nicht ich,“ antworlete Mr. Finlay, worauf Byron entgeg⸗
Uovellen Zeitung.
Böotien führte, und der Sonnenuntergangsblick von den
nete:„dafür laſſen Sie mich ſorgen,“ ſein Pferd um- Propyläen oder dem ſäuleubeſetzten Eingangsthor am
wandte und zur Stadt zurückgaloppirte. In wenigen Minuten jedoch ergoß ſich die Wolke in Strömen von Regen. Byron's Haus befaud ſich am weſt⸗
ſſchen Ende von Miſſolunghi, und um die halsbrechenden
Straßen zu uigehen, hatte er die Gewohnheit, in einem Boote über den Hafen zu ſetzen und außerhalb der öſtlichen Mauer auf ſein Pferd zu ſteigen. Bei dieſer letzten Ge⸗ legenheit kam er vom Pferde triefend in das Boot und bekam, da er ſich genöthigt ſah, während der Ueberfahrt ſtill zu ſitzen, ein heftiges Froſtſchütteln, dem ein Anfall von Fieber folgte. Mr. Finlay, welcher fand, daß der Fluß noch zu hoch ſei, kehrte nach Miſſolunghi zurück, wo er noch zwei Tage länger bleiben mußte. Byron lag da⸗ mals auf dem Bette, von dem er niemals wieder aufſtand. „Eines Abends,“ erzählte Mr. Finlay„ſagte er zu Obriſt Stanhope und zu uns andern:„Nun, ich erwartete, daß in dieſem Jahr etwas vorfallen würde. Die alte Hexe iſt an Allem ſchuld.“ Wir frugen nach einer Erläuterung. „Als ich Knabe war,“ ſagte er,„prophezeite mir eine alte Wahrſagerin, daß vier beſondere Jahre mir gefahrvoll ſein würden. Dreimal hat ſich die Prophezeiung erfüllt, und dies iſt nun das vierte Jahr, welches ſie genannt hat. Ihr ſeht alſo, daß es nicht gerathen iſt, über die Hexen zu lachen.“ Er ſagte dies in einem munteren und ſcherzhaf⸗ ten Tone und ſchien keine Ahnung davon zu haben, daß ſeine Krankheit tödtlich ausfallen würde. Und wirklich hielt zu jener Zeit Keiner von uns ſeinen Zuſtand für ge⸗ fährlich.“
Als Byrou zum erſten Male in Griechenland war, hielt er ſich mehrere Monate in Athen auf und wurde mit jedem ſchönen und begeiſternden Zuge der glorreichen Ge⸗ gend vertraut. Zwei Punkte ſcheinen es hauptſächlich ge⸗ weſen zu ſein, die ihn anzogen— die alte Veſte Phyle im Engpaß des Parnes, durch welchen einer der Wege nach
weſtlichen Ende der Akropolis. Dieſer letztere wird von den Engländern häufig„Byron's Ausſicht“ genannt, und nie war eines Dichters Name einer lieblicheren Landſchaft zugeſellt. Auf einem Marmorblocke, dem ſteil an der Höhe aufwärts ſteigenden Haupteingang gegenüber ſitzend, ſieht man zwiſchen den Reihen cannelirter doriſcher Säulen hinab auf den gegenüberliegenden Hügel der Nymphen und von da über das von ſeinen Oliven und Reben ſchimmernde Thal des Kephiſſos nach dem wüſten Rücken des Korydal⸗ los, nach den Gebirgshöhen von Salamis und Megara und über ſie hinweg zu den Schattenhügeln des Pelopon⸗ nes, deren Grundfelſen vom azurnen Bogen des Saroni⸗ ſchen Golfes geſtreift werden. Hier war es, wo die oft citirte Schilderung eines griechiſchen Sonnenuntergangs geſchrieben wurde, welche alſo beginnt: „Sanft ſinkt die Sonne längs Morea's Höh'n, Beim Steigen glänzt ſie kaum ſo hold und ſchön—“
und ein jeder Zug des Bildes iſt wahr. Im Süden ſieht man Aegina gekrönt vom panheliſchen Tempel des Jupiter, Hydra und Poros, während Delphi's Riff im Weſten,— hinter dem der noch immer triumphirende Gott in Schlummer ſinkt,— wiewohl von einem Ausläufer des Parnaß dem Blicke entrückt, dennoch von den Abhängen des Hymettos ſichtbar wird.
Für mich hatte dieſe Ausſicht einen unbeſchreiblichen Reiz. Abgeſehen von dem Zauber der unſterblichen Erin⸗ nerungen, die ſich an dieſe Landſchaft knüpfen, zeigte ſie in Farbe und Umriß jenes künſtleriſche, unübertreffliche Gefühl, welches die Natur in Griechenland zu charakteri⸗ ſiren ſcheint und in Folge deſſen das faſt verzweifelnde Staunen ſich mildert, mit dem wir außerdem die vollende— ten Tempel dieſes Landes betrachten würden. Wir ver⸗ ſtehen dann um ſo leichter, warum das Gleichmaß eine eingeborne Gabe des griechiſchen Gemüthes ſein mußte,
Witterung zu, und eine trefflich geſchriebene Einleitung verthei⸗ digt dieſes fragliche Capitel mit Erfolg.
Natürlich führt dieſer Stoff die Berührung all ſeiner Fun⸗ damente herbei, welche in der geſammten phyſikaliſchen Geographie beſtehen und nicht minder in den chemiſchen Actionen der Atmo⸗ ſphäre. Laien werden durch dieſe zuſammenfaſſende Darſtellung ihre Kenntniſſe ſowohl bereichern, als neu auffriſchen, vorzüglich aber iſt über die optiſchen Erſcheinungen manches bisher ſchwer
Begreifliche durch glücklich gewählte Beiſpiele klar gemacht. Der Ton iſt ernſt, ohne trocken zu werden. O. B.
Misecellen. Eine zweite Rönigin im britiſchen Reich.
Die„Gipſies“ auf den britiſchen Inſeln haben die alten Gebräuche ihres wunderſamen, in ſo mancher Beziehung räthſel⸗ haften Volkes beibehalten. Auf den britiſchen Inſeln bilden ſie unter ſich ein beſonderes„Reich“ mit einem eigenen Oberhaupte. Im October ſtarb Seine Majeſtät der Zigeunerkönig; im Novem⸗ ber fand die Krönung Ihrer Majeſtät der Königin Eſther Faa
Blythe ſtatt. Das Volk hat ein Wahlrecht und ernennt ein Glied
der königlichen Familie. Diesmal waren für die erledigte Ehren⸗ ſtelle zwei Bewerberinnen aufgetreten, aber Eſther wurde einſtim⸗ mig zur höchſten Würde ernannt. Proclamation an das Volk, damit es ſich verſammele. Eſther wurde von Peinzen und Prinzeſſinnen aus königlichem Blute be⸗ dient, insbeſondere von ihrem Bruder, dem Prinzen Karl, einem Neffen und etlichen Enkeln. Die Königin ſaß hoch zu Roß und
die Krönung ſtattfand.
dann ein ſehr luſtiger Zigeunerball.
ritt nach dem„Kreuz“ bei Kelſo am Tweed in Schottland, wo Der„Kröner“ trat vor und ſetzte ihr die mit der ſchottiſchen Diſtel geſchmückte Krone auf das Haupt, dann entrollte er ein Pergament und las mit lauter Stimme vor, daß er auch den verſtorbenen Vater Ihrer Majeſtät, den aller⸗ höchſt verblichenen König Charles, gekrönt habe. Das Volk rief neunmal„Huzza!“ und wünſchte der neuen Gebieterin Glück und Heil. Nachdem die große Cour überſtanden war, ging der Hum⸗ pen in der Runde herum. Die braunen Leute erquickten ſich mit „Bergthau“, das heißt Branntwein von der beſten Sorte. Auf dem Rückweg ritt ein Pfeifer vor der Königin her und ſpielte luſtig auf; der Zug ſprach vor jeder Schenke vor. Abends war 6.
Worte für Welt und Haus.
Es kommt bei politiſchen Aufopferungen einer Perſon nur auf das nützliche Princip, nicht auf die edle Abſicht an. Dieſe
wird immer gänzlich verkannt, jenes aber zuweilen begriffen, wenn
auch erſt nachträglich.
Dann erließ ſie eine königliche
Im Geiſtigen wie Phyſiſchen geht beim Aufwand aller Kraft die Beherrſchung der Bewegungen verloren. Das Phyſiſche bleibt dann immer in Rohheit gebunden; tritt beim Geiſtigen aber der Genius hinzu, ſo hilft die Begeiſterung durch ihre natürliche un⸗ bewußte Strömung der Grazie Maß und ſchöne Richtung ge⸗ winnen. 6.
[VIII. Jahrg.
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