Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
654
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ſich zu Nutze machend, befreiten ſich, eilten ihren einge⸗ ſchloſſenen König aus ſeiner gefahrvollen Lage zu retten, und ſammelten ſich auf's Neue unter ſeinem Oberbefehle, ihre vorigen Beſieger voll Durſt nach Rache und voll Kampfgier jetzt ihrerſeits bedrängend. Wie vom Teufel ſelber gejagt, entflohen, zerſtäubten die Oeſterreicher nach allen Richtungen, das Entſetzen hatte ſie mit bleicher Hand geſchlagen. 1

Kein Zuruf, kein Beiſpiel vermochte dieſer wilden Flucht Einhalt zu gebieten. Vergebens that Friedrich Wunder der Tapferkeit, vergebens warf er und ſeine Ge⸗ treuen ſich den Fliehenden entgegen, ſie waren nicht mehr zum Stehen zu bringen, nachdem die Furcht einmal Herr⸗ ſchaft über ſie gewonnen.

Friedrich von Oeſterreich, noch immer von einer tapfern Schaar umringt, kämpfte den Kampf der Verzweiflung. Vergebens beſchworen ihn einige ſeiner treueſten Anhänger ſich zu retten, jetzt da es noch Zeit war. Er hatte kein Ohr, weder für die Bitten des braven Ulrich von Wallſee, der herangeſprengt war, ihn zur Flucht zu überreden, noch für diejenigen des alten Pillichsdorf; er konnte nicht mehr ſiegen, ſo mußte er alſo ſterben. Das Blut eines der beiden Kaiſer mußte heute fließen auf der Ebene bei Mühldorf, damit Deutſchland nur einem Gebieter ferner zu gehorchen hatte, und der Friede in ſeinen Gauen ge⸗ deihen konnte. Friedrich ſuchte überall ſeinen Gegner, aber er fand ihn nicht. Unaufhörlich kämpfend ſchien ſein Arm keiner Ermüdung unterworfen. Immer kleiner wurde die Zahl der Seinen, die zum Theil den Tod fanden, zum großen Theile überwältigt und gefangen wurden. Durch die Flucht ihrer Untergebenen allein dem Feinde preisgegeben, vertheidigten ſich dieſe heldenmüthigen Ritter, die es verſchmähten ebenfalls zu entfliehen, bis ſie getödtet oder überwältigt wurden, und deßhalb geſchah es auch, daß in dieſer einen Schlacht 1400 Ritter zu Gefangenen gemacht wurden.

[VIII. Jahrg.

Aber kleiner und immer kleiner wurde das Häuflein der Tapferen. Herzog Heinrich, des Kaiſers Bruder, war gefangen, und am Ende waren es nur noch Dietrich von Pillichsdorf und Friedrich und einige Wenige, die den un⸗ gleichen Kampf fortſetzten. Aber trotz ſeiner wüthenden Gegenwehr mußte ſich der Erſtere doch ergeben. Friedrich war faſt allein, aber noch immer mähte ſein Schwert die Feinde nieder. Die Leiber häuften ſich um ihn, und noch immer ſaß er hoch zu Roß. Zahlloſe Hiebe und Stiche hatten ſeine Rüſtung durchlöchert und zerfetzt, den Reichs⸗ adler von ſeinem Helme herabgeſchmettert, aber keiner von ihnen hatte ihn erheblich verwundet. Beharrlich floh ihn der Tod, den er doch ſo eifrig ſuchte. Da durchbohrte endlich ein Lanzenſtich die Bruſt ſeines Pferdes, daß es augenblicklich ſtürzte. Er raffte ſich wieder empor unter dem ſterbenden Thiere und vertheidigte ſich ſtehend, jetzt der eine Mann gegen den ganzen Kreis, der ihn dichter und dichter umdrängte. Einer gegen Alle, und dennoch floh ihn der Tod! Er vertheidigte ſich immer mit gleicher Kraft, bis ſein Fuß ausglitt, vielleicht durch das Blut, das den Boden feucht und ſchlüpfrig gemacht hatte. er verloren. Der bairiſche Anführer Konrad von Rinds⸗

maul ſtürzte auf ihn zu, ohne ihn zu kennen, aber er er⸗ kannte ſeinen bewunderungswürdigen Heldenmuth und

wollte ſeinen Tod verhindern.

Ergebt Euch, Ritter, ſagte er, indem er ihm half ſich aufzurichten.

Matt ſchlug Friedrich die großen dunkeln Augen auf. Unter welchem Herrn habt Ihr gefochten? fragte er ſanft.

Unter dem edeln Burggrafen von Nürnberg.

So ruft ihn, daß ich ihm mein Schwert übergebe.

Konrad von Rindsmaul, deſſen Seele ein Blitz der Wahrheit durchleuchten wollte, entfernte ſich.

Stumm und mit ehrendem Schweigen ſchauten die Friedrich umgebenden Ritter auf den überwundenen Hel⸗

Miscellen.

Mannigfaltiges.

Eine der größten Münzſeltenheiten iſt eine Silbermünze, die im Jahre 1751 zu Breslau ausgeprägt worden war. Bei der dortigen Münze war ein Oeſterreicher angeſtellt, der aus Haß gegen Friedrich II. von Preußen, welcher durch Eroberung die Provinz Schleſien and ſich geriſſen, ſich auf folgende Weiſe an ihm rächte. In der Deviſe theilte er die WorteEin Reichsthaler auf folgende Weiſe ab:Ein Reich ſthal er. Dieſe injuriöſen Thalerſtücke wurden auf Befehl des Königs eingeſchmolzen; doch exiſtiren noch einige dieſer Münzen..

Die öſterreichiſche Armee iſt nun mit verſchiedenen feldmäßi⸗ gen Batterien von Schießwollkanonen und Haubitzen verſeben, nachdem die Bereitung der exploſiven Baumwolle eine Vollkom⸗ menheit erreicht hat, die ſogar die Gefahr der Entzündung beim Transport beſeitigt und alle Erwartungen der Erfinder rechtfer⸗ tigt. Aber noch warten der alte wackere Böttger in Frankfurt und Schönbein in Baſel, die Erfinder der Schießbaumwolle, auf die Auszahlung der Nationalbelohnung, welche ihnen in vormärz⸗ lichen Zeiten zuerkannt worden iſt. So ehrt man in Deutſchland noch heute das Verdienſt, denn was wäre die Kunſt der Photo⸗ graphie, die heutzutage ſo hoch ſteht, wenn der Erfinder des Col⸗ lodiums nicht geweſen wäre! 9.

Ein Bewohner La Rochelle's ſoll, wie man in einer Pariſer Correſpondenz des Meſſager du Midi lieſt, nach zehnjährigem Studium und den mühſamſten Forſchungen das Mittel gefunden

haben, durch Anwendung der Elektricität das ganze Breitfeuer eines Kriegsſchiffes in einen gegebenen Punkt zu concentriren. Kein Küraß und kein Eiſenpanzer, welches auch ſeine Dicke ſei, könne der Gewalt dieſer convergirenden Schüſſe widerſtehen. Der Erfinder dieſes ſchrecklichen Zerſtörungsmittels ſoll dem Kai⸗ ſer ſein Geheimniß mitgetheilt haben. 5.

Wortke für Welt und Haus.

In Beobachtung und Beurtheilung unſeres Nächſten liegt es uns parteilich nahe, ungerecht im Sinne der Anklage zu entſchei⸗ den: ſind wir doch Ankläger und Richter in einer Perſon!

Eine Frau, welche herrſcht, iſt ſehr erbaut davon, fühlt ſich aber nie glücklich. Ueberglücklich aber iſt die, welche von der Liebe und Kraft eines werktüchtigen Mannes beherrſcht wird.

Hütet Euch, Ihr Männer, daß Eure Oberlippe nicht zu glatt ſei, ſonſt laſſen ſich Eure Frauen einen geiſtigen Schnauz⸗ bart ſtehen. Lange werdet Ihr an den unſicht baren nicht glauben wollen, denn es iſt der einzige Bart, den man beim Küſſen nicht merkt. Aber beim Schmollen, da ſtachelt er ſchon von Weitem. Ihn plötzlich abzuſchneiden, iſt nicht rathſam, weil er bei nächſter Gelegenheit wieder wächſt. Aber durch Scham und Reuethränen, die Eure männliche Charakterſtärke beim Weibe hervorruft, wird er gründlich weggeätzt. 3

Da war

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