Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
636
Einzelbild herunterladen

636

Ein Gewitter war eines Abends gekommen, wie es in München immer kommt: der Himmel iſt blau, ein ſpiegelglatter Schild, der ein Meer von Glanz und Gluth zurückſtrahlt auf die prächtige Stadt mit den hellſchim⸗ mernden baumloſen Straßen die fernen Alpen werden ſichtbar, als hätten ſie ihren gewohnten Standpunkt ver⸗ laſſen und rückten näher und näher noch immer geht Jedermann ruhig und getroſt in Gaſſen und Plätzen ſei⸗ nen Geſchäften nach da auf einmal erhebt ſich ein jäher Sturm, noch tanzen die Laternen im Sonnenglanz, glühen die Giebel der Häuſer darin ſchon fallen große Tropfen im nächſten Augenblicke iſt jeder Sonnenſtrahl ver⸗ ſchwunden, der ganze Horizont in Wolken gehüllt in Strömen gießt der Regen herab, nun flüchtet Alles in die nächſten Häuſer, überall hin, wo ein Obdach iſt, ſo auch unter die Arcaden.

Victor war einer der Erſten, der dieſen ſchirmenden Platz erreichte immer war es ihm eine Lieblingsſtelle, da ja auch ſie Rottmann's unſterblicher Genius geſchaffen und Alles hier Victor an ſeine italiſche Heimath ge⸗ mahnte. Da ſtürzte bald nach ihm ein alter Herr die Stufen herauf und rief athemlos angſtvoll:Lesbia! Lesbia!

Ein paar Dienſtmädchen und Lehrlinge flüchteten jetzt unter das ſchützende Obdach und betrachteten mit lachender Neugierde den mit Orden geſchmückten Herrn, der ſich ſo verzweiflungsvoll gebehrdete und einen wenig gehörten

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

blicke geben, und eilte damit zu der Fremden, die er erſuchte ihm unter die Arcaden zu folgen, wo der alte Herr ihrer warte.

Lesbia war ſogleich bereit dies gütige Anerbieten au⸗ zunehmen, denn ſie hatte keinen Schirm, und in der Eile der Flucht vor dem Wetter hatte ſie ihren Vater, wie ſie ihren Begleiter nannte, aus dem Geſicht verloren. In dem Augenblicke aber, als ſie ſich mit Victor nur wenige Schritte aus der ſchützenden Hausthür entfernt hatte, ſchlug unter furchtbarem Krachen ein Blitz in den Blitzab⸗ leiter des nächſten Hauſes. Vom jahen Schreck betäubt wäre Lesbia umgeſunken, wenn nicht Victor ſie aufgehal⸗ ten und von ſeinen Armen umfangen in die kaum verlaſſene Hausthür zurückgebracht hätte. Als ſie hier wieder zum Bewußtſein kam, erklärte er ihr, ſie nicht eher wieder auf

die Straße zu laſſen, bis das Wetter vorüber. Zugleich war ſie auch ein Gegenſtand der allgemeinen Theilnahme und Neugierde. Der krachende Donnuerſchlag hatte an alle Fenſter, aus allen Thüren Leute gelockt man hatte eine Dame umſinken und fortgebracht werden ſehen, und ſchuell verbreitete ſich das Gerücht, ſie ſei vom Blitz getroſſen worden. Victor hatte Mühe, dieſe Menge anders zu be⸗ lehren und Lesbia vor zudringlichen Fragen und Blicken zu ſichern. So verging wohl eine halbe Stunde, bis der in Strömen fallende Regen und das Grollen des Donners

und in die Arcaden gelangen zu können. Lesbia ging mit

V wenigſtens ſo weit nachgelaſſen hatte, um über deu Platz

Namen vergeblich rief auch Victor hatte bald nichts unter Victor's Schirm inzwiſchen ſtand der alte Herr b

vor ihnen voraus, nur daß ſeine Augen ſchneller das ſicht« noch immer an ſeinem Platze er hatte von dort müſſen 1 bare Terrain überflogen, ſo daß er unter einer ſehr ent⸗ ſeine Tochter umſinken und zurückkehren ſehen und er ge fernten Hausthür eine junge Dame gewahrte, die ſich dort war doch nicht nach ihr hinübergeeilt, er hatte ſie nicht nur

auch vergeblich nach Jemand umzuſehen ſchien. Schuell müſſen ſinken ſehen, ſondern auch hören, daß Andere ſie t ließ er ſich für ein Trinkgeld von einem Dienſtmädchen, für todt hielten und er war an derſelben Stelle geblie⸗ G

das ihrer Herrſchaft Regenſchirme bringen ſollte, aber doch ben und als jetzt Victor mit ihr zurückkam, ſchalt er f beſchloſſen hatte hier damit zu warten, bis der ſchlimmſte nur, daß ſie ihn habe ſo lange warten laſſeu. Da ſe Moment vorüber ſei, ein ſolches Möbel für wenig Augen- ihr Begleiter hierüber aufbrauſend ihm die Wahrheit

Nähmaſchine 14 Dollars(ſpäter 3 Dollars), und verdiente

2; 485,000 Dollars, was die Patentcommiſſion als keine dem 5 Literatur. ge

Peter Paul Rubens. Ein biographiſcher Roman von

Werthe ſeiner Erfindung angemeſſene Belohnung erklärte und da⸗ her das Patent verlängerte.

Nicht ſo glücklich bei der Patentcommiſſion war der Erfinder einer Nähmaſchine, der damit nach ungefährer Schätzung vier

Millionen Dollars verdient hatte, nach ſeiner eigenen Angabe aber 1,409,000 Dollars, und deſſen Patent nicht verlängert wurde, da die Commiſſion ihn hinreichend belohnt erachtete. Welche Gewinne in Amerika bei der freien, daher raſchen Entwicklung der Gewerbsthätigkeit gemacht werden, zeigt ein Deutſcher, Muntz, der 15 Millionen hinterließ und dieſe mit einer

gelben zum Schiffsbeſchlag beſonders geeigneten Metallmiſchung

gewann. Er ſelbſt hatte ſeinen Gewinn auf 1,375,000 Dollars angegeben. Eine neue Erfindung im Kleidungsfache trug ihrem

Urheber im erſten Jahre 230,000 Dollars ein, doch war es dann damit aus, da die Sache nicht mehr Mobe blieb.

Man erſieht daraus, wie enorm der Verdienſt von Leuten iſt, die mit ihren Erfindungen durchſchlagen, wogegen ſie in Curopa meiſt verhungern können. Wer verdenkt es dem Schweden Ericsſon, der voll Erfindungsgeiſt ſteckt, ging? Selbſt ſein mißlungenes Experiment, die Schiffe durch Luftkraft zu bewegen, hat ihm keinen Schaden gebracht. Die ca⸗ loriſche Maſchine, die darauf aus dieſem Experiment hervorging, machte ihn zum reichen Manne, und was wird ihm die Nation erſt

für Belohnung zufließen laſſen für das ſtählerne Kriegsſchiff

Monitor, das er baute, wahrſcheinlich das Flotten erhalten wird!

durch welche Erfindung Nordamerika

daß er nach Amerika

Uebergewicht zur See über die europäiſchen 6.

(A. von Sternberg. Leipzig, Verlag von Coſtenoble. 1862. Alle erzählende Schriften Sternberg's haben die angenehme und einſchmeichelnde Eigenſchaft, in einem ungemein leichten und flüſſigen Styl vorgetragen zu ſein und ſich dem Vorſtellungsver⸗ mögen der Leſer durch eine plaſtiſche und doch farbenvolle Ein⸗ fachheit gefällig einzuprägen. Hiermit ſchon iſt viel gewonnen, denn Hunderte, denen ein ſolches Buch vielleicht gar nicht gefällt, legen es dennoch nicht wieder aus der Hand, bis ſie geſehen haben, wie die ſo léger ſich abſpinnende Geſchichte endigt.

Daſſelbe wird ſicher auch dem vorliegenden kleinen Roman öfter geſchehen, denn hat es auch bei ihm der Verfaſſer mit hiſto⸗ riſcher Richtigkeit und pſychologiſcher Wahrheit ſo peinlich nicht genommen, ſo iſt doch der novelliſtiſche Knoten auf eine ſpannende

Weiſe geſchürzt, und der Dialog iſt mit Lebendigkeit auf einen raſchen Verlauf der Handlung zugeſpitzt.

Am meiſten wird das Buch wohl durch ſeinen Stoff ſelbſt feſſelnd gemacht, denn wer unter dem gebildeten Publlcum möchte den Indifferentismus beſitzen, ſich nicht für einen Künſtler oder wenigſtens doch für eine Perſönlichkeit wie Rubens zu intereſſiben;

Ranken und Reben. Gedichte von Albert Weiß. Rudolſtadt, 1861. Verlagsbuchhandlung der fürſtl. privil. Hof⸗ buchdruckerei. Leipzig, bei Franz Wagner.

Wie es dem Taucher nur ſelten gelingt, unter den vielen halb⸗ reifen Perlen vollkommen ſchöne und werthvolle Exemplare vom