Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
549
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Nr. 35.)

Die Freunde lagen ſich noch in den Armen. wohl, Enno, ſagte Hans wehmüthig. mich, aber man kann Dir nichts anhaben mich wird man ermorden. Wenn Du kannſt, bring mir Nachricht von ihr, damit ich in meinem letzten Stündlein weiß, daß ſie mich treu geliebt bis an's Ende.

Alles, alles was ich kann, will ich für Dich thun noch geb' ich die Hoffnung für Dein Leben nicht verloren. Ich bleibe in Schweden, Hans halt Dich brav mit Gott! wir müſſen ſcheiden!

Die Trabanten führten den Gefeſſelten ab. wurde in einem Wachtgelaß eingeſchloſſen.

Noch ehe der Prinz in die Halle zurückgekehrt, war die Schreckensnachricht durch das ganze Schloß gedrungen. Seine Schweſter Katharina warf ſich ihm weinend zu Füßen und beſchwor ihn, dem Gerücht zu widerſprechen, die grauſame Scene zu verheimlichen, um den Ruf der Schweſter Cäcilie zu retten; ſie und Graf Edzard baten für Hans um ritterlich Gefängniß. Auch der Herzog überhäufte ihn mit Verwürfen; er und Graf Hoya thaten Fürbitte. Alles vergebens finſter wies der Prinz ſie zurück und nanute den Grafen Hans einen feigen Hoch⸗ verräther, ſeine eigne Schweſter eine ehrvergeſſne Buhlerin. Mit Entſetzen wandte man ſich von ihm, als er triumphi⸗ rend hinzufügte:Meine Boten ſind ſchon zu Roß und beſtellen Relais bis Stockholm; ich gedenke ſchon morgen

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Enno

Abend den Schänder der ſchwediſchen Krone an den Stu⸗

fen des Thrones zur gerechten Strafe abzuliefern.

Man ließ den Wütherich allein, und ſelbſt ſein Oheim wandte ihm verächtlich den Rücken und ſchwor, nie wieder ſchwediſchen Boden betreten zu wollen. Der Prinz aber

Dritte

Du leideſt um

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lachte der rachſüchtige Prinz und begab ſich mit ſeinem V war, wieder in die Trinkhalle. reiche Geſellſchaft war zerſtoben, nur ganz Berauſchte la⸗ gen ſchnarchend in den Ecken, und die ſchlaftrunkenen Die⸗ ner fuhren beim Erſcheinen des Kronprinzen erſchrocken empor. Unangenehm berührt, weil er das Banket nicht aufgehoben hatte, befahl er die Berauſchten fortzubringen, und zog ſich in ſeine Gemächer zurück.

Der unglückliche Gefangene war in einen jener ſchau⸗ rig feuchten, modrigen Keller geworfen, wohin, tief unter der Erde, niemals Licht und Luft dringt. Der vom Grundwaſſer durchſickerte Boden war mit faulem Stroh bedeckt, das leicht aneinander geſroren, wo es nicht von der Erdfeuchte erreicht wurde. In dieſer übereiſten Pfütze hatte man den Unglücklichen ſo eng an einen Steinblock gekettet, daß er mit dei Leibe im Sumpf, mit dem Kopfe au dem harten kalten Steine liegen mußte.

DOpgleich Graf Hans von Kälte und Näſſe durchſchüt⸗ V telt wurde, achtete er nur wenig darauf; ſeine Gedanken waren bei der Geliebten und bei der ſchrecklichen Kata⸗ ſtrophe, welche die letzte Umarmung ſo jählings zerriſſen hatte. Wie war das gekommen? Woher der Verrath? Er marterte ſein Gehirn beſtändig mit dieſer Frage, und immer kehrte ſein Mißtrauen zur Gräfin Skitte zurück. Aber wie konnte ſie es ſein, da ſie bei der ſchrecklichen V Scene ganz überraſcht erſchienen und ſelbſt in Gefahr ge⸗ kommen war? Zudem war ſie Mitſchuldige, hatte ſelbſt den Weg gebahnt unmöglich! Sollten wirklich die Wachen ihn gehört haben? Er bereute, ſich in ſeinen weißen frieſiſchen Mantel gehüllt zu haben; aber die Nacht

von welchem eine goldene Uhr mit allerlei Zierrathen herabhing⸗ Die Nägel der jungen Frau waren ſchwarzblau bemalt, und ihre Hände und Handgelenke waren mit kleinen blauſchwarzen Blu⸗ menfiguren bedeckt. Sie ſchien kindlich heiter und ungenirt zu ſein und war ſehr zuthunlich bei der Muſterung unſerer beiderſei⸗ tigen, meiner und der Frau Roſen, Toilette. Jedes Kleidungs⸗ ſtuck wurde in Augenſchein genommen und beſonders auch ange⸗ griffen; es wurde auch unterſucht, ob wir Schnürleiber trügen, und Verwunderung über dieſelben ausgeſprochen.

Die unverheirathete Sitti Nephiſa war eine volle ſehr ſchöne Blondine in einem Alter von ſiebenundzwanzig Jahren, doch weni⸗ ger aufmerkſam in ihrem Benehmen, als ihre verheirathete Cou⸗ ſine. Ihre Hände und Nägel waren nicht bemalt, aber viel ſchö⸗ ner als die der jungen Frau; auf dem Kopfe trug ſie einen Kranz von ganz kleinen Blümchen.

Schwarze Diener und Dienerinnen kamen und gingen durch die nach dem Schloßhof offenſtehende Thür des Zimmers, in dem ſie eine Bewirthung vorrichteten. Eine junge erſt kürzlich gekaufte abyſſiniſche Sclavin wurde uns vorgeführt und erhielt die An⸗ weiſung, den Saum unſerer Kleider zu küſſen und die linke Hand auf die Bruſt zu legen, während ſie uns mit der rechten Hand Thee in kleinen echten Porzellantaſſen präſentirte. Dann wurde uns auf dieſelbe Weiſe Kaffee ſervirt, ebenfalls in ganz kleinen Taſſen, und ebenſo wie der Thee ſehr ſtark gezuckert. Zwei kleine Neger⸗ kinder Sclaven des Hauſes wurden hereingerufen, mußten unſere Gewänder küſſen, und wurden von den beiden Damen ge⸗ liebkoſt und ſehr freundlich behandelt. Ich wünſchte zu einer etwas ernſteren Unterhaltung mit ihnen zu kommen, und nahm dazu Ge⸗ legenheit, als ſie uns die Bücher des Effendi Muſa zeigten, welche

ſjedoch keine von ihnen geleſen hatte, denn ſie konnten nicht leſen. Ein mohammedaniſches Weib, welches leſen kann, iſt eine große Seltenheit. Ich fragte ſie durch meine freundliche Dol⸗ metſcherin, Frau Roſen die des Arabiſchen vollkommen mächtig zu ſein ſchien, ob ſie beten könnten, und ob ſie täglich zu Allah beteten. Beide antworteten darauf eifrigJa! Sie beteten fünfmal des Tages, und jedesmal ein anderes Gebet, aber jeden Tag dieſelben Gebete. Ich fragte weiter, ob ſie glaubten, ebenſogut, wie die Männer nach dem Tode ins Paradies zu kommen.

Antwort: Ja wohl, ganz gewiß, alle Moslemim kommen in's Paradies, manche gleich nach dem Tode, andere erſt, nachdem ſie eine Straf⸗ oder Prüfungszeit überſtanden haben, je nachdem ſie auf der Erde gelebt haben.

Frage: Womit werden ſie ſich denn im Paradies beſchäf⸗ tigen?

Antwort: Mit nichts weiter, als daß ſie bei ihren Freun⸗ den Beſuche machen.

Frage: Werden ſie dort nicht vielleicht Muſik machen?

Antwort: Nein, das wäre ſündlich.

Frage: Werden ſie dort eſſen oder trinken?

Antwort: Nein, man hat ja im Paradies keine Zähne, noch weniger Hunger oder Durſt. Will man aber etwas zu ſich neh⸗ men, ſo braucht man es nur zu wünſchen, und augenblicklich ſteht ein gedeckter Tiſch da. Ueberhaupt braucht man im Paradieſe nur einen Wunſch auszuſprechen, und er wird ſogleich erfüllt.

Frage: Werden ſie dort Gott ſehen?

Antwort: Nein, bewahre, davon kann nie die Rede ſein.