Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
523
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Nr. 33.]

Dritte

ſchäftigt mit der Salvirung meines werthen Ich, um noch Zeit und Luſt zu haben, die ſtrategiſchen Pläne des Fein⸗ des zu ſtudiren, abgeſehen davon, daß meine beſcheidene Lieutenantsſtellung die Gelegenheit dazu auch nicht begün⸗ ſtigte. Jetzt weiß ich es freilich, denn die Kriegsgeſchichte (ſieheFeldzug von 1812 gegen die Ruſſen, von Major Moritz von Miller) dieſes denkwürdigen Feldzuges hat auch jenen wichtigen Moment deſſelben der Nachwelt auf⸗ bewahrt. Kutuſoff, Tſchitſchakoff, Wittgenſtein u. ſ. w. zogen heran, ſich freundlichſt die Hand zu bieten und uns, ſoweit es möglich war, förmlich zu umzingeln. Alſo rechts, links und rückwärts der Ruſſe, und vor uns die Bereſina mit ihren elenden Brücken, welche jeden Augenblick zu brechen drohten. Wahrlich keine beneidenswerthe Lage für uns, die wir auf dem linken Ufer uns befanden und vor⸗ ausſichtlich auch noch die folgende Nacht dort zubringen mußten! Dazu entſchloß auch ich mich, ſobald ich ſah, daß auf dieſen Kanonenſchuß, wie auf ein gegebenes Signal, Tauſende ſich in der größten Aufregung der Brücke zu⸗ drängten, um dieſelbe noch heute zu paſſiren.

Ich blieb alſo, und meine Franzoſen mit mir, während der Nacht vom 27. auf den 28. November an unſerm Bivouacfener, und nicht wir allein, denn ringsum loderten ſolche überall, an welchen Unglückliche lagerten, die, ebenſo wie wir auf den nächſten Morgen hoffend, unſer Loos theilten. Einigermaßen beruhigend war es, daß jenem Kauonenſchuſſe nur wenige aus weiter Ferue folgten und ſolche gänzlich aufhörten, nachdem die Nacht eingetreten war. Mein Hunger an dieſem Abend war groß. Nichts Eßbares weit und breit, auch nicht der elendeſte Fetzen eines gefallenen Pferdes, denn wo ein ſolcher heute etwa zu entdecken geweſen, da war er gewiß bei der großen Maſſe Hungernder auf kleinem Raum bereits auf die letzte Faſer conſumirt. Um den Hunger in etwas zu vergeſſen, begann ich eine Converſation mit meinen Franzoſen, bei welcher ich mich vorzugsweiſe mit einem jungen freund⸗

Folge.

lichen, etwa zwanzigjährigen Burſchen unterhielt. Er er⸗ zählte, wie ſchmerzlich es ihm geweſen ſei, ſich von ſeinen Eltern der Vater war ein mattre tailleur in Lyon zu trennen, und wie unendlich er ſich freue la chère mère wieder zu ſehen. Wenn nur nicht, meinte er, Napoleon ſeine Armee nach Petersburg führen werde! Als ich ihm über dieſe gefürchtete Eventualität die beruhigendſten Verſicherungen gab, ward der gute Junge ſo erfreut und gerührt, daß er zu meiner Ueberraſchung ein ziemlich gro⸗ ßes Stück Brod aus ſeinem grauleinenen Schnappſacke zog, etwas davon abſchnitt und es mir präſentirte. Ich geſtehe, daß mich dieſer Act kindlicher Liebe wahrhaft rührte, denn ſicher nur, weil ich ihn in ſeinen Hoffnungen, die chère mere vielleicht bald wieder umarmen zu können, durch meinen Zweifel an Napoleon's Zug nach Petersburg bedeutend beſtärkt hatte, theilte er das Theuerſte, was er jetzt beſaß, ſein Brod, mit mir! Nicht einmal eine kleine Entſchädigung wollte dieſer gute Sohn ſeiner Mut⸗ ter für dies mir gebrachte, unter jetzigen Verhältniſſen be⸗ deutende Opfer annehmen. Er habe, verſicherte er, am heutigen Morgen einen ganzen Laib dieſes köſtlichen Mau⸗ na's von einem Landsmann, der bei der Feldbäckerei ange⸗ ſtellt geweſen ſei, erhalten hatte denn dieſe noch etwas zu backen? und bereits ſeinen hier anweſenden drei Cameraden ebeufalls davon mitgetheilt, und mit dem Reſt deſſelben hoffe er bis jusqu'à l'autre côté pes Fluſſes ausreichen zu können, und dort werde es denn doch Lebens⸗ mittel genug geben. Die große Noth, meinte er, werde ja einzig nur durch die Anhäufung der Menſcheumaſſen am dieſſeitigen Ufer hervorgerufen.

Das Schweigen der fernen feindlichen Kanonen hatte mich noch mehr beſtimmt, für heute wiederum auf meinen Uebergang, in Erwartung einer günſtigen Gelegenheit am andern Morgen, gänzlich zu verzichten, und ruhig blieb ich deßhalb mit meinen vier franzöſiſchen Schlafcameraden für die nächſte Nacht an unſerm Bivouacfeuer, durch das

mierminiſter und füllt ſeinen hohen Poſten nicht etwa bloß in formaler Weiſe und als Ehrenamt aus, ſondern er beſteht ganz allein triumphirend den Kampf gegen ſeine Feinde mit der gan⸗ zen Scharfſicht des Alters und der ganzen Munterkeit der Jugend. An ihm iſt keine Abnahme zu ſpüren. Wenn er ſich ſelbſt nicht mehr jung fühlt, ſo bildet er ſich ein, daß die Welt noch immer in ihrer Jugend ſteht. Man würde es ihm vergeben, wenn er ſeine

Rüſtung ablegte und mit übereinander gekreuzten Armen von der

Vergangenheit und ſeinem Antheil an dem, was ſie geleiſtet,

plauderte; aber er ſpricht lieber von der Zukunft und iſt zu Allem

bereit, was die Gegenwart zu fordern ſcheint, ſei es eein neuer Verſuch in der Induſtrie, eine Ausdehnung des Wahlrechts oder ein Umbau unſerer Vertheidigungsmittel, und das Alles thut er in einer herzlichen Weiſe mit dem Geiſte und der Munterkeit jün⸗ gerer Leute. Wir ſagen, daß das eben ſo ſehr ein phyſiologiſches Phänomen wie ein politiſches iſt, eine Sache der Gemüths⸗ beſchaffenheit und des Temperaments, der Geſundheit und der Gewohnheit, die eben ſo ſehr des Studiums der Aerzte, wie deſſen der Politiker würdig iſt.

Im hohen Alter im Stande zu ſein, nach Harrow oder Ep⸗ ſom und zurück zu reiten; die Welt noch immer friſch zu fühlen; ſich keines Mangels der Sympathie für eine Generation bewußt zu ſein, in der man von ſeinen Jugendgenoſſen nur ſelten einen

entdecken kann; heiter und natürlich und im Stande zu ſein, das

engliſche Unterhaus zum Lachen zu bringen und es nach ſeinem Wunſche abſtimmen zu laſſen, das ſind große Eigenſchaften. Das hohe Alter iſt die Zeit, wo ſich der Unterſchied zwiſchen den Menſchen am deutlichſten zeigt, die ſich im mittlern Lebensalter einander ſehn ähnlich zu ſein ſcheinen. Weßhalb ſollte das vor⸗

gerückte Alter ſo oft in Schwäche und Gebrechlichkeit hingebracht werden? Weßhalb ſollte die Kraft des mittlern Lebensalters nicht bis zum Ende erhalten bleiben? Die Antwort auf ſglche

Lord

Fragen läßt ſich nur in dem Studium ſolcher Leben wie das Eine Rede des edeln Lords über die Kunſt, ein beneidenswer⸗

Palmerſton's finden.

thes hohes Alter zu erreichen, würde uns großes Vergnügen ge⸗ währen. Einſtweilen können wir das Geheimniß nur errathen, doch über weſentliche Theile deſſelben haben wir keinen Zweifel, eine gewiſſe Heiterkeit der Gemüthsſtimmung, körperliche Uebung, eine dem Appetit folgende gute Verdauung und gleich⸗ zeitig Mäßigkeit, beſonders hinſichtlich der Getränke. Das ſind alte, einfache Mittel. Sie ſind das Thema der Sittenprediger, der Dichter und Aerzte ſeit undenklichen Zeiten geweſen. Leider haben ſo Viele, die ihnen ſolches Lob ſpendeten, keinen prak⸗ tiſchen Gebrauch davon für ſich ſelbſt gemacht. Möge Lord Palmerſton als ein Beweis ihrer Macht und als ein glückliches Exemplar des mens sana in corpore sano noch recht lange leben! C.

Literatur.

Dichtungen von Alfred Meißner. Leipzig, Grunow's Verlag. 1862.

Von den neuen Poeten im Felde der Lyrik hat jedenfalls außer Geibel Meißner das meiſte Glück gehabt, denn es liegt uns bereits die achte Auflage ſeiner Dichtungen vor, deren zweiter Band das unterhaltende EposZiska enthält.

Meißner's guter Erfolg iſt nicht nur ſeinem geſchickten Er⸗