Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
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Uovellen-Zeitung.

Du biſt in einem gereizten Zuſtand, in dem man Ge⸗ duld mit Dir haben und Dir Alles vergeben muß den jungen Maler nur in dem großen Atelier des Profeſ

[VIII. Jahrg.

Bis jetzt hatte er freilich die Bekanntſchaft dieſer bei⸗

Deine Worte ſo gut wie Dein Bild ſagte Roderich. ſors gemacht, bei dem ſie als Schüler arbeiteten, aben eben

Das iſt das Traurigſte bei einer ſolchen Leidenſchaft, daß ſie plötzlich wie eine Krankheit kommt, die meiſt auch Er blindung, wenigſtens momentane, in ihrem Gefolge hat! Die Ungerechtigkeit gegen mich vergebe ich Dir am leichte, ſten am ſchwerſten die gegen Dich ſelbſt, gegen die Kunſt! denn zuletzt hängt freilich Beides zuſammen. Wie war einſt der Maler Schröter von Dir ſo gut geprieſen wie von mir, weil er in dentrauernden Lohgerbern die verhimmelte Romantik der Düſſeldorfer Schule verſpottete! wie zogen wir gegen dieſe griechiſchen Schäfer und Helden zu Felde, die ſelbſt in Leſſing's Landſchaften niemals fehl⸗ ten und nun malſt Du ſelbſt, wenn nicht eine trauernde, doch eine ſehnſüchtige Griechin! ſteckſt eine moderne Schöne in das antike Gewand und gewiß wird ſie es Dir ſelbſt am wenigſten Dank wiſſen daß Du ſie ſo und ohne Crinoline gemalt.

Victor, deſſen ganzes Geſicht ſchon den Ausdruck einer immer höher geſteigerten Empfindlichkeit angenommen hatte, wollte eben eine dem entſprechende Antwort geben, als ſich die Thür öffnete und ein kleiner magerer Herr von mittleren Jahren, mit einem feingeſchnittenen, aber etwas pockennarbigen Geſicht, grau werdendem Backenbart und kleinen ſtechenden Augen eintrat. Seine Kleidung war von einfacher Vornehmheit, ein paar Orden vervollſtändig⸗ ten den Eindruck, den ſeine ganze Erſcheinung machte.

Die beiden Freunde verneigten ſich höflich vor ihm wie hätten ſie nicht Herrn Kammerherrn von Rauhberg kennen ſollen, einen der erſten Kunſtfreunde und Kunſtken⸗ ner Münchens, der oft ſowohl in ſeinem eigenen Intereſſe, als in dem des Königs Ludwig, der ihm in manchen künſt⸗ leriſchen Beziehungen ſein Vertrauen ſchenkte, ſich in allen Kunſtkreiſen Münchens bewegte, in allen Künſtlerateliers ſich umzuſehen pflegte.

da hatten ihre Leiſtungen ſeine Aufmerkſamkeit erregt, und er hatte das nur im Kunſtverein ausgeſtellte hübſche Bild Roderich'sSonntagnachmittag gekauft anfänglich es ſeiner eigenen Sammlung einzuverleiben. Als ihn aber ein anderer Maler darauf aufmerkſam machte, daß Rode⸗ rich in der Katze die Doctorin Eißner dargeſtellt denn ſo etwas bleibt in jugendlich übermüthigen Künſtlerkreiſen nicht verborgen, ſo konnte der joviale Kammerherr dem Reiz nicht widerſtehen, dieſen Spaß auf Koſten der Doc⸗ torin, die er um ihres oft arroganten Weſens willeu nicht recht leiden mochte, noch weiter zu treiben und das Bild ihr ſelbſt, natürlich mit jener anders zu deutenden Bemer⸗ kung, zu überreichen. Davon freilich, daß Jemand und noch dazu Victor ſelbſt in halber Beſinnungsloſigkeit Alles verrathen würde, hatte er noch keine Ahnung. Aber als man ihn jetzt eintreten ſah, konnte Victor nicht anders glauben, als der Kammerherr kemme, um ihm dies Aus⸗ ſchwatzen vorzuwerfen. Der Maler war darum ſo be⸗ ſtürzt, daß er vergaß Lesbia's Bild zu verhüllen, das er bisher noch immer allen Blicken verborgen hatte.

Und wie hätte dies den Augen eines Kunſtkenners ent⸗ gehen können, der ſeinen allgemeinen Schönheitsſinn be⸗ ſouders gern auf das weibliche Geſchlecht übertrug und von dem man wußte, daß er ſchon mehr als eine holde Baierin ausfindig gemacht, die Schönheitsgalerie König Ludwig's in der königlichen Reſidenz zu bereichern.

Ach, dacht' ich's doch! rief er mit vornehm freund⸗ lichem Gruß,dacht' ich's doch gleich, man muß die jungen Adler in ihren verborgenen Neſtern aufſuchen, da findet man die Strahlen, die ſie vom Sonnenfluge geſtohlen haben in der That, ich erſtaune!

Und ſchon ſtand er vor Lesbia's Bild in der richtigen Stellung, die ihm die günſtigſte Beleuchtung gewährte, und

Staaten den Weinbau ziemlich lebhaft betrieben, denn ſie hatten ſich davon überzeugt, daß auf Aeckern, die durch frühere Culturen ganz erſchöpft waren, der Weinſtock trefflich gedieh und zwei und ein halb Jahr nach ſeiner Pflanzung 30 40 ein halb Pfund ſchwere Trauben gab, ſo daß ſie von einem Morgen Landes 800 bis 1000 Gallons Wein erzielten.

Seit langer Zeit bauten die Farmers in den alten Staaten mehr oder weniger gute Weine. Jede Familie trug dafür Sorge, ſich von dem Safte der wilden Trauben durch Zuſatz von Zucker und Alcohol ſo viel Wein zu bereiten, als ſie im Jahre bedurften. Dieſe Hausweine waren nichts anders als ſehr ſüße ſpirituöſe Liqueure, die ſehr angenehm ſchmeckten, gleichzeitig aber auch ſehr berauſchten. Der Gaumen dieſer Leute war damals durch den Ge⸗ brauch des Rum und Whisky zu abgeſtumpft, um durch einen na⸗ türlichen Wein, und wäre es ſelbſt Burgunder oder Rheinwein geweſen, befriedigt zu werden. Dieſem Gebrauch ſind die Nord⸗ amerikaner bei ihren Wanderungen nach Weſten treu geblieben, und überall, wo der Weinſtock ſich fand, bereiteten ſie ſich dieſe Art von Wein; doch jetzt will man etwas Beſſeres; man will gute Weinberge anlegen und mit Europa ſelbſt rivaliſiren, zugleich aber auch durch den beſſern Wein der Geißel der Unmäßigkeit, die ſo viel Unheil anrichtet, entgegenwirken.

Die beſten Weinberge finden ſich in den Staaten Ohio, Miſ⸗ ſouri und Indiana. Auch das weſtliche Virginien, die Staaten Newyork, Pennſylvanien, Maryland ac. beginnen, Weine zu er⸗ zeugen. Die bedeutendſten Weinberge finden ſich in der Umgebung von Cincinnati unter der Leitung der Herren Longwood und Zimmermann, deren Weine ſich einen gewiſſen Ruf verſchafft haben und auf den verſchiedenen Märkten des Landes verbreitet ſind.

Nach den ſtatiſtiſchen Angaben erzeugten die nordamerikaniſchen Freiſtaaten, Californien mit eingeſchloſſen, im Jahr 1850 221,000 Gallons Wein; im Jahr 1857 belief ſich die Weinerzeugung be⸗ reits auf 3,000,000 Gallons, und ſeitdem hat dieſelbe ſich von Jahr zu Jahr höher geſtellt..

Die vorzüglichſten Weine der nördlichen und der nordweſt⸗ lichen Staaten ſind: der Catawba sparkling wine(ein mouſſiren⸗ der Wein); der Catawba still wine(nicht mouſſirender Wein); der Claret, eine Nachahmung des Bordeaux, und weiße Weine, welche die Rheinweine vertreten ſollen. Alle dieſe Weine haben mehr oder weniger das Bouquet, das den amerikaniſchen Trauben eigenthümlich iſt. Von den Weinen, die einen Zuſatz von Zucker und Alcohol erhalten haben, ſind Iſabella und Catawba sweet wines(ſüße Catawba⸗Weine) am meiſten verbreitet, und ſie wer⸗ den in Weinhäuſern, Hotels und Schenkwirthſchaften getrunken. Man verlangt ſie unter den wohlklingenden Namen Smaſh, Grog, Cocktail, Julep, Cobler ꝛc., doch ſo wohlſchmeckend ſie auch ſind, ſo hinterliſtige und ſo verrätheriſche Getränke ſind ſie gleichzeitig.

Im Allgemeinen ſind die geſchätzteſten europäiſchen Weine für den amerikaniſchen Gaumen ſcharf und unangenehm. Ein

Deutſcher, der ſeit einer Reihe von Jahren in Cincinnati gewohnt

hatte und einſt ſein früheres Vaterland beſuchte, brachte von dort Rheinweine erſter Qualität mit zurück, mit denen er ſeine Rück⸗ kehr feiern wollte, indem er ſeine Freunde wie ein vornehmer Herr bewirthete. Er freute ſich ſchon im voraus auf ihre Ueberraſchung und die Complimente, die er von ihnen erhalten würde. Doch wie groß war ſeine Verwunderung, als der Erſte ſeiner Gäſte, der ein Glas dieſes Rheinweines nach ſeinem Munde führte, nur einen

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