Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
632
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in Flammen der Tempel eines Volkes, das ſich bisher vermaß das auserwählte Volk Gottes zu ſein hoch zu Roß, gleichſam im Mittelpunkte des Bildes wie der Welt⸗ geſchichte, der lorbeerbekräuzte Imperator, der ſiegſtrah⸗ lende Titus und da, der ſtille Zug der Chriſten von Palmen tragenden Engeln geleitet ſie werden hingehen in alle Welt, bis aus dieſer kleinen Schaar die neuen Sie⸗ ger hervorgegangen, die neuen Beherrſcher Roms.

Tief fühlte Lesbia die hohe Bedeutung des Bildes und namentlich auf dieſen Zug der Chriſten hinweiſend, ſagte ſie zu ihrem Vater:Siehe, ſie ſind auch Heimath⸗ loſe aber der Himmel iſt mit ihnen, und aus den Ver⸗ folgten werden bald die Sieger!

Der alte Herr ſchüttelte wie abwehrend mit dem Kopfe und murmelte unverſtändliche Worte.

Auch Heimathloſe die Worte, die wie eine Trö⸗ ſtung klingen ſollten, fanden ein ſeufzendes Echo bei Victor, der zwar mit dem Rücken den Sprechenden zugekehrt, als betrachte er die Gemälde der gegenüberliegenden Seiten⸗ wand, doch wenigſtens theilweiſe verſtehen konnte, was ſie ſprachen. Roderich aber, der jetzt wieder zu ihm getreten, faßte ihn am Arme und ſagte:

Komm zu Tomboſil beichte bei einem Glaſe Eislimo⸗ nade, denn etwas Anderes triukſt Du mäßiger Italiener ja doch nicht! Willſt Du einmal Dein ſüdliches Vater⸗ land nicht verleugnen, ſo darfſt Du am allerwenigſten ſen⸗ timental werden und Dich von einer eigenſiunigen Tou⸗ riſtin abfertigen laſſen, die ſich im Uebermuth ſolcher Damen einbildet, ſie verſtehe von Kaulbach mehr als ſeine Schüler!

Du haſt Recht! antwortete Victor unmuthig,ich werde mich nicht mehr um ſie bekümmern!

III.

Lesbia Mauratos führte ihren Vater weiter durch die kunſtgeweihten Hallen, weiter, bis in jenen Saal, wo

Rottmann's kühner Genius das Griechenland der Ver⸗ gangenheit wie der Gegenwart mit denſelben Pinſelſtrichen geſchaffen. Die dreiundzwanzig Staaten des alten Grie⸗ chenland ſind hier in eben ſo viel Gemälden wiedergegeben Landſchaften, abgelauſcht der heutigen Natur und doch eine jede durchgeiſtet von vem Hauch hiſtoriſcher Erinne⸗ rung aus der claſſiſchen Periode! Der Saal hat Ober⸗ licht, aber es befindet ſich in ihm ein Eiubau ein von leichten Säulen getragenes Dach Bänke für die Be⸗ ſchauenden ſtehen darunter wodurch das Licht von der Mitte abgelenkt und rings an den Wänden auf den Ge⸗ mälden concentrirt wird.

Hier ſind wir wieder in Hellas! ſagte ſie zu dem Vater und zog ihn neben ſich auf eine Bank, Delos gegen⸗ über in dämmerndem Schweigen ruhte die Inſel ein einziger aufſteigender Sonnenſtrahl verkündete ſymbo⸗ liſch: hier ward der Sonnengott geboren!

Faſt ſelig verklärt faltete Lesbia die Hände, indeß der Vater zuſammenſchauernd mit ſtarren Blicken an dem Bilde hing plöͤtzlich rief er laut:Warum haſt Du mich hierher geführt? Ich mag nichts mehr wiſſen von dieſem verfluchten Lande, das freilich in vielen Dingen vor andern Ländern ſich auszeichnet, am meiſten aber doch durch den Undank ſeines Volkes gegen ſeine Söhne!

Es ruft ja die Verbannten wieder zurück! entgegnete Lesbia,auch Dich auch uns!

Wie wenig Perſonen um dieſe heiße Mittagsſtunde die weiten Säle durchſchritten, ſchon begannen doch die lauten Worte des fremden Herrn Aufſehen zu erregen ſchon eilten ein paar Diener der Pinakothek herbei, zu ſehen, wer die heilige Stille des Kunſttempels, wo ſonſt nur beſchei⸗ dene Flüſterlaute erklangen, ſo ungenirt zu ſtören wage, in heftigen Affecten ſich vernehmen ließe ſchon ſtanden die beiden ſtillen Beſchauer auf, die in einiger Entfernung mit unter der Ueberdachung geſeſſen da plötzlich faßte Mauratos, der ſich zornig erhoben hatte, die Tochter heftig

einem kurzen, aber tapfern Widerſtande in die Hände der Fran⸗

zoſen fiel. Die ganze Unternehmung dauerte nur drei Tage, dann ſelbſt den Frieden dictiren zu können. war das anamitiſche Heer auf der Flucht jenſeits der Grenzen Ereigniß machte dieſe Maßregel überflüſſig.

von Unter⸗Cochinchina auf der Straße nach Hué⸗Fu, von der ab⸗ geſchnitten zu werden es einen Augenblick befürchtet hatte. Es verſuchte vergebens ſich in Baria und Long⸗Lap, wo ſich ſeine Magazine befanden, wieder zu ſammeln und mußte, ohne Unter⸗ brechung verfolgt und in allen ſeinen Stellungen angegriffen, auf die Hoffnung verzichten, das nördliche Unter⸗Cochinchina wieder zu beſetzen. Die Mandarinen trennten ſich deßhalb von ihren Soldaten und begaben ſich in die Hauprſtadt, um dem Kaiſer Tu Due perſönlich Bericht über die Vorfälle abzuſtatten.

Nun blieb noch der von der Feſtung Win⸗Long beherrſchte ſüdliche Theil der Provinz Unter⸗Cochinchina zu erobern übrig, und ſobald dieſelbe ſich in den Händen der Franzoſen befand, ſo wnn das Land unterworfen und die Herrſchaft Tu Duc's darin zu

nde.

Man würde ſich übrigens gewaltig irren, wenn man glaubte, daß die Mandarinen durch die bisher erlittenen Niederlagen ent⸗ muthigt worden wären. Das Siegesvertrauen des Gouverneurs von Win⸗Long war ſo groß, daß er das Schreiben des franzö⸗ ſiſchen Anführers, worin er zur Uebergabe aufgefordert wurde, mit Füßen trat. Unter ſolchen Umſtänden mußte zum ſofortigen Angriffe des Platzes geſchritten werden. 23. März 1862 ſtatt, und nach einem Kampfe von einigen Stun⸗ den befand ſich Win⸗Long in den Händen des Expeditionscorps.

In der zweiten Hälfte des Mai hielt der Contreadmiral neu erworbene Colonie Frankreich in

Bonard, dem aus China und aus Frankreich Verſtärkungen zuge⸗ gangen waren, ſich für ſtark genug, einen Angriff auf die Haupt⸗

Derſelbe fand am

ſtadt des Landes unternehmen und dem Kaiſer Tu Duc in Hus⸗Fu Ein ganz unerwartetes In der Provinz Tonkin des anamittiſchen Reichs war ein Aufſtand ausgebrochen, und um ſich in den Stand zu ſetzen, denſelben unterdrücken zu können, machten die Miniſter des Kaiſers in den letzten Tagen des Mai dem Contreadmiral Bonard Friedensvorſchläge, und als ſich derſelbe darauf einließ, fanden ſie ſich perſönlich auf dem Admiral⸗ ſchiffe ein, und in kurzer Zeit hatte man ſich über einen Friedens⸗ vertrag verſtändigt, deſſen vier wichtigſte Artikel Folgendes feſt⸗ ſetzten: Der chriſtliche Cultus darf im ganzen anamitiſchen Reiche frei ausgeübt werden;

der Kaiſer von Anam tritt die Provinzen Unter⸗Cochinchinas an Frankreich ab;

die Häfen des Kaiſerthums Anam werden den franzöſiſchen Handelsſchiffen geöffnet, und zwiſchen Frankreich und Anam be⸗ ſtehen freie Handelsbeziehungen;

der Kaiſer von Anam bezahlt an Frankreich eine Kriegsent⸗ ſchädigung von 25 Millionen Franken, die im Verlauf von zehn Jahren berichtigt werden müſſen. Nach einem Gerüchte, das ſehr wahrſcheinlich klingt, ſollen von dieſer Kriegsentſchädigung 3 Mil⸗ lionen an Spanien fallen. Daß Frankreich Urſache hat, mit dieſem Friedensvertrag voll⸗ kommen befriedigt zu ſein, unterliegt keinem Zweifel. Wir haben

uns die Aufgabe geſtellt, die Vortheile aufzuzählen, welche dieſe

Ausſicht ſtellt, und bemerken zunächſt, daß dieſelben politiſch, commerciell und finanziell ſind. In politiſcher Hinſicht iſt es für Frankreich ſehr wichtig, ſich nun⸗

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