Jahrgang 
27-52 (1862)
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einzig übrig gebliebenen Erbtheil ihrer verſtorbenen Mutter.

Draußen ſaugen noch immer die Vögel, und auf das Fenſterbret war ein neugieriger Sperling geflogen und ſpähte unter dem Schutze des Roſenſtöckchens in das kleine Kämmerchen hinein nach dem jungen Mädchen hin, das den Vögeln zuweilen ein paar Brodkrumen geſtreut hatte. Bald ſtand ſie fix und fertig in ihrem beſcheidenen An⸗ zuge vor dem Spiegel und muſterte deuſelben, ob auch Alles glatt und ordentlich ſitze. Sie konnte nicht einfacher und beſcheidener einhergehen, man ſah in ihr auf den erſten Blick das Kind der Armuth, und doch ſah ſie lieblich und anmuthig aus; denn die Natur hatte ſie eben mit den

haben der Schönheit nicht kärglich bedacht. Zu ihrem

Schreck bemerkte ſie, daß ihre Bekleiduug nachgerade an⸗ fange ihr ein wenig zu kurz und zu knapp zu werden, und dieſe Wahrnehmung rief wieder ein trübes Wölkchen auf ihre heitere Stirn, denn ſie war eben ein ſehr armes Mädchen, dem zu ſeinen Ausgaben nicht viel blieb, und dieſes Kleid war ja ihr einziges Sonntagsgewand. Aber ſie ſchien eine elaſtiſche Natur, ſie tröſtete ſich damit, daß der Rock vorläufig noch gehe, und ſo nahm ſie denn ihr Gebetbuch, nickle den Blumen lächelud zu und ſchlüpfte, das Kämmerchen hinter ſich ſchließend, zur Thür hinaus. Die kleine Treppe, die eher einer Hühnerſteige zu verglei⸗ chen war, knarrte unter dem leichten Tritte des Mädchens, und bald öffnete ſie unten leiſe die Thür und trat in die einzige Stube des Häuschens.

Es ſah hier nicht viel beſſer als oben im Kämmerchen aus, aber Sonnenglanz erfüllte den dürftig ausgeſtatte⸗ ten Raum, und aus dem großen Bette in der Ecke fragte eine altersſchwache Stimme:Biſt Du es, Lottchen?

Ich bin es, Großmutter, antwortete das Mädchen freundlich und trat vor das Bett der Alten, um ihr den

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

Ei Kind, Du biſt ja ſchon im Putz! ſagte die Alte ſie muſternd.

Großmutter, ich will zur Kirche gehen, verſetzte Lottchen.

Die Alte richtete ſich im Bett empor und ſah nach den kleinen Fenſtern hin.Es wird heut ſehr heiß werden, ſagte ſie,und Du haſt einen weiten Gang.

Ich mache mich zeitig auf den Weg, ehe die Sonne höher ſteigt.

Aber der Rückweg, Kind, der Rückweg!

Da geht es ja bergab, meinte Lottchen.

Ach, wer auch noch ſo zur Kirche gehen könnte! glück⸗ liche Jugend! ſeufzte die Alte.

Ehen weil ich noch zur Kirche gehen kann, will ich mich das Bischen Mühe und Anſtrengung nicht verdrießen laſſen, rief Charlotte.

So will ich hier für mich allein Kirche halten, ſagte die Großmutter.Gib mir die Bibel, denn wo immer man Gottes Wort lieſt, iſt auch Kirche.

Du haſt Recht, nickte Lottchen,dennoch bleibt es ſchön und erhebend mit Andern gemeinſamt ſeinen Glauben zu bekennen.

So gehe, Kind, gehe.

verſprochen, ſagte Lottchen.

Lottchen ging jetzt mit geſchäftigem Eifer daran da kleine Frühmahl zu beſorgen. Bald praſſelte ein Feuerch in dem großen Kachelofen, und während ſie der Großmute⸗ ter aus dem Bette half und die irdenen Teller zurechtſetzte, kam das Waſſer zum Sieden, und es währte nicht lange, ſo dampfte die Morgenſuppe auf dem Tiſche der Zwei⸗ Hernach räumte Lottchen mit geſchäftiger Hand Alles wie⸗ der bei Seite, brachte die Stube in Ordnung,, lüftete die Fenſter, führte die Großmutter zum alten Lehnſtuhl am Fenſter, ſchob ihr ein Bänkchen unter die Füße, holte die

Morgengruß zu bieten.

Brille und die Bibel herzu, und trat dann mit dem Ge⸗

Feuilleton.

5.

Wie unſere Peſzbekleidungen gewonnen werden.

Es iſt jetzt mehr als bei unſeren Vorfahren Mode geworden, ſich im Winter mit ſchützendem Pelzwerk zu verſehen, wir Alle hüllen uns gegen Froſt und Kälte gern darein, ohne oft zu be⸗ denken, wo und wie mühevoll es gewonnen werden muß.

Außer den Vögeln lebt noch mancherlei Wild in unſeren Bergen, welches der Jäger verfolgt. Viele dieſer Jagdthiere geben einen beliebten Braten für vornehme Tafeln, doch auch der Bürger ſieht zu gewiſſen Zeiten einen Haſenbraten auf dem Tiſche, und der Bauer geht hinaus auf ſeinen Acker oder ſtellt ſich ins Kohl⸗ feld, um ſich einen Feſtbraten zu verſchaffen. Die Raubthiere unſerer Wälder werden des Schadens wegen verfolgt, den ſie unter dem Wildſtande und ſelbſt unter den Heerden anrichten, und geben nebenbei einen guten Pelz. In den nördlichen Gegenden jagt man aber das Haarwild faſt ausſchließlich des Pelzes wegen, der wichtiger Artikel des Welthandels geworden iſt, in welchem man jährlich für viele Millionen Thaler Waare umſetzt. Unſere Hirſche und Rehe liefern feines Leder zu Handſchuhen und Beinkleidern, Bär und Wolf verſorgen uns mit Fußſäcken, auch wohl mit Pelzkragen, Fuchs und wilde Katze mit Handſchuhen, Muffverbrämung u. ſ. w.,

Haſenfelle verwendet der Hutmacher, indem er aus den Haaren Hüte macht, und Ungarn allein bringt mehr als 100,000 Haſen⸗ felle auf den Markt. Caſtorhüte verfertigt man aus Biberhaaren, ſeit dieſe aber nicht mehr Mode ſind, iſt auch der Preis der Biber⸗ felle ſehr geſunken; doch kann der Maler der feinen Biberhaare für ſeine Pinſel nicht entbehren.

Viel wichtiger aber ſind die Pelzthiere der nördlichen Länder, da ihr Fell unter den langen Haaren weiche dunige Unterhaare hat, welche beſonders warm halten, und daher die unentbehrlichen Pelze zu unſeren Winterkleidern liefern. Ja, aus dieſem feinen Unterhaar der Thiere des kalten Tibet machen die geſchickten Weber in Caſhmir die koſtbaren, bunt gemuſterten und theuer bezahlten Shawls(Schals), die ſo mühſam zu arbeiten ſind wegen der Farben und figurenreichen Muſter, daß eine Weberfamilie mehrere Jahre an einem Stück arbeitet, und täglich nur 2 4 Silbergroſchen verdient. Seit die Europäer auf ihren Maſchinen auch ſchöne Shawls erzeugen, iſt die Weberei in Indien ſo herab⸗

früher 120,000 Beſchäftigung hatten.

im Süden des nördlichen Polarmeeres, welche 200 250,

Die Nachbarin wird nach Dir ſehen, ſie hat es mir

gekommen, daß in Caſhmir kaum 6000 Weber arbeiten, wogegen

Das Gebiet der Pelzthiere umfaßt die weiten Länderſtrecken,

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