Jahrgang 
27-52 (1862)
Seite
504
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Schönen Dank, lieber Bruder, ſchnaubte dieſer mit unterdrücktem Zorn.Etwas Erfreuliches konnteſt Du ja auch nicht bringen! Der Kronprinz erhob ſich und verließ ſtürmiſch die Tafel, nur von ſeinem Adjutanten, dem Chevalier de Mornay, einem fuchsbärtigen verſchmitz⸗ ten Franzoſen, gefolgt.

Wir bleiben noch beim Becherklang, meine Herren, gurgelte der Herzog von Lauenburg und goß mit ſichtba⸗ rem Wohlbehagen einen Pokal nieder.Man trinkt im Norden keine leichten geringen Weine.

Als die Prinzen den Thronſaal wieder betraten, gab der Oberceremonienmeiſter das Zeichen, daß der Hof ſi zurückziehe. Alle Anweſenden ordneten ſich zunächſt dem Throne, und huldreich grüßend verließ der König und der Hof im geordneten Feſtzuge, unter dem Schall der Muſik, dem Donner der Kanonen des Caſtells, den Saal und be⸗ gab ſich in die inneren Gemächer des Schloſſes.

Graf Johann von Oſtfriesland ſtand dicht an der Thür, die der königliche Zug paſſirte. Als Prinzeß Cä⸗ cilie ſich nahte, trafen ſich ihre Blicke, und aus dem Strauß der Prinzeſſin fiel eine rothe Oleanderblüthe zur Erde. Der junge Cavalier hob ſie ſchnell auf die Prinzeſſin hatte den Saal ſchon verlaſſen. Da er ſich umwandte, die Blume in ſeinem Wamms zu verbergen, begegnete er funkelnden dunkeln Blicken, die drohend auf ihn gerichtet waren. Unwillkürlich bebte er; die Gräfin Skitte ging an ihm vorüber und verließ den Saal.

Gedankenvoll ſchritt der Jüngling in den Thronſaal zurück und warf ſich in einen Seſſel. Seine Finger wühl⸗ ten in der weißen Krauſe des offnen, nur durch einen gold⸗ geſtickten Schwertgurt zuſammengehaltenen Wammſes; die feinen Brüſſler Kanten wurden unbarmherzig zerknit⸗ tert, bis er ſie gefunden hatte die Oleanderblüthe. Un⸗ merklich führte er ſie an die Lippen, ſchlug die Augen ſchwärmeriſch auf und flüſterte:Beneidenswerthe Blüthe, Du ruhteſt an ihrer Bruſt!

504 Uovellen-Zeitung.

VIII. Jahrg.

II. Die Oberhofmeiſterin.

Der ſchönen Balluacht folgte ein friſcher, klarer Mor⸗ gen; die goldnen Sonnenſtrahlen funkelten und blitzten auf der ſchweren Thaufeuchte, die gleich einem Silberge webe über Flur und Au gebreitet war. Ein kühler Herbſt⸗ hauch durchzitterte das ſich gelblich färbende Laub, und hie und da taumelten die thauſchweren Blätter vor dem leichten Morgenwinde nieder; aber die kleinen Waldesſängen jubelten fröhlich dem lichten Tagesgeſtirn entgegen, und all die kleinen Kehlen ſchmetterten: noch iſt unſere Reiſezeit nicht da, noch iſt es ſchön unter Schwedens Soune.

Im königlichen Schloß war Alles ſtill. Die vom Tanz ermüdeten Bewohner ruhten im weichen Arme des Schlafes, und ſelbſt der hochſtämmige Hellebardier auf Poſten ſtützte den Schaft der langen Waffe feſt auf das Pflaſter und träumte er träuntte von den Bergen Dalekarliens. Nur an der Gartenfront war ein Fenſter geöffnet, und ein friſches, roſiges Mädchenantlitz, vom golduen Haar umflochten, blickte in den kühlen Morgen Prinzeß Cäcilie. Sie ſenkte die blauen Augen in die dunkelgrünen Eichenkronen des Parks, als ſtrebe ſie das Blättergeheimniß zu durchdringen; nachdenklich ruhte das Köpfchen in der einen Hand, während die andere den ſchlanken Körper an der Fenſterbrüſtung ſtützte. Sie blickte lange unbeweglich in den hellen Morgen; nur die klaren Augen wechſelten in Licht und Schatten und bekundeten ein reges inneres Leben. Plötzlich ſchrak ſie zuſammen und richtete ſich am Fenſter in die Höhe. Sie forſchte angeſpannt hinaus ward plötzlich blaß und trat, unn von dunkler Röthe übergoſſen, haſtig vom Fenſter zurück.

Er iſt es Graf Hans! flüſterte ſie und ſank in einen Seſſel. Sie fuhr mit der Hand über die Augen, wiegte den Kopf hin und wieder und ſagte:Wie konumt

hielt einen ſchmalen Zettel in der Hand, auf dem unſere Namen ſtanden. Wir armen Sünder bildeten einen Halbkreis um ihn.

Er las jetzt die Namen, ohne uns auch nur anzuſehen, nach der Reihe ab; der meinige ſtand oben an, ich hatte Garſer angege⸗ ben. Als Jeder auf ſeinen Namen militäriſch geantwortet und er alſo wußte, daß wir Alle da ſeien, glaubte ich natürlich nicht anders, als daß jetzt das Verhör beginnen würde. Das hätte den Herrn aber jedenfalls zu lange von ſeinen übrigen Geſchäften ab⸗ gehalten, denn er bemerkte wenigſtens ganz ruhig, indem er noch einmal hinter einander raſch die Namen ablashaben vier Tage öffentliche Arbeit, und legte dann, als ſei die Sache yoll⸗ ſtändig beſeitigt, den Zettel neben ſich auf den Tiſch nieder.

Ich mußte wirklich an mich halten, daß ich nicht gerade her⸗ auslachte; die Situation war aber auch wirklich zu komiſch, wenn ich mir dachte, daß ich vier Tage, für das Wohl Chilis, unter paſſender Aufſicht, hätte an der Straße arbeiten ſollen. Es entſtand jetzt eine kleine Pauſe; einer der andern Chilenen aber, dewladahiſcheinlich ſchon öfter derlei Scenen durchlebt, ſagte endlich:

Und wieviel koſtet das?

Vier Tage iſt auf den Mann ein Dollar, erwiderte der Richter, und auf den Dollar Abbuße reducirte ſich alſo die ganze Strafe.

Glücklicherweiſe hatten mir meine Freunde an dem Morgen ſchon Geld gebracht, weil ſie recht gut wußten, wie ſolche Sachen enden. Ich zahlte alſo meinen Dollar, ebenſo die übrigen Chile⸗ nen; nur der, mit dem ich geſtern mein Rencontre gehabt(der arme Teufel ſah braun und blau im Geſichte aus), hatte kein Geld und ſollte jetzt wieder zurückgeführt werden, ſeine vier Tage abzu⸗

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arbeiten. Draußen vor der Thür ſtand ſeine Frau, eine kleine dicke Geſtalt, mit einem abgeſchoſſenen Seidenkleid und einem grünſeidenen Sonnenſchirm, dieſelbe, der ich die Verlegenheit die⸗ ſer Nacht verdankte. Ihr hätte ich es eigentlich gegönnt, aber der arme Teufel von Matroſe trug ſeine Strafe ſchon für wenigſtens vierzehn Tage in der Phyſiognomie, ich zahlte deßhalb den Dollar auch für ihn und hatte gleich darauf das Vergnügen, ihn Arm in Arm mit ſeiner Gattin die Straße hinabſteigen zu ehen.

Conſtitucion iſt kein London, und da ſo wenig Fremde in den Ort kommen, glaube ich faſt, daß kein Kind in dem Platze war, das nicht am nämlichen Morgen wußte, ich hätte die Nacht in der Calebouſe geſeſſen. Wie ein Lauffeuer war es durch die ganze Stadt gefahren, und wo ich hinkam, traf ich freundlich grinſende

Geſichter, die mich frugen, wie ich die Nacht geſchlafen hätte. Die

Meiſten ſetzten auch noch hinzu:wenn ſie es nur ein klein wenig früher erfahren, hätten ſie mir ein Bett gebracht. Das gehörte aber mit zu den Leiden des menſchlichen Lebens und mußte eben ertragen werden. 6

Aus der Gegenwart. graphit oder Reißblei.

In der großen internationalen Ausſtellung in London hat Herr Alibert in der ruſſiſchen Abtheilung kleine Blöcke von ver⸗ ſchiedener Form ausgeſtellt, die eine ſo feine Politur angenommen haben, daß ſie von manchen Perſonen für Stahl gehalten werden, während ſie in der Wirklichkeit nur Proben eines ſehr ausgedehn⸗

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er. 32.

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