Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
556
Einzelbild herunterladen

556

men, die Wieſe, die Haide, der Vögel Sang und ſo Alles, was das Leben im Freien verſchönte und erhob.

Mit dem Frühling beginnt alſo die Saiſon der ritter⸗ lichen Geſellſchaft, ganz entgegengeſetzt der heutigen, die ſich den Winter und von der Tageszeit die Nacht dazu er⸗ koren hat.Der Mai iſt ein Zauberer, ſagt Walter,der mit ſeiner Wonne die Alten wieder jung machet; wo er hin⸗ konumt, da will Niemand mehr alt ſein, Niemand mehr unfroh. Wie Ulrich von Liechteuſtein ſeinen Bruder Dietmar auffordert, mit ihm ein Turnier zu veranſtalten und die andern Ritter dazu einzuladen, fügt er hinzu:Es iſt ja überdies die Maienzeit, wo ſie ungern zu Hauſe lie gen. So war es; die Ritter hatten ſich den Winter über verlegen und ſehnten ſich nach neuer Uebung der Kräfte und Unterhaltung zugleich; die Hausfrauen bereiteten ſich Gäſte zu empfangen oder ritten mit ihrem Gemahl ſelber zu Beſuchen und Feſten fort; die wandernden Zugmenſchen, die Spielleute, Sänger, Taſchenſpieler, die den Winter irgend eine Unterkunft gefunden hatten, ſtellten in Burgen und Höfen ſich ein und waren willkommen; endlich ſtrahlte den Liebenden wieder die Hoffnung des Beiſammenſeins, denn des Winters Strenge hatte ſie von einander ferngehal⸗ ten. Wer Vergnügen ſuchte, der fand nun genug in aller Welt, mit den Frauen und ohne ſie, Jagd und Turnier, Tanz und Muſik, Spiel und freundliches Geſpräch, Gaſt⸗ mähler und Gelage. Fangen wir mit den beſcheidneren Unterhaltungen des Sommers an.

Eine beſtimmte Tageszeit, die dem Vergnügen beſon⸗ ders gewidmet geweſen wäre, wie bei uns der Abend und die Nacht, gab es damals nicht. Wenn einmal Gäſte an weſend waren, oder ſich ſonſt wo und wie größere Geſell⸗ ſchaft zuſammengefunden hatte, ſo vertheilte ſich die Unter haltung über den ganzen Tag. Der Morgen begann mit dem Anhören der Meſſe und mit dem einſamen Leſen von Gebeten. Wir erfahren, daß die Burgfrau mit ihren Ge⸗ ſellſchaftsdamen des Morgens in der Frühe, wenn anders

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

ſes das Wetter erlaubte, dazu in den Garten hinausging, in ſtille Zurückgezogenheit. Das Frühſtück vereinigte zu⸗ erſt die Geſellſchaft, konnte aber auch von den Herren und Damen abgeſondert eingenommen werden. Seine Zeit war nicht beſtimmt, doch fiel ſie nicht früh, dagegen zum Oeftern ſpäter und bis gegen zwölf Uhr. Es war ſeinen Beſtandtheilen nach eine ziemliche Mahlzeit, da es außer⸗ dem nur noch ein Hauptmahl gab, welches zu ſpäter Stunde und, wenn es feſtlich ſein ſollte, bei Kerzenbeleuch⸗ tung abgehalten wurde. Doch hatte auch dieſes keine ſo beſtiumte Zeit und richtete ſich nach den vorausgegange⸗ nen oder nachfolgenden Vergnügungen, nach Jagd, Tur⸗ nier u. ſ. w. Für die Nacht erhielt man einen Schlaf trunk vor das Bett, beſtehend aus gutem Wein oder einem der damals beliebten Milchgetränke nebſt einigen Früchten und Gebackenem.

Alsbald nach dem Frühſtück ging es hinaus in das Freie, ſei es zu einer Jagd, zu Ergötzungen im Garten oder unter der Linde, ſei es zu Spaziergängen und zu Spazierritten. Hatte man einen weitern Weg vor, oder gedachte man länger auszubleiben, ſo folgten Diener mit einem Imbiß. Dann ließ man ſich nieder, wenn man ein aurauthiges Plätzchen erreicht hatte, ſpeiſte und überließ ſich darnach allerlei Spielen. Dabei war das Blumen⸗

pflücken und Kränzewinden ſehr beliebt. Wir haben noch mehrere bildliche Darſtellungen in den Miniaturbüchern von ſolchen Sceuen, wie Herren und Damen, in heitere Gruppen zerſtreut, auf blumiger Wieſe oder im Garten gelagert ſind, die Einen ſcherzend und lachend in eifriger Courmacherei, Andere muſicirend, Andere mit Blumen und Kränzen beſchäftigt; wir ſehen Damen das Haupt ihrer treuen Verehrer mit dem Blumenſchapel bedecken, und umgekehrt die wallenden Locken der Damen von den Herren bekränzen. Auch tauſchte man wohl aus nach eini⸗ ger Zeit. Alle Häupter ſo geſchmückt zog man heimwärts, ſingend, plaudernd, muſicirend, je nachdem die Art der

Zur Kunſtgeſchichte. Die Ergänzung der Venus von Milo.

Dies bewundernswürdige Kunſtwerk, der Stolz des Mu⸗ ſeums im Louvre zu Paris, iſt endlich vollſtändig ergänzt worden. Was ſo viele Kunſtkenner verſuchten, iſt einem Kunſtliebhaber aus England, dem Herrn Claudius Tarral, gelungen. Als lei⸗ denſchaftlicher teln ausgerüſtet, hat er ſich lange in Italien aufgehalten und lebt jetzt in Paris, wo er ſich durch ſeine Briefe über den Katalog des gedachten Muſeums als einen gewiegten Kunſtkenner bewährte, deſſen Urtheile auch von den ſ den ſind. DieDioskuren laſſen ſich über die an ſeinem Gyps⸗ modell der Venus ſelbſt vorgenommene Reſtauration er hat ſich nämlich einen Abguß vom Original eigens zu dieſem Zwecke ma⸗ chen laſſen Folgendes berichten. Alle bisherigen Verſuche, die Venus von Milo zu reſtauriren, haben ſich auf theoretiſchem Wege bewegt. Das war namentlich der Fall bei Quatremere de Quincy, welcher glaubte, ein Mars habe an ihrer Seite geſtan⸗ den; Graf Clarac dagegen ſtellte einen Paris neben ſie. aber gründete ſeine Reſtauration auf authentiſche Marmorbruch⸗ ſtücke, die er im Muſeum des dieſer Venus von Milo gehören. Deren Vorhandenſein war be⸗ reits ganz in Vergeſſenheit gerathen, da ſie vor vierzig Jahren von den beiden genannten Antiquaren als nicht derſelben angehörig verworfen worden waren. Dieſe Bruchſtücke ſind die Hälfte des linken Oberarms, die linke Hand, welche einen Apfel hält, und eine Stele(Pfahl) mit einer Mercursbüſte. Die Fragmente hat Tar⸗

ral ebenfalls in Gyps gießen laſſen und zu ſeinen Ergänzungen

Verehrer der Kunſt und mit den erforderlichen Mit⸗

Unterrichterſten ſelbſt anerkannt wor⸗

Tarral

Louvre aufgefunden hat und die zu

Auf ſolche Weiſe ſtellte er denn eine Venus dar, welche ihre Nebenbuhlerinnen Juno und Minerva beſiegt. Hoch hält ſie in der linken Hand den Apfel, der ihr zuerkannt war durch Mercur, welcher, ihr zur Seite, mit ſeiner kleinen Büſte bis an die Hüfte reicht. Seit das Campana'ſche Muſeum jetzt in Paris aufgeſtellt iſt, hat ſich wunderbar eine ſtä Eine ſchöne

benutzt.

Beſtätigung gefunden. und große Venus in Terracotta ſtellt ſich nämlich in gleicher Ver⸗ bindung mit einer Herme dar. Tarral behauptet beſonders aus Rückſicht des guten Geſchmacks, daß es unmöglich iſt, eine andere Geſtalt neben dieſe Venus zu ſtellen; wogegen aber nur ein nicht höher hinaufreichender Gegenſtand den Zweck vollkommen erfüllt, da die Arbeit der Gewandung an der linken Hand der Venus zeigt, daß hier die Anſicht durch einen Gegenſtand verdeckt war, indem dieſer Theil unvollendet und, nicht in vollſtändiger Zierlichkeit er⸗ ſcheint. Auch haben die Künſtler an der Stirn der Venus aus⸗ zuſetzen gefunden, daß ſie zu niedrig und nicht vollſtändig ausge⸗ führt ſei. Tarral hat auch dieſem Tadel abzuhelfen gewußt, in⸗ dem er auf die Kopfbinde der Venus ein Diadem ſetzt; ein ſolches kam ihr als der Siegerin zu⸗ Auf dieſe Weiſe gewinnt die Stirn an größerer Höhe und an Erhabenbeit der Anſicht. Bei der jahre⸗ langen genauen Beobachtung des Originals hat Tarral zugleich gefunden, daß dies Bildwerk aus auffallend vielen verſchiedenen Marmorblöcken zuſammengeſetzt iſt.

Was ſein Forſcherauge ent⸗ deckt hatte, veranlaßte ihn zu näheren Unterſuchungen über die Natur des Marmors, da es ihm auffiel, wie ein ſolcher Künſtler bei dem Marmor⸗Reichthum Griechenlands nicht einen ausreichen⸗ den Marmorblock habe finden können. Bisher hat man allgemein geglaubt, die Venus von Milo ſei aus pariſchem Marmor, allein Tarral beweiſt eben, daß es keiner aus Paros iſt, ſondern derſelbe,

Heimteh auch Ge ſammen grſeret zeitweili menfinde des Ver Hlauſchte! Erzihlun wurde, ober tan woran e Mit haben ſo aus zur den Ritt bei denje noothwer dugen und Ge lungenl Hunne cſchol fand oder u zu hab impror durfte Tanz u gung, un Han Tangd

Zweck Jema und d bei de wie der guino i weiß un giſchicht

anten.(

gehabt, Metall