Uovellen-Zeitung.
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Glückſeligkeit, und ihr leuchtender Blick hing an ſeinen be⸗ redten Lippen. Ihre Herzen knüpften immer feſter, un⸗ löslich den Bund, den im Ranſch des Entzückens die Lippen beſiegelten. Des Jünglings ſchüchtern aufkeimende Liebe
entfaltete ſich ſo zur vollen Blüthe, der ſich Cäcilie mit
der ganzen jungfräulichen vertrauensvollen Hingebung und der vollen Leidenſchaft ihrer feurigen Natur ergab. Zwar erkannten Beide, daß ihre verſchiedene äußere Lage vor⸗ läufig ein unüberſteigliches Hinderniß ihrer Vereinigung und der Krönung ihrer Wünſche war, aber ſie bauten auf Treue und reine Liebe und waren entſchloſſen, allen feind⸗ lichen Mächten mit dem Zauber dieſer überirdiſchen Ge— walten zu trotzen. Zudem ſagte ſich Graf Hans, daß nach dem Tode des alternden Königs auch wohl die Verhältniſſe und Anſichten in Schweden ſich ändern könnten.
Nur Eins trübte ernſtlich den ſonnigen Himmel des jungen Oſtfrieſen— das war das nachſichtige Benehnmen der Oberhofmeiſterin. Ein unerklärlicher Zug von Ab⸗ neigung hatte ſchon ſeit jenem großen Ballfeſte ſein Ge⸗ müth wider dieſe Dame eingenommen; ſtets, wenn ſie auch noch ſo freundlich dreinſchaute, ſah er in ihrem dunkeln Auge jenen glühenden Blick, der ihn verfolgt, als er die Oleanderblüthe aufgehoben und auf der Bruſt verborgen hatte. Stets war es ihm, als ſchwebe Verrath über ſeinem Haupte, und er dachte dann immer an die Olufseiche und die rachedrohenden Worte der unerkannten Verführerin. Schon häufig hatte er ſeine bangen Ahnungen der Ge⸗ liebten zu erkennen gegeben, allein dieſe lachte darüber. Sie gab ihm vollſtändig Recht, daß die Gräfin ihr Ver⸗ hältniß durchſchaut habe, ſtützte ſich aber um ſo ſicherer auf dieſelbe, weil ſie ohne Vorwurf, mit der größten Liebe und Freundlichkeit davon wie von einer ganz natürlichen Begebenheit ſprach. Cäcilie hielt die Oberhofmeiſterin für ihre treueſte Bundesgenoſſin und war bemüht, dieſem Glauben bei ihrem Geliebten Eingang zu verſchaffen. Dieſer beruhigte ſich mit jeder Reiſeſtation mehr und
mehr, lernte auch mit der wachſenden Leidenſchaft die Ge⸗ fahr mehr und mehr vergeſſen und verachten. So ver⸗ gingen dem jungen Paar die erſten acht Tage der Reiſe wie ein Triumphzug der Liebe.
Allein in der letzten Woche des October wollte die nordiſche Sonne nicht mehr mit Licht und Wärme den Herbſt in der Natur und den Frühling in den Herzen durchdringen. Dichte Nebel verhüllten das ſtrahlende Tagesgeſtirn, um ſich in einen anhaltenden empfindlich kalten Regen aufzulöſen. Während einiger Tage war ſo⸗ mit die Reiſe ſehr beſchwerlich, bis am letzten Morgen vor dem Eintreffen auf dem Königsſchloß Wadſtena der Wind nach Norden umgeſprungen, den Himmel rein gefegt und harten klingenden Froſt auf die Straße gelegt hatte. So zog man an einem der letzten Octobertage mit dem nordi⸗ ſchen Winter in die Königsburg Wadſtena.—
VI. Wadſtena.
Es war ein herrlicher Anblick, als man die letzte An⸗ höhe paſſirte und plötzlich das große von Guſtav Waſa erbaute Königsſchloß mit ſeinen hohen blitzenden Fenſtern, weitläufigen Dächern, unzähligen Kaminen und den vier emporſtrebenden Thürmen gleichſam aus dem glänzenden Spiegel des Wetternſees auftauchen ſah. Das Schloß war nur durch eine Fahrſtraße von der unendlichen blitzen⸗ den Waſſerfläche des Sees getrennt, von hohen Wällen und tiefen Gräben umgeben; aber über die Bruſtwehren ragte der weite im Quadrat ausgeführte Bau und feſſelte durch die mannigfachen Sculpturen, Geſimſe und weitban⸗ ſchigen Kuppeln, die ſchützend die Freitreppen überwölhten. Von den vier mit Kupfer gedeckten Thurmkuppeln, die in langen, ſchmächtigen Spitzen ſich ausreckten, wehten Fah⸗ nen und zeigten die Kronen und den Löwen von Schweden. — Als der Reiſezug ſich näherte, ertönte Kanonendonner
von den Wällen, und unter lautem Hurrah der Schloßbe⸗
gemacht zu ſein, den Wanderer zum Fallen oder wenigſtens zum Stolpern zu bringen. Die Schmutzhaufen, welche längs der Häuſer und in jeder Straßenecke liegen, werden mit jedem Tage größer, denn kein Menſch ſchafft ſie weg. Todte Hunde und Katzen liegen oft da, bis ſie verweſt ſind. Und auf dieſen Stra⸗ ßen, beſonders in der Gegend des heiligen Grabes, bewegt ſich in der Zeit von Weihnachten bis Oſtern ununterbrochen ein Strom von Menſchen aus allen Völkern und von Thieren aller Art, in welchem man ſich zuweilen drehen und wenden muß, wie ein Stroh⸗ halm in einem Wirbelwind, wenigſtens wenn man allein und ohne einen begleitenden Kawaſſen iſt; denn dieſer Strom beachtet keine einzelne Perſon, und weder Thiere noch Menſchen gehen ſo einem unbedeutenden Gegenſtande aus dem Wege. Und hoͤrſt Du, lieber Leſer, hinter Dir den Ruf:„Darak!“ dann rathe ich Dir wohl⸗ meinend, ſo ſchnell als möglich eine Zuflucht in der erſten beſten offenen Thür zu ſuchen, die Du findeſt, denn Du kannſt gewiß überzeugt ſein, dicht hinter Dir oder gar über Dir eine jener morgenländiſchen Hoheiten zu haben, nämlich Kameele, die mit ihren breiten Laſten die Breite der ganzen Straße einnehmen und ihre großen Tatzen mit einem zerſchmetternden Ausdruck von Kraft oder Gleichgültigkeit gegen das, auf was ſie treten, auf die Erde ſetzen. Sie tragen den Kopf ſo hoch, daß ſie nicht darauf achten können, dieſe komiſchen, dummen Thiere; haſt Du aber einen Hut, der ihren Appetit reizt, z. B. einen Strohhut, ſo dürfte es leicht möglich ſein, daß ihre kameeliſche Hoheit ſich plötzlich herunter⸗ beugt, um ihn von Deinem Kopfe wegzuſchnappen und gravitä⸗ tiſch als einen Leckerbiſſen für ſeinen Magen zu kauen. So ge⸗ ſchah es im verfloſſenen Winter einem hieſigen Frauenzimmer.
Je näher man dem heiligen Grabe kommt, beſonders auf der
Via Nazari und bis zu dem engen Eingang des Vorhofes, deſto
größer wird das Gedränge, und man muß wirklich flink wie eine ⸗
Taube und vorſichtig wie eine Schlange ſein, um ungeguetſcht und unbeſchädigt hindurch zu kommen. Inſonderheit ſind es die
chriſtlichen Pilger, welche dieſen Menſchenſtrom vergrößern, wäh⸗
rend ſie zur heiligen Grabkirche wandern oder Schmuckgegen⸗ ſtände kaufen, die in Läden zu beiden Seiten der Straße vor ihrem Blicke ausgeſtellt ſind, wie z. B. Roſenkränze, Räucherwerk, Perl⸗ mutterarbeiten aus Bethlehem, gefärbte Glasarmbänder aus Hebron, gemalte Heiligenbilder, geweihte Kerzen, Jericho⸗ roſen u. ſ. w. Auch ſehr koſtbare Roſenkränze und edle Steine werden daſelbſt feil gehalten, Biſt Du allein mitten in dieſem Strome von Menſchen und Thieren, ſo haſt Du keine Muße dazu, irgend etwas zu betrachten; denn Du wirſt ohne Barmherzigkeit geknufft, und zwar von Pilgern, türkiſchen Soldaten oder Ara⸗ dern, von Eſeln, Kameelen oder deren Treibern. Befindeſt Du Dich aber in Geſellſchaft eines europäiſchen Conſuls oder einer zu deſſen Familie gehörigen Dame, dann biſt Du geborgen, denn vor demſelben und vor Dir marſchiren dann die Wachen des Con⸗ ſuls, ein oder zwei Kawaſſen in glänzendem türkiſchen Coſtüm, mit hohen ſilberbeſchlagenen Stäben, und vor dieſen gewaltigen Herren mit der Miene und Gravität eines Sultans öffnet ſich der Menſchenſtrom, oder wenn er dies nicht thut, ſo ſchreien ſie laut und ſtoßen Menſchen und Thiere nach rechts und links auf die Seite, ſo daß Raum genug wird. Sogar Ihro Hoheiten die Ka⸗ meele müſſen aus dem Wege gehen, und dann kannſt Du mit eini⸗ ger Ruhe Deine Aufmerkſamkeit darauf richten, die bunte chao⸗ tiſche Sammlung, durch welche Du Deinen Weg nehmen willſt, zu betrachten.
(VIII. Jahrg.
Nr. 3
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