Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
653
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Nr. 41.)

cheln verklärte ſeine Züge, und den Arm ausſtreckend und auf den eben genannten Punkt hindeutend, tönte ein Ju⸗ belruf aus ſeinem Munde. Aus dem Walde hervor zog eine Schaar ven Kriegern, mehr und immer mehr trennten ſie ſich los aus dem dunkeln Schatten der Bäume, und alle waren Ritter, fürwahr eine ſtolze Schaar! 3

Die Sonne, eben hoch im Mittage ſtehend, funkelte auf ihren ſpiegelhellen Schilden, dieſe gleichſam in eine unab⸗ ſehbare Meuge kleiner Sonnen verwandelnd, vor denen das Auge geblendet zurückweichen mußte, und hoch über den Häuptern dieſer Ritterſchaar wehte das Habsburgiſche Banner.

Es iſt Leopold, mein Bruder, rief Friedrich.Er kommt mit den Seiuen, er bringt uns den Sieg. Will⸗ kommen, mein Bruder! Meine Hoffnung hat mich nicht getäuſcht, Du kommſt im rechten Augenblicke. Und wie das Brauſen des Meeres von Welle zu Welle ſich fort⸗ pflanzt, ſo tönten ſeine Worte fort in den Reihen ſeiner Krieger. Auf tauſend Lippen ſchwebte das jubelnde Will⸗ kommen, und Tauſende von Herzen ſchlugen den Nahenden voll Wonne entgegen. Der Kampf ſtockte an allen Seiten, denn für einen Augenblick vergaßen die öſterreichiſchen Streiter auf ihre vor Schreck erſtarrten Feinde einzuhauen, für einen Augenblick überließen ſie ſich allein dem Gefühle des Glückes, des Triumphes; konnte ihnen doch jetzt der Sieg nicht eitgehen, Herzog Leopold mußte die ſichere Entſcheidung bringen.

Eile, Otto, rief Friedrich dieſem zu,eile, ſo ſchnell Dein Pferd Dich trägt, meinem Bruder entgegen und bringe ihm meinen Befehl, ſich nach links zu wenden. Während er meinen linken Flügel verſtärkend dort den Ausſchlag gibt, wird unſere Arbeit auch hier vollendet ſein.

Otto gehorchte, wie ein Pfeil dem vermeinten Hülfs⸗ heere entgegenfliegend. Kaum hatte er jedoch die Hälfte

Dritte Folge.

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des Weges zurückgelegt, als er ſtutzte, denn jetzt, als die heranziehenden Ritter ungefähr auf Bogenſchußweite ſich den Oeſterreichern genähert hatte, ſenkte ſich plötzlich das Habsburgiſche Banner, die bairiſchen Farben rauſchten empor, und der dunkeln Wetterwolke gleich, die in ihrem Schooße das nahende Unheil birgt, eine dicht geſchloſſene Phalanx bildend, donnerte die Schaar heran, auf den Spitzen ihrer Lauzen das Verderben tragend, das ſie bald in die Reihen der öſterreichiſchen Ritter ſchleudern ſollte. Da erſtarrten die eben noch jauchzenden Lippen und für die nächſte Minute hatte der Schreck ſie verſiegelt, aber nur für dieſe erſte Minute, daun brach das Entſetzen ſich Bahn in jenem furchtbaren tauſendſtinmigen, die Luft durchzitternden Weheruf, und das Blut der Tapferſten ge⸗ rann zu Eis.

Es war nicht Leopold, der Heißerſehnte, jubelnd Be⸗ grüßte, es war im Gegentheil der Burggraf Friedrich von Nürnberg, der treuergebene Freund und Bundesgenoſſe Ludwig's von Baiern, dem Schweppermann ſchon am Morgen befohlen hatte, mit einer Schaar auserleſeuer Ritter am Ihen hinzuziehen und zur geeigneten Zeit im Rücken der Oeſterreicher hervorzubrechen. Um dieſe Kriegs⸗ liſt deſto ſicherer auszuführen und die Gegner zu täuſchen, hatte der Burggraf ſein Manöver unter dem Schutze des feindlichen Banners ausgeführt, und wie wir geſehen, war ſeine Abſicht nur zu wohl gelungen. Was nicht die aus⸗ gezeichnetſte Tapferkeit der bairiſchen Partei hätte erringen köunen, das bewirkte in einem Augenblicke der Schreck; der Wechſel vom höchſten Jubel zum Entſetzen, dieſe ganze Enttäuſchung war zu furchtbar, und lähmend machte ſich die Wirkung in den Reihen der Oeſterreicher kund. Wäh⸗ rend der Burggraf von hinten mit ſeinen vor Kampfesluſt brennenden Rittern den Angriff machte, ſtürmten gleich⸗ zeitig die neuermuthigten Baiern von vorn auf die erſchreck⸗ ten Krieger Friedrich's ein.

Die gefangenen Böhmen, die allgemeine Verwirrung

Literatur.

Zeitgenoſſen. Biographien und Charakteriſtiken von Friedrich von Reumont. Berlin, Decker'ſche geheime königl. Ober⸗Hofbuchdruckerei. 1862.

Dieſes Werk, von dem uns zwei Bände vorliegen, iſt zwar in ſeinem Ton vorzugsweiſe literarhiſtoriſch und diplomatiſch po⸗ litiſch; doch ſpricht es über ſo intereſſante Zuſtände und Perſonen, daß es auch in weiteren Leſerkreiſen nicht mit gleichgültigen Augen Angeſehen werden wird.

Reumont iſt ganz der Mann, um über italieniſche Stoffe, uch wenn ſie der Gegenwart entnommen ſind, eine gründliche Darſtellung zu geben, denn er hat ſich durch langjährigen Auf⸗ enthalt in Italien gründliche Kenntniſſe von deſſen Weſen und Charakter erworben. Seine wohlſtyliſirte Darſtellung iſt über⸗ ſichtlich klar, wenn auch mehr der kritiſchen Relation, als einer friſchen, lebendigen Schilderung zugethan.

Viel neues Licht wird in dieſen Bänden auf die Kämpfe zwi⸗ ſchen Oeſterreich und Piemont und auf die Haltung des italieni⸗ ſchen Volkes in denſelben geworfen. Es kommt dergleichen merk⸗ mürdiges Detail hauptſächlich bei der Lebensgeſchichte Ceſare Balbo's und ſeiner literariſchen Thätigkeit zur Sprache. Die Stürme der Jetztzeit, die mehr Unglück als Sieg verſprechen, werden aus alten Sünden und Schwächen erklärlicher.

Der zweite Band bringt eine bunte Miſchung von Charakte⸗ riſtiken. Wir finden darin Friedrich Wilhelm den Vierten, Adolf won Brockhauſen, Thorwaldſen, Friedrich Adam, den Grafen von Guilford, Andrea Muſtoxidi, Giulio Pallavicini und Pompeo Litta.

Viele dieſer Einzelheiten ſind nur kurze Bruchſtücke und an ſich von keiner umfaſſenden Bedeutung; doch muß man ihnen in ihrer ſich oft und beſonders in Bezug auf JItalien ergänzenden Reihenfolge geſchichtlichen Werth zuerkennen.

Die Ausſtattung des Werkes hat etwas Feines, Apartes, wie es oft in der Decker'ſchen Verlagshandlung vorkommt.

O. B.

Stimmen der Liebe heißt eine der reichhaltigſten und gediegenſten Gedichtſammlungen, welche von Albert T raeger's künſtleriſcher Hand und mit dem feinen Sinn des Dichters aus⸗ gewählt, in dem Verlage der Winter'ſchen Verlagshandlung(E. Polz) in Leipzig und Heidelberg erſchienen iſt. Alles Schönſte, was die Dichter der Neuzeit geſungen denn vornehmlich haben ſie ihre Gaben gereicht, wenn auch ab und zu ein altes theures Vermächtniß uns entgegentritt iſt hier zu einem vollen, abge⸗ rundeten Ganzen geordnet. Begegnet man auch manchem Be⸗ kannten, ſo ſind es ſtets die liebſten Bekannten, welche uns grü⸗ ßen, und neben ihnen, wieviel Neues und Wunderholdes blüht uns entgegen, das noch keine der unzähligen Gedichtſammlungen uns geboten hat! Es mag keine leichte Mühe geweſen ſein, das Alles zu erforſchen und aufzufinden, und dem eifrigen Sammler gebührt volle Anerkennung. Trifft ihn ein Tadel, ſo iſt es der, daß er zu wenig von ſeinen eigenen ſo beliebten Liedern in das Ganze eingewebt. Wir begegnen ſeinem Namen zwar immer dankbar, doch nicht oft genug. Die Ausſtattung des Buches klarer, fehlerloſer Druck, anſprechende, colorirte Illuſtrationen und Holzſchnitte iſt überraſchend ſchön, und ſie im Verein mit dem Inhalt erhebt es zu einem Prachtwerk, dem wir die weiteſte Verbreitung wünſchenä. S.