Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
520
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Sei's drum, murmelte er faſt ſcherzend vor ſich hin; eine zweite Potiphar, nur daß dieſe ſich mit dem Hand⸗ ſchuh begnügt.

IV. Die Brüder.

Köuig Guſtav ſaß mit den Räthen der Krone im Ca⸗ binet in Staatsarbeiten vertieft. Der greiſe König ließ ſich über Alles ausführlich berichten und entſchied nach kurzer Prüfung feſt und beſtimmt. Stets war er ſeinem Wahlſpruch treu:Ueberlege reiflich, vollführe mit Kraft! Nachdem die laufenden Geſchäfte beendet, ſchob er ſei⸗ nen Seſſel von der Tafel zurück, holte tief Athem und ſagte dann mit trübem Kopfſchütteln:Meine Herren, es iſt nöthig, daß wir mit Sigmund von Polen wegen unſerer Eroberungen in Eſthland und Liefland in Ueber⸗ einſtimmung kommen, daß Schweden und Polen gemein⸗ ſchaftlich den räuberiſchen Einfällen der Ruſſen begegnen. Litthauen und Preußen, ſowie Kurland unter ſeinem Or⸗ densherzog, ſind gleichmäßig bedroht; es handelt ſich daher um ein gemeinſames Vorgehen, um ein ſchnelles Bündniß. Aber in Polen Unterhandlungen ſchuell zu Ende zu führen, dazu iſt mehr erforderlich als diplomatiſche Kunſt⸗ griffe dazu gehört Aufwand, Pracht und Geld! ſetzte der König bitter hinzu und ſtrich über die unmuths⸗ oll gekräuſelte Stirn.

Seuden Majeſtät einen außerordentlichen Geſandten hohem Range, vielleicht einen königlichen Prinzen, nerkte der alte Kanzler Swante Sture.

Ganz meine Idee, Sture, aber den Kron⸗ zen?

eWeßhalb nicht Prinz Johann? ich glaube, daß mtliche Herren den ernſten jungen Maun geeignet er⸗ en werden.

Der König horchte auf und fand nur Zuſtimmung. trat eine Pauſe ein, während der König noch über⸗ egte.

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

Kaum dreiundzwanzig Jahr! bemerkte der König zweifelnd.

Aber die Ruhe und Ueberlegung ven vierzig. Auf ihn könnten Majeſtät ſich verlaſſen, und zudem mögen er⸗ fahrene Diplomaten ihn begleiten, da das Gefolge des Prinzen doch königlich ſein ſoll.

So ſei es, ſagte Guſtav ernſt und beſtimmt.Dem Kronprinzen werde ich das feſtliche Geleit unſers Schwie⸗ gerſohus nach Wadſtena übertragen, und dort ſoll er mich bei den Abſchiedsfeſten in würdiger Weiſe vertreten. Man ſchicke nach den Prinzen.

Dieſelben traten ein, verneigten ſich vor dem König und grüßten die Verſammlung.

Hoheit, ſagte der König und wandte ſich an den Kronprinzen,Ihr wißt, daß heute die Abſchiedscour unſrer Hochzeitsgäſte iſt. Morgen treten dieſelben die Rückreiſe an. Ich wünſche, daß dieſelbe ein Feſtzug durch unſere getreuen Lande ſei, weil es ſich ziemt, daß das Volk an der Freude ſeiner Herrſcher Theil nehme. Zu dem Ende habe ich Euch erkoren, meinem Schwiegerſohn und ſeiner Ge⸗ mahlin, Eurer Schweſter, das fürſtliche Geleit bis zum königlichen Schloß Wadſtena zu geben. Daſelbſt werdet Ihr den ganzen Adel Gothlands auf das Schloß entbieten und drei Tage lang in Wadſtena königliche Feſte zum Ab⸗ ſchied veranſtalten. Alsdanu reiſen die Hochzeitsgäſte nach Gotheuburg, wo die Schiffe zu ihrer Aufnahme ſegel⸗ fertig liegen. Verſtehet, Priuz, Ihr habt mich in Perſon bei den Feierlichkeiten zu vertreten. V

Der König ſchwieg und ſah Erich feſt an. Dieſer zog die ſchwarzen Brauen finſter zuſammen, verneigte ſich aber und küßte dem Vater die Hand.

Für Euch, Prinz Johann, habe ich eine Reiſe nach Warſchau zu Sigmund II. Majeſtät beſchloſſen. Eure Inſtructionen werdet Ihr erhalten und in längſtens acht Tagen abreiſen. Es iſt der erſte Dienſt, den Ihr dem

mich entfernen könne, und ſtierte wieder ſchweigend vor ſich nieder.

Das dauerte aber nur ganz kurze Zeit, denn mit unglaub⸗ licher Geſchwindigkeit hatte die Familie einen Poncho vor das ſchon hergerichtete Lager geſpannt, der ihn von unſerer Seite aus jedem neugierigen Blicke entzog; der Kazike machte bloß eine halbe Wendung rechts und ſchien dann ſanft und ſelig eingeſchla⸗ fen, denn er rührte und regte ſich nicht weiter.

Uns blieb ebenfalls nichts weiter übrig, als unſer Lager zu ſuchen; denn das Feuer brannte nieder, durch die überall klaffen⸗ den Spalten der Hütte zog der kältende Wind, und nach ſechs, ſieben Pfeifen ſchmeckt mir ſelbſt der Tabat nicht mehr. Die Chi⸗ lenen hatten ſich überdies ſchon ihrBett hergerichtet, und ich that daſſelbe, nahm ein paar Schaffelle des Packſattels als Pfühl, breitete eine Satteldecke darüber, nahm die andere und meine bei⸗ den Ponchos zur Zudecke, ſchob den Sattel unter den Kopf und hielt, alter Erfahrung gemäß, meinen Ueberzieher bereit, ihn nöthi⸗ genfalls über das Geſicht zu decken und wie hatte ich ihn nöthig! Der Platz war durch die vielen Gäſte, Inwohner und Hunde der Hütte ſehr beſchränkt, und da die Chilenen, ebenſo wie die Nordamerikaner, die liebenswürdige Angewohnheit haben, den Platz, wo ſie ſitzen, durch Spucken in eine ekle Pfütze zu verwan⸗ deln, ſo hatte ich mir die entfernteſte Ecke ausgeſucht, mein Lager dort aufzuſchlagen. Mit den Eigenthümlichkeiten der Hütte aber noch nicht bekannt, war ich unglücklicherweiſe unter eine innere Dachtraufe gekommen, die ihre ſchweren Tropfen unerbittlich auf meinen Kopf miederſandte. In der Stockdunkelheit ließ ſich in⸗ deß das Lager für dieſe Nacht nicht mehr verändern, ich mußte aushalten, zog mir alſo meinen Ueberzieher über den Kopf, den

Regen aufzufangen, ſchloß die Augen und wäre augenblicklich meiner Gewohnheit nach eingeſchlafen, hätte mich nicht noch einer der Chilenen, ein ſogenannter Capitano de amigos, die gewiſſer⸗ maßen als Spione zwiſchen den Indianern leben, durch ſein Ge⸗ ſchwätz wach gehalten. Er erzählte von ſeinen unzähligen Löwen⸗ jagden, ſprach unaufhörlich von ſeiner Geiſtesgegenwart und Behendigkeit, und redete noch immer allein fort, als die Anderen ſchon ſämmtlich um ihn her ſchnarchten. Auch ich ſchlief endlich ein und hörke nur noch in einem halben Traume, wie er etwa den ſiebenundzwanzigſten Löwen auf den Baum jagte und dann, ich weiß nicht mehr was, that.

Am nächſten Morgen war ich mit Tagesanbruch auf, und noch immer goß es. 3

Indeſſen wurde das Frühſtück ſervirt. Das einzige Haus⸗ geräth der Hütte beſtand in einem hölzernen Kaſten, der die weni⸗ gen Habſeligkeiten der Familie in ſich ſchloß und dabei zugleich als Tiſch oder Stuhl diente, wie es die Umſtände gerade erforder⸗ ten. Auf dieſem Kaſten wurde ſervirt, das heißt, ich als aus⸗ gezeichneter Fremdling mit dem Kaziken aus einem Troge, den uns die Tochter auf den Kaſten ſetzte. Man erwartete natürlich von jedem Gaſte, daß er ſeinen eigenen Löffel und ſein eigenes Meſſer mitbringen würde Gabeln fielen natürlich nicht vor und da ich mir Beides herbeigeholt, begannen wir jeder auf ſeiner

Hälfte den Angriff auf ein nicht unſchmackhaftes Gericht von

kleingeſchnittenen Kartoffeln und Fleiſchſtücken. Gebratene Kar⸗ toffeln vertraten die Stelle des Brodes. Der Alte war auch un⸗ endlich liebenswürdig; obgleich er ſich heute Morgen noch nicht, und wahrſcheinlich geſtern ebenſowenig, gewaſchen hatte, griff er doch von Zeit zu Zeit mit den Fingern in den Trog, ſuchte ein

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