564 Schwäche, und ruhig ordnete ſie ihre Toilette und folgte der Dame.
Der König war allein. Düſter ſtarrte er auf die vor ihm liegenden Proceßacten; er war ſichtlich ergriffen. Mehrfach hatte er die Ausſage des Delinquenten geleſen und war immer wieder darauf zurückgekommen— er wollte Licht haben.
Der König wappnete ſich mit der ganzen Streuge des Herrſchers, um ſein ſchuldiges, ſonſt ſo innig geliebtes Kind zu empfangen. Sie trat herein und warf ſich ſchluchzend dem Vater zu Füßen, ergriff ſeine Hand und benetzte ſie mit Thränen. Guſtav bebte, blickte ſchweigend mit umflorten Auge auf die büßende Geſtalt und ver⸗ mochte nicht zu widerſtehen; er hob ſie auf und ſagte mit mildem Ernſt:„O, meine ſonſt ſo liebe Tochter! wie konnteſt Du mein graues Haar, unſern königlichen Namen ſo ganz vergeſſen! Du haſt ſchwer geſündigt in Deiner heimlichen ehrvergeſſnen Leidenſchaft. Aber bei Allem, was Dir heilig iſt, beim Andenken an Deine edle ver⸗ ewigte Mutter, frage ich Dich— biſt Du rein und jung⸗ fräulich aus dieſer niedern Leidenſchaft hervorgegangen? Sprich die Wahrheit; mit meinem Fluch belaſte ich jede falſche Rede!“
„O mein Gott!“ ſchluchzte die Prinzeſſin.„Iſt es dahin gekommen, daß der eigne Vater an meiner Ehre zweifelt?“ Dann hob ſie den thränenſchweren Blick zum Antlitz des Vaters empor und ſagte mit erglühenden Wan⸗ gen und feſter Stimme:„Majeſtät, unſere Liebe war rein und keuſch, treu und wahr und jedem niedrigen Gedanken fremd. Eure Tochter kann Euch frei und ſchuldlos in's Auge ſehen, ſo wahr mir Gott helfe!“
Des Königs Züge erhellten ſich, er ſah mit ſtiller Freude den jungfräulichen Unwillen in ihren funkelnden Blicken und den immer dunkler erglühenden Wangen. Sie hatte den ſchönen Kopf emporgeworfen, und ihre ſichere Haltung deutete darauf, daß ſie jeden Augriff auf ihre Ehre zurück⸗
zuweiſen gedenke. Guſtav ſchwieg lange und betrachtete ſein verrathenes Kind mit Theilnahme, dann ſagte er be⸗ ruhigend:„Ich glaube Dir— aber die Welt! Mir wenigſtens bleibſt Du erhalten, Du bleibſt meine Tochter. Komm, ſetze Dich zu mir und antworte genau, ohne Hehl und Scheu, auf alle die Fragen, welche ich an Dich richten werde.“
Der König ergriff die Feder und begann auf Grund der Ausſage des Grafen Hans ein umſtändliches Verhör. — Welches waren wohl ſeine Gefühle, als er hier von unſchuldigen Lippen die ganze ſchwere Anklage wider die Gräfin Skitte, unbewußt für die Sprecherin, beſtätigen hörte! Er legte häufig die Feder nieder, weil das empörte Vatergefühl ihm nicht geſtattete weiter zu ſchreiben. Er kam zum Schluß, und hier galt es, direct zu fragen. Nach⸗ dem Nebenſachen berührt worden, fragte der König:„Hat Graf Hans das letzte Rendezvous eingeleitet? gab er die Idee mit der Strickleiter an?“
„Nein,“ antwortete Cäcilie ſchnell, ſtockte aber und ſah verwirrt zu Boden.
„Nun? weſſen Idee war es denn, die Deinige?“
Sie ſchwieg, ſie bebte.
„Kind, gib der Wahrheit die Ehre; wer entwarf den Plan?“—
„Ach, Vater, Gnade!“ weiter vermochte ſie nichts her⸗ vorzubringen.
„So will ich Dir's ſagen: die Gräfin Skitte gab Dir die Anleitung und die Mittel zur Ausführung des Plans.“—
Cäcilie erbleichte, ſie bebte und warf ſich dem Vater zu Füßen:„Majeſtät, Gnade für die Gräfin! Sie war meine treueſte Freundin, ſie hat uns nur Gutes er⸗ zeigt—“
„Und Euch in's Verderben geſtürzt! Schweig, Du ver⸗ ſchwendeſt Deine Worte für eine Unwürdige— ſteh auf.“ Der König ſchwieg einen Moment, dann ſagte er ſtreng:
Feuilleton.
— S0⸗
Der Maler Biard im Arwalde.
Der Globus, dieſes empfehlenswerthe neue Blatt, das wir ſchon wiederholt beſprochen haben und dem wir mehrere intereſſante
Mittheilungen entnehmen, bringt auch eine Darſtellung Biard's,
des bekannten Malers, über den braſilianiſchen Urwald. Berichte haben das Unbefangene der Wahrheit.
Nachdem Biard längere Zeit in der Hauptſtadt Rio Janeiro verweilt hatte, trieb ihn ein unwiderſtehlicher Zug in die Wildniß hinaus; er wollte ſich die vielgerühmten und vielbeſprochenen Ur⸗ wälder näher betrachten und Abenteuer erleben, an denen es denn auch nicht fehlte. Wir wollen ihn auch jetzt auf ſeinen Aus⸗ flügen begleiten.
Im November 1858 fuhr Biard auf einem Dampfer nach dem Hafen Victoria in der nördlich von Rio gelegenen Provinz Eſpiritu Santo. Von dort ritt er nach Nova Almeida und wei⸗
Seine
ter nach dem Dorfe Santa Cruz, von wo er ſeine Ausflüge an⸗ Drei volle Wochen mußte er an dieſem troſtloſen Orte
trat. verweilen, weil ſein Gepäck ausblieb, aber als daſſelbe eingetrof⸗ fen war, rüſtete er ſich flugs zur Fahrt in den Urwald. Ein
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Italiener, welcher in Santa Cruz Paliſſanderholz einkaufte, ſchloß
ſich ihm an und ſchaffte drei Kähne mit den erforderlichen Rude⸗ rern herbei. Und nun ſteuerte man in den Fluß Saguaſſu hin⸗ ein, der im Bereiche der Ebbe und Fluth an beiden Seiten mit vielen Mangrovebäumen bewachſen iſt. Wo dann weiter hinauf das Waſſer nicht mehr brackig erſcheint, beginnt ſofort ein anderer
Pflanzenwuchs.
Die Fahrt war des ſehr abſcheulichen Weges wegen höchſt unangenehm; es regnete und ſtürmte, und der Nachen, in welchem der Maler ſich befand, war bald halb voll Waſſer. Da kam ein Indianer auf den Gedanken, daſſelbe mittelſt eines Trinkglaſes auszuſchöpfen.—
„Bald kam ich an einen wirklichen echten Urwald. Der Fluß war noch breit. Aus der Entfernung ſah ich große weiße Vögel, es waren herrliche Reiher. Bald kamen auch Kraniche mit him⸗ melblauem Schnabel und einem auf beiden Seiten herabfallenden Federbuſche. An uns vorüber fuhr in einer Pirogue ein junges Ehepaar; der Mann ſteuerte, während die Frau in der Mitte des Kabnes aufrecht ſtand und einen dicken Zweig hielt, der als Er⸗ ſatz für ein Segel den Wind auffangen ſollte. Nun endlich war ich im Urwalde, in einer Gegend, die auf weite Strecken hin noch
[VIII. Jahrg.
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