reine Studium, die Andern durch das Handeln erweckt werden. Die Letztern entwickeln ſich gewöhnlich je nach den Umſtänden ſpäter, und ich bin überzeugt, daß es viele Geiſter dieſer Art gibt, welche in Ermangelung der anſpor⸗ nenden Umſtäude durch die Welt gehen, ohne gekaunt wor⸗ den zu ſein und ohne ſich bekannt gemacht zu haben.
Der zweite Grund, welcher mich beſtimmt, die Anlage Pasquier's, die er für das Handeln in ſich fühlte, ſobald er zu handeln hatte, beſonders hervorzuheben, iſt, daß es unter den Menſchen, die mit dieſer ſeltenen Anlage begabt ſind, auch ſolche gibt, welche in Folge einer beſondern Ei⸗ genſchaft ihres Geiſtes und Charakters eine eigenthümliche Scharfſichtigkeit beſitzen, um die Handlungen Anderer und die Zeitereigniſſe zu beurtheilen. Sie wiſſen, was ſie zu thun haben, wenn ſie dabei im Spiele ſind; und wenn das nicht der Fall iſt, ſo ſehen ſie, worin Andere gut oder ſchlecht handeln. Solche Männer ſehen in den Ereigniſſen das Wahre und folglich das Mögliche, und ſie haben die Viſion des Möglichen, wie Dichter und Künſtler die Viſion des Schönen haben. Das gibt ihnen ihre politiſche Ueberlegenheit.
Denjenigen, welche dieſen koſtbaren Sinn des Mög⸗ lichen beſitzen, gibt Gott auch, wenn er ſie begünſtigen und ſie vor dem Mißbrauch ihrer Anlage bewahren will, den Sinn des Rechtſchaffenen und des Rechtes. Sie bedürfen denſelben. Macchiavell und ſeine Schule haben den Sinn des Möglichen, aber ihnen fehlt der Sinn des Rechtſchaffe⸗ nen und des Rechtes. Macchiavell und ſeine Schule haben der Politik großen Schaden zugefügt, weil ſie glauben ließen, das Verbrechen ſei eine der Möglichkeiten der Politik. Das Verbrechen iſt zuweilen in der Politik das Auskunftsmittel des Augenblicks geweſen, doch niemals die Löſung einer Frage. Um die Menſchen, welche die Wiſſen⸗ ſchaft und den Sinn des Möglichen haben, vor jedem Irr⸗ thum zu bewahren, müſſen ſie auch die Kenntniß und den Sinn des Rechtſchaffenen beſitzen. In welchem Grade
Uovellen-Zeitung.
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das bei Pasquier der Fall war, ergibt ſich aus dem fol⸗ genden Vorfalle.
In den letzten Tagen des Kaiſerreichs, im Monat März 1814, beſuchte Herr de Lavalette, einer der höchſten Beamten der kaiſerlichen Regierung, den damaligen Poli⸗ zeipräfecten Pasquier, mit dem er eng befreundet war, um ihm mitzutheilen, daß Agenten des Polizeiminiſteriums, das damals von der Polizeipräfectur in Paris getrennt war, unter der Form von Stutzuhren kleine Höllenmaſchi⸗ nen fabriciren zu laſſen ſuchten, und daß es wohl möglich ſei, daß man ſolche Uhren in eine der öſtlichen Städte ſende, wo ſich der Graf von Artois bereits befand. Die Agenten, welche dieſe Maſchinen bei einem Uhrmacher in der Rue du Temple beſtellten, waren ſicher von dem Poli⸗ zeiminiſter nicht dazu ermächtigt; indeſſen glaubte Pas⸗ quier doch, die Prinzen aus dem Hauſe Bourbon auf indi⸗ rectem Wege warnen laſſen zu müſſen, Vorſichtsmaßregeln zu treffen und die Zimmer, die ſie bewohnen wollten, vor— her erſt unterſuchen zu laſſen.
Einige Wochen ſpäter in den erſten Tagen des April, als Napoleon in Fontainebleau mit dem Reſte ſeiner Armee auf Paris zu marſchiren und dort eine letzte entſchei⸗ dende Schlacht zu liefern drohte, erfuhr Pasquier, der ſich der Sache der Reſtauration bereits angeſchloſſen hatte, in der Umgebung der proviſoriſchen Regierung beſchäftige man ſich mit dem Plane, dem Leben des Kaiſers durch Verrätherei ein Ende zu machen und ihn während der Schlacht von falſchen Jägern der Garde umgeben zu laſſen; es gab Uniformen dieſer Art in den Magazinen der Armee in Paris. Pasquier beeilte ſich, dieſe Nachricht dem Kaiſer zukonimen zu laſſen, und nicht etwa, um ſich dadurch in der Gunſt deſſelben eine höhere Stelle zu erwerben, denn er meldete dem Kaiſer gleichzeitig, daß er ſeine Sache ver⸗ laſſen und ſich der proviſoriſchen Regierung angeſchloſſen habe.
Indem Pasquier dem Grafen v. Artois und dem Kaiſer
Durch die ganze Himmelshalle Mit klarem Poſaunenſchalle:
„Laß, lieber Petrus, mir nur herein Den Mann, den ſo viel gehetzten! Die Letzten ſollen die Erſten ſein, Die Erſten aber die Letzten.
Was iſt des Deutſchen Vaterland? Auf Erden hat er es nicht gekannt; Doch Platz iſt im Paradieſe
Für ihn und ſeine Louiſe!“
Frau Wahrheit.
Wer iſt's, der dort durch die Straßen ſchleicht? Es iſt die Frau Wahrheit!
Vor Kummer iſt längſt ſchon das Haar gebleicht Der armen Frau Wahrheit!
Sie hat ganz offen und unverzagt
Im Königspalaſt ihre Meinung geſagt,
Da ward ſie gleich hinausgejagt,
Die gute, arme Frau Wahrheit!
Sie kam zu einem reichen Mann, Die gute Frau Wahrheit! Er ſah ſie lieb und freundlich an, Die arme Frau Wahrheit!
„Glaubt mir, ich bin kein Fürſtenknecht! Man handelt am Volke auch gar zu ſchlecht, Und was Ihr ſagtet, das war ganz recht,
O gute, liebe Frau Wahrheit!“
Er nahm ſie ſofort auch in ſein Haus, Die gute Frau Wahrheit,
Und ſchmuͤckte ſie ſchön und ſtattlich aus, Die arme Frau Wahrheit!
„Sagt Jedem Eure Meinung nun
Für all ſein läſterlich, ſträflich Thun, Ihr ſollt auch auf weichen Federn ruhn, Ihr gute, liebe Frau Wahrheit!“
Doch kaum war eine Woche um,
O gute Frau Wahrheit!
Da nahm er ſelber etwas krumm
Von der armen Frau Wahrheit.
Sie hat ihre Meinung ihm nicht verhehlt, Worin er geirrt, worin er gefehlt.
Er rief:„Hinaus, wenn Ihr ſo mich quält, Ihr unverſchämte Frau Wahrheit!“
Sie kam zu eines Geiſtlichen Thür, Die gute Frau Wahrheit;
Der Heilige trat auch bald herfür, O arme Frau Wahrheit!
Sie ſprach:„Ehrwürdiger, laßt mich ein!“ Und er erwidert:„Das kann kaum ſein,
VIII. Jahrg.
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