Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
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wehrte zwei geputzte Kinder ab, die drängend zu fragen ſchienen:Gehen wir nicht bald? die daliegenden Hüte und Sonnenſchirme deuteten auf den projectirten lusgang die einzige luſtige Perſon war eine kleine Natze, die, mit den Quaſten einer bereitgelegten Mantille ſpielend, dieſe ſelbſt widerrechtlich auf den Fußboden zog, iudeß auch die alte Katze, mit halbzugekniffenen Augen und eingeſchlagenen Vorder

rechnen mochte, noch nicht frei war. In dieſem einzigen dicken Kopf einer ſchöngezeichneten Cyperkatze lag ſchon an und für ſich ſo viel Humor, daß wenigſtens, wer ſich auf Thierphyſiognomien und ihre Symbolik verſtand, darüber lachen mußte Victor aber mußte es um ſo mehr, als er dies Bild kannte, es unter den Händen des Freundes hatte entſtehen ſehen und dieſen dabei ſcherzen hören:die Katze iſt Deine Hauswirthin, die Doctorin Eißner, wie ſie leibt und lebt! Er hatte lachend zugeſtimmt der etwas hochmüthige, ärgerlich harrende Geſichtsausdruck war ge⸗ nau derſelbe und nun mußte er dies Bild hier finden bei ſeinem Original! Ja, was noch ärger war, als die Doctorin jetzt eintrat und Victor vor dem Bilde fand, ſagte ſie, indem ſie ihn begrüßte:

Ach! da ſtehen Sie ſchon vor meinem Conterfei man hat mir das Bild zum Geſchenk gemacht, damit es nicht in andere Hände komme man hat Euch Künſtlern doch immer etwas zu verzeihen und ſo muß ich auch bei Ihrem Freund Roderich Gnade für Recht ergehen laſſen!

Mein Gott! Sie wiſſen fuhr Victor unbe

ſonnen heraus,aber wer konnte ſo indiseret ſein Ihuen zu ſagen Nun, die Aehnlichkeit ſoll ja ſo frappant ſein, fiel ſie ihm in's Wort,ſelbſt freilich hat man in dergleichen kceein Urtheil und muß dem Andern vertrauen bis jetzt aober haben noch Alle Daſſelbe geſagt!

Uovellen-

pfoten auf dem Teppich liegend, ärgerlich zu ſein ſchien, daß die Sophaecke, auf die ſie

[VIII. Jahrg.

Zeitun

Eine Indiscretion ſondergleichen! rief einmales iſt nicht zu begreifen

O, ich kann einen unſchuldigen Scherz vertragen, ſagte die Doctorin,und habe ſelbſt mit einem Bekannten darüber gelacht

Das ſchönſte Zeugniß für Ihren Charakter! rief Victor faſt enthuſiaſtiſch,für Ihr Freiſein von allen Vorurtheilen, für Ihre bei Damen ſo ſeltene Fähigkeit, auch einen Scherz zu verſtehen, den Humor zu würdigen! Ich wüßte ſonſt keine Dame, die, wenn man ſie als Katze malte

Katze?! unterbrach ihn die Doctorin und m mit einem Blick, der mehr Erſtaunen als Schrecke drückte.

Unendlich komiſch war es, wie Beide einander faſt wie verzaubert von dem einen Wort betrachteten und kein zwei⸗ tes hinzuzufügen wagten unſicher, ob nicht dies eine ſchon zu viel geweſen, und ahnend, daß jedes folgende die Verwirrung nicht nur vergrößern, ſondern bis zur Beleidi⸗ gung und Beſchämung ſteigern könne.

Die Doctorin hatte das Bild von einem vornehmen Kunſtfreunde erhalten, deſſen Hausarzt der Doctor war, der ſich allerdiugs ſchon manchmal auf Koſten Anderer einen nicht ganz feinen Scherz zu erlauben pflegte. Er hatte ihr dabei geſagt, daß ſie ihr Portrait darauf finde und in welcher andern Geſtalt hatte ſie das ſuchen können, als in der Dame, die ungefähr in ihrem Alter ge⸗ dacht ſein mochte und zwar keine ideale Schönheit war, aber doch eine ungleich anmuthigere Erſcheinung als die der Doctorin, mit der ſie nur die Farbe des Haares und der Augen gemein hatte. Indeß man kannte ja durch den Geber den Ausſpruch des Malers: daß er hier aus dem V Gedächtniß die Doctorin verewigt habe und Niemand V wagte zu widerſprechen, da die Doctorin jedem Beſchauer

dieſe Notiz mit einer triumphirenden Miene gab. So hatte

Victor noch

ihn n aus⸗

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Der Ring.

Der Gebrauch und das Tragen der Rin woeeder Anfang noch Ende haben, betrachtet, war ſeit den älteſten Zeiten auf der Erde verbreitet und kann mit vollem Rechte als eine kosmopolitiſche Mode be⸗ trachtet werden, wenn die Ringe auch in Europa nur an den Fin⸗ gern, in den Ohren und um die Arme, von den Bewohnern der Inſeln der Südſee in der Naſe, und von den Morgenländern um die Fußknöchel, auch wohl an den Fußzehen getragen werden. Der Gebrauch der Ringe erſtreckt ſi wenn auch Homer und Herodot no Eine griechiſche Sage bezeichnet Zeu ges; er verfertigte einen ſolchen aus metheus an einen Felſen des Kaukaſus g Geier ihm die immer wachſende L an den Finger deſſelben, damit des Zeus eingedenk bleiben möge. Daß die NRinge bei den alten Ae iſt durch die Ringe bewieſen, die an den ſind, und die theilweiſe

ge, die man, da ſie als das Symbol der Ewigkeit

ch nichts davon erwähnen. den Ketten, mit denen Pro⸗ geſchmiedet war, wo ein eber zerfleiſchte, und ſteckte ihn er ſeiner Befreiung von Seiten

gyptern in Gebrauch waren, den Mumien gefunden wor⸗ aus der Zeit des Möris herſtammen.

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Feuilleton. b

Geſchmack für einfache Sitten beibehalten und begreifen ſollten, ch bis in die früheſte Zeit,

s als den Erfinder des Rin⸗

er ihm als Zeichen der ihm anvertrauten Macht einen Ring.

Die Römer entlehnten den Gebrauch der Ringe den Griechen. Die römiſchen Senatoren trugen nur eiſerne Ringe, ausgenom⸗ men wenn ſie mit einer diplomatiſchen Miſſion an irgend einem Hofe betraut waren, in welche n Falle ſie goldene Ringe anſteckten. Die Triumphatoren hatten einen eiſernen Ring am Finger, und die Patricierinnen empfingen bei ihrer Vermählung von ihren Gatten ebenfalls einen ſolchen, damit ſie, wie Plinius ſagt, den

Als Pharao den Joſeph zu ſeinem Miniſter ernannte, überreichte

daß die Beſcheidenheit der Frau, welche künftig den frommen Titel einer Familienmutter führen ſoll, viel beſſer ſteht als großer Auf⸗ wand.

An Feſttagen ſchenkte man ſich Ringe von verſchiedenen For⸗ men. Dieſer Mode konnte ſich Niemand entziehen, ausgenommen die Sclaven, denen man ſie unter Strafe von Ruthenſchlägen unterſagte. Für die Armen fertigte man eiſerne Ringe mit ge⸗ wöhnlichen Steinen, wie Achat ꝛc. und ſelbſt mit Glas, das die Stelle der Edelſteine vertrat, verziert.

Bei einem Schauſpiel, das der Kaiſer Nero zu Ehren des Geſangspreiſes, den er ſich hatte zuerkennen laſſen, gab, ließ er