Deut Muu
ſüßen
VII.
Dies Alles hatte nun Victor dem Freunde mitgetheilt, und Beide waren allerdings jetzt, wo nun noch dazu kom⸗ men mußte, daß der„Kunſtkenner“ für einen noch größern und mächtigern Kunſtkenner Lesbia's Bild verlangte, um guten Rath verlegen.
Roderich war wohl von einer Leidenſchaft wie die Vic⸗ tor's, die ſo heftig und plötzlich gewachſen war und von ihrem Gegenſtande eigentlich doch nicht viel mehr kannte, als die körperliche Schönheit und einige phantaſtiſche Er⸗ lebniſſe und Aeußerungen, nicht ſehr erbaut. Das Alles war ihm aber zu überſchwenglich, zu idealiſtiſch, er ſah auch hier keinen reellen Grund und Boden— er kannte den Freund genug, um zu wiſſen, daß es ihm hier um bei Weitem mehr zu thun war, als um ein flüchtiges Aben⸗ teuer— und nun ſah er nicht ab, wie das enden ſollte. Er dachte darum wohl bei ſich: das Beſte wäre allerdings, wenn dieſe Lesbia für immer verſchwände— und damit Alles vorüber wäre— ein Schmerz ſchadet dem Künſtler ja nicht, er verklärt ihn in ſeinem erſten Werke und über⸗ windet ihn mit dem zweiten— aber er fühlte, daß, wenn er dies Wort ausſpräche, weniger die Liebe dadurch bedroht ſei als die Freundſchaft— und ſo half er Troſt erſinnen und auf Hülfe denken.
„Nun muß mir der Doctor Rede ſtehen!“ rief Victor, „ich weiß es nicht, ob es Zufall oder Abſicht war, daß er ſich von mir nicht treffen ließ— aber ich weiß ſchon, wo ich ihn allabendlich hinter ſeiner„Maß“ finde— im Bräuhaus muß er mir Rede ſtehen.“
„Geh Du dorthin, und ich will für Dich auf die Poſt gehen— ich kenne den Secretair— die Doctorin und Deine griechiſche Schöne ſind zwei auffällige Erſcheinun⸗ gen— vielleicht hat er ſich gemerkt, wohin ſie gereiſt ſind— denn der Wagen ſchlug doch vorhin die Richtung nach der Poſt ein— ſie werden mit ihr weiter gefahren ſein.“
Dritte Folge.
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So gingen denn Beide auf ihre Poſten.
Der Doctor Eißner ſaß ſchon läugſt unter den ihm befreundeten Stammgäſten des Bräuhauſes und war viel⸗ leicht ſchon bei der dritten„Maß“, als Victor eintrat. Er hörte den Doctor eben ſagen:„Meine Frau ſpielte die Eiferſüchtige, hütete die ſchöne Griechin, die ſie doch erſt ſelbſt in's Haus genommen, wie ein Argus, da bekam ich den Trödel ſatt und ſchickte Beide zu meiner Erholung in's Bad nach Poſſenhofen.“
Die Freunde belachten den oft gehörten Witz— da wußte Victor ja gleich, was er wiſſen wollte— er hatte den Doctor anreden, fragen wollen, jetzt ſetzte er ſich mit dem Rücken gegen ihn an einen der nächſten Tiſche unter andere Gäſte und dachte: vielleicht erfährt man auf dieſe Weiſe noch mehr als mit directen Fragen.
Er hörte einen dicken Herrn auf die Bemerkung des Doctors antworten:„In ein Bad zu gehen iſt natürlich gleich jede Frau willig, wenn man ihr die nöthigen Sum⸗ men dazu gibt— am Ende quälte ſie nur mit Eiferſucht, um dieſen Zweck zu erreichen.“
Der Doctor ſchlug auf den Tiſch, daß die Gläſer wackelten.„Ein capitaler Einfall, wenn ich mich hätte dupiren laſſen!“ rief er,„immer aber habe ich den Vor⸗ theil jetzt einmal Ruhe zu haben. Uebrigens aber ver⸗ ſteckte ſie ihre Eiferſucht auf mich hinter den verdrehten Maler, der unſer Gartenhaus bewohnt— er hat es bei ihr, ich weiß nicht womit, verſchüttet, und ſie behauptet, er ſtelle Lesbia nach und— fenſterle ſogar bei ihr.“
Die Geſellſchaft lachte, Victor war wie vom Donner gerührt— ſchon Stadtgeſpräch war ſeine Leidenſchaft, ſeine Kühnheit geworden— er duckte ganz zuſammen und wagte kaum ſich zu rühren
„Behütet Ihre Frau ſie denn auch vor den Spähern des Kammerherrn von Rauhberg?“ fragte ein ſtattlicher, wohlgenährter Herr, dem man es gleich anſah, daß er ein Hofbeamter war, der mit von der königlichen Tafel ſpeiſte
baum, die Cocospalme, zwölf verſchiedene Arten von Oelbäumen,
die Banane werden häufig angetroffen. An Gewürzen kennt man auf Madagaskar Ingber, Pfeffer und einige andere. Mehrere Arten Gummibäume liefern Gummi, das Holz dieſer Bäume dient als Nutzholz. Roſenholz, Adlerholz und eine beſonders ſchöne Sorte Ebenholz bieten willkommene Ausfuhrartikel. Auch Farbehölzer ſind einheimiſch, ſowie der Copalbaum. Ueberhaupt aber ſind die mächtigen Waldungen mit ihrer üppigen Tropen⸗ vegetation ein Schmuck der Inſel, und die einzelnen Baumarten derſelben liefern dem Eingebornen Alles, was er für ſeine Bedürf⸗
niſſe gebraucht, namentlich Bauholz und ſolches, welches ſich zur
Anfertigung von allerlei Geräthſchaften trefflich eignet. Merkwürdigerweiſe finden ſich unter den wildlebenden Thie⸗ ren keine reißenden Raubthiere, weder Löwen noch Tiger, noch Hyänen, auch keine Rhinoceros und Flußpferde, wohl aber gibt es wilde Büffel, Hunde und Katzen. Rindviehheerden werden in großer Zahl gehalten; die Büffeljagd iſt eines der Hauptvergnü⸗ gen der Vornehmen. Schweine ſind ſehr zahlreich, man kennt zwei Arten; ſie ſind ungemein wild und ihre Jagd iſt gefährlich, zu⸗ mal ſie in großen Rudeln angetroffen werden. Es wird ihnen fleißig nachgeſtellt, weil ſie oft den Reispflanzungen erheblichen
Schaden zufügen. Ratte und Eichhörnchen werden häufig gefun⸗
den, die Wälder wimmeln von Halbaffen. Fledermäuſe von der Größe eines Huhnes werden gern gegeſſen. Der Tondrac, ein Thier, welches ſieben Monate in einer Erdhöhle ſchläft und wäh⸗ rend dieſer Zeit ungemein fett wird, gilt als Leckerbiſſen. Vögel finden ſich uͤberall in großer Menge, Papageien, Schnepfen, Fa⸗ ſanen, Rebhühner, Kolibris, Tauben, Perlhühner, von Waſſer⸗ vögeln Flamingos, Reiher und viele andere. Unter den Inſec⸗
ten ſind Spinnen, Scorpione, Schmetterlinge, Leuchtkäfer und Ameiſen häufig. Die Seidenraupe wird faſt überall wild ange⸗ troffen; wie nutzbar könnte ſie gemacht werden! Die Flüſſe ſind
ſehr fiſchreich, aber auch der Kaiman iſt nicht ſelten. Derſelbe
genießt einer Art Verehrung; ehe der Madagaſſe über einen Fluß fährt, redet er das Krokodil an und ſagt ihm, daß weder er noch ſeine Ahnen ihm je feindſelig geſinnt geweſen. Die Gebirge ſind reich an Metallen; man hat Kupfer, Zinn, Eiſen, Blei und Queck⸗ ſilber gefunden, aber der Bergbau iſt noch nie methodiſch betrieben worden, weil es noch an geſicherten Niederlaſſungen fehlt. Auch Gold und Silber findet ſich, erſteres zum Theil im Sande einiger Flüſſe; doch iſt für eine geordnete Ausbeute ebenfalls noch nichts geſchehen. Am häufigſten ſind die Blöcke von Bergkryſtall, man hat deren von zwanzig Fuß im Umfange gefunden. Die Bewohner von Madagaskar, die Madagaſſen und Male⸗ gaſſen, ſind, obwohl ihre eignen Ueberlieferungen, ſoweit ſie be⸗ kannt ſind, davon ſchweigen, wahrſcheinlich von vier Seiten her in früheren Zeiten eingewandert. Die Bewohner des ſüdlichen Theiles zeigen große Verwandtſchaft mit den Kaffern, die auf der Weſtſeite mit den Negern; wahrſcheinlich kamen die Vorfahren der erſteren aus Südafrika, die der letzteren aus Mittel⸗ und Nordafrika. Dagegen ſcheinen die Bewohner der Nordſeite arabi⸗ ſcher Abkunft zu ſein und die der Oſtſeite den Malayen anzuge⸗ hören. Dieſe, die malayiſchen Abkömmlinge, haben im Laufe der Jahrhunderte, was Sitte und Lebensweiſe anbetrifft, das Ueber⸗ gewicht erhalten. In Sitte und Lebensweiſe, in Denkweiſe und Charakterbil⸗ dung haben ſie ſich einander genähert. Sie ſind von mittlerem ſchlanken Wuchſe und wohlgebildeten⸗Geſichtszügen und beſitzen


