Jahrgang 
27-52 (1862)
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war ſo dunkel, daß man nichts zu unterſcheiden vermochte; zudem war er in dem Mantel nicht fern von den Wachen vorübergegangen, und ſie hatten ihn nicht bemerkt. So peinigte ihn der Zweifel und fügte den Folterqualen, die ſein Leib erduldete, noch die der Seele hinzu.

Da raſſelten Schlüſſel an der niedrigen Kerkerpforte, und der Schein einer Fackel drang herein war es denn ſchon Morgen? Eine ſchwarzverhüllte Frauengeſtalt trat in das Verließ und hob die Fackel hoch über ihr Haupt, um den Gefangenen genau ſehen zu können. Dieſer hatte ſich, ſoweit es die Ketten geſtatteten, aufge⸗ richtet und ſtarrte die düſtere Erſcheinung forſchend an. Dichte ſchwarze Schleier verhüllten ſie, das Geſicht war mit einer Maske bedeckt, aber blitzende ſtechende Blicke funkelten durch dieſelbe auf den angeſchmiedeten Jüngling. Sie ſchwieg.

Wer ſeid Ihr? Was wollt Ihr? fragte Hans und brach endlich ungeduldig das lange Schweigen.

Wir ſind alte Bekannte, und ich komme, um Euch etwas zurückzugeben, das Ihr in anderer Lage einſt in meinen Händen zurückließet. Mit dieſen dumpf geſproche⸗ nen Worten ſchleuderte ſie ihm einen weißen Handſchuh in's Geſicht.

Hans ſtarrte die Sprecherin ſprachlos an, aber ſein Blick drang in ihre Augen. Sie wandte den Kopf und fügte ironiſch hinzu:Sehe ich doch ſo den ſtrengen ſitten⸗ reinen Jüngling würdiger gebettet, als im weichen Arm der Liebe; ſehe ich Euch doch endlich auf dem Lager, das meine Hand mit unausgeſetzter Sorgfalt für Euch bereitet!

Ha, ſie iſt's! Gräfin Skitte! rief der Graf plötzlich und raſſelte mit den Feſſeln, da er aufzuſpringen verſuchte, aber machtlos zurückſaunk.Ich erkenne Euch an der Stimme! fuhr er eifrig fort,und mögt Ihr Euch noch ſo ſehr verſtellen. Ich erkenne Euch an jenem erſten fun⸗ kelnden Blick, den Ihr mir im Ballſaal zu Stockholm ent⸗

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

gegenſchleudertet. Reißt die Maske ab, zeigt Euch als Feindin, nichtswürdige, ehrloſe Verrätherin! Unreine giftige Schlange, wie vermochteſt Du Deinen Geifer auf den unbefleckten Ruf der Prinzeſſin zu ſpritzen? Wie konnteſt Du die reinen Thautropfen von der kaum er⸗ ſchloſſnen Roſe abſtreifen? Weßhalb warfſt Du Deine niedrige Rache nicht auf mich allein, warum ließeſt Du heimtückiſch unſere Liebe wachſen und erblühen, um dann die Blüthen jählings zu zermalmen? Was that Euch das holde Mädchen, das voll Vertrauen auf Eure Freuud⸗ ſchaft baute? warum werft Ihr ihren Ruf in den Koth des Hofklatſches ſprecht, weßhalb iſt ein Opfer Eurer Rache nicht genug? Ihr antwortet nicht, elendes niederträch⸗ tiges Weib! So möge Deine Rache auf Deine eigene in Wolluſt verſunkene Seele zurückfallen zurückfallen mit der ganzen Schwere des Fluchs zweier grauſam zerriſſe⸗ ner Herzen! Fluch Dir, es iſt der Fluch eines Ster⸗ benden!

Die verhüllte Geſtalt zuckte merklich zuſammen vor dem mit donnernder Stimnie ausgeſtoßenen Fluch; dann aber hob ſie das Haupt wieder empor und ſagte kalt, ver⸗ ächtlich:Schlaft wohl, denn bald geht die Reiſe nach Stockholm, und denkt daran, daß das Beil für Euren ſchö⸗ nen weißen Hals ſchon geſchliffen iſt! Dann ſollt Ihr mich ohne Maske wiederſehen. Sie warf einen funkeln⸗ den Blick auf deu Gefangenen zurück und verließ die Zelle; hinter ihr klirrten die Riegel in's Schloß.

Als es wieder finſter war, ſank Hans, von der furcht⸗ baren Aufregung und Anſtrengung ermattet, gegen den Stein zurück und bald in ein halbwaches Brüten. Endlich hatte er Licht, endlich erkannte er ſeinen Feind in wahrer Geſtalt. Seine Ahnung wäre er ihr gefolgt! jetzt war es zu ſpät. Seine arme Cäcilie ſolchem Weibe in die Hände gegeben! der Gedanke war ihm unerträglich und ließ ihm keine Ruhe. Endlich jedoch ſiegte die durch An⸗ ſtrengung, Schreck, Kampf und Schmerz erſchöpfte Körper⸗

Noch weniger kann man dies wünſchen, denn man hat genug an

dem Prophet Mohammed und an ſeinem Paradies.

Frage: Und diejenigen, die nicht in's Paradies kommen, die Böſen und die Gottloſen, wohin kommen dieſe?

Antwort: In brennendes Feuer. Doch nach der Läute⸗ rung im Feuer werden ſie auch in's Paradies kommen.

Dieſe und mehrere andere Fragen über denſelben Gegenſtand wurden mir mit Lebhaftigkeit und Klarheit beantwortet, nament⸗ lich von der unverheiratheten jungen Dame, die augenſcheinlich nachdenkender und verſtändiger als die andere war.

wollte ſie gern thun, aber unglücklicherweiſe war der Schlüſſel zur Schatzkammer nicht zu finden und wurde vergebens unter den

Sophamatratzen und Kiſſen, die ſich bei dieſer Gelegenheit als

geſtickt waren.

das iſt eine Peitſche, mit welcher, die Sclaven

Sie ſchien ſich ernſtlich für religiöſe Gegenſtände zu intereſſi⸗. 1 Hausherr ſeine Frauen züchtigt, wenn dieſe zanken oder ſich unar⸗

ren, in denen ſie von ihrer Tante mündliche Unterweiſungen em⸗ pfangen hatte. Ich fragte ſie endlich, ob ſie nicht Luſt hätte zu reiſen und andere Länder zu ſehen, z. B. mein Vaterland, das ich ihr als ſehr ſchön ſchilderte. Sie erwiderte darauf, daß ſie, wenn ſie reiſen könnte, am liebſten nach Stambul(Conſtantinopel), weil ihr Vater daſelbſt gelebt hätte, und nach Mekka reiſen möchte,

tig gegen ihn betragen; denn der Herr des

da ſich dies aber nicht thun ließe, ſo hielte ſie für das Beſte in der

Stadt zu bleiben, in der ſich Abraham, David und Jeſus aufgehalten hätten. In andern Städten könntevielleicht mehr Fantaſia(Belu⸗ ſtigung) gefunden werden, allein hier fände ſich mehr Gelegen⸗ heit zur Erbauung. Darauf antwortete ich: Taib, taib!(Gut, gut!)

Im Uebrigen, wovon wir auch ſprechen mochten, vom Himmel oder von der Hölle, von Stambul oder Mekka, immer kam die Unterhaltung wieder auf Kleider und Toilette zurück, welche die junge Frau mehr als irgend etwas Anderes zu intereſ⸗ ſiren ſchienen.

Frau Roſen bat ſie, uns ihre ſchönen Kleider zu zeigen. Das

ben Dutzend kleiner S

Aufbewahrungsort für mancherlei Gegenſtände zeigten, geſucht. Wir mußten uns damit begnügen, ein paar goldgeſtickte Kleider und Kiſſen zu bewundern, welche die junge Frau uns ein wenig zu ungenirt überwarf und die mit ebenſoviel Geſchmack als Kunſt Was ſie uns nicht zeigte, was aber, wie ich weiß, in dieſem, wie in jedem mohammedaniſchen Hauſe zu finden iſt, gezüchtigt wer⸗

den, wenn ſie ſich nicht paſſend betragen, mit der aber auch der

Hauſes hält ſtreng auf ſein Hausherrnrecht, und ohne ſeine Erlaubniß darf ſich ſeine Frau in ſeiner Gegenwart nicht einmal niederſetzen.

Die junge Frau ließ uns ihren eigenen Anzug im Einzelnen ſehen; in der Nähe betrachtet, war derſelbe ziemlich koſtbar, aber nichts weniger als geſchmackvoll. 8

Die junge abyſſiniſche Sclavin ſetzte dann zwei mit Wachs⸗ tuch bedeckte Schemel oder kleine Tiſchchen vor uns hin, einen über den andern und oben darauf einen Präſentirteller mit einem hal⸗ chüſſelchen, worin morgenländiſches Manna,

Piſtaziennüſſe, Zuckerkugeln, Apfelſinenſcheiben und dergleichen,

delteig, mit einem

ſowie eine Art weiche Stengel, wie von Me delt nit e Unſere Wirthinnen

ſtarken Geſchmack von Roſenwaſſer waren.

nöthigten uns auf die freundlichſte und bisweilen auf die hand⸗

greiflichſte Weiſe indem ſie uns verſchiedene Leckerbiſſen in den Mund ſteckten, Theil an dieſem Tractament zu nehmen; und unſere Verſuche zur Selbſtvertheidigung gegen dieſe gewaltſame

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