Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
651
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Der Windesbraut gleich, mit eingelegter Lanze ſauſten er und ſeine Böhmen dem Feinde entgegen, aber ſie fanden tapfern Widerſtand. Die ungariſchen Völker ſtanden ihm unter Pillichsdorf's Oberbefehl entgegen. Sie hielten den wüthenden Angriff aus gleich einer Mauer, und manche böhmiſche Lanze zerſplitterte an den ungariſchen Schilden.

Johann war aber nicht der Mann, um ſich zurück⸗ ſchrecken zu laſſen, und erneuerte mit ungeſtümer Haſt ſei⸗ nen Augriff, während der Kampf ſich überall verbreitete.

Schweppermann leitete die ganze Schlacht von Seiten der Baiern; auf keinen beſondern Poſten beſchränkt, ſah man ihn überall ſtets zu Stelle, wo es Noth that, kluge Befehle austheilend und mit einer für ſein Alter und ſeine Schwächlichkeit ausgezeichneten Tapferkeit ſelbſt fechtend.

Die Baiern begannen zu weichen, am übelſten erging es ihnen jedoch auf ihrem linken Flügel. König Johann's zweiter ungeſtümer Angriff war zurückgeworfen, und un⸗ widerſtehlich drangen Pillichsdorf und Herzog Heinrich mit ihren Ungarn auf die Böhmen ein. Vor den Stößen ihr er baumſtarken Lanzen konnten ſich dieſe nicht behaup⸗ ten, und bereits fünfhundert ihrer beſten Ritter waren aus dem Sattel gehoben und zum größten Theil zu Ge⸗ fangenen gemacht.

Johann ſah bald ein, daß an ein Vorwärtskommen nicht mehr zu denken war; und mit gewaltiger Stimme die Seinigen um ſich ſammelnd, die noch Stand zu halten ſchienen, gelang es ihm mit dieſen einen Hügel zu gewin⸗ nen, auf dem ſie ſich mit einiger Ausſicht auf Erfolg, we⸗ nigſtens für die nächſte Zeit, vertheidigen konnten. Unglück⸗ licherweiſe entmuthigte aber dieſe Niederlage der Neiter auf der linken Seite das Fußvolk, welches hier zu weichen und zu fliehen begann, während es in der Mitte der Schlachtlinie vor dem Anſtürmen Friedrich's zurückwich.

Kaiſer Ludwig, überall im heißeſten Kampfgewühl, aber ſtets den Stellen ausweichend, wo ſein Gegner

Dritte Folge

. 651 Friedrich, einem ſtrahlenden Kriegsgott gleich, vorwärts⸗ drang, erkannte die immer mißlicher ſich geſtaltende Lage der Seinen.

Man muß dieſes Fußvolk verhindern zu fliehen, und ſie zwingen, Stand zu halten und ihre Schuldigkeit zu thun. Mir nach, meine Freunde! rief er laut und ſprengte mit verhängtem Zügel, nur von einer kleinen Schaar begleitet, den Weichenden nach, ihnen ein donneru⸗ desHalt! zurufend. Es gelang ihm wirklich, durch kraftvolle Worte ſie anfeuernd, Einige zum Stehen zu bringen und ſie zurückzutreiben, aber das Weichen wurde allgemeiner am linken Flügel, und dahin ſich wendend, wo die Gefahr am dringendſten war, lenkte er ſein Pferd nach jener Seite, ohne daran zu denken, ob ihm ſeine Begleiter folgten. Dieſe hatten wirklich in der Aufregung ſein raſches Fortſprengen nicht bemerkt, nur Teck, ſeinem Ge⸗ lübde treu, war neben ihm.

Vergebens warfen ſie ſich den Fliehenden entgegen, der Schreck hatte die Bande der Ordnung gelöſt, und um nicht mit der Flucht fortgeriſſen zu werden, drangen Beide in's Vordertreffen den bedrängten Böhmen zu Hülfe, aber es ſollte ihnen nicht gelingen dieſelben zu erreichen. Ein Trupp der heidniſchen, die ungariſchen Hülfsvölker beglei⸗ tenden Kumanen ſchnitt, pfeilgeſchwind vordringend, ſich zwiſchen ſie und ihr Ziel werfend, ſie von dieſem ab. Be⸗ vor ſie ſich recht beſinnen konnten, waren ſie umringt und von blitzenden Schwertern umgeben.

Wir ſind verloren! ſagte halblaut der Kaiſer.

Niemals, ſo lange wir ein Schwert führen können, rief begeiſtert Ludwig von Teck.

Ergebt Euch! brüllten um ſie hundert wilde Stim⸗ men,ergebt Euch! die Mehrzahl Eurer Ritter hat ſich ſchon ergeben.

Um ſo ſchlimmer für Euch, Ihr müßt dann für ſie Alle büßen, donnerte des Kaiſers Stimme, und dicht an⸗ einandergedrängt ſtürmten Beide in den dichten Haufen,

ten erſte Frau) alle diejenigen aufnehmen, die meinem Diener Joſeph verliehen worden ſind und die in meinen Augen tugend⸗ baft ſind. Emma freilich, von welcher der Prophet ſagte, ſie fönne im Himmel nicht zufrieden ſein, wenn ſie nicht das Regi⸗ ment führte, fügte ſich dieſer Weiſung ſo wenig, daß ſie vielmehr dem neuen Glauben abtrünnig wurde und ſpäter einen Mr. Bri⸗ deman heirathete. Wenn andererſeits die verſchiedenen Reiſenden, deren Zeugniſſe uns vorliegen, ſich im Allgemeinen günſtig über die Folgen dieſer Einrichtung ausſprechen, ſo muß man bedenken, daß ſie nur nach dem Aeußern urtheilen konnten, da ihnen ſchwer⸗ lich irgend eine Gelegenheit geboten wurde, von den betreffenden Frauen etwaige Beſchwerden, wenn ſie ſolche gehabt hätten, zu hören. Zudem iſt in Anſchlag zu bringen, daß die Polygamie erſt ſo kurze Zeit und noch dazu unter Verhältniſſen beſteht, wo ihre Schattenſeiten nothwendigerweiſe weniger grell hervortreten.

Die Verwandtſchaftsgrade, innerhalb deren eine Heirath er⸗ laubt iſt, ſind weniger beſchränkt als ſonſt, ſodaß ein Mann nicht nur Schweſtern und ſeine eigene Halbſchweſter, ſondern auch zu gleicher Zeit Mutter und Tochter heirathen darf. Wünſcht Je⸗ mand eine zweite Frau zu nehmen, ſo hat er zunächſt den Pro⸗ pheten darüber zu fragen, und wenn dieſer einwilligt, die Erlaub⸗ niß ſeiner erſten Frau, die indeſſen nicht unumgänglich nothwen⸗ dig iſt, ſowie die Genehmigung ſeiner künftigen Schwiegereltern nachzuſuchen. Die verſchiedenen Frauen wohnen entweder in einem gemeinſamen Hauſe zuſammen, während der Mann ſeine beſondere Wohnung hat, oder ſie wohnen alle unter demſelben Dache, jedoch in geirennten Gemächern, oder es wohnt der Mann der Reihe nach eine beſtimmte Zeit bei jeder ſeiner Frauen, die bisweilen in ziemlichen Entfernungen voneinander leben.

Alles iſt aufgeboten, um den Frauen ſelbſt die neue Lehre erwünſcht oder angenehm zu machen; ihnen wird ewige Verdamm⸗ niß angedroht, wie ihnen andrerſeits alle Freuden des Paradieſes verheißen werden. Damit hängen denn auch die vier Arten des Heirathens durch Stellvertretung zuſammen, die neben der ge⸗ wöhnlichen Ehe beſtehen. Bei der Stellvertretung, welche der Seligkeit des Himmels theilhaft macht(the glorifying proxy), heirathet ein Mann auf Zeit die Frau, welche in einer für die Ewigkeit geſchloſſenen Che Witwe geworden iſt, und die Kinder aus einer ſolchen Ehe gehören dem erſten Manne, welcher der Mutterangeſiegelt worden. Die zurückwirkende Stellvertre⸗ tung(the retroactive proxy) iſt die zeitweilige Vermählung mit Lebenden, die aber im Namen von Verſtorbenen für die Ewigkeit abgeſchloſſen wird. So heirathete Brigham Young eine Frau, damit ſie in der Ewigkeit eine der Königinnen des verſtorbenen Joſeph Smith werde. Die Kinder aus einer ſolchen Ehe gehören gleichfalls dem Gatten in der Ewigkeit, nicht dem rechten Vater auf Erden. Die ergänzende Stellvertretung(the substitutive proxy) iſt hauptſächlich für die Miſſionäre berechnet, die fern von ihren Familien in der Fremde ſich aufhalten müſſen. Sie können ſich durch einen Andern bei Frau und Kindern vertreten laſſen, um nicht des Segens einer zahlreichen Nachkommenſchaft verluſtig zu werden. Die erlöſende Stellvertretung(the redeeming proxy) endlich iſt ein Ausfluß der Vorſtellung, daß ohne Heirath keine vollſtändige Erlöſung möglich ſei. Wer unverheirathet ſtirbt, bleibt nämlich in jener Ewigkeit nach der Lehre der Mormonen in einer Art von Fegefeuer, aus dem er nur dadurch erlöſt werden kann, daß ein Anderer eine Frau für ihn heirathet und mit der⸗ ſelben Nachkommenſchaft erzeugt. Außerdem gibt es dann noch