Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
515
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l. Jahrg denjenigen der Compo⸗ aus Italien 1 zu Anfang in Italien cher ſich als

dieſe Lie⸗ n, welches bönen, far⸗ und träu⸗ n, daß es ſtionen ge⸗ iche Dichter den wil⸗ à vorgeſun⸗ Gefangene die Lieder: im Teu die Unmen ohe Pferde s blutigem

ſchade, daß Engländer, leicht lebend ie nicht zu⸗ liſters hat, edles Roß in vortheil iſt, erſieht dentlich gut

unerwartete

kannten, der

zat mich aus gen geiggen. utige Kraft

Ein Graf von Oſtfriesland.

Hiſtoriſche Novelle von

A. Brlog.

(Fortſetzung.) III. Das Stelldichein.

3 Der junge Oſtfrieſe trat leiſe in ſein Gemach, warſ den kurzen Mantel und das Barett von ſich, zog ein Büch⸗

lein aus dem Collet und ſchickte ſich an ſeine Gedanken

aufzuzeichnen. In der That zog der Griffel einige ge ſchweifte Linien auf das Pergament, aus denen man mit eeiniger Mühe den Namen Cäcilie leſen konnte; dann aber ögerte die Hand, und der Schreiber verſank in ſtilles Hin⸗ brüten. Er wähnte ſich unbeobachtet, denn er ſprach leiſe

mit ſich ſelbſt in kurzen abgeriſſenen Worten. Allein dem

war nicht ſo. Das gewölbte Gemach enthielt an jeder Seite eine tiefe Niſche, worin ſich Lagerſtellen befanden. Johann's Lager wet ſchon lange verlaſſen, aber von dem

1 andern erhob ſich eine kräftig jugendliche Geſtalt, und ein V keckes Jünglingsantlitz ſchaute verwundert dem Treiben des Stubengenoſſen zu. Sein Staunen ward augenſcheinlich vermehrt, als er Mantel und Barett auf der langen Eichen⸗ 1 tafel liegen ſah und unſchwer errieth, daß dieſe Dinge

azig Jahre ſhhon gebraucht ſeien. Er prüfte den ſelbſtgeſprächigen iern Freund mit ſcharfem Blick, dann den Stand der Sonne, augede ſchüttelte den Kopf, daß die dunkelbraunen Locken über die aunigſa Pr gebräunten Wangen fielen, und ſprang endlich, ſich elaſtiſch ich it h in die Höhe ſchnellend, aus dem Bett. Bei dieſem Ge⸗ vtiſcher d rrnſch ſchreckte der Schreibende auf und blickte den Andern firrech zerſtreut an. Dieſer ging auf ihn zu, ergriff ihn bei , oft rch beiden Schultern und fragte, ihm feſt in's Auge lebendig ge⸗ ſblickend: ar uvr-Hans, Du biſt krank oder verliebt! ntertanen 5Laß mich, Enno, entgegnete er und befreite ſich all⸗ rungen zni⸗ mmRäühlich von den Händen ſeines Genoſſen. zs Weſen derIſt es erhört, Freund, nach einem Hochzeitsreigen ſich mit der Sonne zu erheben? Und wie ich ſehe, ſind ausgeſtatte Ddeeine Stiefel beſtäubt und zugleich vom Thaue feucht zalagshan⸗ böiſt alſo ſchon über Sandwege und feuchten Raſen ge⸗ herſtäcker ii ſchritten. Hüte Dich, wer allzu hitzig ſeine Beute verfolgt, der Han jagt leicht irre. 2 Ich bitte Dich mich ließ die Aufregung, das kochende Blut nicht ſchlafen, da ging ich hinaus in den kühlen Morgen. 4 rin Leipii

Dritte Folg

Novellen-Zeitung.

Freilich, und die Dame Deines Herzeus hatte zufällig daſſelbe Gefühl. Wohl ſah ich's geſtern, wie Du im Tanz dahinraſteſt. Die arme Brigitte Steenbock berührte kaum den Eſtrich mit ihren zierlichen Füßen.

Schweig, iſchweig, Euno, und ergeh Dich nicht in haltloſen Deuteleien. Wirf keinen Geifer des Argwohns auf die liebenswürdige Brigitte Du irrſt.

Gut, Hans. Ich meine indeß, wir kennen uns lange genug; lebten wir doch in Aurich ſtets zuſammen. Doch wüßte ich wahrlich vicht, daß Du mit der Sonne aufge ſtanden, außer wenn es galt, ein Boot zum Robbenfang oder den Hengſt zur Hirſchhatz zu beſteigen.

Wohl möglich, aher

Nun? Seitdem Du ſchwediſchen Boden unter den Füßen haſt, gehſt. Du geſenkten Kopfes, ſchweigſam einher fliehſt den Becherklang, und man hält Dich für einen Träumer und Verſemacher. Nicht einmal zur Bärenjagd hatteſt Du Dich eingeſtellt. Bei Gott! das iſt nicht rit⸗ terlicher, nicht frieſiſcher Brauch! Hätteſt nur den Prinzen mit dem langen Bart, Johann, Deinen Namens⸗ vetter, ſehen ſollen, wie er den Wurfſpieß wuchtig ſchwang und ihn drei Klafter weit dem Unthier in den offenen Rachen ſchleuderte. Das war ein Wurf, das war ſo recht männigliche Art! Da aber bliebſt daheim, und bei Sanct Valentin! ich glaube Du machteſt Verſe.

Der Graf hatte den Kopf geſenkt und hörte ſchweigend die enthuſiaſtiſche Erzählung ſeines Freundes, der ſich mittlerweile angekleidet hatte. Dann ſeufzte er und ſagte ſanft:Ich kaun Dir nicht Unrecht geben, Enno, und um Deinen fernern Vorwürfen zu entgehen, will ich Dir Alles vertrauen. Du biſt ja doch mein einziger, mein beſter Freund!

Enno reichte ihm zuſtimmend die Hand, ſetzte ſich an die Eichentafel dem Freunde gegenüber, und erwartete mit⸗ geſpannter Miene das Bekenntniß deſſelben. Graf Hans ſchien indeß nicht recht zu Worte kommen zu können, zog aus der Bruſttaſche eine welke Oleanderblüthe hervor und zerdrückte ſie zwiſchen den Fingern. Endlich richtete er den Kopf emper und mit einem heftigen Ruck ſchob er dem Genoſſen die Schreibtafel hin. Dieſer warf den forſchen⸗ den Blick auf die Schriftzüge, ſah erſtaunt empor dann wieder auf die Pergamenttafel, als wolle er ſich verſichern, daß er nicht falſch geleſen, und brach endlich in die vorwurfsvollen Worte aus:Großer Gott, Prinzeß Cäcilie!

Hans nickte leicht und trüb mit dem Kopfe, als gebe er ſeinem Freunde vollkommen Recht. Er ſlützte das Kinn in die Haud und ſchaute erwartungsvoll zu ihm auf.

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