Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
516
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Dieſer ſchwieg nachdenklich und ſagte nach einer Pauſe warm und dringend:Hans, lieber Freund, laß dieſe Thorheit. Wie kannſt Du Dein Augeſicht zu Cäcilie, zu Guſtav's, zu eines Königs Tochter erheben! Du, der jüngere Bruder eines kleinen deutſchen Fürſten Du, ohne Land und Leute; Du, nicht'mal Herr in der eige⸗ nen Burg, der Lehusmann des Bruders Du denkſt daran, die Hand nach einer Prinzeſſin auszuſtrecken!

Nein, nein, Euno! an nichts dergleichen hab' ich ge⸗ dacht. Als ich ſie vor acht Tagen zuerſt ſah, ſeukte ſich ihr holder Blick in meine Seele, ihr Bild ſchwebte mir Tag und Nacht vor Augen. Ich wollte mich endlich mit Gewalt losreißen von dieſer ſchmerzlichen Wonne; ich wollte mich auf dem geſtrigen Feſt im Taumel der Sinne berauſchen und ſie zu vergeſſen ſuchen es gelang, ich raſte. Da traf mich der Strahl ihres blauen Auges, und Alles, Alles war verſchwunden; ich ſah ſie allein, ganz allein im bunten Tanzgewühl. Wir tanzten miteinan⸗ der. O Enno!l wir fanden uns, wir fanden den Himmel und mein iſt dieſer Himmel, mein!

Hans, welche Schwärmerei!

Schweig, Du begreifſt mich nicht. Sieh dieſe zer⸗ drückte Blume, es war der erſte Kuß von ihren keuſchen Lippen. Dieſe roſigen Blätter hingen an ihrem Munde, und mir warf ſie die Blüthe zu! Sie liebt mich was will eine Welt in Waffen, was will der greiſe Guſtav mit all ſeinen Dalekarliern gegen zwei in Liebe verbundene Herzen! Wenn ihr Herz ſchlägt wie das meinige, daun gehört ſie mir trotz König und Reichstag.

Du biſt raſend! Die Leidenſchaft blendet Dich. Höre auf mich, und entſage dieſem wahnwitzigen Be⸗ ginnen.

Enno von Norden, biſt Du ein Frieſe? Kennſt Du des Oſtfrieſen Art ſo wenig, um nicht zu wiſſen, daß er das, was ſeine Seele erfaßt, auch ewig feſthält? Und ich, aus dem Herrſchergeſchlecht entſproſſen, ſollte mich dieſer

ſprüchwörtlichen Tugend entſchlagen haben? Nein, Enno, wir wareu bisher treue Freunde willſt Du mein Waffenbruder bleiben, ſo ſuche mich nicht zu beirren; ſchweig und bewahre das Geheimniß.

Hans war aufgeſprungen, und ſein ſouſt ſo ſanftes braunes Auge ſprühte Blitze. Er hatte den Kopf zurück⸗ geworfen und ſtolz gebietend, faſt herausfordernd ſtand er⸗ vor dem Gefährten.

Dieſer hatte anfangs das Auge verwirrt überraſcht geſenkt, ſah aber ſogleich wieder den Freund feſt an, trat ihm entgegen und ergriff ſeine Rechte:Steht es ſo, Graf Hans? Nun wohl, Enno von Norden iſt ein echter Frieſe, auch er hält feſt, er hält zum Freunde in Noth und Tod!

Johann zog den Freund dichter an ſich, ein Bruder⸗ kuß beſiegelte das erneute Bündniß. Bald darauf ſchritten ſie Arm in Arm hinab in die große Halle, wo ſich allgemach die Herren Hochzeitsgäſte und einige vom Hofe, die die Honneurs zu machen hatten, zum Morgen⸗ imbiß verſammelten.

Man begrüßte ſich, ſprach vom geſtrigen Banquet und der bevorſtehenden Reiherbeize, zu der gegen Mittag im feſtlichen Jagdgepränge ausgezogen werden ſollte. Alles war daher eilig, geſchäftig, und die Diener und Pagen liefen im Schloß auf und nieder, um die ſich kreuzenden Befehle zu erfüllen.

Als Graf Hans ſeinem Gemach wieder zuſchritt, um ſich gleichfalls feſtlich zu ſchmücken, ſtreifte ein kleiner Page, in die königlichen Farben gekleidet, flüchtig an ihm vor⸗ über und drückte ihm ein Taſchentuch in die Hand, mit be⸗ deutungsvollen Blicken flüſternd:Sie verloren etwas, Ihnen gehört dies Tuch, Herr Graf. Schnell war der Knabe verſchwunden, ehe der Angeredete noch ein Wort entgegnet. Dieſer wollte das Taſchentuch zurückgeben, da er das ſeine im Wamms fühlte, allein er beſann ſich; ſeine Augen fielen auf die Goldfäden, die den feinen Batiſt

Feuilleton.

Die Häuslichkeit eines Wilden.

Wir haben ſchon in unſerer Kritik des Gerſtäcker'ſchen Wer⸗ kes über Südamerika darauf hingewieſen, daß der wackere Verfaſ⸗ ſer zu den Wenigen gehört, welche die Indianer und deren Roman⸗ tik ohne Illuſion, das heißt ohne Schönmalerei ſchildern.

Als Gerſtäcker zu den Patagoniern ziehen wollte, regnete er in der Hütte eines Indianerhäuptlings ein und brachte dort eine ſo lange Zeit zu, daß wir lieber gar nicht ſagen wollen, wie viele Monate. Er ſchildert höchſt ergötzlich ſeine Einkehr und ſeinen Aufenthalt dort.

Die Hütte, ſagt er,zeigte eben nicht viel Verſprechendes

und keineswegs den Luxus an beſonderer Bequemlichkeit, den man eigentlich in einer Kazikenwohnung hätte vermuthen ſollen. Die Wände dieſes Palaſtes beſtanden aus roh behauenen und ſchräg aufgeſtellten Planken, mit einem Binſendach und weder Thür noch Fenſter, denn als Eingang dienten ein paar der zurückgeſchobenen Planken, die Abends oder vielmehr Nachts wieder vorgeſchoben wurden, um den Hunden den allzufreien Eingang zu verſperren oder doch wenigſtens zu erſchweren, denn hinein kamen ſie doch.

Der alte Kazike Kapuante war übrigens nicht zu Hauſe, nur zwei kleine Burſchen in braunen Ponchos von vielleicht zwei und drei Jahren(der ältere war der Enkel und der jüngere der Sohn) ritten draußen Steckenpferd und warfen Bindfadenlaſſos nach den Hühnern und Hunden, welch letztere uns mit einem wahren Hei⸗ denlärm empfingen. 3

Wo iſt der Kazike?

Tomando! lautete die Antwort, die ich aber damals noch nicht verſtand, wenn ſie mir auch bald nachher klar genug werden ſollte Tomando im Begriff zu nehmen aber was?

Tſchitſcha! Aha, dachte ich, er wird ausgeritten ſein, um ſich ein Faß Aepfelwein zu kaufen, um einen Morgentrunk im Hauſe zu haben. Noch immer aber hielten wir, der indianiſchen Etiquette gemäß, vor der Hütte auf den Pferden, denn man anti⸗

chambrirt hier nur im Sattel. Mein Führer ſchien indeſſen einem

zu uns herausgekommenen jungen Burſchen. unſere ganze Lebens⸗ geſchichte auf das Ausführlichſte in der Sprache dieſer Rothhäute zu erzählen. Dieſer verſchwand dann wieder in der Hütte, und wir blieben ſitzen.. Der Himmel hatte ſich aber, ſchon ehe wir die Hütte erreich⸗ ten, wieder ganz umwölkt, mein Compaß ſagte mir, daß der Wind

[VIII. Jahrg.

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