Woche werde ich die Aufgaben dieſer Damen durchſehen. Ich will ſelbſt darauf achten, ob Miß Darley nicht noch irgend eine andere Arbeit abgenommen werden lann.“
„Das kann wohl geſchehen,“ erwiderte ruhig der ehren⸗ werthe Silas Peckham.„Nur muß ich Sie darauf auf⸗ merkſam machen, daß die Schulvorſteher daran denken, neue Erziehungszweige einzuführen, und daß Sie deßhalb auf einen Zuwachs der Arbeit gefaßt ſein müſſen.“
Statt aller Antwort richtete Bernhard auf die magere Geſtalt des Herrn Peckham einen Blick geringſchätziger Neugier. Nie war ein ſo uiedriges Geſchöpf ihm vor die Augen gekommen. Er fand in ihm die Probe einer ganz beſondern Gattung, etwas, das kennen zu lernen und zu ſtudiren ihm nützlich ſein konnte.
Ebenſowenig ſcharfſichtig als edelmüthig, fand der Ge⸗ genſtand dieſer gelehrten Erforſchung ſich ſehr geehrt durch die leichte Erhebung des Hutes, welche Bernhard Langdon ihm ſchuldig zu ſein glaubte, indem er ihm den Rücken wendete, nachdem er ihn hinlänglich betrachtet hatte.
(Fortſetzung folgt.)
Der Kanzler Pasguier.
(Schlub.)
Pasquier fügte das ſo traurig wahre Wort hinzu, daß man ſich an Alles gewöhnt, die Geächteten au's Sterben, die Heuker an's Todten, das Volk an's Zuſehen, und er erzählte dabei die folgende Geſchichte: Während der Schreckenszeit hatte er ſich mit ſeiner Gemahlin in ein klei⸗ nes Dorf in der Umgegend von Dammartin geflüchtet. Der Tüncher des Hauſes, bei dem er eine Zuflucht gefun⸗
Uoveilen-Zeitung.
[VIII. Jahrg. ———— der hatte, war ein ſehr braver Mann; Pasquier, der von ſeinen in Paris zurückgebliebenen Eltern keine Nachricht hatte, vertraute dieſem braven Manne einen Brief an. Er erfüllte den übernommenen Auftrag treu und kehrte nach Verlauf von vier Tagen mit einem Briefe meiner Mutter für mich zurück. Ich dankte ihm und fragte ihn gleichzeitig, was er während der vier Tage, die er in Paris zubrachte, gethan habe.
„Potz Tauſend!“ ſagte er zu mir,„anfangs hatte ich ziemlich lange Weile; ich traf aber dann einen früheren Cameraden, ver mich nach dem Revolutionsplatze führte, um dort den Hinrichtungen zuzuſehen; anfangs wird es Einem dabei übel, aber man gewöhnt ſich ſchnell daran; ich bin alle Tage dort geweſen, und es iſt ſehr intereſſant.“
„Wie!“ ſagte ich zu ihm,„fühlten Sie kein Mitleid mit dieſen Unglücklichen, als Sie die Köpfe derſelben fallen ſahen?“
„Ja, anfangs, aber ich habe Ihnen ſchon geſagt, daß man ſich ſchnell daran gewöhnt, und dann gab man mir die Verſicherung, es ſeien Feinde des Volkes!“
So ging derſelbe Mann, der dem geächteten Pasquier ſo treu diente, aus Neugierde hin, um die Köpfe anderer Geächteter fallen zu ſehen, war anfangs ein wenig dadurch beunruhigt, gewöhnte ſich dann daran und beruhigte ſein Gewiſſen durch die Worte der Leute, die ſich in der Nähe des Schaffots eingefunden hatten, daß diejeuigen, welche guillotinirt wurden, Feinde des Volkes ſeien. Mit der Neigung des Menſchen zur Aufregung, mit ſeiner Fähig⸗ keit, ſich an Alles zu gewöhnen, mit ſeiner Leichtgläubigkeit an große Worte und beſonders damit, was Pasquier ſo richtig„die ſeltſamen Schwingungen des in die Unruhe der Revolutionen geworfenen menſchlichen Geiſtes“ nannte, was kann man nicht damit den Menſchen Alles machen laſſen? was kann man nicht damit ihm erträglich machen?
Während der Schreckenszeit erörterte Niemand den Schrecken, weil Jedermann ihn fühlte. Er wurde nur von
daß gleichzeitig auch das Quantum des Tabaks zunimmt, das jeder Raucher jährlich in Rauch und Aſche verwandelt.
Da Frantreich jetzt 37,382,225 Einwohner zählt, von dem das ſchöne Geſchlecht die größere Hälfte bildet, ſo kann man an⸗ nehmen, daß die männliche Bevölkerung ohngefähr 18,500,000 Individuen beträgt. Die Kinder unter 15 Jahren betragen mehr als den dritten Theil, folglich beläuft ſich die Zahl der erwachſenen Mannsperſonen auf 12,000,000, und da nicht alle Fünfzehnjährige und viele Greiſe gar nicht rauchen, ſo mag es in Frankreich ohn⸗ gefähr 10,000,000 Raucher geben. Da dieſelben jährlich gegen 30 Millionen Kilogramm Tabak conſumiren, ſo kommt auf den Kopf durchſchnittlich 3 Kilogramm, was nach den jetzigen Preiſen eine Ausgabe von 30 Franken bedingt, welche ſich durch die Neben⸗ ausgaben für Pfeifen, Tabaksbeutel, Cigarrenſpitzen, Cigarren⸗ büchſen ꝛc. leicht bis zu 35% erhöhen mag, was etwas mehr als zwei Drittel der Ausgabe bildet, welche ein Menſch jährlich für das ihm nothwendige Brod zu machen hat, wozu für den Mund drei Hectolitres Weizen oder Roggen erforderlich ſind.
Es iſt ſicher ein ſehr beachtenswerthes Zuſammentreffen, daß in dem Zeitraume von 1851 bis 1861 der Tabakverbrauch ſelbſt in den Jahren zunahm, wo es dem Arbeiter theils wegen der Theu⸗ rung, theils wegen der Finanzkriſis ſchwer fiel, ſich das erforder⸗ liche Brod zu kaufen. Man hatte zu der Zeit öfters Gelegenheit
zu bemerken, daß der Arbeiter, wenn ihm nur ein Sou zu ſeiner Verfügung ſtand und Brod und Tabak ihm ausgegangen waren, in ſeiner Wahl, ob er ſich Brod oder Tabak kaufen ſollte, ſich ſchnell für den Tabak entſchied. Dagegen mögen die Phyſiologie und die Geſundheitspflege Manches einzuwenden habe, der Fiscus kann ſich um dieſe Erwägungen nicht kümmern. Der Fiscus
zwingt Niemanden zum Kaufe von Tabak, im Gegentheil erſchwert er ihn im hohen Grade. Die Zahl der Tabakverkäufer iſt gering, ein Tabakbureau iſt eine Begünſtigung, die unter zehn Bewerbe⸗ rinnen kaum Einer zu Theil wird. Dann läßt der Fiscus ſich den Tabak drei⸗ und viermal ſo theuer bezahlen, als er ihm ſelbſt zu ſtehen kommt, und dieſer hohe Preis iſt durchaus nicht dazu ge⸗ eignet, zum Kaufe anzureizen. Und trotzdem nimmt der Verbrauch zu. Frankreich verbraucht jetzt um die Hälfte mehr Tabak als vor zehn Jahren, gibt aber dafür beinahe die doppelte Summe aus, die es vor zehn Jahren dafür bezahlte, was theilweiſe darin ſeinen Grund hat, daß der Verbrauch der feineren Tabaks⸗ und Cigarrenſorten ſehr geſtiegen iſt, hauptſächlich aber in dem kaiſer⸗ lichen Decret vom 19. October 1860, das die Tabaks⸗ und Cigar⸗ renpreiſe um 25% erhöhte. Dadurch iſt die Nationalausgab⸗ für dieſes erkünſtelte, ja unnatürliche Bedürfniß, die im Jahr 1851 126,600,000 Fr. betrug, im Jahr 1861 auf 215,300,000 Fr. geſtiegen. 1 Das Tabaksmonopol wurde in Frankreich durch kaiſerliche Decrete vom 29 December 1810 und vom 11 Januar 1811 wie⸗ derhergeſtellt, beſteht demnach jetzt über 51 Jahr. Während in der erſten fünfjährigen Periode(von 1811 bis 1815) die mittlere jährliche Einnahme 62,348,649 Fr. beträgt, iſt dieſelbe in der letz⸗ ten fünfjährigen Periode von 1856 bis 1860) auf 178,324,600 Fr. geſtiegen und hat dem Staate in den erſten fünfzig Jahren 4,761,867,742 Fr. eingebracht. Rechnet mian die Einnahme von 1861 mit 215,300,000 Fr. ſo giebt das in runder Summe fünf Milliarden. Soviel betrug die Einnahme der Regie. Die Aus⸗ gaben der Raucher und Schnupfer belaufen ſich aber in der Wirk⸗
lichkeit viel höher, denn man muß berückſichtigen, daß viel Tabak —
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