ſeiner Naturumgebung ſehr angenehmer Weg; denn nach⸗ dem ſie eine Zeitlang ſanft anſteigend über grüne Matten dahingewandelt war, auf denen die Fülle bunter Wieſen⸗ blümchen prangte, hatte ſie wohl noch eine Stunde ziemlich ſteil bergauf zu ſteigen, um zu dem Kirchlein zu gelangen, das eines Königs frommer Sinn hier oben errichtet hatte.
Als ſie ſo über die bunten Wieſen dahinſchritt, auf denen die Thautropfen wie tauſend und aber tauſend Diamanten erglänzten und die vielen Blümchen ſich leiſe im Morgenwinde neigten, kam es ihr in den Sinn, daß ſie ſich wohl ein Stxräußlein pflücken könne, um es mit zur Kirche zu nehmen. Sie hatte es heut, wie ſie ſonſt zu thun pflegte, vergeſſen, ſich aus dem einzigen Blumenbeet der Großmutter ein paar Zweige Reſede oder ein paar Nelken mitzunehmen. Hier boten ſich ihr Blumen in Hülle und Fülle, und bald hatte Lottchen ein ganz reizendes Sträußchen beiſammen. Da hörte ſie plötzlich Stimmen hinter ſich, ſie, die ſich ganz einſam gewähnt hatte. Sie wandte ſich ſchnell um und ſah eine Geſellſchaft Damen und Herren auf ſich zukommen. Es war dies keine be— fremdende Erſcheinung in dieſer Gegend, das Gebirge wurde ja alljährlich zahlreich von Fremden beſucht, die Reiſeluſt und andere Beweggründe aus allen Gauen des Vaterlandes hierher führte. Lottchen trat beſcheiden ein wenig bei Seite, um die Geſellſchaft an ſich vorüber zu laſſen; aber eine junge, fein gekleidete Dame kam an das Mädchen heran und fragte höflichen und freundlichen Tones, ob man wohl hier auf dem rechten Wege nach der Kirche ſei.
Lottchen bejahte es und fügte hinzu, ſie köunten nicht irre gehen, wenn ſie immer dieſen Fußpfad weiter ver⸗ folgten.
Ob es noch ſehr weit und ſteil bergauf ſei, fragte eine andere Dame.
„Ich weiß nicht,“ ſagte Lottchen,„ob Sie ſchnell gehen
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
und gut ſteigen können, in dieſem Falle iſt es nicht mehr allzuweit.“
Man lächelte ob dieſes Beſcheides, und die freundliche junge Dame, die noch ein paar weitere Worte mit Lott⸗ chen wechſelte, bemerkte jetzt das Blumenſträußchen der⸗ ſelben und bewunderte ſeine Zierlichkeit.
„Nehmen Sie es hin, wenn es Ihnen gefällt,“ ſagte Lottchen in freundlicher Weiſe und reichte der Dame das Sträußchen dar.
Die junge Fremde nahm es dankend an und wies es den Andern in der Geſellſchaft. Man freute ſich des bunten Sträußchens und ſeiner gelungenen Zuſammen⸗ ſtellung. Die junge Dame befeſtigte es alsdann an ihrem Gürtel.
„Wo biſt Du her, mein Kind?“ fragte eine ältere Dame.
„Aus dem Dorfe da unten,“ verſetzte die Gefragte.
„Und Du gehſt auch zur Kirche, hübſche Kleine?“ fragte einer der Herren.
Lottchen erröthete.„Wozu hätte ich ſonſt das Geſang⸗ buch?“ verſetzte ſie ein wenig kurz.
Herren und Damen lächelten abermals, ein wenig ſpöttiſch, ein wenig boshaft, und der Zurechtgewieſene mußte es ſich gefallen laſſen.
„Wir wollen noch höher in's Gebirge hinauf, darum müſſen wir eilen,“ ſagte die junge Dame und verließ nach
begann. Die Geſellſchaft ſchritt ſchnell vorwärts und kam bald Lottchen aus den Augen.
Aber im Suchen nach ihren Blumen ſchritt auch Lott⸗ chen vorwärts. Auf einmal ſah ſie im grünen Graſe etwas blinken, es ſchimmerte wie Gold. Sie bückte ſich darnach und hielt zu ihrem Staunen eine kleine goldene Uhr, wie ſie Damen zu tragen pflegen, in ihrer Hand. Sie betrachtete ſie von allen Seiten, denn das kleine Ding ſah
ihretwegen mit England und den Vereinigten Staaten von Nord⸗ amerika in Krieg verwickelt zu werden.
Auch die öden Hudſonsbayländer haben Europäer der Pelze wegen Krieg führen laſſen. Als nämlich Canada noch franzöſiſch war, trieben einige Abenteurer, ſogenannte Buſchläufer oder Wald⸗ gänger, auf eigene Gefahr Pelzhandel, indem ſie auf mehrere Jahre in die Wald⸗ und Steppenwildniß zogen, Pelzwild erlegten, unter freiem Himmel lagerten, dann mit ihrem Pelzvorrath an den Lorenzoſtrom zurückkehrten und ihn verkauften; in Folge davon entſtanden mehrere Handelsgeſellſchaften, von denen ſich aber keine behauptete. Zuletzt concurrirten zwei Actiengeſellſchaften, als Canada engliſch geworden war, die Hudſonsbay⸗ und Nordweſt⸗ Compagnie, organiſirten den Verkehr und ſendeten Reiſende nach Weſten, um die dortigen Länder zu erforſchen, und Handelsver⸗ bindungen mit den Indianern anzuknüpfen. Dabei entſtanden aber zwiſchen beiden Geſellſchaften Grenzſtreitigkeiten und endlich ein verderblicher Krieg, welcher den beiderſeitigen Handel ſehr herab⸗ brachte. Dieſe Noth brachte die neidiſchen Kaufleute endlich zur Einſicht, daß es vortheilhafter ſei, ſich zu einer Geſellſchaft zu ver⸗ einigen, was auch 1819 geſchah.
Gegenwärtig ſchätzt man den Reinertrag der 240 Actionäre der Hudſonsbaygeſellſchaft auf 1 ½ Millionen Gulden ab. Be⸗ ſonders verkauft ſie die Pelze der verſchiedenen Bären(der ſchwarzen, braunen, grauen, Eis⸗ und Waſchbären), des Vielfraßes, der Marder, der canadiſchen Otter, des blutrothen Fuchſes, des Luchſes, Bibers und der Biſamratte. In London werden große Auctionen gehalten, und rechnet man das Capital zuſammen, welches der Pelzhandel in erſter Hand repräſentirt, ſo kann man
5 Millionen Rubel auf den Markt bringt. Im Zwiſchenhandel ſteigen die Preiſe, denn Rußland ſendet viel Pelze über Kjächta nach Peking in China, über Aſtrachan nach Perſien, über Odeſſa nach Conſtantinopel, über Tobolsk nach Moskau und Leipzig, und dieſe Pelzhandelsſtraße von Ochotsk am Meer bis Moskau nennt man den ſibiriſchen Tract. Im Handel mit China tauſcht man Thee, Porzellan, Baumwollen⸗ und Seidenſtoffe gegen Pelze ein, denn in China iſt Pelzverbrämung und Pelzkleidung ſehr beliebt, ebenſo in der Türkei; der Sultan und ſeine hohen Staatsbeamten tragen nur koſtbare Schwanzfuchspelze, die Chineſen Biber⸗ und Eichhornfelle. China kauft von Rußland für 7 Millionen Silber⸗ Rubel Pelze, denn Zobelpelze ſind Staatsmonopol und werden als Steuer eingeliefert, geſtempelt nach Petersburg geſchickt, und dort verſteigert. Sibirien liefert jährlich etwa 45— 50,000 Zobelpelze, von denen das Stück an Ort und Stelle 80 Silber⸗ Rubel koſtet, in Petersburg. 180 Silber⸗Rubel. Man bezahlt den glänzenden, feinen Seeotterpelz mit 110 Silber⸗Rubel, den ſchwarzen Fuchs mit 300 Silber⸗Rubel, den Eisbär mit 3— 6 Silber⸗Rubel. China bezieht jährlich 4 Millionen Eichhornfelle, deren Rußland überhaupt an 15 Millionen verkauft, 1000 Stück zu 110 Rubel; außerdem verſendet es für circa ½ Million Silber⸗ Rubel Haſenfelle, für 200,000 Bank⸗Rubel Hermelinfelle, von denen 150,000 Stück nach China gehen, woraus man ſieht, in welch ungeheuerer Menge die Pelzthiere erlegt werden. Es kann daher bei dieſer Verfolgungswuth nicht überraſchen, wenn man über Abnahme der Pelzernte klagt, da man die Thiere millionen⸗ weiſe ohne Unterſchied des Alters und Geſchlechts vertilgt.
Unendliche Mühe und lebensgefährliche Anſtrengungen koſtet
es auf 6— 8 Millionen Gulden ſchätzen, da Rußland allein über
es, ehe die Pelze aus ihrer Heimath auf die großen europäiſchen
ein paar freundlichen Abſchiedsworten das junge Land⸗ mädchen, das ſich ein neues Sträußchen zuſammenzuſuchen
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