Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
527
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1

iſt frei von alären Ratul⸗ heil der guten 5 H. 3.

Dritte Lolge.

Nr. 33.]

den zu gewinnen, fluchte, tobte und ſchlug in ſeiner Aufre⸗ gung immer heftiger gegen mich, und ich ſah deßhalb vor⸗ aus, daß ich durch ihn und mit ihm die Brücke nicht errei⸗ chen werde. Hier galt es einen raſchen Entſchluß, der denn auch, da ich keine Wahl hatte, bald gefaßt war. Ich entließ ihn aus meinen Händen, den mir bis jetzt ebenſo nützlich als auch theuer gewordenen blauen Mantelkragen. Ein kühner Schritt, und ich befand mich bei etwa 20 Grad Kälte bis über das Knie in der Bereſina. Ein arg kaltes Bad war es, und heute noch friert es mich an meinem Ofen, wenn ich daran zurückdenke.

So watete ich nun in zahlreicher Geſellſchaft, denn immer mehrere wählten dieſen Weg zu ihrer Rettung ſo nahe wie möglich dem Lande fort der Brücke zu, welche ich bald glücklich erreichte und leicht erkletterte, indem ſie we gen der flachen Ufer des Fluſſes nur etwa zwei Schuh hoch über das Niveau deſſelben geſchlagen war. Wie erſtaunte ich, als ich ſie, wohl in Folge der Pallaſchhiebe jeuer vor⸗ erwähnten Gensd'armen verhältnißmäßig leer fand, ſo daß ich mit aller Bequemlichkeit hinüberſchreiten konnte! Ich war alſo der Gefahr enthoben, in der Bereſina zu ertriu⸗ ken oder au deren Ufer erdrückt und zertreten zu werden! Sage man was man wolle, ein eigenes Gefühl iſt es doch, die Pforte des Jenſeit ſo nahe vor uns weit geöffnet, aber unerwartet ſich wieder ſchließen zu ſehen, bevor wir ihre Schwelle überſchritten.

Mit triefenden Pantalons, die bald zu einer Eiskruſte gefroren und dadurch meine Haut verletzten, erreichte ich das jenſeitige, nunmehr für mich Gottlob dieſſeitig gewor⸗ dene Ufer des Fluſſes. Mit einem Gefühle der Genug⸗

thuung für meine Rettung bleibt doch der Menſch überall mehr oder minder Egoiſt! warf ich einen Blick zurück auf das jenſeitige, immer noch fortdauernde jammervolle Ge⸗ wühl, vernahm ich von dorther das Augſtgeſchrei der Un

während dreier Tage an ihren Ufern, ſo viele Menſchen⸗ opfer für ihre Fluthen!

Ganz erſchöpft, wie ich es war von dem mehrſtündigen Ringen zwiſchen Leben und Tod, reichte mir auf meine Bitte ein alter bärtiger Grenadier von jenen Gardeab⸗ theilungen, welche am dieſſeitigen Ufer des Fluſſes zur Vertheidigung deſſelben en tirailleurs aufgeſtellt waren, in

ſeiner Feldflaſche einen kühlen Trunk, den er aus dieſer

Bereſina ſchöpfte, in welcher Tauſeude ſeiner Cameraden

den Tod gefunden hatten. Gierig ſchlürfte ich das mir dar⸗

gereichte ſchmutzige Waſſer, das dennoch trotz dieſer wider⸗

lichen Beſchaffenheit ein behagliches Gefühl in mir erregte,

ſehr verſchieden von jenem Schauder, den ich fühlte, als

ich vor wenigen Augenblicken daſſelbe durchwatete.

Wohl ſehnte ich raich nach einem jener Bivouacfeuer, die ich rechts und links der Straße hell lodern ſah, um meine verſtarrten Glieder zu erwärmen, mein durchnäßtes Pedal möglichſt zu trocknen; aber dennoch konnte ich es mir nicht verſagen, meinen Küraſſier⸗Officier, der immier noch, wie ich dies deutlich ſah, am jeuſeitigen Ufer, mit ſeinem Knittel bewaffnet, eifrig bemüht war, ſich zu der nahen Brücke Bahn zu brechen, zu erwarten, um ihm einige Wöorte des Dankes dafür zu ſagen, daß er, wenn auch ſehr gegen ſeinen Willen, weſentlich zu meiner Rettung beige⸗ tragen habe. Verdankte ich es doch ſeinem Mantelkragen, daß ich der Brücke ſo nahe gekommen war! Bald ſah ich ihn denn auch über dieſelbe daherſchreiten. Ich ſagte ihm meinen Dank frauzöſiſch, er dagegen erwiderte mir im reinſten Deutſch:Ich höre an Ihrem Accent, daß Sie ein Deutſcher ſind. Ich bin Ihr Landsmann, ein Ham⸗ burger, heiße Schmidt und bin Capitain im dritten Küraſ⸗ ſierregimente. Es freut mich, wie Sie mir ſagen, zu Ihrer Rettung beigetragen zu haben. Adieu! Und forl ſtürmte er wieder, dieſer trotz aller Strapazen und Ent⸗

glücklichen, welche nach dem Vorrücken der ruſſiſchen Ge⸗ ſchütze durch deren Feuer immer mehr bedroht, ja ſelbſt immer mehr gefährdet wurden. Verirrte ſich doch bereits eine Kugel derſelben auf das dieſſeitige Ufer und ſchlug wenige Schritte vor mir in die Erde. war übrigens die Bereſina zu jener Zeit, wie der Neckar bei Cannſtatt!

Wie unbedeutend kaum ſo breit Leiden, endlich glücklich in ſ Und doch ſo viel Jammer lande an.

behrungen noch ſehr rüſtige Mann, im raſchen Schritt, der, wenn er denſelben beibehalten hat, ihn wohl viel früher an die ruſſiſche Grenze gefördert haben wird, als ich mit meinen froſtigen wunden Füßen dieſelbe zu erreichen hoffen durfte.

Dennoch kam der Verfaſſer, wenn auch nach langen einem würtembergiſchen Vater⸗

6.

Citerariſche Briefe

von Otto Banck. 4 Aus meinem Soldatenleben. Von Karl von flußreichen Generälen, größteutheils aber auf Wachtſtu⸗ Suckow. Stuttgart, Verlag von Adolph Krabbe, 1862. benhumer und auf diejenigen kleinen Abenteuer, welche bei

Sie ſind in unſerer modernen Zeit an zahlreiche Sol⸗ datennovellen und Erzählungen aus dem Militärleben ge⸗ wöhnt, und ein großes Publicum hat ſich gut dabei unter⸗ halten. Solche Geſchichten baſiren ſich auf Garniſons⸗ bälle, praktiſche Mésalliancen, glückliche Wegkaperung reicher Kaufmannstöchter, Protectionsverhältniſſe zwiſchen kühnen hoffnungsvollen Lientenants und antiquirten ein⸗

ichen Herbſtmanövern an die Stelle wirklicher Gefahren treten. In der That iſt es leicht möglich, daß dabei in der Zuſchauermenge dicht an der Linie der Vater⸗ laudsvertheidiger die Pferde vor einem eleganten Phaëton ſchen werden, und daß man als unbemittelter Officier durch einen kühnen Griff das Leben der darinſitzenden bei⸗ den Damen rettet, von denen natürlich die eine hiuſchmel⸗

den jährl