Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
676
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wacket geſchah, Erkundigungen ein. Ich erfuhr, daß er binnen drei Wochen ſein Verſprechen erfüllt hatte. Die fürchterliche Schule war gezähmt.

Der Haupturheber der vergangenen Auftritte, ein Fleiſchersſohn, eine Art von Herkules, der ſich gewöhnlich durch die Begleitung eines gewaltigen und wegen ſeiner Grauſamkeit derTiger genannten Hundes unwider⸗ ſtehlich machte, war auf beſchimpfende Weiſe, in Gegen⸗ wart ſeiner Cameraden, durch den kräftigen Athleten, deſſen elegantes Weſen und ſchlanke Formen er verachtet hatte, gezüchtigt und aus der Schule geſtoßen worden. Dier Autorität Bernhard Langdon's war jetzt unbeſtreitbar feſt⸗ geſtellt, und ſeit dem furchtbaren Auftritt, mittelſt deſſen er beinahe die Kiunlade des gefürchteten Tigers zerſchmet⸗ tert hätte, war er im Beſitz der öffentlichen Gunſt.

Unglücklicherweiſe wurde das Gerücht dieſer That bis zu den Ohren des Herrn Silas Peckham getragen, des Directors der glänzenden Anſtalt, auf welche die blühende Stadt Rockland ſtolz war, das apollineiſche weibliche In⸗ ſtitut. Er beeilte ſich, Herrn Langdon das anzubieten, was er einegemächliche Stellung nannte und was in der That, wenn auch ſehr ſchlecht bezahlt, eine Anſtellung war, die über die eines gewöhnlichen Schulmeiſters weit hinausging.

Bernhard, der nicht aus reiner Philauthropie Lehrer war, konnte nicht zögern, ſeine Einnahme zu verdoppeln, weil er dadurch nicht nur ſeiner Familie nicht mehr zur Laſt zu fallen brauchte, ſondern ſie ſogar unterſtützen konnte. Er zog mich nicht einmal zu Rath, und ſobald er ſein An⸗ ſtellungsgeſuch in Pigwacket angenommen ſah, ging er nach Rockland. Ich habe ſagen hören, daß er großes Bedauern hinterließ, und daß zwei Töchter von Pächtern, die beiden Schönheiten des Ortes, nachdem ſie ſich vergebens den Fühlloſen ſtreitig gemacht hatten, ihm am Tage vor ſeiner Abreiſe jede eine Locke ihres Haares ſchickten, eingeſchlagen in ein Papier, in welchem die Anfangsbuchſtaben ihrer

Uovellen-Zeitung.

Namen eingeprägt waren, um ſo jedes Mißverſtändniß zu verhindern.

In Rockland wartete ein ernſter Roman meiunes Schützlings, der eben in ſein einundzwanzigſtes Jahr trat. Sprechen wir aber zunächſt von der Stadt ſelbſt.

Sie hat ihren Namen von der ſteilen Höhe, an deren Fuße ſie erbaut iſt, und welche die Bewohner voll Stolz den Berg nennen, als ob es in der Welt keinen andern gäbe. Dieſe Höhe erhebt im Norden der Stadt ihre dop⸗ pelte mit Wald bedeckte Spitze, welche noch nicht von der Axt gelichtet worden iſt.

Ueberdies hat der Berg einen ziemlich ſchlechten Ruf: die Tigerkatzen ſind hier in ziemlicher Menge vorhanden; zuweilen verirrt ſich ein Wolf hierher, und im Winter hat man auf dem Schnee die Spuren von den gewaltigen Tatzen des ſchwarzen Bären entdeckt, ſo daß die Gaſſenbu⸗ ben der Stadt dadurch abgeſchreckt wurden, dieſe gefährli⸗ chen Einſamkeiten zu beſuchen.

Indeß beſteht die wahre Gefahr des Berges nicht in dem vorübergehenden Aufenthalt einiger wilder Thiere, ſondern darin, daß in der ſogenannten Schlangenhöhle in der That eine ganze Colonie dieſer abſcheulichen Reptilien lebt, der Klapperſchlangen.

Von allem Anfang an war daher die Hochebene, auf der dieſe Schlangenhöhle lag, neben den Indianern das ſchrecklichſte Geſpenſt der Bewohner von Rockland ge⸗ weſen.

In der That konnte man einen Dämon mit rother Haut, wie unſere Väter ſagten, verfolgen und tödten, die entſetzlichen Bewohner der Schlangenhöhle dagegen hatten eine Feſtung, in die ſie ſich zurückziehen konnten, ein Gibraltar, gegen welches vergebens die ganze Artillerie Sebaſtopols gedonnert haben würde. In dieſen dunkeln Tiefen, in dieſen uneinnehmbaren Caſematten vervielfäl⸗ tigten ſie ſich in allem Frieden; tauſend abſcheuliche Ehe⸗ paare erzogen hier ihre Familie, und nachdem ſie gelebt,

Feuilleton.

Oe

Auf dem Sinai.

Von vielen merkwürdigen Punkten der Welt wird dieſer alt⸗ hiſtoriſche und hochehrwürdige wohl am ſeltenſten betreten. Didier hat ihn in einer ausführlichen Reiſeſkizze geſchildert. Wir ent⸗ nehmen derſelben nur den Kernpunkt mit verkürzender Auswahl und beginnen mit des Touriſten Ankunft bei der berühmten Steinthalwüſte unweit des bibliſchen Berges.

Endlich, erzählt der Verfaſſer, erreichte man die Kloſter⸗ ſchlucht, ſo benannt nach dem naheliegenden Kloſter des Sinai. Dieſer Paß, eine letzte Schutzwehr, welche die Natur zwiſchen dem rothen Meer und dem Sinat aufgerichtet, dem eine ſo große Be⸗ ſtimmung zugedacht war, dieſer Paß iſt viel erhabener, breiter und ſchrecklicher, als der Hohlweg von Hebran, der von ihm nur eine ſehr ſchwache Vorſtellung geben kann. Nirgend in Europa, ſelbſt nicht in den wildeſten, zerklüftetſten Regionen der Alpen oder Kar⸗ parben, habe ich ſo etwas Entſetzliches geſehen. Es iſt das Bild des Chaos, nicht des Chaos, welches der Theilung der Elemente vorherging, ſondern desjenigen, was der Zerſtörung des Erdballs folgen wird. Solche Scenen ſpotten jeder Beſchreibung, nur Salvator Roſa's Pinſel könnte ihre Schrecken malen. Man ſtelle

ſich einen großen Granitberg vor, der plötzlich umgeſtürzt, das Unterſte nach oben gekehrt und in Stücke zertrümmert worden iſt, entweder durch ein entſetzliches Erdbeben, oder durch den Zuſam⸗ menſtoß mit einem Himmelskörper. Mit ſeinen mächtigen Bruch⸗ ſtücken hat er die gähnenden Abgründe um ſich her gefüllt und auf ſeinen nackten Seitenwänden die unvertilgbare Spur der ſchreck⸗ lichen Erſchütterung zurückgelaſſen. Nichts hat ſich ſeit der Kataſtrophe verändert; wäre ſie auch erſt Tags zuvor geſchehen, ſo könnte das Schauſpiel nicht ergrei⸗ fender ſein. Die zerriſſenen, zertrümmerten Felſen in allen Far⸗ ben und Formen ſind ſo kahl, wie am erſten Tage; die Jahrhun⸗ derte ſind über ſie fortgezogen, ohne ein Körnchen Pflanzenerde auf ihnen zurückzulaſſen; nichts, was lebt, hat jemals Wurzel faſſen können in dieſem troſtloſen, unfruchtbaren Reich des Todes. Kaum ſtehen hier und da einige Büſchel Wermuth aus den Fel⸗ ſenſpalten heraus, eine kränkliche Palme, ein noch mehr verkom⸗ mener Feigenbaum ſind die einzigen Bäume, welche man entdeckt, ſo weit die Augen reichen. In den Eingeweiden des Granits V haben ſich Höhlen gebildet. Die unterſten Blöcke, welche beim Fallen geborſten und zerſplittert ſind, werden von breiten Spal⸗ ten durchfurcht, deren Bruchflächen in ebenſo lebhaften Farben

[VIII. Jahrg. Nr.

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