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gleich der Wille.
enden Sonette)
Will ſei,
ald ſehn,
iſ Will
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blind,
. Jahrg.[Nr. 43, d5
——
Dritte Folge.
Kovellen-Zeitung.
Elſie Venner.
Epiſode aus dem amerikaniſchen Leben*.
I
Der Unterricht war zu Ende.
Der Lehrer— ich ſpreche von mir in der dritten Per⸗ ſon— machte ſeine Noten, indem er zugleich den eifrigſten Schülern einige Weiſungen ertheilte.
Einer derſelben blieb bis zuletzt.
Dies iſt vielleicht der, auf welchen wir die größten Hoffnungen ſetzen, ein wahrer Brahmine von alter Ab⸗ ſtammung unter den Parias oder den Halbbürtigen, ſchön, ſchlank, hoch gewachſen, ganz Verſtand und Nerven.
Er ſchien um einen Eingang verlegen zu ſein.
„Nun, Herr Langdon,“ ſagte ich zu ihm,„wir ſind allein. Was haben Sie mir zu ſagen? Kann ich Etwas für Sie thun?“
„Sie können es. Ich will meinen Curſus als Medi⸗ einer aufgeben, um Lehrer zu werden. Ich bedarf eines Zeugniſſes, und—“
„Lehrer? Ihre Studien unterbrechen? Was fällt Ihnen ein? Im Begriff Ihr Doctorat zu machen! Ei, gehen Sie doch! Sie würden ja im nächſten Frühjahr Doctor ſein. Verlaſſen Sie uns nicht.“
„Ich muß es, mein Herr. Familienangelegenhei⸗ ten—-—“
„Bleiben Sie, ſage ich Ihnen! Es gibt einen Fonds für die Studirenden— die bedürftig ſind. Man wird dadurch die Mittel finden, Ihre Jahreskoſten frei zu machen — und wenn Sie einmal Doctor ſind—“
„Ich danke, mein Herr. Mein Entſchluß iſt gefaßt.“
Wenn ein Brahmine dieſer Art mit ſeiner ſanften Stimme ohne die geringſte Prahlerei ſeinen unerſchütterli⸗ chen Willen ausgeſprochen hat, dann bleibt nichts übrig, als ſich demſelben zu fügen.
*) Von dieſem Roman von O. Holmes geben wir vorliegend einen Auszug, welcher die allzuoft empfindlich bemerkbare Breite engliſcher Originale beſeitigt. Wir wollen uns nicht in den Streit einer Erörterung miſchen, deren Löſung durch dieſe„Elſie Ven⸗ ner“ verſucht wurde, und die wegen ihrer pſychiſchen Aufſtellun⸗ gen, wenn dieſelben auch vielfach angefochten wurden, ein Auf⸗ ſehn erweckte, durch welches wir uns vollkommen berechtigt halten, unſeren Leſern die Lectüre zu bieten, entkleidet von allem Lang⸗ weiligen und von allen Controverſen, welche nur allein die Fach⸗ gelehrten intereſſiren dürften. Jedenfalls verläßt der Roman das
Gebiet des Alltäglichen und verdient ſchon deßhalb ein erhöhtes Intereſſe.
„Ein Zeugniß wünſchen Sie von mir?“
Er antwortete durch ein bloßes Nicken des Kopfes.
„Sie ſollen es haben und zwar in den günſtigſten Aus drücken.“
In der That bezeugte ich, daß Bernhard Caryll Lang don, der Sohn des Wentworth Langdon, meiner Keuntniß nach, ein junger Gentleman von vortrefflichen Sitten, ausgezeichnet von Verſtand ſei und die vortrefflichſte Ert ziehung genoſſen hätte; daß ſeine Dienſte für jede Schule von höchſtem Werthe ſein könnten und bei jeder derartigen Anſtalt zum Unterricht junger Leute des einen oder des andern Geſchlechtes.
In dem Augenblicke, als dies letzte Wort mir in die Feder kam, empfand ich eine Art von Aufregung.
„Sicherlich,“ dachte ich,„hat dieſer junge Menſch den beſten Ruf, und ich habe keinen Grund, ſeine vollkommener Zurückhaltung in Zweifel zu ziehen. Allein er ſcheint mir ein wenig zu ſehr ein hübſcher Junge zu ſein, um ihn ſo in eine Claſſe zu bringen, die von jungen Mädchen angefüllt iſt. Ich habe keinen Grund, ihn für verliebt zu halten, und wenn ein halbes Dutzend hübſcher Schülerinnen ſich in dieſen reizenden Lehrer verliebte, was mich unter ge wiſſen Umſtänden nicht wundern würde, wohin könnte dann ſeine natürliche Dankbarkeit ihn führen? Bah!“ entgegnete ich mir immer in mir ſelbſt,„das iſt nur eine Form. Ich will übrigens dafür ſorgen, daß er in ein Knabenerziehungs⸗Inſtitut kommt.“
Ich hatte in der That das Glück, ihm die Leitung einer Diſtrictſchule in dem wichtigen Dorfe Pigwacket zu ver ſchaffen, welches als einer der geſundeſten Orte Nordante rikas bekannt iſt.
Die gute Geſundheit der Einwohner übte wahrſchein lich eine Wirkung auf die Lebhaftigkeit derſelben, und ſo waren denn zwei Lehrer durch die erwieſene Indisciplin der Schüler nach einander aus der Schule vertrieben worden.
Man machte mich mit dieſem Umſtande erſt bekannt, nachdem Herr Langdon auf meinen Rath die Stelle ange nommen hatte. Ich ſetzte ihn ſogleich davon in Kenntniß und ſtellte ihm vor, daß ſeine Zuſage vielleicht noch nicht unwiderruflich wäre. Allein ſtatt aller Antwort warf er mir einen lächelnden Blick zu und ſagte:
„Nun, man wird ja die Rebellen ſehen!“
Dieſe Menſchengattung, die ſich dazu geſchaffen glaubte, in die Welt geſetzt zu ſein, um über die Audern zu gebieten, ſchöpfte aus dieſer albernen Ueberzeugung bedeu tende Hülfsmittel.*
Ich war indeß beſorgt wegen des erſten Auftretens meines jungen Lehrers und zog über das, was in Pig⸗


