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Die Oberhofmeiſterin ſah ſie lächelnd an und ſchüttelte wie zweifelnd den Kopf. Cäcilie ſprang auf, umſchlang ſie mit beiden Armen und flehte dringend:„Ach, beſte Gräfin, rathen, helfen Sie, daß wir uns nur eine halbe, eine Viertelſtunde allein ſprechen, ehe wir dieſes Schloß verlaſſen. Zwei ewig dankbare Herzen flehen den Segen des Himmels auf Sie herab.“
„Gutes Kind, weßhalb ſollt' ich dieſen unſchuldigen Wunſch nicht erfüllen, wenn es möglich und ohne Nach⸗ theil zu bewerkſtelligen wäre? Allein eine Verbindung im Innern des Schloſſes iſt nicht ausführbar— es bliebe alſo nur die Verbindung von außen möglich.“ Die Sprecherin trat überlegend an's Fenſter, ſchaute hinab in den Schloßhof und prüfte die Höhe, dann fuhr ſie fort: „Ihr Fenſter liegt gerade in der Ecke und obgleich im zweiten Stock, ſo iſt es doch nicht ſehr hoch. Mittelſt einer Strickleiter, die hier oben befeſtigt bis auf den Boden reichte, würde es dem Ritter ein Kleines ſein in dies Fen⸗ ſter zu ſteigen. Selbſtverſtändlich in ſpäter dunkler Nacht⸗ ſtunde, wo kein Verrätherauge wacht.“
„Aber ſo hoch hier herauf?“ fragte Cäcilie ängſtlich.
„Es dürfte der einzige ſichere Weg ſein, und Ihr Ca⸗ valier wird wohl nicht davor zurückbeben.“
„Woher aber eine Strickleiter?“
„Hm, das iſt gefährlich,“ flüſterte die Gräfin für ſich; dann wandte ſie ſich wieder der Prinzeſſin zu und ſagte: „Nun, auch die will ich Ihnen verſchaffen, ich werde ſie ſelbſt in der Stadt kaufen und morgen Abend hierher bringen. Vorſicht, die größte Vorſicht iſt allerdings nöthig, und in ſolchen Dingen darf man keinem Dritten trauen.“
„Ach, theuerſte, innigſt geliebte Gräfin! wie kann ich Ihnen danken?— Nun können wir uns noch einmal ſehen
P— noch eine glückliche Stunde!“
„Jetzt zur Toilette, Prinzeſſin. Wir verplaudern die
Zeit, und die Jagd bricht ohne uns auf. Nehmen Sie
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
ein warmes Reitkleid und Ihre Zobelpelze, es iſt ſehr kalt; in wenig Minuten müſſen wir bereit ſein.“
„O, jetzt, Gräfin, jetzt bin ich im Nu fertig!“—
Die ſcheidende Winterſonne warf ihre letzten ſchrägen rothgoldnen Strahlen über die blitzende Eisfläche des Wetternſees, als der heimkehrende Jagdzug in buntem Gemiſch auf dem breiten Fahrwege am Rande des Sees dem Schloſſe zuzog. Herren und Damen ritten plaudernd miteinander, und am dichteſten drängten ſich die jungen Cavaliere um die Prinzeſſinnen, theils aus höfiſcher Cour⸗ toiſie, theils um der ungeſchminkten Schönheit den Tribut zu zollen.— Cäcilie war überaus heiter und unbefangen, denn es war ihr gelungen dem Geliebten das Project mit⸗ zutheilen, und dieſer hatte es mit Enthuſiasmus ergriffen. In ſo fröhlicher Stimmung ließ ſie ihr Pferd allerlei Ca⸗ priolen machen, und plötzlich rief ſie aus:„Wie wär's, wenn wir einen Galopp über den Wettern verſuchten?“
„Das Eis wird noch nicht halten,“ entgegnete Graf Edzard.
„Doch, es hält,“ ſagte ein ſchwediſcher Ritter.„Wenn bei uns zwei Mal vierundzwanzig Stunden klingender Froſt iſt, hält der Wettern.“ Zum Beweiſe ſprengte er auf den See hinaus, daß der Huſſchlag weithin ſchallte. Das Eis hielt.
„Nun denn, unſere Pferde ſind ja ſcharf beſchlagen — eine Cavalcade bis zum Schloß!“ rief Cäcllie keck, ſprengte, von einigen Herren gefolgt, dem See zu und in langem Galopp über die ebene Eisfläche dahin.— Der Ritt ging vortrefflich; die Prinzeſſin war ihrem kleinen, aus fünf bis ſechs Cavalieren beſtehenden Gefolge— worunter ſich ſelbſtredend Graf Hans befand— immer einige Pferdelängen voraus, und es war dieſen nicht mög⸗ lich, ſie einzuholen. Die weite Eisfläche erdröhnte unter den Roſſeshufen, und ſtaunend hielt der ganze Jagdzug am Ufer und ſah dem Eisreunen zu.— Plötzlich krachte es, und gleich darauf brach das Pferd der Reiterin mit den
durch die Menge der Fußwanderer geritten kommen. Einen Be⸗ duinen kennt man ſtets an ſeinem langen, vom Kopf herabflattern⸗ den Mantel, bisweilen mit eingewebtem Goldrand und mit einer von Kameel⸗ oder Pferdehaaren künſtlich geflochtenen Schnur, die den Mantel um den Kopf feſthält, ſodaß ſeine Falten das Geſicht beſchatten. Dieſes Geſicht iſt von dunkler Farbe, und der Aus⸗ druck deſſelben düſter, aber in den dunkeln Augen liegt ein leuch⸗ tendes Feuer, und blendend weiße Zähne blitzen hinter den Lippen hervor, wenn dieſe ſich zu einem Gruß oder zu einem Lächeln öff⸗ nen. Ein Beduinenhäuptling reitet ſtets mit Lanze und Büchſe bewaffnet und ebenſo ſein Diener. Aber auch die ackerbauenden Araber(Fellahins) gehen mit Büchſen bewaffnet, die bisweilen von ſehr ſchöner Arbeit, mit leingelegtem Metall und mit glän⸗ zenden, wenn auch nicht edlen Steinen beſetzt ſind.
Zuweilen ſieht man eine Gruppe luſtwandelnder Effendi's. Dieſe erkennt man an ihrer koſtbaren Kleidung und an den langen ſilberbeſchlagenen Stäben, welche ſie als Stöcke benutzen. Ge⸗ wöhnlich werden ſie von einigen Dienern begleitet. 6.
Zur Culturgeſchichte. Der Ratterkopf.
In jenen finſtern Zeiten, wo man nicht nur viele Krankheiten der Menſchen und Hausthiere, ſondern auch das, was hier höhere Einſicht und Thätigkeit hervorgebracht, dort Unwiſſenheit und Trägheit verſchuldet hatte, der Hexerei zuſchrieb, die man ſelbſt
für oft wiederkehrende Naturerſcheinungen verantwortlich machte,
in jener traurigen Epoche, wo die Augenentzündung einer alten Frau Veranlaſſung werden konnte, daß die Arme den Tod auf einem Scheiterhaufen unter Henkershand fand, war in Frankreich der ſogenannte Natterkopf, auch Schlangenhaupt und Ochſen⸗ zunge genannt, welche Pflanze in Frankreich den Namen Vipé- rine, bei den Botanikern Echium führt, und die gegen Ende des Mai häufig auf Mauern und dürren Rändern blau blühend ge⸗ funden wird, im höchſten Grade gefürchtet.
Ein Aberglaube, der ſchon in ſehr frühen Zeiten in Betreff dieſer Pflanze verbreitet war und von dem bereits Plinius der Jüngere in ſeinen Büchern ſpricht, ſchrieb dieſer Pflanze ſeltſame Eigenſchaften zu, die ſie in der Wirklichkeit nie be⸗ ſeſſen hat.— 5
Mit Hülfe ihrer langen Faſern, die zur Mitternacht und un⸗ ter gewiſſen Gebräuchen auf glühende Kohlen geworfen wurden, ſollte man die hölliſchen Geiſter citiren und von ihnen ihre unheilvolle Macht erlangen können. Ihre Wurzel ſollte, wie man behauptete, den Schlangen⸗ und Natterbiß heilen, und ihre in einem Gefäße mit Kräuterbier eingeweichten ſchmalen Blätter ſollten die Fähigkeit verleihen, die unſichtbaren Geiſter ſehen zu können..
Ein Chronikenſchreiber aus jener Zeit ſagt über dieſen Ge⸗ genſtand:.
„Jedes Jahr ließen die Beamten unter Trompetenklang be⸗ kannt machen, daß es unter Peitſchen⸗ und Gefängnißſtrafe den
Landleuten, Kräuterſammlern oder Bürgern verboten ſei, den
kleinſten Theil der Stengel, Blätter, Blumen, Früchte oder des Holzes der beſagten Pflanze aufzubewahren. Man forderte, daß dieſe Stengel, Blätter, Blüthen, Früchte und Holz im freien
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