Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
603
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Dritte abnehme, denn ich werde alt. Wähle Dir unter tern der Bauern.

Warum gerade unter dieſen? fragte K troffen. Seine Mutter ſah ihm ſcharf Ahnung mochte ihr bei des Sohnes Kopf fliegen, und die ſonſt nicht böſe, gleichfalls hochmüthige

den Töch⸗

ilian be⸗

in's Geſicht, eine Worten durch den aber in ihrer Art Frau ſagte daher die harten

raus V Worte:Willſt Du mir etwa eine Betteldirne in's Haus ungen führen?

agerd, Kilian fuhr heftig von ſeinem Stuhle empor, das Blut e gr ſtieg ihm in's Geſicht, und eine harte, wenig ehrerbietige Antwort ſchwebte auf ſeinen Lippen. Aber er bemeiſterte dt ſeinen Zorn, die Ehrerbietung des Sohnes trug über den

verletzten Liebhaber den Sieg davon, dern, ging er zur Thür hinaus. Jetzt war es mit ſeiner bisher ſo ſchwankenden Ab⸗ ſicht, Lottchen ſeine Haud zu bieten, vorbei, ſeine Mutter hatte darüber entſchieden. Das Mädchen, das von ſeiner eigenen Mutter mit einem ſo verächtlichen Ausdrucke be⸗ zeichnet worden war, konnte er unmöglich zu ſeiner Frau machen; er fühlte ſich zu tief in ſeinem Stolze gedemüthigt, zu ſehr in ſeiner Ehre verletzt. Die Mntter ſollte ja die Schwiegertochter nicht nur lieben, ſie ſollte ſie auch achten, ſie ihrer werth halten können. Die Mutter hatte vielleicht nicht bedacht, was ſie ſagte, als ſie ſich eines ſo verletzen⸗ den Ausdrucks bediente, aber das Wort war einmal ihren Lippen entfahren, und es tönte fort und fort in dem Herzen des Sohnes, und ob es ihn auch mit einem ſchneidenden

ohne etwas zu erwi⸗

mſten

Kilian

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zuwenden, mit deuen er zu ſeinem Sch Freude an Lottchen gehangen.

Daß Lottchen von dem K zu beſtehen habe, nichts

merze und zu ſeiner

ampfe, den er um ihretwillen ahne, hoffte er; ſie ſollte auch nie⸗ mals etwas davon erfahren. Aber von dem Tage, wo ſein Entſchluß feſtſtand, durch eine andere Wahl ſich die Umkehr zu Lottchen unmöglich zu machen, war Kilian wie umge⸗ wandelt. Von ſeiner Stirn war die Heiterkeit entflohen, ſchweigend und nachdenkend ging er im Hauſe umher, und matt und träge war der Ausdruck ſeiner Züge.

Daß Lottchen ihm jetzt wenig oder gar nicht in den Weg kam, war ihm außerordentlich lieb, denn im geheim⸗ ſten Winkel ſeines Herzens regte ſich die Stimme des Vorwurfs, daß er um ſeines Stolzes willen zum Ver⸗ räther an ſeiner Liebe geworden. Er, der reichſte Bauer am Orte, fühlte ſich vor der armen Tagelöhnerstochter gedemüthigt.

Langſam und gedankenvoll, unzufrieden mit ſich ſelbſt, und doch nicht im Stande ſich über alles was ihn ſtörte zu erheben und allein ſeines Herzens Gefühlen zu folgen, ſtieg er den Berg hinan. Auch er wollte heut' zur Kirche gehen, wollte im Hauſe des Herrn ſich zu dem wichtigen Ent⸗ ſchluſſe ſammeln und vorbereiten, den er nach dem Kirch⸗ gange auszuführen ſich vorgenommen.

Mutter, ich führe Dir heute die Schwiegertochter zu, hatte er fortgehend geſagt, und die überraſchte Bäuerin ſann vergebeus darüber nach, auf wen die Wahl ihres Sohnes ſo plötzlich gefallen ſei, deun ſich für Eine

Weh erfüllte, es ging doch nicht anders, er mußte Lottchen entſchieden ausgeſprochen hatte er niemals. Aber n here entſagen. Er mußte dieſe Liebe, die ſeiner nicht würdig er mußte doch wohl mit ſich einig ſein, und ſo wollte ſie in eiiſhee ſchien, aus ſeinem Herzen reißen, und darum ging er jetzt Geduld ſeiner Rückkehr harren. Vielleicht war es die be nicht allen Ernſtes daran, die Gattin zu wählen, die ſeiner und Erneſtine, Bauer Konrad's Tochter, ein ſchmuckes, flinkes, Kilian, ſeiner Mutter Achtung genügte. Hatte er erſt eine Frau, heiteres Mädchen. Und nun erklärte ſich ihr auch auf 3 Haus dann war es Sünde, noch ferner an Lottchen zu denken, einmal Erneſtinens außerordentliche Freundlichkeit und thſchaft dann war es ſeine Pflicht, der Gattin alle die Gefühle zu⸗ Zuvorkommenheit. Der Schalk, ſie hatte wohl bereits Fluſſes Civiliſation erreicht zu haben glauben, ſich den Vorurtheilen der Balona, in der ſüdlichen Gegend der Provinz Queensland in h⸗ Mode nicht zu entreißen vermögen! Bei demſelben Stamme Auſtralien, und iſt von den denachbarten Staͤmmen ganz ver⸗ glauben die Frauen ihrer Schönheit die Krone aufzuſetzen, wenn ſchieden.. ten ſeht ſie ihre Oberlippe mit einem ſchweren Ringe verzieren. Wenn ſie Seit mehreren Wochen waren unbeſtimmte, ſich widerſpre⸗

eriſchen das Alter von fünfzig Jahren erreicht haben, hat ihre Lippe einen chende Angaben üben dieſe eigenthümlichen Eingebornen im Um⸗ ngebor⸗ ſolchen Umfang, daß ſie ſich derſelben als Kinnband bedienen kön⸗ lauf. Dem Herrn Mac Kay, der die Üfer der Balona vor eini⸗ Re hät⸗ nen. Jetzt klage man unſere europäiſchen Damen noch an, daß gen Monaten beſucht und erforſcht hat, iſt es gelungen, durch be⸗ an einen ſie ſich zu Märtyrerinnen der Mode machen! ſſtimmte Beobachtungen volles Licht über dieſe ſeltſame anthropo⸗ er ziſch Je weiter der Horizont der Ethnographie ſich ausdehnt, deſto logiſche Frage zu verbreiten. Es gibt wirklich einen ganz kahlen 5 mehr ſtößt man auf Geheimniſſe und Eigenthümlichkeiten jeder Völkerſtamm, der aber allerdings aus einer ſo beſchränkten Zahl hwollt Art, die zu löſen die Wiſſenſchaft ſich vergebens anſtrengt. von Individuen zuſammengeſetzt iſt, daß er in einer nicht fernen

Vor einiger Zeit kehrt zurück, welcher verſicherte, ausſchließlich von Blinden von dem Vater auf den So

Ein anderer Reiſender, der eine Erforſchungsreiſe durch den

öſtlichen Theil Afrika's unternommen hatte, traf unterwegs auf Völkerſchaften, bei denen Jedermann ſtammelte.

Spix und Martius, die im Auftrage der bairiſchen Regierung von 1817 bis 1819 Braſilien bereiſten, und viele andere Gelehrte ſprechen von einer amerikaniſchen Völkerſchaft, deren krauſes Kopf⸗ haar ſich beinahe zwei Fuß hoch übec ihren Kopf erhebt. Es ſind das Cafugos, Eingeborne oder Miſchlinge in den Gegenden des Amazonenſtroms. Bis jetzt hat die Wiſſenſchaft ſich umſonſt an⸗

e ein Reiſender aus dem mittlern Afrika mehrere Dörfer geſehen zu haben, die bewohnt würden, deren Blindheit ſich hn fortpflanze.

un e geſtrengt, die Urſachen dieſer Anomalien aufzufinden.

4 Jetzt handelt es ſich nicht mehr um Blinde, Stammelnde und vſt ni Leute mit einem mehr als üppigen Haarwuchs; im Gegentheil, eine kate ganz kahlköpfige Völkerſchaft wird die Aufmerkſamkeit der Natur⸗ aufßn de forſcher beſchäftigen. Dieſer Volksſtamm bewohnt die Ufer der Glu

Zeit von der Erde ganz auch ſein möge, das und es laſſen ſich dag ſie reißen ſich die H Mittel, um ſich derſe Hautkrankheit, welche d könnte.

begnügt, unwiderleglicher Bew einen jun gebracht, und

kahle Schädel d Billardball ver Jahre alt ſein mag, g ſchont haben. tion. Seine Augen und die ſtark

ſcheinen auf eine directe Verwandtſc⸗

verſchwunden ſein wird. Wie dem nun Haarſyſtem fehlt dieſem Stamme gänzlich, egen gar keine möglichen Einwände erheben; gare nicht aus, gebrauchen keine künſtlichen lben zu berauben, und ſie leiden auch an keiner en Verluſt der Haare herbeigeführt haben

Hätte Herr Mac Kay

ſo würde man ſeine An

ſich mit einem ausführlichen Berichte gaben bezweife

1 felt haben, aber ein eis iſt in ſeinen Händen: er hat nämlich

gen Eingebornen aus jener Gegend mit nach Sydney ein engliſcher Correſpondent daſelbſt ſchreibt, der eſſelben laſſe ſich am beſten mit einem gut polirten gleichen. Dieſer arme Wilde, der etwa ſiebzehn gleicht einem Greiſe, den die Runzeln ver⸗

Er iſt klein und von einer ſchwächlichen Conſtitu⸗ braungelbe Farbe ſeiner Haut haft mit der mongoliſchen Race

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