Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
506
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Mädchen über die Goldflechten und hob ihr ſauft das Köpf⸗ chen empor.

Dieſe vermochte kaum den Blick zu ertragen, ſondern ſeukte die Augen ſchnell wieder und hauchte kaum hörbar:

Nein, ganz wohl, ganz gut, liebe Gräfin.

Aber wer ſteht denn nach einem ſo angreifenden Feſte ſo früh auf, Cäcilie?

Ach, ich konnte doch nicht ſchlafen! ich hörte immer wieder die Geigen und Flöten, und es war mir, als tanze ich immer fort.

Dann hat Ihnen der Tanz viel, ſehr viel Freude ge⸗ macht?

O gewiß! unendlich recht viel Freude! ent⸗ gegnete Cäcilie ſchnell und lächelte verwirrt, als ſie ſich unterbrach, um nicht gar zu paſſionirt zu erſcheinen.

Sie brauchen daraus kein Geheimniß zu machen, Prinzeſſin, ſagte freundlich und zuſtimmend die Gräfin, alle jungen Mädchen tanzen gern, und der erſte Ball iſt ſtets ein Ereigniß. Deßhalb kam ich ſo früh, um nach Ihnen zu ſehen, und finde freilich, daß das Feſt Sie etwas aufgeregt hat. So lange man indeß nur von Muſik und Tanz träumt, ſchadet's nichts ſetzte ſie mit einem be⸗ obachtenden Blicke hinzu.

Cäcilie empfand die Bedeutung und erröthete bis zur Schläfe. Die Gräfin zog die vollen Lippen wieder ſo eigen ſpöttiſch zuſammen und ſchaute auf die Prinzeſſin nieder. Dieſe wagte nicht die Augen aufzuſchlagen, ſon⸗ dern ſpielte verlegen mit den Franſen ihres Seſſels, ſprang dann plötzlich auf und trat an das geöffnete Feuiſter, als wolle ſie ſich in der Morgenkühle erquicken. Die Gräfin folgte all dieſen Bewegungen mit dem Ausdruck der Be⸗ friedigung. Sie nahm ſchweigend das welke Bouquet vom Tiſche, und als wolle ſie ein peinliches Themia abſichtlich verlaſſen und auf gleichgültige Dinge übergehen, bemerkte ſie:Die Oleanderblüthen haben ſich gut gehalten; nicht eine iſt entblättert oder abgebrochen.

Uovellen-Zeitung.

det. 6 Cäcilie wandte ſich erſchrocken zur Sprecherin, und huih Söloſe

alle Gluth entwich ihren Waugen; doch dieſe blickte nicht auf, ſcheinbar in Betrachtung der Blumen vertieft, und fuhr harmlos fort:

Sie ſind wunderherrlich, die vollen Blüthen; das zarte Roth und, wenn ſie friſch ſind, der ſüße aromatiſche Duft es iſt meine Lieblingsblume.

Cäcilie hatte allgemach ihre Faſſung wiedergewonnen und ſah in's Weite, als ob ſie in der Ferne Hülfe und Rettung erſpähen wolle. Ein banges Zagen war plötzlich über ſie gekommen, ſie fühlte, daß ihr Herz ein tiefes ſüßes Geheimniß umſchließe; ein Geheimniß, das zu bewahren ſie unbewußt bemüht war, und vor deſſen Entdeckung ſie zurückbebte, als müſſe es ſie verderben. Uund gerade dieſe Furcht ließ Alles zum Verräther werden; jeder Blick, jede Bewegung, jedes Wort ſchien ihr gefährlich. Am liebſten wäre ſie in den dunkeln Park geflohen, um allein, allein mit dieſem ſüßen und doch ſo peinlichen Gefühl zu ſein. Sehnſüchtig blickte ſie hinaus nach den Eichenkronen und darüber hin in's Weite, als könne ſie ſo der Oberhof⸗ meiſterin mit ihren peinlich anſchuldigenden Bemerkungen entfliehen.

Die Gräfin war ſchweigend hinter die junge Prinzeß getreten und blickte mit ihr in den Park hinab, nicht aber, wie jene, mit dem geiſtigen Auge, ſondern beobachtend, ſpähend und forſchend. Und in der That entdeckten dieſe ſcharfen Augen lebendige Weſen unter dem ſchattigen Blätterdach. Sie ſah eine Geſtalt am Fuße der großen Olufseiche auf der Moosbank ausgeſtreckt; ſie erkannte, daß es ein junger Mann, und glaubte, daß es niemand anders als Graf Hans von Oſtfriesland ſei. Daß Cäcilie den jungen Caralier dort nicht bemerkt hatte, entnahm ſie aus ihren umherſchweifenden Blicken; allein ſie wollte Ge⸗ wißheit haben und unterbrach daher die Reflexionen des jungen Mädchens.

[VIII. Jahrg.

Sehen Sie, Prinzeſſin, den jungen Tänzern ſcheint

Aus der Natur. Zur geſchichte der giftſchlangen.

Obgleich bei uns zu Lande die giftigen Zungen ſchlimmer und viel zahlreicher als die giftigen Schlangen ſind und Jeder⸗ mann von ihnen in die Ferſe ſeines guten Leumunds geſtochen wird, ſo kennt man doch auch die wirklichen Schlangen genug, um die Biſſigkeit transatlantiſcher Gegenden würdigen zu können.

DerJäger im Buſch hat in ganz Auſtralien kein reißendes Thier zu fürchten oder zu erlegen, denn Löwen und Tiger mangeln in dieſem in ſo vieler Beziehung ſeltſamen Inſelcontinente. Aber er iſt unabläſſig von nicht minder gefährlichen Feinden umringt und hat ſie auf Schritt und Tritt zu fürchten. Ein Waidmann, welcher ſechs Jahre lang das Gebiet der Colonie Victoria, das ſogenannte Australia felix, und ganz beſonders die Umgebungen der Stadt Melbourne durchſtreifte, gibt darüber umfaſſende Be⸗ richte, denen wir Einiges entlehnen. Er meint, kein anderes Land in der Welt ſei in der Sommerzeit von Schlangen ſo arg heimge⸗ ſucht, wie jene Gegend. Der Jäger möge gehen, wohin er wolle, in den tjefen Wald, über die dichte Haide, über freie Ebenen, an Sümpfe und Bäche oder Waſſerlöcher, überall könne er darauf rechnen, daß er ſeinen gefährlichſten Feind erblicke. Ich meine, ſagt er, vorzugsweiſe die ſchwarze Schlange. Sie kommt in ſein Zelt, in ſeine Hütte, in ſeine Decken; er iſt nirgend ſicher vor ihr, und entſchlüge er ſich nicht ein für allemal der Furcht, ſo hätte er keine ruhige Minute. Denn alle Augenblicke muß man gefaßt ſein auf eine giftige Schlange zu treten; ſie liegt oft zuſam⸗ mengerollt gerade im Wege, kriecht nicht etwa gleich fort, ſondern ſchießt Baſiliskenblicke auf uns und iſt wohl gar bereit, gegen uns

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einzuſpringen. Häufig gewahrt man ſie erſt, wenn die Gefahr vorüber iſt. Ich gewöhnte mich an ihren Anblick, habe Hunderte getödtet, und doch hat es mich immer kalt durchrieſelt, wenn ich eine ſolche Schlange ſah. Noch jetzt denke ich mit Schauder daran, wie oft mein Leben auf dem Spiele ſtand, und ich begreife gar nicht, wie es möglich war, daß ich ohne Biſſe davon kam. Einſt warf ich mich in Hemdsärmeln an einem heißen, windigen Tage ſehr ermüdet auf meine Decke, und als ich dalag, bemerkte ich, daß kaum drei Zoll von meinem Arm entfernt eine Teppich⸗Schlange mich anſtarrte. Zweimal habe ich die kleine Peitſchenſchlange in einem Bündel Heu mit aufgenommen, zweimal hat eine größere Art ſich um mein Vein geſchlungen. Meine ledernen Ueberzieh⸗ hoſen retteten mich, denn der Biß unter dem Knie drang nicht in die Haut. Hundert und aber hundert Mal habe ich Schlangen im dichten Graſe getreten, aber ich trug entweder jene ledernen Ueberzieher oder hohe Waſſerſtiefel. Es iſt allemal gefährlich einen umgefallenen Baumſtamm oder einen Klotz anzurühren, denn gewöhnlich liegen Schlangen darunter und Tauſendfüße feh⸗ len auch nicht. Zum Glück übt ſich das Auge bald, und man be⸗ obachtet inſtinctmäßig. große Vorſicht.

In Victoria traf unſer Jäger nur drei verſchiedene Schlan⸗ gen⸗Arten: die ſchwarze, die Diamant⸗ oder Teppichſchlange und die kleine Peitſchenſchlange; aber alle drei ſind gleichſehr giftig. Weiter landeinwärts ſoll eine Art von Boa leben, die unſchädlich iſt, deſto gefährlicher erſcheint aber dort eine giftige Natter, von welcher die Eingebornen allerlei fabeln..

Die ſchwarze Schlange ſieht ſehr hübſch aus; manche Exemplare ſind am Bauche kupferroth. Sie wird höchſtens ſechs

Fuß und einige Zoll lang, durchſchnittlich nur fünf Fuß; ge⸗

N 32.]

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