Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
660
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Uovellen-Zeitung.

einer großen Kataſtrophe gegenüber hören alle kleinen unruhig athmende Bruſt zu beklemmen ſchien Victor

Empfindeleien und Mißverſtändniſſe auf. Ich bin Dir Rechenſchaft ſchuldig und wollte ſie Dir ſchon geben, als dieſer dieſer dieſer vermaledeite Kunſtfreund eintrat.

Bei Roderich bedurfte es ſtets nur eines guten Wortes, ſo war er ganz der Alte wieder er zog den Freund mit hinaus in die wohlbekannte, von Ariſtolochien dicht um⸗ zogene Veranda, in der es ein kleines gemüthliches Eckchen gab, wo es ſich auf einer Gartenbank ebenſo anmuthig träumen als plaudern ließ hier wollte er endlich eine Liebesgeſchichte erzählen hören, in die ſich für ihn eben ſo viel komiſche als tragiſche Momente zu verweben ſchienen.

Einen Tag nach Lesbia's Ankunft im Hauſe der Doc⸗ torin hatte Victor ruhig gewartet, ob er nicht den Doctor treffen würde, oder von dieſem zu ſich beſchieden werden würde da aber nichts erfolgte und er nur, wenn er den bunten Gardinen gegenüber auf der Lauer lag, zuweilen Lesbia's maleriſche Locken oder die weiße Hand gewahrte, die ihm das einzig würdige Modell für Händeſtudien er⸗

ſchien ſo wartete er nur den nächſten Abend ab, um,

ein zweiter Romeo zu dem Altane der Geliebten empor zu klettern.

Freilich keine ſteinernen Säulen trugen ihn, es war das Geäſt eines großen Nußbaumes, das er zu ſeinem Fuß⸗ geſtell wählte von hier aus konnte er in das Zimmer

ſehen, in dem eine von einem Roſenſchirm verhüllte Lampe ein zauberhaftes Dämmerlicht verbreitete. Aber es war hell genug, um durch das der milden Nachtluft, und freilich nicht für die Blicke eines ruheloſen Nachtſchwärmers, geöffnete Fenſter Lesbia im leichten weißen Nachtgewand

wagte nicht ſich zu regen, und ſo verging wohl eine Stunde, bis ſie Fenſter und Gardinen mit einem letzten tiefen Seuf⸗ zer ſchloß und das Licht auslöſchte was ſie wohl von dem Raſcheln im Nußbaum denken mochte, das bald dar⸗ auf da außen erfolgte? Victor irrte noch lange unruhig im Garten umher, wo die Blumen würzig und ſüßberau⸗ ſchend dufteten, bald ein Brachkäfer aufſummte, bald eine lichtſcheue Fledermaus, bald ein leuchtendes Johannis⸗ würmchen ganz nahe an ihm vorüberſchwirrte.

Am folgenden Morgen zeichnete er das ideale Bild, das der Kammerherr ſo lobte und Roderich ſo tadelte er hatte es in der Nacht ſo halb in Wirklichkeit geſchaut, halb im Geiſt vollendet für ihn war gerade ſo viel wahres und wirkliches Leben in dieſem Gemälde, als ſich ihm das Leben ſelbſt plötzlich ſo ideal und poetiſch geſtaltet hatte, wie er in dieſer reizenden Geſtalt es wiederzugeben ſuchte.

Auch am folgenden Tage ging er nicht aus er ar⸗ beitete an dem ſchnell entworfenen Bilde und blieb übri⸗ gens auf ſeinem Poſten an dieſem Nachmittag kam Lesbia mit der Doctorin in den Garten nach einer

(VIII. Jahrg.

halben Stunde ungefähr trat Victor ſchnell entſchloſſen

aus ſeinem Atelier, nachdem er das neu begonnene Bild

auf die Seite gebracht und die ganze maleriſche Unordnung des Gemaches durch das, was er Aufräumen nannte, nur noch größer, wenn auch noch etwas maleriſcher gemacht hatte, begrüßte die Damen und erſuchte ſie einen Augen⸗ blick in ſein Atelier einzutreten, in dem er ihnen einiges Intereſſante zeigen könne.

Die Doctorin antwortete auf das Anerbieten in ihrer

V hochmüthig herablaſſenden Art es war als füge ſie noch

in einer chaise longue ruhen zu ſehen oder vielmehr hinzu: man kann ſich ja vielleicht immer umſehen, ob nicht

nicht ruhen, zu bemerken, wie Thränen ihre Augen um- auch hier gemalte Katzenportraits ſich finden.

Lesbia

florten vielleicht war es gut, ſie ſah den Lauſcher da⸗ ſah Victor groß und erröthend an es war, als hätte durch um ſo weniger wie eine unſägliche Angſt die ſie etwas Beſonderes bei ſeiner Begrüßung ſagen wollen

Feuilleton.

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Eine eigenthümliche fixe Idee.

Ganz kürzlich fand in Paris ein Greis, Herr B..., der von einer ſehr ſeltſamen Monomanie befallen war, durch einen Zufall ſeinen Tod. Er bildete ſich nämlich ein, Robespierre zu ſein. Zu Hauſe und in ſeinem Garten trug er das hiſtoriſche Coſtume jener bekannten revolutionären Perſönlichkeit. Er hatte alle Reden jenes Mannes auswendig gelernt und hielt ſie an den Tagen, die ſein republikaniſcher Kalender ihm anzeigte.

Er wohnte in dem Hauſe eines Schreiners, dem er den Na⸗ men Duplay gab, obgleich er Delplanques hieß. Alle Perſonen, die er ſah und die ſich ihm näherten, waren für ihn Männer aus der erſten Revolution. Ein junger Student, der zuweilen zu ihm kam, um ihm etwas vorzuleſen, war für ihn Saint Juſt. Die⸗ jenigen, die ihn umgaben, waren Payen, Floriot, Coffinhal ꝛc.

Am Jahrestag des Feſtes des höchſten Weſens ging er, wie damals Robespierre, mit Bändern und Blumen geziert und ein großes Blumenbouquet in ſeiner Hand haltend, in ſeinen Garten hinab und ſprach länger als eine Stunde über die Unſterblichkeit

das Robespierce für die Geſellſchaft des Rosatis gedichtet hatte.

Er las wohl auch Madrigals, welche Robespierre in ſeiner Ju⸗

gend gedichtet hatte.

Weit häufiger von Melancholie befallen, beklagte er ſich über die Nothwendigkeit, worin er geweſen ſei, Blut vergießen zu müſ⸗ ſen, und über den Haß, den er ſich dadurch zugezogen habe.

Weßhalb verflucht man mich ſo ſehr? ſagte er;bin ich nicht unbeſcholten, dem Ehrgeiz unzugänglich? Ich will bloß auf dem Boden Frankreichs das ſociale Syſtem, durch das es wieder⸗ geboren werden muß, einheimiſch machen. Den Geſetzen unter⸗ thänig, welche der Convent erlaſſen hat, würde ich lieber ſterben, als gegen dieſen Erlaß der Volksſouveränetät die imponirende Macht der Jacobiner und der Pariſer Milizen anwenden, auf deren Ergebenheit ich rechnen darf. Ich will die Ordnung und die Herrſchaft der Geſetze wieder herſtellen, dem Schreckensregime ein Ende machen und den Convent von den Mitgliedern reinigen, die ſich am meiſten mit Verbrechen beſudelt haben.

Wer ſind die Feinde der Nation? Es ſind meine Feinde, Amar, Vadier, Vouland, die Terroriſten des allgemeinen Sicher⸗

der Seele und die Nothwendigkeit einer Religion. In ſeinen hei⸗ heitsausſchuſſes Billaud⸗Varennes und Collot d'⸗Herbois, der tern Augenblicken ſang er einige Strophen aus dem Trinkliede, die Commune affranchie mit Kartätſchen niederſchießen ließ; die

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