Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
646
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Hälfte der Kämpfe und Schmerzen, welche ſie in ſolch

einem Leben durchgemacht.

Und wie iſt jetzt ihr Zuſtand, ihre Lage? wagte Victor eine letzte Frage.

Mein Mann hofft, daß die Ereigniſſe dieſes Mor⸗ gens keine bedenklichen Folgen für ſie haben werden, ent⸗ gegnete die Doctorin faſt doppelſinnig,indeß darf ich ſie nicht zu lange allein laſſen und muß mich daher wieder von Ihnen beurlauben ſollte das Fräulein nach Ihnen Verlangen tragen, oder wir ſonſt Ihrer gütig angebotenen Dienſte bedürfen, ſo können Sie ſich darauf verlaſſen, daß wir nach Ihuen ſenden werden. Sie ſprach die letzten Sätze zwar mit freundlicher Stimme, aber mit einem ſol⸗ chen Anklang von Hohn, daß er gar nicht umhin konnte, unwillkürlich ſeinen Blick von ihr weg und auf die gemalte Katze wie zur nochnialigen Vergleichung zu weuden dann empfahl er ſich und draußen im Vorſaal ſeinen Blick nach dem Seitencorridor wendend, an deſſen äußerſtem Ende ſich das Zimmer befand, das jedenfalls jetzt Lesbia bewohnte, murmelte er für ſich:O ich Dummkopf! Erſt ein halbverrückter Grieche und nun die empörte Doctorin ich bin aus der Scylla in die Charybdis gekommen und Lesbia geht es vielleicht ebenſo!

VI.

Im erſten Augenblicke wollte ſich Roderich faſt vor Lachen ausſchütten über Victor's Mittheilung von dem Schickſale ſeines GenrebildesSonntagnachmittag, das er ſich freuen durfte an einen Kunſtfreund verkauft zu haben, ohne deſſen weitere Abſicht damit zu kennen. Daß es gerade dem phantaſtiſchen und ſonſt ſo rückſichtsvollen Victor hatte geſchehen müſſen, in der Aufregung ſich ſo irre führen und zu einer ſolchen Rückſichtsloſigkeit hinrei⸗ ßen zu laſſen, fand er doppelt ſpaßhaft. Als aber dieſer erſte Effect der Neuigkeit vorüber war, überlegte Roderich doch die möglichen Folgen dieſes Spaßes und verlor dar⸗

über wenigſtens auf einige Momente die gewohnte gute Laune. Ganz gleichgültig war die Sache denn doch nicht ſelbſt das große München hatte noch kleine Kreiſe mit kleinſtädtiſchen Elementen genug, in denen ſich ſo etwas zum Schaden eines jungen Künſtlers herumſprechen konnte

von der einen Katze ließ ſich auf Anderes ſchließen.

Um ſchon mit ſeinem Pinſel eine Macht zu bilden, die ſich immerhin gern gefürchtet ſehen mag, war er denn doch noch zu ſehr im Anfang ſeiner Laufbahn, und dazu, daß man es ihm noch für einen kindiſchen Streich auslegen ſollte, den man den Flegeljahren vergibt, war er wieder ſchon zu lange aus ihnen heraus. Als er dann auch noch erfuhr, raß die Doctorin was freilich ziemlich naturgemäß war; das Bild aus ihrem Wohnzimmer entfernt hatte: ſo ſah er daſſelbe im Geiſte entweder in Flammen auf⸗ gehen oder in irgend einer Bodenkammer verſtäuben oder vermodern dies Alles machte ihm unangenehme Augen⸗ blicke und ſchließlich unangenehme Tage, er ward launen⸗

haft gegen den Freund,der ihm einen Spaß verdorben

habe. Darauf vermied ihn Victor und blieb ſogar aus dem Atelier weg die Staffelei, an der er zu arbeiten pflegte, blieb leer, und ſelbſt der Meiſter wunderte

ſich über das plötzliche Verſchwinden ſeines fleißigſten

Jüngers. Lange freilich ertrug Roderich's bewegliche und zugleich treue Natur eine ſolche Vereinſamung nicht er ſuchte

Victor endlich in ſeiner eigenen Behauſung auf und wagte ſich, wie er ſich ausdrückte,in der brüllenden Löwin eigne Höhle weil er das Wohnhaus der Doctorin durch⸗ ſchreiten mußte.

Das konnte nun Victor oft zwanzig Mal des Tages thun, ohne daß er der Doctorin begegnete und gerade dann, wenn er es wünſchte, traf er ſie am wenigſten. Aber Roderich ſetzte nur den Fuß über die Schwelle des Hauſes, als er die Doctorin ſo ſchnell durch die Hausflur ſchreiten ſah, daß er entweder geradezu mit ihr zuſammenprallte

Hilarius, deſſen Augen auf den Ring des heiligen Druon gerichtet waren, bemerkte das Mädchen gar nicht.

Dieſe fing an Lieder zu ſingen, worin ſie das Glück der Liebe pries. Hilarius erhob ſich mit Verachtung und an ihr vorüber⸗ gehend, ohne ſie eines Blickes zu würdigen, ging er in Frieden auf dem Wege in ſein Kloſter zurück.

Das junge Mädchen ſchwang ſich auf ein feuriges Roß, das ſich in der Nähe befand, und galoppirte wie wahnſinnig hinter Hilarius her, den ſie in der ſumpfigen Gegend von Contimpré einholte. Dann lenkte ſie ihr Pferd mitten in den Koth und wußte es ſo einzurichten, daß die Hände des jungen Mönchs mit Koth beſudelt wurden.

Dieſer näherte ſich hierauf einer Quelle, um ſeine Hände zu reinigen, und während der Zeit, wo er mit dem Waſchen ſeiner Hände beſchäftigt war, nahm er den Ring des heiligen Druon einen Augenblick von ſeinem Finger.

Sogleich fing das junge Mädchen den Geſang wieder an, und der überraſchte und bewegte Hilarius hörte ſie nicht bloß an und kehrte ſeinen Kopf nach ihr, um ſie zu betrachten, ſondern ließ auch ſeinen Ring auf die Erde fallen, ohne daran zu denken, ihn aufzuheben. 3

Glücklicher Weiſe hatte der heilige Druon einem Engel an⸗ empfohlen, über Hilarius zu wachen. Dieſer Engel ließ ſich ſchnell aus den Wolken hernieder, hob den Ring auf und ſteckte ihn dem jungen Mönch an den Finger, der aus einem Traume zu erwachen ſchien und zum großen Verdruß des ſcheinbar jungen Mädchens, die nichts anderes als ein böſer Geiſt war, ruhig ſeinen Weg nach ſeinem Kloſter fortſetzte.

Uebrigens konnte man, ohne ein Heiliger zu ſein, ſich Ringe

mit einem Talisman verſchaffen; es genügte dazu, irgend einen Edelſtein in ſeinen Ring faſſen zu laſſen.*

Man verſicherte, der Diamant werde trübe, wenn er die Hand eines Verräthers berühre; der Smaragd zerbreche am Finger einer ehebrecheriſchen Frau, der Rubin beruhige den Zorn, der Topas tröſte, der Achat mache heiter, der Jaspis heile die Abnehmungs⸗ krankheiten, der Amethyſt ſchütze vor Trunkenheit, der Hyacinth verjage die Schlafloſigkeit, der Sapphir mache das Gift der Rep⸗ tilien wirkungslos, der Chalcedon gebe ſchwierigen Unternehmun⸗ gen Gedeihen, der Türkis mache das Fallen gefahrlos, der Car⸗ neol mache heiter, der Opal erlaube, mit Hülfe gewiſſer Zauber⸗ formeln unſichtbar zu werden, und die Perlen endlich, vom Him⸗ mel herabgefallene Waſſertropfen, die ſich verhärtet hätten, als ſie die Erde berührten, flößten Liebe ein. Nach Angabe eines engli⸗ ſchen Gelehrten ſoll Cleopatra die ſchönſte ihrer Perlen in Wein⸗ eſſig aufgelöſt und das nur in der Abſicht gethan haben, um dem Antonius jene unſinnige Leidenſchaft einzuflößen, die ihm die Herrſchaft der Welt, das Leben und die Ehre koſtete.

Die Zeiten, wo Ringe die Stelle eines Talisman vertraten und ſolche kräftige Schutzmittel gegen Verſuchungen bildeten, die in unſerm Zeitalter nichts weniger als überflüſſig ſein würden, ſind längſt verſchwunden, und eben ſo wenig kann jetzt ein Doge von Venedig durch einen am Himmelfahrtstage in das adriatiſche Meer geworfenen Ring eine Republik Venedig mit demſelben ver⸗ mählen; dagegen hat der Verlobungs⸗ und Trauring noch immer ſeine volle Geltung und wird ſie behalten, ſo lange die Ehe als die ſicherſte Grundlage des Familienlebens und der Civiliſation in Ehren gehalten werden wird, und er iſt vollkommen dazu ge⸗ eignet, uns bei Verſuchungen als Talisman warnend und ſchützend

(VIII. Jahrg.

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