wahrnehmen konnte, ließen ihn nicht daran zweifeln, daß V er ſchon zu ſpät kam, wenn er ſeine eigenen Anſprüche auf die Hand der Nichte geltend machen wollte; ein kaum merkliches bitteres Lächeln zuckte um ſeine Lippen, als er einen Blick auf die Fenſter des erſten Stocks warf, in wel⸗ chem, wie es ihm ſchien, ein Feſt gefeiert wurde, dann zog er haſtig die Schelle. Der Steuerempfänger, bekleidet mit ſeinem ziemlich altmodiſchen Hochzeitsfrack, öffnete ſelbſt die Thüre und fuhr überraſcht zurück, als der Einlaßbe⸗ gehrende ſeinen Namen naunte.„Wir hatten Sie nicht gerwartet, Herr Meyer,“ hob er endlich an, während er das ſammtne Hauskäppchen verlegen in den Händen drehte,— „heute nicht, doch heiße ich Sie willkommen in meinem beſcheidenen Hauſe, treten Sie ein.— Sie wiſſen doch, welches Feſt hier heute Abend gefeiert wird?“ fuhr er fort, nachdem er dem Kaufmanne in das Wohnzimmer gefolgt war.
Meyer wandte ſich kurz nach dem Fragenden um. „Nein,“ erwiderte er barſch,„wie ſollte ich dies auch wiſſen können? harre ich doch ſchon ſeit geraumer Zeit ver⸗ gebens auf Briefe von Ihnen oder meiner Nichte; mir ſcheint, daß man mich abſichtlich vergeſſen hat.“
Der Steuerempfänger zuckte die Achſeln.„Meine Schuld iſt es nicht,“ entgegnete er ausweichend,„ich ſtand in dem Glauben, Eleonore habe Ihnen vor wenigen Tagen noch geſchrieben.“
„Na, was geht denn hier vor?“ fragte Meyer.„Ihre ſilberne Hochzeit haben Sie ja längſt gefeiert, und zu einem anderen Feſte findet ſich bei Ihnen doch keine Gele⸗ genheit!“
„Es iſt das Verlobungsfeſt meiner Pflegetochter, Ihrer Nichte,“ erwiderte der Steuerempfänger etwas kleinlaut.
„Waaas?“ fiel der Kaufmann ihm in die Rede. „Höre ich recht? Eleonore iſt verlobt? Und mit wem, wenn ich fragen darf?“
voller Mann iſt, ſo wußten wir nichts gegen ihn einzu,
[VIII. Jahrg.
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„Mit einem Schriftſteller, der zugleich Redacteur eines bedeutenden Journals iſt,“ erwiderte Rolshauſen. „Er kam heute Morgen hier an, bat meine Frau und mich um unſere Fürſprache, und da er ein braver und talent⸗
wenden. Eleonore war, wie es uns ſchien, ſchon länger mit ihm bekannt, ſie gab ohne Zögern ihre Einwilligung, und auf Wunſch des jungen Paares feiern wir heute Abend die Verlobung.“
„Das iſt raſch gegangen!“ verſetzte Meyer ironiſch, „indeß will ich den jungen Leuten nichts in den Weg legen, obſchon ich als Vormund meiner Nichte immerhin noch ein Wörtchen mitzureden habe, wenn die Verhältniſſe des Bräutigams derart ſind, daß man nicht nöthig hat, für die Zukunft des jungen Paares Beſorgniſſe zu hegen. Bringen Sie die Beiden einmal hierher.“
Der Steuerempfänger, froh, dem Examen entronnen zu ſein, verließ das Zimmer, und bald darauf traten Eleo⸗ nore und Gottfried ein. Der Kaufmann muſterte die Beiden, die, wie es ſchien, auf ſeinen Beſuch vorbereitet waren, eine geraume Weile mit Blicken, in denen ſich deut⸗ lich ſein Unmuth ſpiegelte.„Sie haben alſo den Sieg über mich davon getragen,“ nahm er endlich zu Gottfried gewendet das Wort.„Daß Ihnen dieſer ſo leicht wurde, b
rechtfertigt meine Behauptung, welcher Sie ſo entſchieden entgegentraten, doß Sie mit Eleonore im Complot gegen mich waren.“ 8
„Dieſe Behauptung iſt ungerecht,“ nahm Eleonore für den Geliebten das Wort.„Ich hatte Gottfried vor einem Vierteljahre, als er in Ihre Dienſte trat, erſt ein⸗ mal geſehen und war damals weit entfernt, zu ahnen, daß er einſt mein Gatte werden würde. Ein Brief, den er an mich ſchrieb, in welchem er ſich einer unzarten Aeußerung wegen, die er mir gegenüber fallen ließ, entſchuldigte, ließ mich einen tiefen Blick in ſein Herz und ſeinen Charakter werfen; je öfter ich die Zeilen las, deſto höher ſtieg der
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mit denſelben unbarmherzig auf die nackten Wilden los. Mehrere von dieſen wurden getödtet, die ganze Maſſe vertheilte ſich und floh nach mehreren Richtungen hin. Der Schwarze fürchtet die Flinte nicht ſo ſehr wie jene Stockpeitſche, und der mit ihr be⸗ waffnete Squatter zu Pferd jagt ihm Schrecken ein.
Darchy übergab am rechten Ufer des Murray dem Käufer die Ochſen, bekam für jedes Haupt fünf Pfund zehn Schillinge und hatte ſomit ungefähr viertauſend Pfund Sterling Nutzen. Dann ging er nach Adelaide, die übrigen Leute fanden Beſchäfti⸗ gung auf den Stationen der Umgegend, und Leuba ritt auf dem Wege nach Melbourne zu, um wieder nach Yering zu gelangen. Das war eine gefährliche und beſchwerliche Reiſe. Unterwegs ver⸗ lor er ſein Pferd, das in einem Moraſte verſank, ging ſpäter von einer Station zur andern, fand oftmals tagelang keine ſolche, mußte unter freiem Himmel ſchlafen, Hunger und Durſt leiden,
und kam endlich wieder in weniger dünnbewohnte Gegenden. 6.
Zur Länder⸗ und Völkerkunde.
Die japaneſiſchen geſandten.
Ueber dieſe in der letzten Zeit ſo viel genannten Aſiaten, die ſich jetzt noch in London befinden, die wir aber in kurzer Zeit auch in Deutſchland ſehen werden, ſpricht ſich der franzöſiſche Moni⸗ teur in folgender Art aus: 7
Nan kann ſagen, daß es hinreichend iſt, einen Japaneſen geſehen zu haben, um Japan— wenigſtens vom Geſichtspunkte der Kleidung— zu kennen. Die Stoffe derſelben können, nach
dem Vermögen deſſen, der ſie trägt, mehr oder weniger ſtark, mehr oder weniger ſchön ſein, doch der Zuſchnitt derſelben iſt ein und der nämliche. Die Kleidung beſteht aus vier Hauptkleidungs⸗ ſtücken: zuerſt ein vorn offenſtehendes Hemd, das auf der Bruſt übereinandergelegt iſt, ohne in irgend einer Art befeſtigt zu ſein; dann ein langes Oberkleid mit Aermeln von Stoff, das bis auf die Erde hinabreicht und vorn mit zwei Bändern ver⸗
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Nach dieſem Oberkleide zieht man eine Art Beinkleider von
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einer ganz originellen Art an; ſie ſind an den Seiten drei Viertel ihrer Länge aufgeſchlitzt und jede ihrer vorderen oder hinteren Hälfte, die man nach Belieben als obern oder untern Theil be⸗ nutzen kann, endigt in einem Gürtel, der zwei⸗ bis dreimal um die Taille herumreicht. Wenn man die Beinkleider anzieht, ſo hebt man den vorderen Theil in die Höhe und befeſtigt ihn von hinten und vice versa, und die Gürtel dienen dazu das Kleidungsſtück jeder von einer Seite zu befeſtigen. Das letzte ſehr weite Klei⸗ dungsſtück bildet eine Art von Jacke mit weiten Aermeln; auf dieſem letzteren Theile ihres Anzuges befinden ſich geſtickt oder ge⸗ druckt die Wappen jeder Perſönlichkeit. 4 Es muß noch etwas von der Fußbekleidung und dem Kopf⸗ putz geſagt werden. Die Hüte ſind hinſichtlich der Form wenig verſchieden; ſie ſind beinah platt und endigen ſich in der Mitte mit einer nicht ſehr hohen Spitze. 3 Halbſtiefeln von Stoff, welche die große anderen Zehen iſolirt laſſen; die Sohlen ſind von Stroh; man hat daran eine do ſchen der großen und Ferſe vereinigt.
Die Fußbekleidung beſteht aus Zehe von den vier
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ppelte Schnur befeſtigt, die von dem Raum zwi⸗ der folgenden Zehe ausgeht und ſich an der
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3 ʒd Stä bchen ſtets ſeht und das ¹
Liebe für


