Jahr..
Nr. 39.]—
Vater an die künftige Beſtimmung ſeiner Söhne denkt. Die meinige war nicht zweifelhaft. Ich war dreizehn Jahr alt, und meine Neigung zum Soldatenſtande erregte ſchon ſeit früheſter Kindheit in mir den Wunſch, demſelben der⸗ einſt einverleibt zu werden. Damals verſtaud es ſich von ſelbſt, daß jeder kriegsluſtige Jüngling meines Vaterlandes es für die höchſte Ehre hielt, in die preußiſche Armee ein⸗ gereiht zu werden, indem man dieſelbe als Muſter aller übrigen anerkannte.—
Die hierzu nöthigen Vorbereitungen waren getroffen. Ich war confirmirt, und zwar im blauen Frack mit weißen Inexpreſſibles, um beides alsbald als Material zur Inte⸗ rimsuniform des Herrn Regimentscadetten benutzen zu können. Auch der Anhaltspunkt des künftigen Zopfes mit ſeiner bleiernen Kugel, um denſelben recht wagerecht zwi⸗ ſchen beiden Schultern herabhängen zu laſſen, war nicht vergeſſen, indem man bei jedesmaligem Haarſchneiden ſolche ſtets dort verſchonte, wo dereinſt dieſer falſche Zopf ſeinen Anknüpfungspunkt, beſſer geſagt Anbindungspunkt erhal⸗ ten ſollte.
So vorbereitet und ausgerüſtet mit einem gefüllten Koffer, der Nöthiges und Entbehrliches enthielt, und den man, um ihn gegen die Mißhandlungen eines damaligen norddeutſchen Poſtwagens zu ſchützen, möglichſt dauerhaft conſtruirt hatte, erwartete ich die Nachricht aus Berlin, daß ich durch die Vermittlung eines Verwandten in das Infanterieregiment von Götz als Junker aufgenommen ſei. Wenige Tage, und die von mir ſo ſehnlichſt erwartete Be⸗ ſtätigung meiner Anſtellung traf auf unſerm einſamen Dorfs ein. Unter der Aegide unſers Jägers Witt, der ſchon ein halbes Dutzend unſerer jungen Leute auf ihrer Reiſe zum Eintritt in die preußiſche Armee begleitet hatte, ward auch ich nun nach Berlin expedirt.
Dieſe Reiſe nach damaligen Verhältniſſen bei den ſchlechten Wegen, den mangelhaften Transportmitteln, wenngleich nur eine Entfernung von 60 Stunden betra⸗
Dritte Folge.
gend, ward mit der gewöhnlichen Poſt angetreten. der ſich in jene Zeit verſetzen kann, ſchaudert aber nicht bei der Erinnerung an dieſes gräßliche, damals einzige, für Jedermann verfügbare Transportmittel, einer mecklenbur⸗ giſchen Poſt! Ein gewöhnlicher Leiterwagen, angefüllt mit Kaffeeballen, Pfefferſäcken und Heringstonnen, und oben drauf ein Bret mit einer Lehne, welches man mit dem Namen einer Bank beehrte, zur Benutzung für die Paſſa⸗ giere. Witt, ein gereiſter Mann, fand bald Unterkunft, erkämpfte auch für mich den nöthigen Sitzraum und über⸗ ließ es dann meiner Intelligenz, wo ich meine Füße gegen zudringliche Fäſſer und Colli bergen und ſchützen ſollte. Beim Abſchied vom Vaterhauſe ward mir eine ſilberne Uhr mit Gott weiß wie viel Gehäuſen zum Geſchenk ge⸗ macht, um mit Hülfe verſelben der militäriſchen Pünkt⸗ lichkeit in meinen nun bevorſtehenden Dienſtverrichtungen leichter entſprechen zu können. Welche Freude für einen Knaben von dreizehn Jahren, im Beſitze einer erſten Uhr zu ſein! Faſt alle fünf Minuten überzeugte ich mich von den Fortſchritten, welche ſie in der Zeit machte, und zürnte ihr wohl gar, daß ich dieſe ſo unbedeutend fand, wenn ſie nämlich nach fünf Minuten auch nur um ebenſoviel vorge⸗ rückt war.
Zu jener Zeit begleitete die Poſt außer dem Schwa⸗ ger Poſtillon ein ſogenannter Schirrmeiſter, eine Art Con⸗ ducteur, der ſich aber, ſeinem Namen entſprechend, nur um die Frachtgüter kümmerte und von den Paſſagieren wenig oder gar keine Notiz nahm. Er war nur dann artig ge⸗ gen dieſelben, wenn ſolche an einem Kruge, wo es ihm be⸗ liebte, mit dem Herrn Schwager ein Gläschen zu trinken, ſich zur Theilnahme dieſes Genuſſes bereit erklärten, indem er hoffte, daß der Betrag des von ihm conſumirten Fluidums bei Bezahlung von Seite der Reiſenden mit Hülfe des Wirths in deren Zeche unbemerkt hineinſchlüpfen werde.
Drei langweilige Reiſetage durch höchſt einförmige
Wer,
Theile der Inſel, auch von der Hochebene abgeſehen, nicht ungeſund ſeien, beſonders die weit ausgedehnten Weidegründe. Wenn er aber beifügt, daß ihm das Thierleben auf Madagaskar ſehr ſpär⸗ lich erſcheine, ſo iſt er gewiß im Irrthum, denn alle andern Reiſen⸗ den haben das Gegentheil behauptet. Er ſah wildes(verwilder⸗ tes?) Hornvieh, das keinen Höcker hat, während andererſeits faſt alles Rindvieh, welches in großer Menge von der Inſel nach Mauritius und Bourbon ausgeführt wird, ſehr ſtark entwickelte Höcker trägt.
Man hat oftmals geſagt, der König ſei Chriſt, doch iſt dieſe Behauptung zum Mindeſten voreilig;z man hat aber Grund zu der Hoffnung, daß er einmal Chriſt werde. Gegenwärtig bekennt er ſich zu einer Art Deismus; die Anleitung dazu hat er von ſei⸗ nem ſchon erwähnten Hauptſecretär empfangen. Eine durch ihn in der Hauptſtadt gegründete Schule zählte im Herbſte v. J. ſchon etwa achtzig Zöglinge. 5.
Zur Culturgeſchichte.
Das Artheil des amerikaniſchen Miſſionar Robert über die Caipings.
Da die in den letzten Jahren ſo viel beſprochenen chineſiſchen Rebellen, die Taipings, ſich jetzt, wo ſie von den Engländern, Franzoſen und Chineſen gemeinſchaftlich bekämpft werden, ſicher noch weit mehr in den Vordergrund drängen, ſo wird es gewiß vielen unſerer Leſer erwünſcht ſein, wenn wir ihnen hier das Ur⸗ theil des Mannes über dieſelben mittheilen, der den„himmliſchen Herrſcher“ früher über das Weſen, die Lehren und Vorſchriften
des Chriſtenthums belehrte, der aber die Rebellen verlaſſen und in einem in Hong⸗Kong erſcheinenden Journale die Veranlaſſung dazu und die bei ſeinen Schülern gemachten Erfahrungen ver⸗ öffentlicht hat. Die Erzählung deſſelben lautet:
„Da ich im Jahre 1847 der Religionslehrer von Hang⸗ Sow⸗Chuen geweſen bin und hoffte, daß von deſſen Erhöhung für die Nation ſich erfreuliche religiöſe, commercielle und politiſche Folgen ergeben würden, ſo war ich bisher ein Freund ſeines revo⸗ lutionären Aufſtandes und ich unterſtützte denſelben mit Wort und That, ſoweit ich das als Miſſionar folgerecht thun konnte, ohne meinen höhern Charakter als Geſandter Chriſti zu entheili⸗ gen. Nachdem ich aber fünfzehn Monate unter ihnen gelebt und ihr politiſches, commercielles und religiöſes Verfahren genau be⸗ obachtet habe, bin ich zu ganz andern Anſichten gelangt und ich bin jetzt aus guten Gründen, wie ich glaube, ein ſo entſchiedener Gegner derſelben, wie ich früher zu ihren Gunſten geſtimmt war. Ich halte Hang⸗Sow⸗Chuen für einen kraftloſen Mann, der gar nicht fähig iſt, ohne eine organiſirte Regierung das Land zu leiten; ebenſowenig iſt er mit ſeinen Culi⸗Königen im Stande, eine Regierung zu organiſiren, welche dem Volke nur die frühere kai⸗ ſerliche Regierung zu erſetzen im Stande ſein würde. Er iſt ſehr heftigen Charakters, und ſein Zorn laſtet ſchwer auf dem Volke; ein Wort iſt oft hinreichend, einen Mann oder eine Frau in ſeinen Augen als Verbrecher erſcheinen zu laſſen, und er befiehlt dann, ohne einen Richter oder eine Jury zuzuziehen, daß ſie ſofort getödtet werden. Er iſt ein Gegner des Handels, und ſeitdem ich hier bin, hat er bereits mehr als ein Dutzend Perſonen ſeines eignen Vol⸗ kes ermorden laſſen, deren einziges Verbrechen darin beſtand, daß ſie in der Stadt Handel getrieben hatten, und eben ſo hat er jeden


