Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
604
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längſt gewußt, wie die Sachen ſtanden! Nun, die Erne⸗ ſtine ſollte ihr eine willkommene Schwiegertocher ſein. Das war ganz ein Mädchen, wie ſie in einen ſolchen Bauernhof paßte. Die verſtand zu befehlen und die Wirthſchaft zu führen, denn ſie kam ja ſelbſt aus einer großen Wirthſchaft; wohl kaum eine beſſere Wahl hätte Kilian treffen können. Seine Mutter ſah ihm nach, als er durch den wohlgepflegten Garten ging, langſamen Schrittes und geſenkten Hauptes. Aber das war nicht der Gang eines glücklich Liebenden, und es ſah eher aus, als trage er ein Glück zu Grabe, als daß er ſich eins zu holen gedenke. Die Bäuerin ſeufzte, ſie wußte wohl, was im Herzen des Sohnes vorging, und kopfſchüttelud ſagte ſie unwillig:Mit der Lotte, das war eine Thorheit!

Gedachte der Sohn ſie nach ſeinem Kirchgange mit der Braut zu überraſchen, ſo gedachte ſie ihn ihrerſeits mit einem Mahle zu überraſchen, das eines ſo wichtigen Ereig⸗ niſſes würdig ſei. Die erwählte Braut ſollte gleich inne werden, daß in ihrer künftigen Heimath die Hülle und Fülle herrſche, und daß die Mutter der Wahl des Sohnes ſich freue. Die Bäuerin wußte in der Küche gar wohl Beſcheid, Hof und Feld und Garten bot das benöthigte Material, und ſo brodelte und ſiedete es bald in ihrer Küche, als gelte es ſchon ein Hochzeitsmahl herzurichten. Gar luſtig ſpiegelte ſich der helle Feuerſchein des großen Heerdes in den blankgeputzten Zinn⸗ und Kupfergeräthen wieder, womit ihre Küche ſo reichlich ausgeſtattet war. Auch einen ſchönen Kuchen buk die Bäuerin, an dem weder Butter noch Eier, noch Zucker geſpart war, und ſie empfand keine geringe Befriedigung, als er wohlgelungen aus dem Ofen kam.

In der Kirche hoffte Kilian ſeine erwählte Braut zu treffen, und auf dem Heimwege ſollte Alles zwiſchen ihnen richtig werden. Zwar hatte er gegen ſie noch kein Wört⸗ chen von ſeiner Abſicht verlauten laſſen, hatte auch nie⸗ mals in ſeinem Betragen ihr einen Vorzug vor den andern

Jahrg.

[VIII. Mädchen ſeiner Bekanntſchaft gegeben, dennoch glaubte er ſeiner Werbung ziemlich ſicher zu ſein.

So viel mit ſich und ſeinem Vorhaben beſchäftigt, hatte er auf ſeinen Weg wenig Acht. Es war ihm ſo ziemlich Alles gleichgültig, nur Eins wünſchte er nicht, Lottchen zu begegnen. So ſtieg er den Berg hinan, und als er das Haupt erhob, ſiehe, da ſaß gerade ſie, an die er ſoeben dachte, auf dem Steine vor ihm. Kilian erblaßte förmlich, als er Lottchen erblickte, doch lag es nicht in ſeiner Abſicht, ſtumm und wortlos an ihr varüberzu⸗ gehen. Das hätte Lottchen doch wohl gekränkt, denn wie Manches ſich auch in ihren Beziehungen zu einander verändert hatte, ſo war und blieb ſie doch immer ſeiner Mutter Pathe, die Geſpielin und Gefährtin aus der Ju⸗ gendzeit.

Guten Morgen, Kilian, erwiderte Lottchen freund⸗ lich ſeinen Gruß und trat ihm entgegen.

Was machſt Du hier? ſagte Kilian,auf wen war⸗ teſt Du?.

Erſt auf Niemand, jetzt auf Dich, denn ich ſah Dich V den Berg herauf kommen, antwortete Lottchen offen.

Warum haſt Du auf mich gewartet? fragte Kilian ein wenig rauh, denn er zürnte ihr, daß ſie ihm in den Weg gekommen.

Lottchen ſah ihm mit vorwurfsvollem Blick in's Ange⸗ ſicht, dann ſagte fie ſchüchtern:Du zürnſt mir wohl, daß ich auf Dich gewartet habe, ich wollte Dir ja bloß von meinem Glück erzählen.

Von Deinem Glück? fragte er wie betroffen und ſah ſie ſcharf an.

Ja, von meinem Glückl lachte Lottchen,wo haͤbe ich ihn her?

Sieh hier dieſen Thaler,

wußte wohl kaum ſelbſt, was er eigentlich befürchtet hatte, und ſich zur Gleichgültigkeit zwingend verſetzte er gelaſſen: Wie ſoll ich das wiſſen?

hinzuweiſen. Demzufolge läßt ſich als wahrſcheinlich annehmen,

daß dieſer Stamm von den Trümmern einer chineſiſchen Einwan⸗ derung herrührt, die an die Küſte des Meerbuſens von Carpen⸗

taria verſchlagen worden iſt, ſich dort mit den Eingebornen ver⸗ miſcht hat und nach und nach bis in die Nähe der blauen Berge ören ſt.* lichen Mannes war Ritter Clauſen.

Das iſt eine mögliche Vermuthung, ſie iſt aber im Wider⸗ e hoher ſpruch mit einer Art von anthropologiſchem Geſetz, nach welchem, frühzeitig dem Studium der prak

V gekommen iſt.

wenn zwei Racen ſich mit einander vermiſchen, faſt unveränderlich

ein ſehr reichlicher Haarwuchs bei dem Miſchling ſich zeigt. So ſtammen die Papus, die einen ſehr dicht en Haarwuchs haben, von den Malaien und Melaneſiern; die Cafugos, von denen wir oben geſprochen haben, führen gleichzeitig afrikaniſches und ame⸗ rikaniſches Blut in ſich. Aehnliche Beiſpiele finden ſich noch mehrere. Dieſer Stamm iſt dagegen, trotzdem daß er als Miſch⸗ ling zu betrachten iſt, haarlos. Dieſe Thatſache läßt ſich nicht ableugnen, doch bis jetzt kennt man die Urſache der Kahlheit noch nicht, ja die Naturforſcher haben es noch gar nicht einmal gewagt, nur eine Vermuthung darüber aufzuſtellen. C.

Zur Geſchichte des Erfindungen.

Ritter Clauſen.

Ein ſchlanker, hübſcher Mann befindet ſich, oder befand ſich wenigſtens noch kürzlich, in einem lunatic asylum oder einer Irren⸗

anſtalt in Camberwell in England. Er pflegte tage⸗ und wochen⸗

lang traurig in einer Ecke ſeines einſamen Zimmers zu ſitzen, war

nicht leicht zum Plaudern und noch weniger dazu zu beſtimmen, ſich körperliche Bewegung zu machen. Erx gerieth indeſſen dann und wann in eine plötzliche Aufregung und ließ wiederholt unzu⸗ ſammenhängende Sentenzen hören, in denen nur das Wort flax-cotton deutlich zu hören war. Der Name des unglück⸗ Von Geburt ein Däne und ein Mann von hoher wiſſenſchaftlicher Bildung, widmete er ſich tiſchen Chemie und beſonders der Zweige derſelben, welche mit der Fabrikation gewebter Stoffe ver⸗ vunden waren. Nach Jahren von Arbeit und vielen Verſuchen kam er zu dem Schluſſe, daß die Faſern von Flachs, wenn ſie ichtig bearbeitet werden, der Baumwolle für alle Zwecke, zu denen man ſich derſelben bedient, vorzuziehen ſind und deßhalb an Stelle derſelben treten ſollten, und zwar ebenſowohl aus der erwähnten Urſache, als weil der Flachs eine einheimiſche Pflanze iſt, die Europa vom Auslande und dem Product der Sclavenarbeit un⸗ abhängig machen könne. Clauſens Verſuche wurden in ſeinem eignen Vaterlande günſtig aufgenommen, und der König von Dänemark ernannte ihn zum Ritter, ließ ihm aber unglücklicher⸗ weiſe keine andere weſentliche Ermuthigung zu Theil werden. Der Erfinder begab ſich hierauf nach Frankreich, vermählte ſich dort mit einer jungen franzöſiſchen Dame, wurde am Hofe vorgeſtellt, erbielt den Orden der Ehrenlegion, doch außerdem nichts weiter als Verſprechungen künftiger Belohnungen für die mühevollen Jahre, die er dem Gegenſtande, der ſeinen Geiſt einzig und allein beſchäftigte, gewidmet hatte. ſchäfti fedra Arbeit etwas ermüdet und von ſeiner Armuth ſchmerzlich niedergebeugt, kam Ritter Clauſen gerade zur Zeit der

erſten großen internationalen Ausſtellung im Jahre 1851 nach 4

Kilian athmete auf wie von einem Druck befreit. Er V

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zählt Kilian ließ.

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