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Ein Graf von Oſtfriesland.
Hiſtoriſche Novelle
I. Das Vermählungsfeſt.
Es war im September des Jahres 1558, als das ltte düſtere Caſtell, damals das Königsſchloß Stockholms, nt Fahnen und Guirlanden feſtlich geſchmückt, im Schein un unzähligen Pechpfannen und bunten Lampen durch die lare nordiſche Nacht glänzte. Luſtige Fanfaren ſchmetter⸗ in aus den hellerleuchteten Sälen über die mondbeglänzte nndt hin, und eine gedrängte ſchauluſtige Menge umgab us Königsſchloß und ſchwärmte am Ufer des Mälarſees uummend und lachend auf und nieder. Hin und wieder vonnerten die Geſchütze von den Wällen des Caſtells, und prühende Feuerkugeln zogen flammende Streifen über den efblauen Himmel, mit Jubel und Staunen von der ſiohbewegten Menge begrüßt. Ddie Zugbrücken des Schloſſes waren niedergelaſſen, nber am Portal blitzten die Stahlharniſche und Helme der hniglichen Leibhellebardiere im rothen Scheine der Pech⸗ ffannen. Sie plauderten fröhlich und ſcherzend, ſtützten ſch auf ihre langen Schwerter oder die mit ſchweren Quaſten verzierten Hellebarden. Ueber den blanken Küraß ſocht ſich die gelbſeidene Feldbinde, und von den Stahl⸗ ſauben wallten blau und gelbe Federn, wie zum feſtlichen Hepränge.— Und freilich war es nur eine Ehren⸗ und Feſteswache, denn der allgeliebte König legte nicht den arfen Stahl zwiſchen ſich und ſein Volk, zu ihm hatte der Zutritt und keiner verließ ungehört die Stufen ſeines (Thrones. Seitdem das Caſtell, vormals die däniſche Zwingburg, mit Sturm genommen, ſeitdem der König mit ſänen Dalekarlieren und den Bürgern Stockholms auf der Hrunkeberger Sandfirſt die Söldlinge des Tyrannen Chriſtian II. von Dänemark niederwarf— ſeit dieſer Zeit ward die Zugbrücke des Caſtells nicht wieder emporge⸗ wunden, und jeder durfte ſie ungefährdet überſchreiten, denn ſie führte zu ihm, zum Vater des Volks, zu Guſtav I. Waſa. Nur Ehrenwachen, die Zeichen der königlichen Gewalt, V ſielten an den Brücken und Thoren, Vertrauen erweckend
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sgeſtalten waren jene Dalekarlier, jene Männer von
Dritte golge.
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Waſa herabkamen und das däniſche Joch zerbrachen. Es ſind die Auserwählten, die Tapfern mit erzählenden Ru⸗ nen auf Stirn und Wange, die lieber bei ihrem Könige blieben, als heimzukehren in die traulich ſtillen Thäler des Siljan⸗Sees. Und heute prangt die Ehrenwache im feſt⸗ lichen Schmucke, weil heute Guſtav Waſa ſeine älteſte Tochter Katharina dem regierenden Grafen Edzard von Oſtfriesland vermählt hat.— In den feſtlich geſchmückten Sälen des Schloſſes be⸗ wegte ſich eine fröhliche, glänzend geſchmückte Menge; die Grafen und Ritter des Reichs mit ihren edlen Frauen und Fräulein— gar viele Gäſte waren zum königlichen Feſte geladen. Im großen Thronſaale ſchmetterten Trompeten und Hörner, Pauken raſſelten zum wiegenden Tanz, und im Arm der Junker rauſchten die ſchlanken nordiſchen Schönen dahin. Sammet, ſchwere Seide und feine Tuch⸗ gewänder mit ſchimmernder Stickerei flutheten durcheinan⸗ der; hin und wieder blitzte Diamantenthau in goldner Locke, ſchimmerten Perlenreihen von den ſammetnen Flü⸗ gelkappen der Frauen, oder leuchteten die Diademe hoch⸗ geborener Damen aus dem buntbewegten Ringelreigen. Indeß aller Glanz des ſchmückenden Reichthums wurde von der Aumuth und dem jugendfriſchen Reiz der lebendi⸗ gen Schönheit überſtrahlt, von den ſchlanken hohen Frauen⸗ und Mädchengeſtalten mit dem ſchneeigen durchſichtigen Teint, den roſigen Wangen, den glänzenden blauen Augen und den üppigen goldigen Locken. Es war ein herrlich geſtaltenreiches Bild, ſoviel Schönheit und Aumuth, ſoviel Lebensfriſche und heiterer Frohſinn.. Der alternde König Guſtav Waſa empfand ſichtlich dieſen Eindruck des bewegten Bildes und lächelte ſtill vor ſich hin, die großen blauen Augen unabläſſig über das Gewühl ſchweifen laſſend. Er ſaß auf einem erhöhten Purpurſeſſel, an ſeiner Seite die Königin. Welch ein Bild! Wie die wilde Roſe ſich an den ſturmdurchſchüt⸗ telten, knorrigen, faſt entlaubten Eichbaum anklammert und den grauen Stamm mit kleinen blaſſen Röschen ſchmückt, ſo ſchmiegte ſich die Königin an ihren Gatten. Er, mit grauem Bart, ſpärlichen Silberlocken und dem tiefgefurchten noch immer ausdrucksvollen Antlitz, mit der hohen Denkerſtirn und dem willenskräftigen Kinn, die breite Bruſt, die hohe Geſtalt— und daneben eine zarte, ſchlanke, jugendfriſche Frau, mit dem kindlichen Blick eines Mädchens und dem ſanften roſigen Hauch der Jugend auf dem durchſichtig blaſſen Antlitz. Es war die dritte Ge⸗ mahlin Guſtav's, Katharina, des Grafen Steenbock Toch⸗ ter, wohl noch nicht viel über zwanzig Jahr hinaus. Eine ihrer Hände ruhte ſtets in der ihres Gemahls, und wenn
4 Ehrfurcht gebietend; denn dieſe hohen kräftigen Man⸗
Nora, die von ihren Schneebergen mit Guſtav Erikſon
ſie miteinander ſprachen, lächelte ſie kindlich zu ihm auf;


