Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
575
Einzelbild herunterladen

i ohne⸗ er Sta⸗ tobten aus auf rure ge⸗ ie fielen angenen g ſelbſt ſeen Nil patrio⸗ Prinzen

ß über. fehlte iu von ſtig ſie Frei⸗ Finn⸗ licß ſich

ohnehin ſ

ten von

ſtand er h erhob niederge⸗

nge feſt

demſel⸗ n, des ebfolge

wilden thronten epsholm, nicht in urmzim⸗

ffen wer⸗

und ver⸗

me Vor⸗ Riemand,

f

nuber an⸗ 8 Todten

lcher men indten des Richtung

ie Hüne inſt zal⸗ ſtzehn neite ſö⸗ 1 bleiben ke ausger n geſehen 3 Einge Ufer vo T künden Auk⸗

diejenige Anſchauung von ſeiner Perſon und von ſeinem Wechſelverhältuiß zur Welt, welche eigentlich jedes Talent haben ſollte: er hält ſich nämlich für ungemein wichtig, wenigſtens intereſſant und glaubt, daß die kleinſten Ereig⸗ niſſe ſchon ſeinetwegen feſſelnd ſind. So gewinnt er denn den Muth, auch das Unbedeutende, keineswegs Neue mit unbefangener Breite zu erzählen. Hierdurch und weil er thut, als ſei Alles an ſeinem Sehwinkel und Urtheil gelegen, wirkt er zwar ſelbſtgefällig und ſchwatzhaft, aber ſeine Dar⸗ ſtellung gewinnt die Natürlichkeit des Genauen, Chroniken⸗ artigen, ja ſie wird oft ordentlich lebendig, um nicht zu ſagen dramatiſch, denn er führt die albernſten Geſtalten, wie er ſie auf der Straße oder im Salon zuſanmengeleſen hat, redend ein, Geſchwätz kommt zu Geſchwätz und tauſen⸗ derlei Dinge finden eine Berührung.

Schriftſtellerinnen beſitzen dieſe Eigenſchaften natürlich noch in höherem Grade, als Schriftſteller. Sie ſind noch reicher an Worten und haben viel Lebendigkeit, ſich um Dinge zu bekümmern, die ſie nichts angehen. Dieſe unruhige Vorwitzigkeit iſt nun zwar ſehr unangenehm, dennoch aber ſind jene ſeitabliegenden Dinge gerade für den Leſer oft recht intereſſant.

So macht es dieſe ſchwediſche Romandichterin. Sie iſt mit einem mäßigen Grad wirklicher Kenutniſſe ausgerüſtet, und ihre Anſchauungen ſind häufig genug beſchränkt oder verſchroben. Aber ſie hat den Fleiß und die Elaſticität, ſich überall ein Quantum neuen Wiſſens zu flüchtigem Nießbrauch durch Umgang anzueignen oder durch Bücher anzuleſen. Bekannte fehlen ihr endlich an keinem größern Orte, und ſo fehlt es ihr nie an Material für ihre auto⸗ didaktiſchen Betrachtungen. Uebrigens fällt der gute Same bei ihr nicht auf unfruchtbaren Boden, denn ſie kann die eben gewonnenen Anſchauungen anderer Schrift⸗ ſteller mit vieler Gewandtheit flüſſig machen und auf an⸗ gefangenen Pfaden weiter ſpeculiren.

Was nun die Leichtigkeit der Einkleidung anlangt, ſo kommt eben bei dieſem Punkte einer geübten Romanſchrei⸗ berin nichts gleich. Es gibt eine eigenthümliche Manier, mit dem Publicum ſchön zu thun und zu kokettiren, die ſich nur Frauen und beſonders alte Frauen erlauben dürfen. Ihnen wird es gerade ſehr günſtig für Gemüthlichkeit und Naivetät ausgelegt, obgleich man mit dieſem Worte in

unſerer Zeit vorſichtig ſein ſollte.

Friederike Bremer ruft ihren Leſern eine gute Nacht zu, bringt ihnen von ihrem Balcon, wo ſie Kaffee trinkt und ihre letzten Tagebuchzeilen von geſtern überlieſt, einen guten Morgen dar, richtet zum Schein, um die Converſa⸗

tion zu beleben, Fragen an ſie, läßt von einem aus ihnen

dieſe Fragen beautworten; kurz ſie neckt, ſchraubt und kitzelt ſich auf léögere harmloſe Weiſe mit dem Publicum und bemuttert durch gute Rathſchläge und moraliſche Mei⸗ nungen ihre jungen Leſerinnen.

Sie hält ſich auch, und das iſt zweckmäßig, um Vielen plauſibel zu werden, zu keiner Richtung unbedingt, ſonderu

vermittelt ſich die Contraſte. Aus der Bibel 3. B. hat ſie ſich eine gewiſſe Anzahl von Wundern herausgeſucht, die ihr gefallen, um daran zu glauben; andere läßt ſie dahin⸗ geſtellt ſein, behält ſich übrigens die Möglichkeit vor, viel⸗ leicht über's Jahr weitere Fortſchritte in der Orthodoxie zu machen.

Um das Publicum aber über den Orient zu unterhal⸗ ten, dazu iſt die Bremer wegen ihrer großen Neugierde und Lebendigkeit beſonders geeignet.

Sie hat zum Theil mit Glück diejenigen Merkwürdig⸗ keiten des Orients kennen zu lernen und zu erfragen ge⸗ ſucht, die uns von den meiſten Reiſenden nicht geſchildert werden. Sie betreffen vorzüglich das häusliche Leben und die ſtille und laute Welt der Frauen.

Da wir ſchon früher auf die erſten Bände dieſes Wer⸗ kes hingewieſen haben, ſo ſei hier nur der Theil über Je⸗ ruſalem herausgehoben.

Mit vieler Gründlichkeit, die weſentlich für alle mehr als die Männer zur Pietät geneigten Frauen intereſſant iſt, hat ſie die Localitäten der heiligen Stadt geſchildert und von dem arabiſchen Leben darin eine Vorſtellung ge⸗ geben. Ihre Berichte verſöhnen ein wenig mit dem Weſen der Muhamedanerinnen, und man muß ſich zu dem Glaubeun bekehren, daß dieſelben viel ſchöne weibliche Züge und eine große Bildungsfähigkeit entwickeln würden, wenn die ſtaat⸗ lichen Verhältniſſe den finſteren Bann der Unterthänigkeit von ihnen hinwegnähmen. Auch über die weibliche Schönheit iſt wohl eine Frau, die weit über die Jahre der Anfechtungen hinweg iſt, zu urtheilen berechtigt. Sie redet mit Bewunderung von manchen reizenden Geſtalten des Orients, doch ſieht man dergleichen weit ſeltener, als andere, enthuſiaſtiſche Reiſende berichten. Auch den Sclavinnen wird kein harter Zwang angethan, und man ſieht deutlich, die moslemitiſche Bevölkerung würde zu einem gewiſſen Grade von geſellſchaftlichem Glück geführt werden können, wenn innerhalb ihres Glaubeus eine auf⸗ klärende reformatoriſche Bewegung in's Leben treten könnte. Es wäre dies an und für ſich eben ſo ſchwer oder leicht als im Katholicismus möglich, wo es doch dageweſen iſt und wieder da ſein wird. Aber es fehlen als neth⸗ wendige Bedingungen dazu alle Grnndelemente wirklicher Bildung. Wohl gibt es ſehr gelehrte, ſehr freiſinnige Denker und Dichter unter den Bekeunern des Propheten und hat deren ſtets gegeben. Aber während ſie äußerlich alle religiöſen Formen mitmachen, ſtehen ſie innerlich ganz außerhalb des Glaubeusbekeuntniſſes. Wer ſich aber für eine Sache nicht intereſſirt, wird ſich auch hüten, ſie mit Gefahr ſeines Lebens verbeſſern zu wollen. Dieſer In⸗ differentismus iſt der große Fluch der Selbſtdispenſation von ritualen Fragen.

Was die Verfaſſerin über die heiligen Stätten, über die Volksfeſte und über die ſtellenweiſe paradieſiſche Natur Kleinaſiens ſagt, hat große Lebeudigkeit und gewährt ein beſſeres Gemälde, als ſo viele peiuliche Berichte früherer Fachmänner gaben.

Intereſſant iſt es, zu ſehen, wie ſich die Verfaſſerin mit vollſtem Glauben an die Realität über Abraham und andere bibliſche Geſtalten unterhält, während gegenwärtig

ein forſchender Gelehrter, Prof. Braun, zu beweiſen ſucht, daß Abraham, Noah und viele ihrer Cameraden bloß ge⸗ machte allegoriſche Geſtalten aus der ägyptiſchen Mytho⸗ logie ſind. Heutzutage ſtehen nur noch Zahlen und mathe matiſche Sätze feſt.