Uovellen-
„Und wenn tauſend Tode drohen!“ rief plötzlich Hans und warf ſich dem Könige zu Füßen;„ich ſchwöre, ſie iſt unſchuldigl ſie iſt rein, wie Gott ſie geſchaffen, die friſche aufblühende Roſe. Nur die erſte heilige keuſche Liebe verband unſere Herzen, die ein ſchändlicher Verrath und rohe Gewalt auseinander riſſen. Gnade! ſie iſt unſchuldig!— und hab ich mich zu hoch vermeſſen, nun wohlan, ſo falle die Strafe auf mein Haupt!“
Die thränenfeuchten Augen der Königin glänzten, ſie ſah voll Mitleid auf den Jüngling. Auch ſie hatte einſt die Roſe im Herzen mit dem Diadem vertauſcht.
Guſtav Waſa hob den trüben Blick auf den Sprecher, dann winkte er gebieteriſch mit der Hand. Chevalier de Mornay führte den Gefangenen hinaus.
Der König ging einigemal ſchweigend durch das Ge⸗ mach. Seine Bruſt hob ſich gewaltig, er ſchien die Affec⸗ tion des Gefühls, der Liebe und des Schmerzes gewalt⸗ ſam abſchütteln zu wollen. Dann trat er dicht vor den Kronprinzen hin und ſah ihn feſt mit ſeinen ernſten Augen an:„Unglückſeliger, welchen Jammer verhängſt Du über meine alten Tage und über unſer königliches Haus! O, dieſe blinde Raſerei, baar aller Vernunft— Wahnſinn, toller Wahnſinn treibt Dich!— Deine Hand, die dereinſt das Scepter Schwedens führen ſoll, läßt ſich verleiten den Vorhang zu zerreißen, der die Schande Deiner Schweſter der Welt barg. Der eigne Bruder tritt ihren Ruf in den Koth und beſudelt unſer königliches Geſchlecht mit unaus⸗ löſchlichem Makel! Du haſt Dich ſelbſt als den Henker unſerer Ehre gebrandmarkt. Was hinderte Dich, den frechen Frevler heimlich zu überraſchen, weßhalb tratſt Du nicht allein zwiſchen die Ehrvergeſſnen? Statt deſſen brichſt Du, wie der Wolf in die Hürde, und gibſt die Ehre der Schweſter ſelbſt dem rohen Gelächter der Trabanten preis. Aber um das Gefäß zum Ueberfließen zu bringen, ſtürmſt Du aus weiter Ferne, wie von Furien gehetzt, hier⸗ her und ſchleifſt Dein Opfer, den beredten Zeugen der
Zeitung.
[VIII. Jahrg.
Schande ſeiner Königsfamilie, durch das gaffende Volk von Stockholm bis an die Stufen des Throns!“
Der König hielt inne, er rang nach Athem, ſeine Augen flammten im gerechten Zorn, aber ſeine Kräfte verſagten, er ſank in den Seſſel:„Hinweg, unſeliger Bube!“ ſagte er erſchöpft.„Aus meinen Augen! Dein Anblick ruft die ganze endloſe Schmach wach— hinweg, und wage es nicht, Dich je wieder blicken zu laſſen!“
Mit heftiger Handbewegung entließ er den Prinzen, der ganz conſternirt und unfähig ein Wort hervorzubrin⸗ gen ſich zurückzog.
Nach einiger Zeit bewegte der König die Klingel. Ein Kammerdiener erſchien.„Der Officier des Schloſſes ſoll kommen.“ Dieſer kam bald darauf.„Man bringe den Gefangenen, welchen der Kronprinz hierher geführt, in das Schloßgefängniß und nehme ihm die Ketten ab; im Uebri⸗ gen in ſtrengen Gewahrſam. Der ihn begleitende Offi⸗ cier bleibt Arreſtant auf ſeinem Zimmer; man fordre ihm den Degen ab.“— Der Ofſicier zog ſich ſchweigend zurück. Bald darauf klingelte der König wieder.„Morgen früh um 9 Uhr ſoll ſich der hohe Staatsrath im Cabinet zu geheimer Sitzung verſammeln.“— Nachdem auch dieſe Ordre empfangen, gebot der König, in keiner Weiſe mehr geſtört zu werden, und blieb den ganzen Abend unzu⸗ gänglich.
Am andern Morgen verſammelten ſich zu ſo unge⸗ wöhnlicher Stunde die Räthe der Krone. Sie waren be⸗ reits durch die geſchwätzige Fama von dem Schreckenser⸗ eigniß im Allgemeinen unterrichtet, und Keiner wußte recht, was rathen, was thun. Wie konnte man auch ge⸗ ſchehene Dinge ungeſchehen machen, wie konnte man der königlichen Familie die Schmach, welche in dem ſo öffent⸗ lichen Vorgang lag, erſparen? Die Herren flüſterten viel ohne beſtimmten Geſichtspunkt und Anhalt darüber hin und her, bis das Erſcheinen des Königs die Rede abſchnitt,
und ſie ſchweigend fragend zum Monarchen aufblickten.
damit zu machen; allein ſie ſchwor bei Allah, daß ſie denſelben nicht annehmen würde. Gleich darauf aber äußerte ſie, daß ſie die Blumen doch gern haben möchte, und nun wurde der Strauß von dem Kopfe der ſchönen Mrs. Johnſon auf den der nicht ſchö⸗ nen Sitti Ayeſha übergeſiedelt, die ihn annahm, ohne ſich durch den ſoeben ausgeſprochenen Schwur beläſtigt zu fühlen. Solche bedeutungsloſe Eide ſollen von den mohammedaniſchen Frauen in jedem Augenblick ausgeſprochen werden; die fragliche junge Frau hatte übrigens ein Ausſehen, das auf rohe und gewaltſame Lei⸗ denſchaften deutete.
Dietzt entſtand eine lebhafte Bewegung unter den Sclavinnen im Zimmer, und man verkündete uns, daß die vornehmſten Frauen des Hauſes ſoeben heimgekommen wären. Bald darauf traten zwei ziemlich frappante Geſtalten ein; die eine derſelben, eine Frau von dreißig und etlichen Jahren, in einem goldgelben Ge⸗ wand von etwas großblumigem Stoff, die andere viel jüngere, ſehr reizend, in einem ſchwarzſeidenen Jäckchen und Pantalons mit reichen Goldfranſen und Stickereien. Letztere war die jüngſt vermählte Gattin des Sohnes im Hauſe und zeigte ſich äußerſt ſchüchtern in Ausdruck und Benehmen. Das war keineswegs der Fall bei der ältern Frau, die ſich mit höchſt ungenirten und ſehr wenig angenehmen Manieren auf ein Sopha nach Art der Gänſe ſetzte, indem ſie bald das eine, bald das andere Bein in die Höhe zog. Ihr vorn offenes Gewand ließ einen von einer goldenen Kette umſchlungenen Hals von blendender Weiße ſehen, ihre Haltung war nachläſſig und nicht einmal anſtändig nach unſeren Begriffen. ſ Mannes zu ſein und erzählte uns, daß ſie eine Hadji(Pilgerin) werden und in dieſem Frühling mit ihrem Manne und einer
Sie ſchien die vornehmſte unter den drei Frauen ihres
andern Frau deſſelben eine Wallfahrt nach Mekka machen wollte. Sie konnte ein wenig leſen, aber gar nicht ſchreiben, und als Mrs. Johnſon ihr ſagte, daß ich ein Frauenzimmer ſei, welches Bücher ſchreibe, ſchien ſie gar nicht begreifen zu können, was dies ſagen ſollte. Ein kränklich ausſehender Knabe wurde inzwiſchen von dem Buſen einer jungen Sclavin genommen, war aber dann ſo unruhig und ſchrie dermaßen, daß er ſehr bald dem ſchwarzen Mädchen zurückgegeben werden mußte, bei dem er ſich augenſchein⸗ lich wohler befand, als bei ſeiner Mutter. Die junge Frau, ebenſo angenehm, als die ältere unangenehm war, bot uns auf einem Präſen⸗ tirteller ausgeſucht guten Sorbet von Roſeneſſenz und dann ein fein geſticktes Taſchentuch an, um uns die Lippen damit zu trocknen. Hebe oder Ganymedes hätten nicht mit ſittſamerer und edlerer Anmuth Nektar kredenzen können; ihr Weſen und ihr Anzug hat⸗ ten etwas antik Edles und ihr kleiner feiner Kopf eine kindliche, wahrhaft rührende Schönheit. Ach⸗ daß dieſe in der Cloake eines Harems erniedrigt werden ſoll!— Ich kann keinen andern Aus⸗ druck gebrauchen, wenn ich an die Natur und an den gewöhnlichen Zuſtand des Harems, und dann an die angeborene Schöuheit die⸗ ſes jungen weiblichen Weſens denke. Aber vielleicht wird ihr das Glück zu Theil, zu jenen Ausnahmefrauen zu gehören, die von ihren Männern ausſchließlich und immer geliebt werden. Wenig⸗ ſtens ſchien ſie mir dies zu verdienen. Gegenwärtig war ſie augen⸗ ſcheinlich glücklich, wie eine junge liebende und geliebte Braut, die in der Fülle der Gegenwart nicht an den morgenden Tag denken kann.
Sehr freundlich und wohl wurden wir in dieſem Hauſe auf⸗ genommen und in jeder erdenklichen Weiſe bewirthet; denn Gaſt⸗ freiheit gehört zu den Pflichten und Tugenden der Mohammeda⸗
Nr.)
G. liche w nicht n Augen König! in die niederge hub er gefallen und es brochen meine? ſtellen, Vorſit klagens ſpreche Will, vor de verſtär
D einand die G 1 derun gezeig die Sc Schon ſeinen
und iſt zuſehen
Wäer zuzuv⸗ Kurze werde komm liche; — net. 2 die ich wit Gel zu ſehen
dln, ab
genen
wud lungen veng mit ih ſchiene kam de ſich ga Theil; gegenn ſelbſt! iltet al Jahre:


