Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
655
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Jahrg.

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Nr. 41.]

den, den das Unglück weder ſeiner Hoheit, noch ſeiner Würde hatte berauben können; deſſen ſchöne Züge, anſtatt von Haß und Rachgier entſtellt zu werden, durch ſtille, ſanfte Reſignation faſt einen erhabenen Ausdruck erhielten. Nur ein einziges Mal zuckte ein namenloſes Weh über ſein Antlitz, und zwar in denn Augenblicke, als man mit vielen andern Gefangenen ſeinen Bruder Heinrich vorüber⸗ führte. Einen Blick nur wechſelten die Brüder, einen langen Blick voll Liebe und Schmerz, und dann richteten Friedrich's Augen ſich faſt anklagend gegen den Himmel.

9.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Ruſſiſche Revue. Zeitſchrift zur Kunde des geiſti⸗ gen Lebens in Rußland. Herausgegeben von Dr. Wil⸗ helm Wolfſohn. Leipzig, Steinacker; Petersburg, Schmitzdorff. 1862.

Schon lange ehe dies Unternehmen erſchien, haben Sie ſich für daſſelbe mit Recht intereſſirt, und es wurde im Voraus in dieſem Blatte willkomnien geheißen. Wir hal⸗ ten nun mit Vergnügen das erſte Heft in der Hand und vürfen hoffen, daß uns bald ein zweites und drittes vor⸗ liegen ſoll.

Der Herausgeber hat ſeit langen Jahren durch unge⸗ mein gründliche Kenntniß Rußlands und ſeiner Zuſtände, eines Landes, in welchem er geboren wurde, obgleich er von Geiſt und Seele ein Deutſcher im idealſten Sinne iſt, in intelligenten Köpfen den Wunſch rege gemacht: durch Betrachtungen, Schilderungen und Culturbilder mannigfacher Art dem deutſchen Publicum eine Anſchau⸗ ung von dem Leben und Treiben im ruſſiſchen Reiche zu vermitteln.

Dieſes Intereſſe für ruſſiſche Bildungs⸗ und Sitten⸗ verhältniſſe hat ſich in neuer und neueſter Zeit noch durch zweierlei bei allen gebildeten Leſern geſteigert. Zunächſt durch den glücklichen Weltgeſchichtszufall, daß gegenwärtig in Rußland eine kleine edle Partei, an deren Spitze ſogar der Kaiſer ſteht, den großen Zweck thatkräftig verfolgt, ſeues weitgedehnte und durch Ländermaſſen mächtige Reich aus der alten Abſolutie und tyranniſchen Sclaverei heraus auf die lichtvolle Bahn der wahrhaften Staats⸗ und Volks⸗ entwickelung zu heben.

men innerlich mit Begeiſterung und fühlen, wie erhebend s wäre, wenn man auf dieſer Lichtbahn zum Ziele ge⸗ langte und nicht wieder von der alten Nacht des Rück⸗ ſhritts gekreuzt würde. Es iſt Pflicht, das Große und Schöne muthig zu erhoffen und ſich nicht durch die vielen diderniſſe abſchrecken zu laſſen, die ihm ſichtbar und un ſchtbar entgegenſtehen. Ueberhaupt iſt es unrecht, der Welt fortwährend die traurige Thatſache auseinander zu ſtzen, wie leicht der Aufſchwung einer ganzen Bevölkerung, m wie leicht ſogar der wirkliche, bereits vollſtändig er⸗ uungene Freiheitsbeſitz eines ganzen Volkes dieſem wieder ſuzu entreißen iſt, als ob er kaum je exiſtirt habe. Nur

Dritte Folge.

Alle Freunde der Menſcheurechte und des geiſtigen Weltfortſchritts ſegnen dieſes Unterneh⸗

eine lange, allmählich, nicht plötzlich errungene Culturepoche befeſtigt die Dauer der Aufklärung. Solche Befürchtungen erregen, heißt das Unheil herbeirufen durch Anerkennung von deſſen Macht. Glauben wir lieber an die des Heils und zweifeln wir nicht an der Kraft des Lichtes, ſo lange es leuchtet. Vertrauen iſt das Oel der Lebenslampe.

Nun tritt aber noch ein zweiter Umſtand in den Welt⸗ verhältniſſen hervor, welcher das moderne Intereſſe für den Gang der neuen ruſſiſchen Epoche um ſo lebhafter ſchärft. Ich ſpreche nicht in Bezug auf Politik, ſondern auf Bildung überhaupt. Seit mehreren Jahren nämlich ſind es doch weſentlich nur drei Länder, deren Entwicke⸗ lung die Aufmerkſamkeit der europäiſchen Intelligenz feſſelt, indem es ſich dabei um wirklich große regenerirende Fra⸗ gen handelt. Dieſe Länder ſind natürlich Italien, Amerika und Rußland. Leider iſt aber das Drama in den beiden erſten in eine Phaſe getreten, welche durch Unfähigkeit und ſittliche Corruption Stillſtand bringt, welcher leicht zu Umkehr und Auflöſung führen kann und den betrachtenden Geiſt nicht mehr erfreut. Man wendet ſich von dieſer Verwirrung mißmuthig ab. Um ſo mehr Theilnahme wird dadurch für Rußland erübrigt, denn was auch an Unordnungen und Unruhen provinziell dort paſſiren mag, und wie ſehr ſchwierig und ſtockend auch die Durchführung vieler Verbeſſerungen vor ſich geht, ſo iſt doch im Großen und Ganzen die ſegensreiche geiſtige Bewegung nach vor⸗ wärts im erfreulichen Gange..

Wie neu, unterhaltend und angenehm iſt es nun, nicht bloß in höherer geiſtiger, ſondern auch in ſtofflicher Be⸗ ziehung, wenn uns über Sitten und Gebräuche, über Lan⸗ desverhältniſſe, Gegenden, Städte, literariſche Erzeugniſſe und neue Culturbewegungen aller Art aus Rußland Dar⸗ ſtellungen gebeten werden, die mit feinem Geſchmack ausgewählt und dem Bedürfniß des Publicums angepaßt ſind!

Dieſen feinen äſthetiſchen Geſchmack beſitzt Wolfſohn in einem hohen Grade, wie ſich das in ſeinen Kritiken, in ſeinen Uebertragungen ruſſiſcher Novellen und Gedichte, und vor Allem in ſeinen trefflichen, überall erfolgreichen Dramen(zum Theil den ruſſiſchen Lebensfragen entnom⸗ men) jederzeit kund gethan hat. Dazu kommt als beſou⸗ ders ſchätzbare Zugabe die feine Delicateſſe und correcte Formengewandtheit, die Wolfſohn in der Behandlung der Sprache darlegt, ich meine nicht ſowohl der ruſſiſchen, die von ihm als zweite Mutterſprache natürlich vollkom⸗ men beherrſcht wird, ſondern der deutſchen Sprache, mit welcher es dieRuſſiſche Revue, als geiſtige Ver⸗ mittlerin beider Nachbarländer, einzig und allein zu thun hat.

Dennoch würde gewiß ein ſolches Blatt unſere Theil⸗ nahme doch nur in ſehr beſchränktem Maße in Anſpruch nehmen dürfen, wenn es, wie die meiſten ähulichen Unter nehmungen, ruſſiſchen Intereſſen mit Unterdrückung des eigenen freien Urtheils dienſtbar, das heißt alſo gegen die

Petersburger Regierungsbeſtrebungen unbedingt huldigend

wäre. Im Gegentheil aber begegnen wir in derRuſſi⸗ ſchen Revue einer Kritik, die ungebeugt iſt und auf dem echt deutſchen Boden der freien Forſchung und der huma niſtiſchen Ueberzeugung feſt ſteht.

Dies iſt ein äußerſt wichtiges Moment, denn wo ſich

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