahme eines Rathes zu bewegen.

Die andern Dienſtboten fürchteten ſich vor ihrer jun⸗ gen Herrin. Bei einigen verrieth dieſe Furcht ſich durch Nervenanfälle. Niemand von ihnen, der einmal das Haus verlaſſen hatte, erkundigte ſich jemals wieder nach ihr. Eine ihrer Kammerfrauen, eine geborne Spanierin, die ſie in den Tänzen ihres Vaterlandes unterrichtet hatte, war ſo ziemlich die Einzige, für welche ſie einige Neigung offen⸗ barte.

Schon früh hatte Elſie die Aufmerkſamkeit durch die Sonderbarkeit ihres Weſens und ihrer Einfälle auf ſich gezogen. Eines Abends, als ſie noch nicht zwölf Jahr alt war, fand man ſie nicht. Man mußte denBerg durch⸗ ſuchen, und man entdeckte ſie endlich mit Tagesanbruch un⸗ ter einem Baume, unter welchem ſie, gleich einer Wilden, die Nacht zugebracht hatte. Oft ging ſie am Tage allein aus, duldete nicht, daß man ſie begleitete, und nach mehr⸗ ſtündigem Umherſchweifen kehrte ſie dann nach Hauſe zu⸗ rück, mit irgend einer Trophäe, Blumen, einem Vogelneſt, zuweilen ſogar mit andern minder harmloſen Eroberun⸗ gen, welche bewieſen, daß die Wildniß für ſie nicht unzu⸗ gänglich war, daß keine Furcht ſie an der Schwelle der am meiſten geſcheuten Einſamkeit zurückhielt.

Da ſie einmal vierundzwanzig Stunden lang ver⸗ ſchwunden geweſen war, ohne daß irgend eine Nachforſchung ſie zu finden vermochte, glaubte man, ſie hätte eine der verborgenen Höhlen aufgefunden und ſich dieſelbe zu ihren nächtlichen Ausflüchten augeeignet.

Barmherzige Leute waren auf den Gedanken gekommen, ſie als eine Tolle einſperren zu laſſen, allein der Doctor widerſetzte ſich dem entſchieden.

Er ſagte, man müßte ſie jenen Neigungen ſich hingeben

Uovellen-Zeitung.

laſſen, dieſelben ertragen, über ſie wachen, aber aus der Ferne und ohne ſie durch eine ungeſchickte Ueberwachung zum Aeußerſten zu bringen.

Ich will nicht ſagen, daß der Doctor Elſie liebte, aber ſie intereſſirte ihn im höchſten Grade.

Als er zu dem Haus kam, band er ſein Pferd an dem Thore an und ging die große Allee des Gartens hinauf. Plötzlich blieb er mit einer Art von Beben ſtehen. Ein ſonderbares Geräuſch hatte ſein Ohr getroffen; es war wie das Praſſeln einer Kinderklapper, ununterbrochen, aber nach beſtimmtem Takt ſich verſtärkend oder abnehmend. Er ſchlich auf den Fußſpitzen zu dem Fenſter, aus dem das Geräuſch zu ertönen ſchien.

Elſie war allein in ihrem Zimmer und tanzte einen jener moreskiſchen Faudangos, auf denen in Madrid oder Sevilla die glühenden Blicke eines Matadors voll Entzücken hängen bleiben.

Vor dem Schauſpiel, das ſich ihm bot, mußte er ver⸗ ſtummen.

Die Tanzluſt hatte ſie ohne Zweifel ergriffen, während ſie ſich entkleidete, denn ſie war im einfachen Schnürleib,

mit entblößten Armen, und ihr aufgelöſtes Haar fiel in

reichen Fluthen auf ihren geſtreiften Unterrock. Sie hatte zwei Caſtagnetten ergriffen, und während ſie ſie mit einer Art von Wuth erklingen ließ, wiegte ihr gewandter, leich⸗ ter, biegſamer Körper ſich hin und her wie der Stamm einer Palme unter dem Winde Afrikas. Ihre diamantnen Augen ſprühten blendende Blitze, ihr runder Arm bewegte ſich mit eigenthümlichen Zuckungen bis in die Spitzen ihrer feinen Finger.

In dieſem zügelloſen Tanze ſchien ſie irgend eine Lei⸗ denſchaft erſchöpfen zu wollen, vor der ſie Furcht empfand, denn ſie tanzte ſo lange, bis ſie plötzlich entkräftet und taumelnd in einer Ecke des Zimmers auf einer großen Ti⸗ gerhaut niederſank, auf der ſie mehr zuſammengerollt als ausgeſtreckt liegen blieb.

Feuilleton.

5en

Aus der Damenwelt Perſiens.

Unſere Leſer und beſonders die weiblichen Kreiſe derſelben

werden ſich erinnern, daß wir vor einiger Zeit über die ſehr komi⸗ ſche perſiſche Höflichkeit verſchiedene Seltſamkeiten mittheilten. Mögen ſich denſelben nachſtehende Thatſachen über das weibliche Geſchlecht anreihen.

Iſt in Perſien ein armer Mann im Beſitz einer hübſchen elf⸗ oder zwölfjährigen Tochter das Heirathsalter der perſiſchen Damen läßt der Kuppler es ſeine Sorge ſein einen Handel im Betreff ihrer zu Stande zu bringen. 3

Derſelbe, gemeiniglich ein Molla oder Prieſter, bietet etwa 2 400 Tomans(1 200 Pfd. St.), welche Summe als ein arti⸗ ger Preis für ein junges Mädchen erachtet wird. Nach abge⸗ ſchloſſenem Handel wird daſſelbe meiſtens das Weib irgend eines Khans reich genug ſich dergleichen Luxusartikel zu geſtatten und außerdem dem Kuppler ein hübſches Sümmchen für ſein Be⸗ mühen zu ſichern. Das Mädchen paſſirt meiſtentheils lediglich als Handelsartikel, ſo daß dieſelbe in den Rechnungsbüchern eines Perſers gleichen Rang mit dem prächtigen turkomaniſchen Ren⸗ ner oder einer engliſchen Büchſe einnehmen würde, nur daß letztere

zu verleihen.

beiden Artikel ungleich höher veranſchlagt werden als erſterer. Selten haben die Betheiligten vor dem Hochzeitstag einander ge⸗ ſehen, ſo daß die Lüftung des Schleiers entweder von wonniger Ueberraſchung oder fataler Täuſchung begleitet iſt.

Eine eben erſtandene perſiſche Beauté iſt ein drolliges Per⸗ ſönchen, für den etwaigen, jetzt eingetretenen Fall mit Reis und Zuckerwerk gemäſtet und elendiglich mit Schönheitsmitteln aller Art beſchmiert. Man bat Augenſalbe(Collyrium) ihr in die Augen geflößt, denſelben dunkle Farbe wie ſchmachtenden Aus⸗ druck, ferner ſie verlängert, ihnen einen mandelförmigen Schnitt Vermittelſt Indigo hat man ihr Haar kohlſchwarz oder vermittelſt einer Miſchung von Indigo und Henna(orienta⸗ liſche Färbepflanze) röthlichbraun gefärbt, je nach ihrem oder des Kupplers Geſchmacke, Ihre Augenbrauen ſind bepflaſtert und ſo dick bemalt, daß ſie aus einem großen Stücke engliſchen Pflaſters fabricirt zu ſein ſcheinen; ich ſage, aus einem großen Stück, weil ſie durch einen breiten ſich über der Naſe hinziehenden Strich mit⸗ einander verbunden ſind. Ihre Wangen ſind mit brennendem Roth bemalt, an jede derſelben ſchmiegt ſich eine blankgummirte Haarlocke in Form einer umgewendeten 6. Ihren Händen und Füßen, wie den Nägeln derſelben iſt vermittelſt Henna eine helle

[VIII. Jahrg. 1

Nr.

wie ſo, wenn Spr blich ihre ſich Mi die eine

beg. Erk beſtie Taal