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6 20 Wovellen Zeitung.
und wieder auf ein Gymnaſium geſchickt zu werden, um dort amo zu conjugiren und den Cornelius Nepos zu er⸗ poniren,— oder einen zweiten, vielleicht gelungnern Ver⸗ ſuch bei einem andern Regimentsinhaber der Berliner Garniſon zu wagen. Nach Rückſprache und mit Geneh⸗ migung des Vetters entſchied ich mich für das Letztere. Wir machten deßhalb am folgenden Tage einen Beſuch bei dem General von Lariſch, und wurden von dem mehr als ſiebzigjährigen Greiſe mit ſchneeweißem Haar und ſehr gebeugter Haltung freundlich empfangen und höflich um die Veranlaſſung unſers Beſuches gefragt. Der Mentor, welcher dem General perſönlich bekannt war, nahm wieder das Wort und bezeichnete den Grund unſers Kommens ſo bündig und plauſibel wie möglich.
Der alte Herr begann die Muſterung meiner un⸗ ſcheinbaren Perſon ſo ziemlich ähnlich, wie General von Götz, und auch er erklärte meine phyſiſche Größe für nicht genügend, abgeſehen davon, daß der vorſchriftsmäßige Etat ſeiner Junker complet ſei. Während nun über dieſes Themia hin und her parlamentirt wurde, und der Vetter die Verſicherung gab, ich werde mich gewiß beſtreben, ſo viel als möglich zu wachſen, auch einer bedeutenden Zulage Erwähnung that, welche mir von den Eltern beſtimmt ſei, entfiel den Händen des Generals ein goldener Zahnſtocher. Dies war für mich das Signal mich zu Boden zu werfen, den Flüchtling zu erhaſchen und denſelben ſeinem Eigen⸗ thümer, begleitet von der graziöſeſten Verbeugung, welche ich von meinem Tanzmeiſter gelernt hatte, zu übergeben. Dieſe Aufmerkſamkeit hatte den alten Herrn ſichtlich gün⸗ ſtiger für mein Geſuch geſtimmt, indem derſelbe mir freundlich die Wangen ſtreichelnd äußerte:„Sieh, ſieh, der kleine Flachskopf hat doch Lebensart! Nun, ich will ihn nehmen, aber nur als übercompleten Junker!“
Complet oder übercomplet war mir in dieſem Augenblicke gleichgültig, mein Wunſch war ja erfüllt, ich war preußiſcher Soldat!— Aber nur zu bald erfuhr ich,
was dieſes kleine Wörtchen„über“ in ſeinen Folgen zu be⸗ deuten habe, da mir auf dem Heimwege von dem Vetter Folgendes darüber mitgetheilt wurde. Der übercomplete Junker war ein Subject, dem man eine complete Com⸗ mißuniform gab, eine Schlafſtelle mit einem Commißbett in irgend einer Kammer bei einem in der Stadt einquar⸗ tierten verheiratheten ältern Soldaten anwies, und ihn überhaupt der Ueberwachung dieſes Letztern übergab. Er bezog weder Löhnung noch Brod und durfte ex propriis alle ſeine Lebensbedürfniſſe ſo lange beſtreiten, bis er bei einem vorkommenden Avancement zum completen oder etatmäßigen Junker vorrückte. Dagegen hatte er alle Dienſte eines Unterofficiers gratis und ohne alle Löhnung zu verſehen, und ward auch in jeder Beziehung wie ein ſolcher behandelt.
Von dem alten General war mir die Weiſung zuge⸗ gaugen, mich baldigſt bei meinem Capitain, von der Golz, zu melden, von welchem ich das Weitere erfahren werde. Dieſer Weiſung folgend ſäumte ich nicht, mich bei deniſel⸗ ben vorzuſtellen. Ich fand in demſelben einen ziemlich be⸗ jahrten, wohlbeleibten und gemüthlichen Herrn, der als Gargon lebte, und dem man es ſowohl ſeiner Perſon nach, als auch in Betreff ſeiner häuslichen Einrichtung auf den erſten Blick anſah, wie er in dem ſüßen Bewußtſein, daß eine damalige Compagnie mehrere hundert Thaler jähr⸗ licher Revenüen für ihren Beſitzer abwerfe, nicht geſonnen ſei, ſich irgend einer Entbehrung zu unterziehen. Nach einigen väterlichen Ermahnungen und Andeutungen, was ich in Berlin in und außer Dienſt zu thun und zu laſſen habe, entließ mich mein Capitain mit der Mittheilung, daß er dem Corporal Meritz, welcher verheirathet in der Stadt wohne, den Befehl ertheilt habe, mich in Schlaf⸗ ſtelle und Ueberwachung zu nehmen, auch werde Meritz mir meine Commißuniform u. ſ. w. überbringen.
Schon am folgenden Tage ſtellte ſich derſelbe, der, bei⸗ läufig geſagt, ſeiner Profeſſion nach ein Schneider war,
Die Welle ſo ſchwer,
Ging ſacht und ſinnend
Am Stalle hin,
Aufwieherte helle
Der Braune drin.* Mir deuchte zugleich, Als hörte ich Einen
In ringender Qual Aufſeufzen und weinen.
Und hin den Eimer
Zur Erde geſetzt,
Auf that ich leiſe
Die Thüre jetzt.
Ihn, dem ich hold,
In Thränen erblickt' ich,
Um ſeinen Hals
Die Arme ſtrickt' ich.
„Was weinſt du, mein Lieb? Was ſtöhnſt du, mein Reiter? Was meinſt du, mein Trieb, Er trage mich weiter?
Dein iſt, wie es war,
Mein Herze noch immer, Untreue befleckt
Das redliche nimmer.
Wie Fluthen im Quelle,
So lauter und licht, So iſt mein Lieben;+
O zweifle nicht!“
Lindenharfe. Eine holde Sängerin, Blümelein am Bache ſucht ſie, Gleitet aus und fällt hinein; Hin zum Meere ſpült der Bach ſie, Von dem Meere wird ſie drauf Wogend an den Strand getrieben. Allſofort am Strande wächſt Eine dichtbelaubte Linde. Brüderlein aus ihrem Holz Schnitzet eine feine Harfe. „Ach wie lieblich, ach wie ſchön, Klingt ſie, meine Lindenharfe!“— „Lindenharfe wäre das?“ Alſo ſpricht die Mutter weinend, „Dein verlornes Schweſterlein, Meine ſüße Tochter iſt es. O wie deutlich in mein Ohr Hör' ich ihre Stimme klingen! O wie zärtlich an mein Herz Fühl ich ihre Seele dringen!“
Zwitſchere, mein Vogelzünglein, Lodere, meines Lebens Kerze,
Jubele, junge Le bensſtunde, Tiebe, liebe, was da lieblich, Poche laut, mein liebes Herz!
3(VIII. Jahrg.
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