Jahrgang 
27-52 (1862)
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hatte. Kaum hatte Heleue ihre ruhigen ſanften Augen auf ihn gerichtet, kanm hatte er ihre weiche ergebungsvolle Stimme vernommen, als er ſich ſagte:Das iſt eine Lady. Sie ſelbſt erkaunte in ihm ein bevorzugtes Weſen und ſagte zu ſich:Das iſt ein Gentleman.

Wenn zwei ſolcher Ausnahmenaturen einander in der Mitte der menſchlichen Maſſe begegnen, erkennen und errathen ſie ſich beinah auf das erſte Wort.

Schülerinnen waren von jedem Alter vorhanden. Bei den einen, zart und kaum lebend, zeigte ſich ſchon der Einfluß eines in ſeiner Quelle vergifteten Blutes. Andere dagegen eutwickelten in ihrer ganzen Fülle das kräftige Temperament und die überſprudelnde Kraft des angloſäch⸗ ſiſchen Stammes. Die meiſten trugen die bezeichneten Züge dieſes erobernden Geſchlechtes. Bei einigen mit dunkler Geſichtsfarbe, deren Oberlippe durch einen leiſen Flaum beſchattet wurde, entdeckte man einen Anklang an Spanien oder Südamerika. Hier und dort gab es unter dieſen Roſenknospen bereits erblühte, die ſchon nicht mehr die Unbefangenheit der Kindheit hatten, ſondern das ernſte aufmerkſame Weſen, welches der Frau eigen iſt, die gleich der Andromeda an den furchtbaren Felſen des Cö⸗ libates geſchmiedet iſt und den rettenden Perſeus erwartet.

Wer iſt die junge Perſon mit den ſchönen Locken? die Vierte in der dritten Reihe rechts? fragte Herr Lang⸗ don Helene Darley, die beauftragt war, ihn mit ſeinen Schülerinnen bekannt zu machen.

Charlotte Anna Wood, entgegnete ſie. ſchreibt ſehr hübſche Verſe.

O! ſagte Bernhard. Der Seufzer bedeutete viel. uUnd drei Plätze von ihr entfernt das roſa gekleidete Mädchen?

Miß Lätitia Forreſter, unſere zweite große Medaille vom vorigen Jahr.

Der Lehrer hatte dieſe beiden Mittheilungen mit ziem⸗

Sie

Uovellen-Zeitung.

lich gleichgülſtigem Weſen vernommen, ohne den Antworten viel Aufmerkſamkeit zu ſchenken.

Und dort ein wenig von den Uebrigen getrennt das ſonderbare Mädchen mit dem wilden Ausſehen? fuhr er fort.

Diesmal fragte er ganz aufrichtig; die beiden an⸗ dern Fragen hatten nur dazu gedient, die dritte zu ver⸗ decken.

Das Geſicht der erſten Lehrerin veränderte plötzlich den Ausdruck. Man hätte es erſchreckt oder wenigſtens beunruhigt nennen können. Sie richtete einen Blick auf die Schülerin, von welcher die Rede war, um ſich zu über⸗ zeugen, daß ſie die Frage nicht gehört hätte.

Das Mädchen hielt die Augen geſenkt. Es rollte, wie in eine Art von Träumerei verſunken, eine goldene Kette um ihr Handgelenke und wickelte ſie wieder ab.

Miß Darley neigte ſich zu Bernhard, hielt ihre Hand ſo, daß ſie die Bewegung ihrer Lippen verdeckte, und flüſterte:

Laſſen Sie nicht ſehen, daß Sie von ihr ſprechen. Es iſt Elſie Venner!

Il.

Am Abend eben dieſes Tages mußte Helene Darley, ehe ſie ſich auf das harte Lager ſtreckte, auf dem ſie die tauſend Sorgen ihrer traurigen Exiſtenz vergaß, einige zwanzig Aufgaben der Schülerinnen corrigiren. Sie konnte ſie bereits auswendig, denn es waren immer die⸗ ſelben Geplauder, dieſelben unbedeutenden Aeußerungen über die Unſicherheit des menſchlichen Geſchickes.

Miß Darley widmete allen dieſen Lappereien eine ge⸗ wiſſenhafte Aufmerkſamkeit und munterte ſich zuweilen auf, darin ach, nur zu ſelten! ein richtiges Gefühl, einen farbenreichen Ausdruck, ein Wort, das aus dem Her⸗ zen kam, zu finden.

Mitte der Außenwerke ſteht. Dieſe für Chriſten harte und tyran⸗ niſche Bedingung wurde den Mönchen vom Sultan Selim aufge⸗ legt, als Preis für die Duldung und für gewiſſe Befreiung von Abgaben, welche er der Brüderſchaft gewährt hatte. Man ſagt, daß der Firman, welcher ſie zugeſteht, im Archiv aufbewahrt ſei, aber er iſt mir nicht gezeigt worden, und ob er exiſtirt oder nicht, ſo hat ihn meines Wiſſens bis jetzt Niemand geſehen. Man leitet die Freiheiten des Kloſters ſelbſt auf Nuhammed zurück, und an ſich iſt die Sache nicht unmöglich. Es iſt im Jahre 527 der chriſt⸗ lichen Zeitrechnung durch den Kaiſer Juſtinian und ſeine Gemah⸗ lin Theodora gegründet worden, und beſtand folglich zur Zeit der muhammedaniſchen Hedſchra ſchon ſeit einem Jahrhundert. Nichts ſteht daher der Vorausſetzung entgegen, daß der Prophet es beſucht habe; die Ueberlieferung der Araber verſichert es ſogar und fügt ſelbſt hinzu, daß er von den Höhen des Sinai in den Himmel erhoben wurde.

Die Mönche ſetzen nie den Fuß in ihre Bibliothek, doch hal⸗ ten ſie ſich gern in ihrem Garten auf, welcher außerhalb der Schutzmauer liegt, und in welchem ich beim Ankommen einige Olivenbäume, eine prachtvolle Cypreſſe und blühende Mandel⸗ bäume geſehen hatte; er liefert ihnen außerdem Feigen, Trauben und Birnen, die in Kairo ſehr geſchätzt werden. Das Kloſter be⸗ ſitzt noch außerdem einen andern, oder ſo viel ich weiß, mehrere Gärten in den benachbarten Thälern. Der innere Brunnen des Hauſes iſt derſelbe, an welchem Moſes, als er nach dem Morde aus Aegypten floh und ehe er die Berufung empfangen hatte, die ſieben Töchter von Reguel antraf, die gekommen waren, um die Heerden ihres Vaters, des Prieſters in Midian zu tränken. Da kamen aber die Hirten und ſtießen ſie zu ind, aber Moſes half

ihnen und ſchöpfte das Waſſer für ſie, und als ihr Vater das hörte, gab er ihm Zipora, eine von ihnen, zur Ehe, und Moſes hütete die Heerden ſeines Schwähers Jethro.

Die große religiöſe Feſtung iſt umgeben und eingeſchloſſen von hohen Bergrücken, von denen jeder einzelne einen beſonderen Namen hat: im Norden vom Judenberg und vom Horeb, im Süden vom Berg des heiligen Epiſthem und vom Moſesberg, wo nach der Tradition der Befreier Iſraels die Heerden von Jethro geweidet haben ſoll, obwohl kein Grashalm darauf wächſt. Nach Weſten wird das Thal breiter, und die Berge entfernen ſich un⸗ merklich, um einer weiten Ebene Platz zu machen, der einzigen Oertlichkeit in der Umgegend, welche geräumig genug i*ſt, um eine große Menſchenmenge zu faſſen. Dort nur können augenſcheinlich die Hebräer ihr Lager aufgeſchlagen haben, und man zeigt auch noch den Stein Aaron's, welcher angeblich das Fußgeſtell des gol⸗ denen Kalbes geweſen ſein ſoll.

Die ganze Landſchaft iſt von unvergleichlicher Wildheit und Großartigkeit, die Gipfel und die Abhänge der Berge ſind ſo voll⸗ ſtändig kahl wie alle übrigen, die wir bisher geſehen, aber die Sonne bringt auf ihnen zu jeder Tageszeit, beſonders Abends und faſt noch mehr am Morgen, ſo verſchiedene, ſo wundervolle Lichtwirkungen hervor, welche reichlich für die Dürre der Gegend entſchädigen, daß man ſie gar nicht anders haben möchte. Dieſe zauberiſche Palette hat unnachahmliche, unbeſchreibliche Farben⸗ töne. Der Moſesberg, über dem die Sonne aufgeht, der aber noch lange Zeit darnach dunkel und nebelhaft bleibt, bildet den Hintergrund des Gemäldes. Der Fuß der Berge ruht noch in Dunkel gehüllt, wenn die Höhen ſchon lichtumglänzt ſind. Der Horeb und der Berg des heiligen Epiſthem ſtrahlen dann in rothen

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([VIII. Jahrg.

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