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Nr 40.]
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dens ſtattfand, harrte.
„Wunderſt Du Dich, mich hier zu finden?“ ſagte Victor Herzen, der keineswegs erſtaunt war den Freund zu ſehen,„ich ließ ja in Deiner Wohuung, da ich Dich nicht traf, zurück, daß ich nach Nymphenburg ginge— kamſt Du gar nicht heim? wo haſt Du Dich herumgetrieben, ohne mich mitzunehmen?“
„Ja, ſchelten Sie ihn nur noch aus!“ ſagte Ernſt;„er hat es um Sie verdient— er hat einſtweilen für Sie ſein Leben gewagt.“
Das Wort war heraus, das Roderich verwahrer wollte— er mußte nun Alles erzählen— Victor konnte vor Rührung nicht anders antworten„als mit einer ſtum⸗ men Umarmung.
„Was that ich deun weiter?“ ſagte Roderich abweh⸗ rend,„als was Du auch für mich thateſt— als ich einſt beim Schlittſchuhlauf einbrach, retteteſt Du mich, den
Fremden—“
„Eine Handreichung war es, nichts weiter,“ lehnte Victor ab—„eine Handreichung, die mir einen Freund erwarb— dabei machten wir unſere Bekanntſchaft.“
„So deuke jetzt,“ ſagte Roderich,„dies war von mir auch nur eine Handreichung den Freund zu verdienen!“
Vorübergehende und kommende Menſchen hemmten weitere Ergüſſe. Arm in Arm aber wandelten die Freunde freudig und gehoben wieder zur Stadt zurück und erneuer⸗ teu einander den Schwur ewiger Freundſchaft.
Achilles, ſich bewußt, eben keine glänzende Rolle geſpielt zu haben, ſagte München für einige Zeit Lebe⸗ wohl.
I. V Drückende Sommerſchwüle lag über München. In den breiten weißen, baumloſen Straßen ſchien die Luft förmlich durchzittert von Myriaden goldeuer Sonnenſtäub⸗ chen, die wie ebenſoviel Fünkchen ſengend und blendend herniederfielen. Vergeblich ſuchten die weuigen Perſonen,
Dritte Folge.
iemlich leer von Fremden,
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die au beiden Seiten der Straße gingen, nach einigen Zoll Schatten— kaum ſo viel gewährten die prächtigen Ge⸗ bäude rechts und links am hohen Mittag. Einzelne Equi⸗ pagen nur ſah man dahin rollen, und wo ein Fiacre Halt gemacht, da ſchlief gewiß der Kutſcher auf ſeinem Sitz, indeß die Pferde vergeblich nach Waſſer lechzten. An der neuen Pinakothek hielten einzelne ſolcher Wagen— aber auch nur einzelne Damen und Herren wandelten die Mar⸗ mortreppe hinauf— denn München war in dieſen Tagen die hier ſonſt doch am zahl⸗ reichſten verkehren. Es war einer jener Sonuner, an dem ſolche heiße Tage wie dieſer mit naßkalten Tagen abwech⸗ ſelten ohne Uebergang, und ſchon hatte die Cholera ſich eingeſtellt und einige Opfer gefordert, deren Zahl ſich in den auswärtigen Berichten vergrößerte, ſo daß ſich dadurch viele Fremde vom Kommen zurückhalten ließen.
Ein alter Herr an der Seite einer jungen Dame be⸗ trat die Marmorſtufen der neuen Pinakothek und ſchaute kopfſchüttelnd zu dem gemalten Fries der Außenſeite em⸗ por, in dem Kaulbach in einer Reihe von Genrebildern das Münchner Künſtlerleben ſeiner Zeitgenoſſen— er befindet ſich auch ſelbſt darunter— humoriſtiſch geſchil— dert hat.
„Von Kaulbach,“ ſagte er,„hätte ich doch etwas An⸗ deres erwartet!“
„Wir werden ja wohl drinnen auch Anderes von ihm ſehen!“ ſagte die Dame, und ließ die breite ſchwarze Spitze, die ihren Hut umrandete, wieder tiefer auf die Stirn herab, ſo daß auch die ſchwärmeriſch ſtrahlenden Augen ſich darunter verſteckten und nur die herabfließenden goldenen Locken ſichtbar blieben wie der feingeſchnittene Mund mit der griechiſchen Oberlippe und das ovalge⸗ formte Kinn. Ihre Kleidung war ſtaubfarben, dem Reiſe⸗ zweck entſprechend.
Der alte Herr war einfach gekleidet, aber mit ein paar Orden geſchmückt. Seine ein wenig gebückte Haltung
dacht des eigenen Vortheils auf dem Onkel laſtete, wurde dieſer vor Gericht gebracht, des Mordes überwieſen und gemäß der da⸗ mals in Kraft ſtehenden drakoniſchen Geſetze ſogleich hinge— richtet.
Ungefähr zehn Tage nach der Hinrichtung erſchien plötzlich die junge Dame, und, was noch ſonderbarer war, alle Zeugenaus⸗ ſagen erwieſen ſich als vollſtändig wahr. Die Nichte gab an, daß, nachdem ſie entſchloſſen war, mit ihrem Geliebten zu entfliehen, ſie das Gerücht verbreitet hatte, daß er nach dem Norden reiſen werde, während er thatſächlich am Saume des Waldes mit zwei geſattelten Pferden von zwei berittenen Dienern begleitet der Stunde der Entführung, welche gerade am Tage ihres Verſchwin⸗
tung dieſer und anderer Zeugenausſagen, und da auch dey Ver⸗
Während ſie noch mit dem Onkel durch den Wald ging, tadelte dieſer ſie wegen ihres Entſchluſſes, einen Mann zu heira⸗ then, deſſen Wahl er mißbilligt hatte, und nach einigen heftigen Vorwürfen hatte ſie leidenſchaftlich gerufen:„Es hängt mein ganzes Herz daran; wenn ich ihn nicht heirathen kann, ſo iſt es mein Tod. Tödten Sie mich nicht, Onkel— tödten Sie mich nicht!“ Kaum hatte ſie dieſe Worte geſprochen, ſo fiel ein Schuß, über den ſie heftig erſchrak, und dann ſah ſie einen Mann aus den Bäumen hervortreten, der in der Hand eine Wildtaube trug, die er eben geſchoſſen hatte. Als ſie an den zum Stelldichein mit ihrem Geliebten verabredeten Platz kam, veranlaßte ſie ihren On⸗ kel vorauszugehen, und nachdem ſie in die Arme ihres harrenden Geliebten geeilt war, ſtiegen Beide zu Pferde und ritten ſporn⸗ ſtreichs davon. Anſtatt jedoch nach dem Norden zu fliehen, zogen ſie ſich in die Nähe von Windſor zurück, wo ſie noch am ſelben
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Tage getraut wurden, und etwa eine Woche ſpäter traten ſie eine Luſtreiſe nach Frankreich an. Dort brachten ſie einige Monate ſo glücklich zu, daß ſie in jenen Tagen, wo die Zeitungen noch ſpärlich und die Poſtverbindungen nicht ſehr regelmäßig waren und es keine Telegramme gab, nichts von dem traurigen Schickſale ihres Onkels vernahmen, bis ſie zurückkehrten. 16.
Zur Länder⸗ und Völkerkunde.
Anter⸗Cochinchina.
Die geſchichtlichen Ereigniſſe der neuern Zeit haben unter Anderm die ſehr wohlthätige Folge gehabt, Europa in nähere Beziehungen zu den Ländern im öſtlichen Aſien zu verſetzen, in Folge deren das von China an Rußland abgetretene große Amur⸗ gebiet, das Innere Chinas, Land und Leute von Japan uns ge⸗ nauer bekannt geworden ſind, als man es ſich vor noch wenig Jahrzehnten nur als möglich gedacht hätte. Nachdem der Kaiſer der Franzoſen jetzt im ſüdöſtlichſten Theile Aſiens feſten Fuß ge⸗ faßt und in Unter⸗Cochinchina für Frankreich eine neue, bedeu⸗ tende Colonie gewonnen hat, hört auch das Kaiſerthum Anam auf, für uns eine terra incognita zu ſein, als was es bisber ſo ziemlich zu betrachten war, und ſomit iſt die ganze Oſtkäſte Aſiens den Europäern erſchloſſen, was ſich für den Handel und Verkehr, wenn auch nur allmählich, immer vortheilhafter herausſtellen und der Civiliſation Eingang in Staaten bahnen wird, in denen jetzt noch der ärgſte Despotismus herrſchend iſt. Es läßt ſich mit ziem⸗ licher Sicherheit vermuthen, daß die neue Gebietserwerbung


