drungen, und vor zwei Jahren, als ein junger deutſcher Kaufmann von Valdivia aus über die Cordilleren ging, um mit den dort lebenden Indiauern Handel zu treiben, erfuhr er von dem damaligen Oberkaziken Yankitruß, daß jener Deutſche kürzlich geſtorben ſei. Die In⸗ dianer hätten ihn aber ſehr gut behandelt und ihm ſogar, was er zum Malen brauchte, ſo wie Saiten für ſeine Guitarre von dem Hunderte von Meilen entfernt lie⸗ genden Carmen geholt.
Sieben Jahre hat er jedenfalls unter dieſen Stämmen gelebt, und es iſt möglich, daß er jetzt geſtorben iſt, aber
noch lange nicht gewiß, denn die Indianer können auch
recht gut, da die Nachfragen nach ihm lebhafter wurden,
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
er ſelbſt gedichtet, und es waren die Texte zu denjenigen muſikaliſchen Compoſitionen, durch welche ſich der Compo⸗ niſt Carl Banck zuerſt nach ſeiner Rückkehr aus Italien einen bekanuten Namen erwarb. Sie erſchienen zu Anfang der dreißiger Jahre, und Bauck war damals in Italien und Sicilien mit Simon zuſammen gereiſt, welcher ſich als Poet Carl Alexander nannte.
Mit welcher Begeiſterung wurden damals dieſe Lie⸗ derhefte vom deutſchen Publicum aufgenommen, welches ſeine ideale Sehnſucht nach Italien und dem ſchönen, far⸗ benprächtigen, ſinnlichen Süden darin ſingend und träu⸗ mend befriedigte! Es iſt erſchütternd zu denken, daß es wohl größtentheils dieſelben Banck'ſchen Compoſitionen ge⸗
das Gerücht ſeines Todes nur deßhalb verbreitet haben, weſen ſind, welche der europamüde, unglückliche Dichter
um nicht weiter beläſtigt zu werden, und meiner Anſicht Simon zu ſeiner Guitarre ſieben Jahre lang— den wil⸗
nach dürfte die Sache damit noch nicht abgethan ſein, ſon⸗ den Patagoniern am andern Ende unſerer Erde vorgeſun⸗
dern verlangte im Gegentheil eine genauere Unterſuchung gen hat! Ach! und vielleicht ſingt ſie der Arme, Gefangene
— wenn der Vermißte auch nur ein Deutſcher war.“ noch, ſingt ihnen in alter Jugendſehnſucht die Lieder:
So weit die Gerſtäcker'ſche Nachricht. Ich drucke ſie„Wanderers Abſchied“,„Fahrt nach Sicilien“,„im Teui⸗
deßhalb hiér ab, damit ſie möglichſt Vielen zu Augen pel zu Päſtum“ und wie ſie alle heißen, und die Unmen
kommit, die den unglücklichen Deutſchen kanuten. Gerſt- ſchen ſitzen um ihn her und verſchlingen rohe Pferde⸗
äcker kannte dieſen Mann nicht, und die Kunſt iſt ihm kaldaunen und wiehern ihm Beifall zu aus blutigem überhaupt ein fremdes Gebiet, ſonſt würde er vielleicht ge- Halſe! W 3 wußt haben, daß in dieſem Carl Simon(gebürtig aus Ich wiederhole mit Gerſtäcker:„Wie ſchade, daß den t Frankfurt a. d. O.) eines der beſten und genialſten Ta⸗ Simon nur ein Deutſcher war!“ Wäre er ein Engländer, lein lente für die Entwickelung der neueren deutſchen Malerei man würde ihn jetzt noch aufſuchen und vielleicht lebend auſzu 3 6 verloren gegangen iſt. Im Colorit vermochte er allerdings finden. Wie ſchade aber auch, wenn ein Genie nicht zu⸗ ſchwei nichts zu leiſten und konnte kaum etwas beſſer als Corue⸗ gleich die Folgſamkeit eines beſcheidenen Philiſters hat, einiger 1 lius mit dem Pinſel umgehen. Er theilte dieſe Schwäche um ſich deu Launen der Welt zu fügen! Ein edles Roß zögerte mit den Koryphäen der modernen Malerkunſt, die alle ihre und zugleich ein ſacktragender Eſel zu ſein, iſt ein vortheil brüten Kraft in der Zeichnung ſuchen, und von denen nur Kaul⸗ hafter Caſus, und wie vortheilhaft das Letztere iſt, erſieht a K l bach ſich mit der Technik der Palette einigermaßen vertraut man daraus, daß ſelbſt diejenigen oft außerordentlich gut war gemacht hat. wegkommen, welche nur das Letztere ſind. Seit 1 In der Zeichnung und Compoſition, namentlich im Doch ich habe mich verloren. Dieſer unerwartete Johe phantaſtiſch⸗allegoriſchen Gebiet und im Geure mit wahr⸗ Tritt auf den Grabſtein eines theuren Bekannten, der ande 5 haft hiſtoriſcher Landſchaft verbunden, leiſtete aber Carl Deutſchland hätte eine Zierde werden ſollen, hat mich aus keckes Simon in der That Bedeutungsvolles, charakteriſtiſch, dem Urwald auf den Kirchhof der Eriunerungen gezogen. Stub graziös, gedankentief und geiſtvoll durch und durch.(Es iſt wohl eine Thräne werth, eine großartige Kraft verme Er verſchmähte es, dem Modegeiſt zu dienen, und die erſtickt zu ſehen, denn ſie wird nicht alle zwanzig Jahre rafel Welt dankte ihm dieſen Stolz durch eine indifferente Ver⸗ V gehoren. b ſchon kenuung, ein Lohn, den ſie für ſpröde, auf ſich ſelbſt ge⸗ Obgleich nun Gerſtäcker nicht zu den Patagoniern Freun ſtellte Charaktere ſtets bereit hat. Es entſprang daraus kam, ſo hat er uns im Uebrigen doch des Mannigfachen V ſchütt zwiſchen dem Künſtler und der Welt ein gegenſeitiges Ver⸗ genug über Südamerika mitgetheilt. Vorzüglich iſt ſein gebrin kennen, was bei der letzteren doppelt bitter und durch Par⸗ Verdienſt wegen gründlicher und liebevoll patriotiſcher Be⸗ ude teien vergiftet wurde, weil Simon für dieſe eine unbe⸗ trachtung der dortigen deutſchen Colonien. rarſc queme, auch durch literariſche Thätigleit laut redende Außerdem iſt ſein Buch mit angenehmen, oft recht Ferſt Freiheitsliebe mit einigen excentriſchen Auswüchſen beſaß. witzigen und ironiſchen Bemerkungen höchſt lebendig ge⸗ beide So iſt von ſeinen maleriſchen Werken nur wenig in die macht, deun Gerſtäcker kann es nicht laſſen, die gar zu vor⸗ blick Oeffeutlichkeit gedrungen. Am meiſten geſchah es noch züglichen, freiſinnigen und für das Wohl der Unterthanen, mit ſeinen Fresken im„Wielaudzimmer“ ꝛc. im Schloſſe bedachten Einrichtungen europäiſcher Regierungen eut⸗. zu Weimar, in welchem er, auf den Wunſch des Großher⸗ ſprechend anzuerkennen. Ebenſo ſchildert er das Weſen der mähl zegs, reizende allegoriſche Compoſitionen als bildliche Illu⸗ Indianer ohne Illuſion. 2 ſtration zum„Oberon“ ſchuf. Das Werk iſt anſprechend und ſehr lesbar ausgeſtattet, mit d Allerdings hatte dieſer geniale Mann auch nebenbei und es iſt rühmlich, daß die Coſtenoble'ſche Verlagshand⸗ Dain eine ſehr ſchöne Stimme, ſang mit mehr Geiſt als manche lung die größte Zahl derartiger Werke von Gerſtäcker an biſt geprieſene Opernhelden und begleitete ſeine Lieder mit der ſich nimmt. Sie werden eine Zierde in jeder Hand⸗ ſchritt Guitarre; viele dieſer friſchen, phantaſtiſchen Lieder hatte lung ſein. agtl boche lühle
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig.— Verlag von Alphons Dürr in Leipzig.— Druck von Gieſeckt& Devrientin Leipzig⸗


