Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
525
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Jahrg.

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den einem jankeriſten djdringen⸗ ruf meines zur Seite nes lieben von Pode⸗

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Nr. 33.]

wils, von dem ich früher erwähnte, daß ihm in der Schlacht ſandern auf ein lebendes Weib trat. Ich fühlte die Be⸗ von Moſaisk eine Kanonenkugel das Fleiſch bis auf den wegung ihres Körpers unter meinen Füßen, ich hörte Knochen vom Arme riß, ohne denſelben zu verletzen, und ihren Schmerzensruf:O! ayez pitié de moi! welchen

der in dem Spital Selſo Karaſchin, zu welchem ich wäh rend jener Zeit commandirt war, theilweiſe Heilung ge⸗ funden hatte Bauernpferdchen, ebenſo wie wir Alle, der nicht einladen⸗ den Eventualität zu entgehen ſtrebte, nähere Bekanntſchaft mit dem Lande Sibirien machen zu müſſen. Was konnte

und nun auf einem elenden ruſſiſchen von meiner Laſt befreien.

ich aber in dieſem Augenblicke zum Schutz des unglücklichen Freundes thun, obgleich ich mich nur wenige Schritte von

ihm befand?

Waren doch dicht gedrängte Maſſen von Menſchen zwiſchen uns, und wäre ich auch ganz in ſeiner

Nähe geweſen, was hätte ich, wehrlos wie ich war, weiter

für ihn thun können, als die Kolbenſchläge jenes Franzoſen brüderlich mit ihm zu theilen! Ich gab ihn damals ver⸗ loren, aber Dank der Vorſehung, mit großem Unrecht, in⸗ dem ich nach eingetretenem Frieden noch manches Jahr mich ſeines cameradſchaftlichen Umgangs in der Garniſou Lud⸗ wigsburg erfreuen durfte.

So ward ich denn fortgeſchoben, fortgeſtoßen und

theils auch fortgetragen, denn es iſt keine Uebertreibung oftmals berührie ich, feſt in die mich umgebende Men⸗ ſchenmaſſe eingeklemmt, den Erdboden nicht. Dieſen deck⸗ ten Menſchen und Thiere, todt und lebend, wenn auch nicht zu Hunderten, wie jene oben erwähnte Schrift erzählt, ſo doch in großer Anzahl, was allerdings das Fortkommen

ſehr erſchwerte, denn über die Leichname und Thiere ſtol⸗

perte ich jeden Augenblick und wäre ſicher auch längſt dabei zu Boden gefallen, wenn es mir nicht glücklicher Weiſe

zum Umfallen faſt immer nach allen Seiten an Raum ge⸗

fehlt hätte.

durch heftige Bewegungen den Schritt noch unſicherer machten.

Noch peinlicher, noch gefährlicher war es, wenn man dahingedrängt den Fuß auf noch lebende We⸗ ſen ſetzen mußte, die in dem Beſtreben ſich aufzuraffen

ſie emporröchelte, dennoch konnte ich ſie erſt nach einer ziemlich langen Pauſe, indem ich weiter geſchoben wurde, Oft ſchon dachte ich mir die Möglichkeit, daß ich durch dieſen furchtbaren Fußtritt einen Menſchen unwillkürlich getödtet haben könne, eine trau⸗ rige Vermuthung, in welcher ich dadurch noch beſtärkt wurde, daß noch, bevor ich meine Füße von dem Körper der Unglücklichen zurückziehen konnte, jede Bewegung der⸗ ſelben aufgehört hatte, jeder Klageruf aus ihrem Munde verſtummt war.

Je näher ich der Brücke kam, deſto größer wurde das Gedränge von rückwärts, indem man ſich, wie natürlich, dem heftigen feindlichen Geſchützfeuer möglichſt bald eut⸗ ziehen wollte, wogegen zahlreiche franzöſiſche Geusd'armen mit gezogenem Pallaſch, von welchem ſie ſchonungslos ge gen die unglücklichen Flüchtlinge Gebrauch machten, an der

Brücke aufgeſtellt waren, um dem zu großen Andrange zu derſelben zu ſteuern. Sie war, wie geſagt, von ſo elendem Material conſtruirt, daß man jeden Augenblick ihren Ein⸗ ſturz befürchten mußte. Ich geſtehe es, in dieſem qual- vollen Moment verzweifelte ich völlig an meiner Rettung, trotz meines Humors, der mich während des ganzen Feldzuges und in den peinlichſten Lagen bisher nie ver⸗ ließ.

Wenige Schritte weiter geſchoben, und ich trat wiederum auf ein lebendes Pferd. Daſſelbe, ich ſehe es heute noch vor mir, ein Fuchs von Farbe, lag auf der Seite und be⸗ wegte unter mir, wohl in der Todesangſt, ſeine Flanken, was, wie natürlich, meinen unfreiwilligen Standpunkt ſehr

gefährdete. Doch ich ſollte deſſelben nur zu bald enthoben werden! Ein heftiger Stoß von einem der Nachdrängen⸗

den trifft mich, mit beiden Füßen rutſche ich ab von dem

So erinnere ich mich heute noch, daß ich unter glatten Haare des Thieres und bin im Begriff rücklings

Ich ſprach:Das iſt die Rede nicht, Die man in dieſen Thälern ſpricht. Ward'ſt Du ein Wilder in der Wildniß? Hat eine Wölfin Dich geſäugt?

Hat niemals eines Weibes Bildniß

Beſänft'gend ſich zu Dir geneigt? 1

Er drauf:Ich bin kein feiger Knecht, Frei iſt die Gluth, die mich durchlodert, Verachten muß ich das Geſchlecht,

Das unten in den Thälern modert. Wär' ich der Lenker der Lawinen,

Die Hutten unten zeigt' ich ihnen!

Der Gletſcher Einſamkeit, dem Wald, Der wilden Freiheit galt mein Lieben; Mit dieſem Herzen ſtarr und kalt

Hat nie ein Weib ſein Spiel getrieben.

Es muß der Menſch ein Raubthier werden, Wenn er beſtehen will auf Erden,

Ein Raubthier, ſchleichend oder reißend, Vergiftend oder um ſich beißend.

Zum Schleichen bin ich nicht geboren,

Ich habe offnen Kampf erkoren.

Sieh her, an dieſem Mahle kleben Vielleicht auch Tropfen Menſchenleben, Kaum hatt' ich auf der Felſenklippe Erſchoſſen jenes feiſte Thier,

Da rauſcht es, theilt es das Geſtrüppe Ein zweiter Raubſchütz ſtand vor mir;

Er ſah das Reh zu meinen Füßen,

Da gab's ein ſchnelles, rauhes Grüßen, 'nen Blitz, und zweier Büchſen Knallen Ich lebe noch, er iſt gefallen.

O ſieh mich nicht ſo ſchreckhaft an,

Weil ich ſolch raſche That gethan;

Ich hab's gethan, ich kann nicht beten, Doch wird's dies ſtarke Herz vertreten.

Da ſtand ich auf, weil mir gegraut; In meiner Seele ſprach's verſtohlen: Auch Du haſt gläubig hingeſchaut Auf jene frommen Apoſtolen,

Auf jene träumeriſchen Weiſen,

Die unſerm ringenden Geſchlecht Die ferne Republik verheißen,

Wo Jeder gut iſt und gerecht.

Mein Herz, an Träumen einſt geletzt, Erfaſſes zagend und entſetzt:

Das Roß wird ſtets am beſten tragen, Die ihm zu tiefſt die Sporen ſchlagen, Die graue Dummheit wird ſich ſtrecken Und ihres Pein'gers Hände lecken;

Die Flur wird ſtets ein Volk gebären, Nur gut zum Schlachten oder Scheeren; Allein auf der Gebirge Spitzen