Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
643
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Jahrg

9.

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Dritte Folge.

643

Novellen-Zeitung.

Die Dioskuren.

Novelle von

Loniſe Otto. (Schluß.)

W.

Als Victor nun in faſt athemloſer Haſt ſein Garten⸗ haus erreicht hatte, wußte er nicht recht was er begin⸗ nen wollte. Sich vorher das zu überlegen, über ſein Betragen ſich unterwegs Rechenſchaft zu geben, fiel ihm nicht ein es ſchien ihm ſelbſtverſtändlich, daß von dem Ereigniß, das ihn hierherrief, wenn nicht ganz München, doch das ganze Haus erfüllt ſein müſſe, das Lesbia auf⸗ genommen. Aber als er durch daſſelbe und den angren⸗ zenden Garten ging, um ſeine Wohnung zu erreichen, mach⸗ ten alle Menſchen, die ihm begegneten, die gleichgültigſten Geſichter von der Welt, und ſelbſt die bekannten Domeſti⸗ ken, die ihn grüßten, hatten doch für die ſtumme Frage ſeiner Blicke kein Verſtändniß und keine Antwort.

In ſeinem Zimmer angekommen ging er darin unruhig auf und ab, trat an's Fenſter und ſpähte nach dem Wohn⸗ haus des Doctor Eißner hinüber. Dort, wo die gothiſch gemalten Fenſterrouleaux, dem Geſchmack des Malers zu⸗ wider, mit buntgeblumten Gardinen vereinigt waren, lagen die Gaſtzimmer, und dieſe bunten Draperien wurden nur dann etwas gelüftet, wenn Fremde anweſend waren, was bei der Gaſtfreundſchaft dieſer Familie und den Anzie⸗

hungspunkten, die München für Tauſende, namentlich für

alle Kunſtfreunde hat, oft genug geſchah.

Eines dieſer Rouleaux, die am Morgen geſchloſſen ge⸗ weſen, war jetzt emporgezogen ein Fenſterflügel ſtand offen..

Bictor nahm ſeinen Operngucker zu Hülfe, noch näher

dahin zu ſpähen aber er konnte nicht die geringſte Be⸗

wegung hinter den geſchmackloſen Gardinen bemerken, die ihm jetzt doppelt verhaßt waren, da ihm kein anderer Gegenſtand in den Beobachtungskreis ſeines Guckers kom⸗

men wollte, als dieſe grellſchattirten Blumen.

Endlich ermüdete er in dieſen erfolgloſen Beobachtun⸗ gen und beſchloß geradewegs auf ſein Ziel los zu gehen. Nicht lange währte es, ſo ſah man ihn durch den Garten in das Vorderhaus eilen. thür und that einen energiſchen Griff in die Klingel. Faſt erſchrocken öffnete das Dienſtmädchen und hatte ſchon ein theilnehmendes Geſicht und die Worte in Bereitſchaft:

Bald ſtand er an der Vorſaal⸗

Ach Gott, der Herr Doctor iſt nicht zu Hauſe! denn es glaubte nicht anders, als daß man nur in einer dringenden Gefahr ſo heftig ſchellen könne.

Ich wünſche nur die Frau Doctorin zu ſprechen! ſagte Victor.

Das Mädchen erſuchte ihn in das Wohnzimmer zu gehen und war bereit die Frau Doctorin zu holen.

Sie iſt in den Seitengemächern, gewiß bei Lesbia! dachte Victor und ſah dem Mädchen neidiſch nach ihm blieb keine Wahl, als einſtweilen allein in das angewieſene Zimmer zu treten. Er war hier wohl bekannt, aber hei⸗ miſch vermochte er ſich weder in den Wohn- noch Prunk⸗ zimmern mau konute durch geöffnete Flügelthüren vier dergleichen aneinandergereiht überſehen dieſes Paares zu finden.

Es war Alles überladen mit Decorationen der man⸗ nigfachſten Art, überfüllt mit jenen unzähligen Gegen⸗ ſtänden der modernen Induſtrie, welche die Launenhaftig⸗ keit der Mode wie des Luxus in immer wechſelnden neuen Formen erſchafft, ſie heute als Nothwendigkeit empfiehlt und morgen doch wieder als zwecklos und abgethan ver⸗ wirft. Damitt wetteiferten jene unzähligen geſtickten Ge⸗ genſtände und weißgehäkelten Behänge, die theils die Un⸗ ermüdlichkeit der Doctorin ſelbſt, theils der Fleiß der Patientinnen des Doctors geſchaffen denn aus ſolchen Händen waren zumeiſt dieſe unzähligen Sachen gekommen, welche die Doctorin auch begierig hier, wie in einem Ba⸗ zar, aufgehäuft hatte, da der Doctor ſelbſt ſie gern aus ſeinem Studirzimmer verbannte, in dem er nur das Noth⸗ wendige oder wirklich Bequeme, das keine Schonung ver⸗ langte, duldete.

Indem Victor nun ſo in Gedanken verſunken und theilnahmlos ſeine Augen, die ſich ſo zu ſagen unabhängig von ſeinem Nachdenken und auf eigne Rechnung beſchäftig⸗ ten, umherſchweifen ließ, wurden ſie durch ein Gemälde gefeſſelt, das, mit einem breiten koſtbaren Rahmen ver⸗ ſehen, eine bisher faſt freigebliebene Wand bedeckte. Es war ein Genrebild Roderich's, das hier eine Stätte gefun⸗ den! Ein Sonntagsnachmittag aber mit all dem Humor aufgefaßt, der Roderich eigen. Die häusliche Langeweile an eiyem ſommerlichen Regentag, die faſt in jeder Stadt empfunden wird, wenn eine projectirte Land⸗ partie zu Waſſer geworden, war der Vorwurf dieſes Bil⸗ des. Eine Cigarre rauchend, ein Zeitungsblatt in der Hand, lehnte der Hausherr mit weit vorgeſtreckten Füßen und gähnend im Sopha. Am offuen Fenſter, durch das man den draußen ſtrömenden Regen ſah, lehnte ein Knabe den Wolkenzug verzweiflungsvoll betrachtend. Mitten im Zimmer ſtand die Gattin mit verdrießlichen Mienen und