Jahrgang 
27-52 (1862)
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dem Oſtfrieſen auch den makelloſen Namen ſeiner Tochter treffen mußte. Der Schlüſſel dieſes Räthſels blieb ihm verborgen.

Die beiden Proceſſe hatten lange gewährt, es war mittlerweile Frühling geworden; die Wälder belaubten ſich, der letzte Schnee zerrann, und in den Häfen ward es leben⸗ dig. Mit einem der erſten Schiffe kam Prinz Johann von Schweden und brachte gute Botſchaft aus Warſchau. Er hatte die Kataſtrophe von Wadſtena im fernen Po⸗ len vernommen und für den Ausgang gezittert. Das ſoeben beſtätigte Urtheil erleichterte ſein Gewiſſen, aber nichtsdeſtoweniger trieb es ihn, dem Vater weitere Enthül⸗ lungen zu machen er wollte ſeinen Geiſt von dieſer Laſt des Vorwurſs befreien. Nachdem er in Geſchäften feierlich empfangen worden und den Vertrag mit Polen zur Voll⸗ ziehung überreicht, bat der Sohn den Vater um eine Unter⸗ redung unter vier Augen. Was hier geſprochen wurde, weiß man nicht; aber der König war erſchüttert und gab

geheimen Befehl, noch am Abend das Gerichtstribunal wieder zu verſammeln.

Und in derſelben Nacht wiederholte ſich in der düſtern unterirdiſchen Kerkerzelle, in der die Oberhofmeiſterin Gräfin Juuilla Skitte in Ketten lag, eine ähnliche Scene wie zu Wadſtena⸗Schloß, wo ſie Nachts mit der Fackel, tiefverhüllt, zu Graf Hans von Oſtfriesland in das Ver⸗ ließ trat. Verhüllte Männergeſtalten erſchienen um Mitter⸗ nacht mit Fackeln in ihrent Kerker. Einer, im Talar der Richter, trug eine Pergamentrolle und das weiße Stäb⸗ chen, das über dem Haupte des zum Tode Verurtheilten gebrochen wurde, ſobald dieſes dem Henker verfallen war. Als der Richter die Zelle wieder verließ, hatte er das Stäbchen nicht mehr. Am andern Morgen hieß es in Stockholm, die Gräfin Skitte ſei im Gefängniß ge⸗ ſtorben.

X. Der Abſchied. Mit unverhohlener Freude, mit Jubel wurde Graf

Hans vom Kanzler Weſten und ſeinen nähern ſchwediſchen

Bekannten begrüßt, als er das Gefängniß verließ. Als⸗ bald erſchien auch Enno von Norden, ebenfalls der Haft entlaſſen, und die Freunde ſanken ſich in die Arme. Der Kanzler hatte für Wohnung, ſtandesmäßige Kleider, für Geld und Dienerſchaft geſorgt und bereits auf einem Schiff, das in einigen Tagen von Gotheuburg abgehen ſollte, Plätze für den Bruder ſeines Herrn und reſſen Freund belegen laſſen. Allein alle Beweiſe der theilnahms⸗ vollen Aufmerkſamkeit vermochten Hans nicht froh zu ſtimmen, ſein ſonſt ſo friſcher Lebensmuth ſchien gebrochen und ganz dem Hang zur einſamen Träumerei dahingege⸗ ben. Erſt als er ſich ſeinem Freunde Enno im traulichen Stübchen allein gegenüber befand, ſchwoll ſein Herz über in ſchmerzvollen Klagen um ſein junges, gewaltſam zer⸗ ſtörtes Glück, um ſeine verlorene Liebe. In verzweiflungs⸗ voller Entrüſtung jammerte er über die frevelhafte Schmach, mit der man das reine keuſche Ideal ſeiner Seele belaſtet hatte. Dieſer große Schmerz, der ihn Angeſichts des nahen Todes im Kerker in dumpfe Reſignation geworfen hatte, brach jetzt im goldnen Lichte der Freiheit mit unbe⸗ zwingbarer Macht hervor, und obgleich er auch jetzt die zwingende Gewalt des ſchweren Verhängniſſes fühlte, ſo gab es doch keinen Augenblick, in dem ſeine liebekranke Seele nicht im geiſtigen Kampf wider die feindlichen Mächte rang. Nach vielen düſtern Stunden war er zum Entſchluß gekommen; er trat plötzlich vor Enno hiu und ſagte:Was kümmert mich dies elende Daſein, wenn ich ſie, die Verkannte, Verfolgte, die einzige Heißgeliebte, die thauige Roſe der Haide, die Blüthe meines Lebens nicht noch einmal wiederſehe ich muß ſie ſehen, ſie ſprechen ich muß wiſſen, ob ſie trotz aller Schreckniſſe an unſerer reinen Liebe feſtgehalten, ob ſie mein, ob ſie

reichlich entſchädigt. Myriaden leuchtender Inſecten glänzten wie Sterne, und dann dachte ich nicht mehr an Sakis und Kra⸗ niche, hörte nicht mehr auf das Geſchrei der wilden Katzen, ſondern war ganz verloren in die Bewunderung des köſtlichen Feuer⸗ werkes, welches die Natur jeden Abend zum Beſten gab. Der Maler hatte vollauf Gelegenheit, nach Herzensluſt Vö⸗ gel, vierfüßige Thiere, Schlangen und Inſecten zu ſammeln, auch brachte er häufig Blumen heim. So vergingen November und December, und an allerlei aufregenden Zwiſchenfällen war kein Mangel. Einſt kam er gegen Abend von einem Jagdausfluge zurück. Die Dunkelheit brach raſch herein, denn den tropiſchen Gegenden fehlt ja unſere Dämmerung. Biard ging fürbaß, aber plötzlich trat er auf etwas, welches ſehr weich und ſchlüpfrig war. Wir können uns ſeinen Schrecken denken, denn vielleicht war der Gegenſtand eine Schlange. Diesmal handelte es ſich freilich um ein nicht ſo gefährliches Thier, nämlich um eine Rieſenkröte, welche man in Braſilien als Sape⸗Boi, Ochſenkröte, bezeichnet. Der Wanderer warf ſogleich ſeinen Rock über das kriechende Unge⸗ thüm, ſtellte ſeinen Fuß auf daſſelbe und band ihm die Hinter⸗ beine zuſammen. So brachte er ſeine Beute nach der Hütte und legte ſie dort bei den Indianern nieder. Da ſchnappte ſie zu wie eine Hyäne und wollte beißen. Ein ſolches Thier mußte nun nach Europa gebracht werden, um dort den Schmuck einer Naturalien⸗ ſammlung zu bilden. Aber wie ſollte man es tödten und doch Jnaicht beſchädigen? Während der weiße Mann darüber hin und her ſann, wußte ein kluger Indianer guten Rath. Ohne nur zu fragen, verſetzte er dem Thiere mit einem dicken Steine einen Schlag auf den Kopf. Was verſteht ein ſolcher Sohn des Ur⸗

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richtete der braune Mann am Kopf der Kröte keinen allzu ſtarken Schaden an, und ſo prangt ſie jetzt in Biard's Muſeum. Man hatte ihm ſchon viel von einer großen äußerſt giftigen Schlange, der Sucuruhyu erzählt, und begreiflicher Weiſe wan⸗ delte ihn die Luſt an, einen ſolchen Drachen zu erlegen. Als er einen ſo frevelhaften Wunſch äußerte, ſtanden dem Italiener die Haare zu Berge:Sie rennen in einen ſichern Tod und ſind un⸗ bedingt verloren. Das Ungeheuer hat gewaltige Giftzähne, eine Zunge, welche Dolche ſchießt, und einen Stachel am Schwanze und flieht vor dem Menſchen niemals; fragen Sie nur die India⸗ ner, die wiſſen es. Allerdings iſt ein Biß von dieſer Schlange unbedingt tödtlich, es handelte ſich alſo hier nicht etwa um ein Kinderſpiel. 4 Biard war auf der Jagd nach Vögeln, und ſtand bis an die Kniee im Waſſer, als er plötzlich einen Kopf und zwei Augen er⸗ blickte, die ihm aus Gras und Gebüſch entgegenſtarrten. Das war gewiß die Sucuruhyu! Den Jäger durchrieſelte ein Schauer, denn er hatte gehört, daß dieſe Schlange gegen den Menſchen ein⸗ ſpringe, Alſo trat er ſchnell zurück und lud noch eine zweite Ku⸗ gel in ſein Gewehr. Der Kopf des Thieres war nun verſchwun⸗ den, aber Bewegungen im Graſe zeigten an, daß das Thier noch an Ort und Stelle ſei. Er gab Feuer. Nichts rührte ſich. Es kam nun darauf an zu ermitteln, ob die Schlange wirklich todt ſei. Erſt nach Verlauf von etwa einer Viertelſtunde ging Biard näher. Das Thier lag entſeelt am Boden, aber es war keine Schlange, ſondern eine Rieſenkrabbe, welche an einem Bein einen Lianenſtrick hatte. Die Indianer hatten, wie ſich ſpäter ergab,

in beträchtlicher Entfernung von jener Stelle Rieſenkrabben ge⸗ enſchaſtlichen Sammlung? Zum Glück fangen, und das Exemplar war ihnen entwiſcht.

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[VIII. Jahrg.

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